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Mitma­chen lohnt sich

HORIZON -das neue EU-Forschungsrahmenprogramm
Mitma­chen lohnt sich

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Ende 2013 läuft das derzei­tige EU-Forschungsrahmenprogramm aus. Für die Lauf­zeit von 2014 bis 2020 wird es von dem Nach­fol­ge­pro­gramm HORIZON 2020 abge­löst werden. Es geht alles in allem um rund 80 Milli­ar­den Euro. Auf jeden Fall lohnt sich eine Betei­li­gung natür­lich für wissen­schaft­lich tätige Einrich­tun­gen aber auch für Unter­neh­men, ob große und größere oder kleine und mitt­lere (KMU). Die Betei­li­gungs­re­geln für HORIZON 2020 sind in wesent­li­chen Punk­ten verein­facht worden.

Peter H. Nieder­elz

Die EU ist eine Erfolgs­ge­schichte. Sie ist heute der mit Abstand größte Wirt­schafts­raum der Welt noch vor den USA. In ihr herrscht seit 68 Jahren Frie­den, und sie ist um Stabi­li­tät und soziale Gerech­tig­keit bemüht. Mit der Aufnahme Kroa­ti­ens am 01. Juli 2013 gehö­ren ihr 507 Millio­nen Menschen an.
Intel­li­gente, zukunfts­ori­en­tierte Inves­ti­tio­nen in Forschung und Inno­va­tion sind das Funda­ment, um unse­ren hohen Lebens­stan­dard zu erhal­ten und zu festi­gen und gleich­zei­tig drän­gende gesell­schaft­li­che Heraus­for­de­run­gen wie den demo­gra­phi­schen Wandel, Ener­gie­ver­sor­gung, Mobi­li­tät, Klima­wan­del und Gesund­heit zu bewäl­ti­gen. In engem Zusam­men­hang mit der Stra­te­gie 2020 steht der neue Begriff „Inno­va­ti­ons­union“.
Die EU ist in vielen Tech­no­lo­gien welt­weit führend, sieht sich jedoch der wach­sen­den Konkur­renz sowohl durch die tradi­tio­nel­len Wirt­schafts­mächte als auch durch die Schwel­len­län­der ausge­setzt.
Die EU hat das Ziel, ihre wissen­schaft­li­chen und tech­no­lo­gi­schen Grund­la­gen so zu stär­ken, dass ein euro­päi­scher Raum für Forschung und Entwick­lung geschaf­fen wird, um auch dadurch ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit einschließ­lich der ihrer Indus­trie zu fördern, damit Arbeits­plätze erhal­ten und geschaf­fen werden können.
Heraus­ra­gende Themen
In Europa, aber auch welt­weit steigt der Bedarf an Produk­ten und Dienst­leis­tun­gen in folgen­den Berei­chen:
  • Gesund­heit, demo­gra­phi­scher Wandel und Wohl­erge­hen: Ziel ist die Verbes­se­rung der lebens­lan­gen Gesund­heit und dem Wohl­erge­hen aller.
  • Ernährungs- und Lebens­mit­tel­si­cher­heit, nach­hal­tige Land­wirt­schaft, marine und mari­time Forschung und Biowirt­schaft: Ziel ist hier die Sicher­stel­lung der Versor­gung mit gesun­den Nahrungs­mit­tel in Europa und nach Möglich­keit welt­weit.
  • sichere, saubere und effi­zi­ente Ener­gie: Ziel ist die Schaf­fung eines zuver­läs­si­gen, nach­hal­ti­gen und wett­be­werbs­fä­hi­gen Ener­gie­ver­sor­gungs­sys­tems ange­sichts der immer größe­ren Ressour­cen­knapp­heit, des stei­gen­den Ener­gie­be­darfs und des Klima­wan­dels.
  • intel­li­gen­ter, umwelt­freund­li­cher und inte­grier­ter Verkehr: Ziel ist ein ressour­cen­scho­nen­des, umwelt­freund­li­ches, siche­res und naht­lo­ses euro­päi­sches Verkehrs­sys­tem zum Nutzen der Bürger, der Wirt­schaft und der Gesell­schaft.
  • Klima­schutz, Ressour­cen­ef­fi­zi­enz und Rohstoffe: Ziel ist die Verwirk­li­chung einer Wirt­schaft, die die Ressour­cen schont, gegen den Klima­wan­del gewapp­net ist und eine nach­hal­tige Versor­gung mit Rohstof­fen gewähr­leis­tet.
  • inte­gra­tive und sichere Gesell­schaft: Ziel ist die Förde­rung inte­gra­ti­ver, inno­va­ti­ver und siche­rer euro­päi­scher Gesell­schaf­ten vor dem Hinter­grund eines beispiel­lo­sen Wandels z.B. durch Zu- und Abwan­de­rung und globa­ler Inter­de­pen­den­zen.
  • Biotech­no­lo­gie: Geför­dert werden wett­be­werbs­fä­hige, nach­hal­tige und inno­va­tive Indus­trie­pro­dukte und Verfah­ren mit deren Beitrag als Inno­va­ti­ons­mo­tor für andere euro­päi­sche Sekto­ren wie Land­wirt­schaft, Lebens­mit­tel, Chemie und Gesund­heit.
  • Nano­tech­no­lo­gie: Ziel ist die Siche­rung der Führungs­rolle der EU auf diesem durch hohe Wachs­tums­ra­ten gekenn­zeich­ne­ten Welt­markt (Volu­men 2020: geschätzte 2 Billio­nen Euro und bis zu 6 Millio­nen Arbeits­plätze)
  • fort­ge­schrit­tene Werk­stoffe: Werk­stoffe mit neuen Funk­tio­na­li­tä­ten und verbes­ser­ter Leis­tung sollen neue wett­be­werbs­fä­hige Produkte mit möglichst gerin­gen schäd­li­chen Umwelt­aus­wir­kun­gen und gerin­gem Ressour­cen­ver­brauch hervor­brin­gen
  • -Welt­raum­tech­no­lo­gie: Beab­sich­tigt ist die Förde­rung einer wett­be­werbs­fä­hi­gen und inno­va­ti­ven Raum­fahrt­in­dus­trie und Raum­fahrt­for­schungs­ge­mein­schaft.
  • Informations- und Kommu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie (IKT): Entspre­chend der Digi­ta­len Agenda für Europa sollen alle Möglich­kei­ten aus dem IKT-Fortschritt zum Nutzen von Bürgern, Unter­neh­men und Wissen­schaft ausge­schöpft werden.
Auf diesen Themen­fel­dern lassen sich zukunfts­träch­tige Schlüs­sel­tech­no­lo­gien (weiter-) entwi­ckeln. Für Antrag­stel­ler ist es sehr wich­tig, dass ihre Ther­men in diesen Rahmen passen.
Struk­tur des Programms
Eine gute Über­sicht über die Programm­struk­tur von HORIZON 2020 hat die Koope­ra­ti­ons­stelle EU der Wissen­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen (KOWI) erstellt.
Sie glie­dert sich in vier Teile:
I Exzel­lente Wissen­schaft ( Mittel : 24 Milli­ar­den Euro)
II Indus­tri­elle Führung ( Mittel : 18 Milli­ar­den Euro)
III Gesell­schaft­li­che Heraus­for­de­run­gen (Mittel: 32 Milli­ar­den Euro)
IV Nicht–nukleare direkte Aktio­nen der Gemein­sa­men Forschungs­stelle (Joint Rese­arch Centre, JRC) (Mittel: 6 Milli­ar­den Euro)
Die Mittel­auf­tei­lung kann im Moment nur als vorläu­fig betrach­tet werden, da die Haus­halts­be­ra­tun­gen noch andau­ern.
Für Antrag­stel­ler aus dem Leser­kreis von „Sicher­heits­in­ge­nieur“, die Förder­mit­tel bean­tra­gen möch­ten, sind die Berei­che II und III am wich­tigs­ten.
Wer kann sich betei­li­gen?
Wie bei den Vorläu­fer­pro­gram­men ist für eine aussichts­rei­che Bean­tra­gung die Zusam­men­ar­beit von mindes­tens drei Part­nern aus drei EU-Mitgliedsländern oder aus mit der EU asso­zi­ier­ten Ländern in soge­nann­ten Verbund­for­schungs­pro­jek­ten erfor­der­lich. Die Erfah­rung lehrt, dass es besser ist, wenn es mehr sind.
Jetzt kommt es darauf an, seine inter­na­tio­na­len Kontakte zu nutzen und dahin­ge­hend zu über­prü­fen, ob sich in deren Rahmen Koope­ra­tio­nen bilden lassen. Ist dies der Fall, wäre der nächste Schritt die Erar­bei­tung einer Projekt­skizze , mit deren Hilfe schon einmal „vorge­fühlt“ werden kann, ob Aussicht auf Erfolg besteht.
Dann gilt es, die einzel­nen Programm­aus­schrei­bun­gen abzu­war­ten, die ab Anfang 2014 veröf­fent­licht werden und sich möglichst genau an deren Vorga­ben zu halten. Sie sind, wie alle Doku­mente, leicht online zu finden. Einzel­för­de­run­gen sind auch möglich, aber nur in den Programm­be­rei­chen „Inno­va­tion in SME“ (Beson­de­res Förder­instru­ment für KMU), bei Betei­li­gun­gen an Aktio­nen des Euro­päi­schen Forschungs­ra­tes (Euro­pean Rese­arch Coun­cil, ERC) und bei Marie Curie Actions (in erster Linie Stipen­dien).
Bei der Verbund­for­schung legen die Entschei­der der Kommis­sion Wert darauf, dass dauer­hafte Verbünde über längere Zeit zusam­men­ar­bei­ten. Unter den Part­nern über­nimmt einer die Koor­di­na­tion und bekommt dafür beson­dere Mittel. Diese Rolle ist am ehes­ten für Wissen­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen mit entspre­chen­der Infra­struk­tur geeig­net.
Eine Verein­fa­chung gegen­über dem Vorläu­fer­pro­gramm betrifft die Förder­quo­ten. Die Stan­dard­op­tion sieht eine einheit­li­che maxi­male Förder­quote von 100% der gesam­ten erstat­tungs­fä­hi­gen Kosten je Projekt vor. Projekte mit über­wie­gend markt­na­hen Akti­vi­tä­ten (z.B. Demons­tra­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten) sollen mit max. 70 % der Kosten geför­dert werden.
Diese Förder­quote gilt auch für Maßnah­men zur Kofi­nan­zie­rung von inter­na­tio­na­len, inter­sek­to­ra­len und inter­dis­zi­pli­nier­ten Förder­pro­gram­men, die nicht von der EU imple­men­tiert werden.
Die Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten werden gegen­über dem Vorläu­fer­pro­gramm verein­facht, so dass eine Betei­li­gung erleich­tert ist. So hoch sind die Hürden ohne­hin nicht. Ich kenne Antrag­stel­ler mit einer Erfolgs­quote von 90 Prozent.
Hilfen bei der Antrag­stel­lung
Die Erfah­rung lehrt, dass der direkte Kontakt mit den EU-Dienststellen und die genaue Beach­tung der Vorga­ben in den Programm­aus­schrei­bun­gen am ziel­füh­rends­ten sind.
Abzu­ra­ten ist von der Suche nach Unter­stüt­zung bei priva­ten Bera­tungs­an­bie­tern, die mit hohem Aufwand und Kosten zunächst mit allen Anga­ben gefüt­tert werden müssen, und die dann nichts bewir­ken. Direkt bei der EU-Kommission finden sich alle Anga­ben unter http://ec.europa.eu/horizon2020. Unter den natio­na­len Stel­len in Deutsch­land ist an erster Stelle das Bundes­mi­nis­te­rium für Bildung und Forschung (www.bmbf.bund.de) mit seiner Natio­na­len Kontakt­stelle für das Euro­päi­sche Forschungs­rah­men­pro­gramm (NKS) (www.forschungsrahmenprogramm.de) zu nennen. Weiter­hin gibt es auch noch das Enter­prise Europe Network (EEN) www.een.de.
Auch die Bundes­län­der bieten jeweils Unter­stüt­zung an, wobei die Frage ist, ob so viel teurer Föde­ra­lis­mus im Internet-Zeitalter effi­zi­ent ist.
Wenn Sie gute Ideen und Initia­ti­ven haben, versu­chen Sie es doch einfach. Es würde mich sehr freuen, wenn das eine oder andere Unter­neh­men oder die eine oder andere Hoch­schule aus dem Leser­kreis dieser Zeit­schrift sich erfolg­reich bewirbt.
Autor
Peter H. Nieder­elz Minis­te­ri­al­rat
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