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Neue Gestal­tungs­frei­heit als Chance nutzen

Qualitätskriterien für Gefährdungsbeurteilungen Teil 1
Neue Gestal­tungs­frei­heit als Chance nutzen

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Die Beur­tei­lung der Arbeits­be­din­gun­gen, die „Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung“, gewinnt an Bedeu­tung. Mit der Dere­gu­lie­rung im Arbeits­schutz­recht hat der Unter­neh­mer erheb­lich mehr Gestal­tungs­ver­ant­wor­tung bekom­men. Statt wie früher in der Vorschrift konkrete Gestal­tungs­hin­weise zu erhal­ten, hat der Unter­neh­mer heute selbst die Aufgabe, die konkre­ten Krite­rien für seinen Betrieb fest­zu­le­gen. Dabei hat er erwei­terte Hand­lungs­mög­lich­kei­ten – aber gleich­zei­tig auch eine erheb­lich erwei­terte Verant­wor­tung für fach­li­che Details. Was aber sind die Quali­täts­kri­te­rien für Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen? Die Diskus­sion darüber beginnt gerade erst.

Die Unsi­cher­heit bei vor allem mittel­stän­di­schen, klei­nen und kleins­ten Unter­neh­men wächst: Wie sollen sie ihre Arbeit gestal­ten, wenn konkrete Hilfe­stel­lun­gen in den Vorschrif­ten, die oft nur noch Schutz­ziele formu­lie­ren, fehlen? Umso wich­ti­ger erscheint es uns, gute Chan­cen aufzu­zei­gen, die das Instru­ment der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung bietet, um die neue Gestal­tungs­frei­heit als prak­ti­schen Gewinn für das Unter­neh­men zu nutzen. Hier­für wollen wir posi­tive Erfah­run­gen¹ im Einsatz der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen in mittel­stän­di­schen Unter­neh­men aufar­bei­ten und daraus praxis- und unter­neh­mens­be­zo­gene Krite­rien für erfolg­reich anwend­bare Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen ablei­ten.
Quali­täts­kri­te­rien für Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen
Um Krite­rien für die Quali­tät einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung zu entwi­ckeln, ist unse­rer Ansicht nach folgen­des unab­ding­bar: Eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung muss die fach­li­chen Krite­rien erfül­len, die aus Exper­ten­sicht an sie zu stel­len sind (wie zum Beispiel in der „Leit­li­nie Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und Doku­men­ta­tion“ der Gemein­sa­men Deut­schen Arbeits­schutz­stra­te­gie² (GDA) beschrie­ben). Dies alleine reicht jedoch nicht aus, weil es vor allem in klei­nen und mittel­stän­di­schen Unter­neh­men nicht immer in erster Linie die Exper­ten sind, die die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung durch­füh­ren, sondern Unter­neh­mer, Führungs­kräfte und auch Beschäf­tigte. In deren Alltags­ent­schei­dun­gen sollte die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung inte­griert werden. Die Exper­ten können bei Bedarf bera­ten und helfen, aber die Betei­lig­ten selbst soll­ten den Arbeits­schutz zu ihrer Sache machen. Nur so kann er in diesen Unter­neh­men tatsäch­lich nach­hal­tig in die Prozesse inte­griert werden (wie zum Beispiel Ange­bot, Vertrag, Planung, Arbeits­vor­be­rei­tung, Information/Kommunikation).
Die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung muss von den Unter­neh­men als praxis­be­zo­ge­nes und nütz­li­ches Werk­zeug des betrieb­li­chen Handelns ange­nom­men werden. Unter­neh­mer, Führungs­kräfte und Beschäf­tigte sollen den Nutzen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung für ihr Handeln erken­nen können. Das Argu­ment „Es ist vorge­schrie­ben, Du musst es deswe­gen machen“ ist alleine nicht über­zeu­gend. Deshalb soll­ten wir Arbeits­schüt­zer unsere Hand­lungs­hil­fen zur Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung so gestal­ten, dass unsere Ziel­grup­pen in den Unter­neh­men diesen Nutzen erken­nen. Und auch hier gilt: Nur so kann die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach­hal­tig auf Akzep­tanz stoßen – und das ohne das „Droh-Argument“ der Vorschrif­ten­lage.
Damit wird für uns die Akzep­tanz der Ziel­gruppe (des Unter­neh­mens) in der Quali­täts­de­batte um die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ein entschei­den­der zusätz­li­cher Aspekt. Auch die Berück­sich­ti­gung der (Nutzen)Erwartung der Ziel­gruppe (des Unter­neh­mens) an das Instru­ment Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung gehört zu den Quali­täts­kri­te­rien für eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung. Wenn wir als Arbeits­schüt­zer vom Unter­neh­men Initia­tive und Eigen­ver­ant­wor­tung erwar­ten, können wir auf dieses Quali­täts­kri­te­rium gar nicht verzich­ten.
Bei diesem Quali­täts­ver­ständ­nis stüt­zen wir uns auf eine Defi­ni­tion von Quali­tät, die als „die Beschaf­fen­heit einer Einheit bezüg­lich ihrer Eignung, die Quali­täts­for­de­run­gen zu erfül­len“ beschrie­ben wird.³ Daraus ergibt sich
  • der praxis- und unter­neh­mens­be­zo­gene (kunden­be­zo­gene) Quali­täts­be­griff: Dieser beschreibt den Quali­täts­aspekt, welche Eigen­schaf­ten über­haupt gefor­dert werden – „Was erwar­tet mein Gegen­über von mir?“.
  • der produkt-/leistungsbezogene Quali­täts­be­griff: Dieser beschreibt den Quali­täts­aspekt, wie diese Eigen­schaf­ten erfüllt werden – „Welche harten Fakten müssen erfüllt sein?“.
Erst aus beiden Quali­täts­aspek­ten erge­ben sich voll­stän­dige Quali­täts­vor­stel­lun­gen von allen Betei­lig­ten. Für die Quali­tät der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sind somit sowohl die Quali­täts­vor­stel­lun­gen der Unter­neh­mer und Beschäf­tig­ten als auch die der Arbeits­schüt­zer (als „Exper­ten für Gefähr­dun­gen“) von grund­le­gen­der Bedeu­tung (s. Abb. 1).
Die Akteure im Unter­neh­men erwar­ten, dass die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung beim Gestal­ten eines wirt­schaft­li­chen und risi­ko­ar­men (Unter­neh­mer, Führungs­kräfte) sowie siche­ren und gesun­den (Beschäf­tigte) Wert­schöp­fungs­pro­zes­ses genutzt werden kann. Sie haben auch den Anspruch an die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, dass sie sich einfach in das alltäg­li­che Handeln inte­grie­ren lässt, betrieb­li­che Prozesse besser macht und keinen großen zusätz­li­chen inhalt­li­chen und zeit­li­chen Aufwand erfor­dert. Gleich­zei­tig sollte die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung „rechts­si­cher“ sein.
Diese Erwar­tun­gen des Unter­neh­mens sind entschei­dende Bedin­gun­gen für die Akzep­tanz von Hand­lungs­an­lei­tun­gen und Mustern für Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen sowie die Bera­tung durch die Exper­ten. Das bedeu­tet, dass die Quali­tät einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung immer auch davon abhängt, in wieweit sie als betrieb­li­ches Werk­zeug von Unter­neh­mern und Beschäf­tig­ten akzep­tiert und einge­setzt wird.
Dieser Aspekt, dass die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung auch von den Unter­neh­men akzep­tiert werden muss, um Quali­tät zu besit­zen, wird in der Arbeitsschutz-Diskussion über Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen oft nicht berück­sich­tigt. Gleich­zei­tig wird aber die fehlende Akzep­tanz von Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen in den Unter­neh­men, vor allem in den klei­nen und mittel­stän­di­schen Unter­neh­men, immer wieder ausdrück­lich fest­ge­stellt.
Um es noch einmal aus Arbeitsschutz-Perspektive zu wieder­ho­len: Erst beide Quali­täts­aspekte zusam­men bestimm­ten die Quali­tät der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung.
Quali­täts­aspekte der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung aus Sicht des Arbeits­schut­zes
Der produkt-/leistungsbezogene Quali­täts­be­griff ergibt sich aus Sicht des Arbeits­schut­zes unter ande­rem aus der „Leit­li­nie Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und Doku­men­ta­tion“ der GDA. In dieser Leit­li­nie sind eindeu­tig die leis­tungs­be­zo­ge­nen Krite­rien für Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen beschrie­ben. Demnach wird von den Unter­neh­men erwar­tet, dass die betrieb­li­che Gefähr­dungs­si­tua­tion zutref­fend bewer­tet wird. Dabei geht es darum, die wesent­li­chen Gefähr­dun­gen der wesent­li­chen Arbeits­plätze bzw. Tätig­kei­ten zu ermit­tel und beur­tei­len, beson­dere Perso­nen­grup­pen zu berück­sich­ti­gen, geeig­nete und ausrei­chende Maßnah­men zu ergrei­fen und Wirk­sam­keits­kon­trol­len durch­zu­füh­ren. Dazu werden „Gefähr­dungs­fak­to­ren“ aus der Sicht von Arbeits­schutz­fach­leu­ten defi­niert, die es zu analy­sie­ren und zu beur­tei­len gilt.
Praxis- und unter­neh­mens­be­zo­gene Quali­täts­kri­te­rien für Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen
Der praxis- und unter­neh­mens­be­zo­gene Quali­täts­be­griff (Kunden­be­zug) wird dage­gen nicht durch die „Leit­li­nie Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und Doku­men­ta­tion“ defi­niert. Er wird für den Arbeits­schutz durch die oben formu­lier­ten Erwar­tun­gen des Unter­neh­mers und der Beschäf­tig­ten bestimmt: Beitrag zu einem wirt­schaft­li­chen, risi­ko­ar­men, siche­ren und gesun­den Wert­schöp­fungs­pro­zess sowie einfa­che Inte­gra­tion in alltäg­li­ches Handeln.
Um die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung zu dem quali­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Instru­ment zu machen, dem das Arbeits­schutz­ge­setz seit mehr als 10 Jahren die zentrale Bedeu­tung im Arbeits­schutz zuweist, besteht die Aufgabe der Arbeits­schutz­ex­per­ten eben auch darin, die Akzep­tanz der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung beim „Kunden“ nach­hal­tig zu erhö­hen. Was das bedeu­tet, wollen wir im Folgen­den disku­tie­ren. Aus unse­ren posi­ti­ven Erfah­run­gen mit der Akzep­tanz von praxis- und unter­neh­mens­be­zo­gen aufbe­rei­te­ten Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen haben wir die folgen­den praxis- und unter­neh­mens­be­zo­gen Quali­täts­kri­te­rien für Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen zusam­men­ge­fasst:
  • 1. Exper­ten­wis­sen in Unter­neh­mer­ver­ständ­nis über­set­zen
  • 2. Wert­schöp­fungs­ori­en­tie­rung (Prozess­ori­en­tie­rung) der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung
  • 3. Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung als Instru­ment der Verbes­se­rung
  • 4. Unter­neh­mer können das Instru­ment Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung selbst einset­zen
  • 1. Praxis- und unter­neh­mens­be­zo­ge­nes Quali­täts­kri­te­rium: Exper­ten­wis­sen in Unter­neh­mer­ver­ständ­nis über­set­zen
Viele Hand­lungs­an­lei­tun­gen und Muster für Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen bieten den Unter­neh­men eine Fülle von Gefähr­dungs­fak­to­ren zu einzel­nen Arbeits­mit­teln, Arbeits­stof­fen und Tätig­kei­ten an. Viel­fach unter­las­sen sie es jedoch leider, diese (gute und wert­volle) Exper­ten­sys­te­ma­tik in die Syste­ma­tik, Denk­mus­ter und Hand­lungs­struk­tu­ren der jewei­li­gen betrieb­li­chen Welt zu über­set­zen. Unter­neh­mer und Führungs­kräfte – vor allem von klei­ne­ren Betrie­ben – haben wenig Zeit und Ressour­cen, um ihre Abläufe jeweils nach einzel­nen – aus ihrer Sicht eher abstrak­ten – Gefähr­dungs­fak­to­ren zu analy­sie­ren (zum Beispiel nach mecha­ni­schen Gefähr­dun­gen, elek­tri­schen Gefähr­dun­gen, chemi­schen Gefähr­dun­gen, biolo­gi­schen Gefähr­dun­gen, physi­ka­li­schen Gefähr­dun­gen, Belas­tun­gen aus Wahr­neh­mung und Hand­hab­bar­keit oder nach psycho­men­ta­len Fehl­be­las­tun­gen). Die Arbeits­schüt­zer selbst benö­ti­gen diese Exper­ten­sys­te­ma­tik, um Indi­ka­to­ren und Krite­rien zu besit­zen, nach denen sie die Arbeits­be­din­gun­gen analy­sie­ren können.
Es kann jedoch nicht die Aufgabe des Unter­neh­mers sein, sich in die Syste­ma­tik von Exper­ten einzu­ar­bei­ten und die Über­tra­gung der Exper­ten­sys­te­ma­tik in die betrieb­li­che Reali­tät selbst voll­zie­hen zu müssen. Ein Unter­neh­mer – vor allem eines klei­nen oder mittel­stän­di­schen Unter­neh­mens – kann erwar­ten, dass ihm diese Exper­ten­sicht und dieses komplexe Analy­se­instru­men­ta­rium in seine Denk- und Hand­lungs­mus­ter über­setzt werden, ohne dabei an Gehalt oder Bedeu­tung zu verlie­ren. Diese Über­set­zungs­ar­beit ist eine origi­näre Aufgabe der Fach­ex­per­ten im Arbeits­schutz.
Wenn die Durch­füh­rung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung durch einen Wust von Fach­ter­mi­no­lo­gie ver- oder behin­dert wird, werden wir die Chance, die der Arbeits­schutz mit diesem Instru­ment besitzt, nicht nutzen. Dann verharrt der Arbeits­schutz in einer Paragraphen- und Experten-Welt, die es ihm schon oft schwer gemacht hat, Akzep­tanz zu finden.
Arbeits­schüt­zer soll­ten Hand­lungs­an­lei­tun­gen für die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung so aufbe­rei­ten, dass der Unter­neh­mer seine Arbeits- und Orga­ni­sa­ti­ons­pro­zesse direkt wieder erkennt. Für Unter­neh­mer kann dann die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ein nütz­li­cher Baustein seiner stra­te­gi­schen und prak­ti­schen Selbst­be­wer­tung werden. Die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sollte ihm gleich­zei­tig bewährte Maßnah­men zur jewei­li­gen Frage­stel­lung anbie­ten. Im konkre­ten Fall sind diese Maßnah­men dann auf die jewei­lige betrieb­li­che Situa­tion anzu­pas­sen.
2. Praxis- und unter­neh­mens­be­zo­ge­nes Quali­täts­kri­te­rium: Wert­schöp­fungs­ori­en­tie­rung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung
Als wesent­li­cher Aspekt für die praxis- und unter­neh­mens­be­zo­gene Quali­tät der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen hat sich ihre Orien­tie­rung an der Orga­ni­sa­tion und den Prozes­sen im Unter­neh­men erwie­sen (Wert­schöp­fungs­ori­en­tie­rung).
Eine wert­schöp­fungs­ori­en­tierte Gefähr- dungs­be­ur­tei­lung betrach­tet den Wert- schöp­fungs­pro­zess insge­samt – siehe Abbil­dung 2 – und erfüllt damit zwei wesent­li­che Aspekte:
  • Eine wert­schöp­fungs­ori­en­tierte Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung knüpft an die Denk- und Hand­lungs­mus­ter des Unter­neh­mers an. Sie beschäf­tigt sich mit genau den Aufga­ben, mit denen sich alle Akteure im Unter­neh­men jeden Tag beschäf­tig­ten: Eine wirkungs­volle Gestal­tung des Wert­schöp­fungs­pro­zes­ses, in dem alle Ressour­cen effek­tiv, sicher und effi­zi­ent einge­setzt werden, ist alltäg­li­che Aufgabe des Unter­neh­mers. Eine opti­male Gestal­tung der Orga­ni­sa­tion und der Abläufe im Unter­neh­men entschei­det über den Erfolg des Unter­neh­mens am Markt. Eine wert­schöp­fungs­ori­en­tierte Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ermög­licht dem Unter­neh­mer die Inte­gra­tion des Arbeits­schut­zes im Zusam­men­hang mit den Themen, auf die sein tägli­ches Augen­merk gerich­tet ist. Die Wert­schöp­fungs­ori­en­tie­rung ist der entschei­dende kunden­ori­en­tierte Ansatz, weil sie die Bedeu­tung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung aus der Perspek­tive des Kunden und seiner Denk- und Hand­lungs­mus­ter aufbe­rei­tet.
  • Eine wert­schöp­fungs­ori­en­tierte Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ist gleich­zei­tig präven­tiv. Sie beur­teilt die Ursa­chen für Gefähr­dun­gen syste­ma­tisch über den gesam­ten Wert­schöp­fungs­pro­zess. Sie betrach­tet syste­ma­tisch – vom ersten Ange­bot an – alle Prozesse, die Ursa­chen von Gefähr­dun­gen sein können. Sie erwei­tert damit die Sicht­weise des Arbeits­schut­zes von der Betrach­tung des Produktions- und Leis­tungs­pro­zes­ses hin zum gesam­ten Prozess der Arbeit und deren Orga­ni­sa­tion im Unter­neh­men. Wer nur den Produktions- und Leis­tungs­pro­zess betrach­tet – also die letzte Phase des Wert­schöp­fungs­pro­zes­ses – hat das Problem, dass in dieser Phase Entwick­lun­gen am schwers­ten beein­fluss­bar sind: wenn die Produk­tion läuft, diktie­ren Zeit- und Ergeb­nis­druck das Handeln. Es bleibt in dieser Phase nur noch korrek­ti­ves Handeln („Beim nächs­ten mal müssen wir aber daran denken“). Wer syste­ma­tisch den gesam­ten Wert­schöp­fungs­pro­zess betrach­tet, kann dage­gen im besten Sinne präven­tiv eingrei­fen. In allen Phasen des Wert­schöp­fungs­pro­zes­ses werden wesent­li­che Bedin­gun­gen für den Arbeits­schutz fest­ge­legt – zum Beispiel in vertrag­li­chen Rege­lun­gen mit Kunden und Nach­un­ter­neh­mern, bei der Wahl von Arbeits­ver­fah­ren, in der Perso­nal­pla­nung, bei der Beschaf­fung und beim Einsatz von Arbeits­mit­teln, im Infor­ma­ti­ons­ma­nage­ment und Control­ling.
Eine wert­schöp­fungs­ori­en­tierte Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ermög­licht auch die „Über­set­zung“ der Exper­ten­kri­te­rien in die Denk- und Hand­lungs­mus­ter des Unter­neh­mers und des Unter­neh­mens, wie wir sie als erstes Quali­täts­kri­te­rium beschrie­ben haben (s. Abb. 3).
Teil 2 des Beitrags lesen Sie in der kommen­den Ausgabe.
¹ In der Aufsichts­tä­tig­keit und in der Bera­tungs­tä­tig­keit von Unter­neh­men und Orga­ni­sa­tio­nen sowie in gemein­sa­men Erfah­run­gen beim Umset­zen von Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen im Rahmen der eige­nen Insti­tu­tio­nen der Autoren sowie der natio­na­len Initia­tive INQA-Bauen und den regio­na­len Netz­wer­ken von INQA-Bauen.
² Heraus­ge­ge­ben vom Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozia­les, dem Länder­aus­schuss für Arbeits­schutz und Sicher­heits­tech­nik (LASI) und der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (DGUV).
³ Deut­sches Insti­tut für Normung und Deut­sche Gesell­schaft für Quali­tät: DIN 55350 Teil 11, S. 3, Nr. 5.

Autoren
Oleg Cerna­vin BC GmbH Forschungs­ge­sell­schaft, Wies­ba­den E‑Mail: oleg.cernavin@bc-forschung.de Dr.-Ing. Sebas­tian Schul Hessi­sches Sozi­al­mi­nis­te­rium und Bundes­vor­sit­zen­der der natio­na­len Initia­tive INQA-Bauen E‑Mail: Sebastian.Schul@HSM.hessen.de Dr.-Ing. Harald Wilhelm BG BAU Präven­tion, Fach­be­reich Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion, Frank­furt am Main E‑Mail: harald.wilhelm@bgbau.de
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