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Archiv SI Prävention Sicherheitsingenieur

Nahe­lie­gend, greif­bar und finan­zier­bar“

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Wir hatten Gele­gen­heit, mit zwei Akteu­ren des Netz­werks zu spre­chen. Den Geschäfts­füh­rer der IHK Pfalz in Ludwigs­ha­fen Jürgen Vogel und Dr. Volker Witt­ne­ben von der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (DGUV).

Herr Dr. Witt­ne­ben, als Präven­ti­ons­ex­perte können Sie viel­leicht etwas über die Verkehrs­psy­cho­lo­gie des Verkehrs­ver­hal­tens erzäh­len.
Witt­ne­ben: Die Verkehr­psy­cho­lo­gen sind sich einig, dass wir neben den tech­ni­schen Maßnah­men insbe­son­dere am Verhal­ten der Menschen im Straßen-verkehr anset­zen müssen. Wich­tige Fakto­ren sind dabei beispiels­weise die Vermei­dung von Zeit­druck sowie die Stär­kung von Risi­ko­wahr­neh­mung, Aufmerk­sam­keit und Rück­sicht­nahme.
Herr Vogel, welche Erfolgs­kri­te­rien sehen Sie, wenn es um die Verbes­se­rung der Sicher­heit auf den Stra­ßen geht?
Vogel: Die Maßnah­men soll­ten nahe­lie­gend, greif­bar und finan­zier­bar sein. Bei der Entschär­fung von Gefah­ren­stel­len haben wir immer so realis­tisch wie möglich über kleine Maßnah­men nach­ge­dacht: Hier eine verbes­serte Markie­rung für den Radweg, dort eine Hecke, die gestutzt wurde, um die Sicht­achse zu verbes­sern.
Wie ist es ihnen gelun­gen, die Kommu­nen von Ände­rungs­vor­schlä­gen zu über­zeu­gen?
Vogel: Selbst­ver­ständ­lich sind wir nicht wie John Wayne mit gezück­ter Pistole in die Gesprä­che gegan­gen. Viel­mehr haben wir den part­ner­schaft­li­chen Dialog mit den Verant­wort­li­chen gesucht.
Herr Dr. Witt­ne­ben, im Rahmen der Initia­tive haben Sie eine gemein­same Plakat­ak­tion durch­ge­führt. Viel­leicht können sie etwas zur Entste­hung der Motive erzäh­len und über die Plaka­tie­rung im öffent­li­chen Raum.
Witt­ne­ben: Die seit 2010 jedes Jahr durch­ge­führte Plakat­ak­tion ist ein beson­de­rer Bestand­teil der Initia­tive. Mitt­ler­weile werden in der Metro­pol­re­gion Rhein- Neckar über 700 Plakate an ausge­wähl­ten Stand­or­ten für jeweils zwei Wochen aufge­stellt. Bei den Moti­ven grei­fen wir die Schwer­punkte der Unfall­ana­ly­sen auf und kombi­nie­ren sie mit einem charak­te­ris­ti­schen Verkehrs­mit­tel und einer jahres­zeit­li­chen Situa­tion. So entstan­den in einem klei­nen Arbeits­kreis Motive, die z.B. für mehr Aufmerk­sam­keit im Stra­ßen­ver­kehr, den Gefah­ren bei der Verwen­dung von Mobil­te­le­fo­nen während der Fahrt oder zum rich­ti­gen Verhal­ten bei Glätte und Dunkel­heit sensi­bi­li­sier­ten.
Und welcher Aufwand entsteht dabei für die Unter­neh­men und kann man die Plakate auch noch anders einset­zen?
Witt­ne­ben: Die Aufstel­lungs­orte werden von den teil­neh­men­den Firmen aufgrund der Rück­mel­dun­gen ihre Beschäf­tig­ten direkt mit einem Plaka­tie­rer selbst fest­ge­legt. Die Unter­neh­men tragen dann auch nur die Kosten der von ihnen bestell­ten Plakate. Ergänzt wird das Ange­bot durch Hinter­grund­in­for­ma­tio­nen zu den einzel­nen Moti­ven, sodass die Plakate auch inner­be­trieb­lich für Gesprä­che mit den Beschäf­tig­ten einge­setzt werden können.
Ein weite­rer Baustein ihres Sicher­heits­kon­zepts sind Verkehrs­si­cher­heits­tage. Welche Erfolgs­fak­to­ren gilt es in der Praxis zu beach­ten?
Witt­ne­ben: Verkehrs­si­cher­heits­tage werden in den Unter­neh­men für ihre Beschäf­tig­ten oder auch für deren Fami­lien orga­ni­siert. Dabei soll die prak­ti­sche Selbst­er­fah­rung im Vorder­grund stehen. Keine theo­re­ti­sche Infor­ma­tion ist so über­zeu­gend wie die Benut­zung eines Kipp­si­mu­la­tors oder des Gurt­schlit­tens, wenn es um die Verwen­dung von Rück­hal­te­sys­te­men, also z.B. Sicher­heits­gur­ten in Fahr­zeu­gen geht.
Welche Effekte können Sie durch Ihre gemein­sa­men Akti­vi­tä­ten beob­ach­ten? Lassen sich diese quan­ti­fi­zie­ren?
Vogel: Der Erfolg zeigt sich nicht flüs­sig und direkt – wir können nur vermu­ten, dass sich die Sicher­heit verbes­sert hat. Aber: Wenn wir nur ein paar Unfälle verhin­dern, waren unsere Bestre­bun­gen erfolg­reich.
Vielen Dank für das Gespräch.
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