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Neues Konzept eröff­net neue Chan­cen

DGUV Vorschrift 2
Neues Konzept eröff­net neue Chan­cen

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Die DGUV Vorschrift 2 „Betriebs­ärzte und Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit“ stellt den Einsatz von Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­ärz­ten auf eine neue Grund­lage. Die für alle Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger gleich­lau­tende Vorschrift löst ab 1. Januar 2011 die Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift BGV A2 bzw. GUV A6/A7 ab. Im Mittel­punkt der Vorschrift steht ein Para­dig­men­wech­sel zur Ermitt­lung der Perso­nal­res­sour­cen für die sicher­heits­tech­ni­sche und betriebs­ärzt­li­che Betreu­ung: hin zu einer Bestim­mung anhand der betrieb­lich erfor­der­li­chen inhalt­li­chen Betreu­ungs­leis­tun­gen anstelle eines forma­len Einsatz­zei­ten­mo­dells.

Ermitt­lung des Betreu­ungs­um­fangs: Leis­tungs­ori­en­tier­ter Ansatz
Bislang wurden die erfor­der­li­chen Perso­nal­res­sour­cen für die sicher­heits­tech­ni­sche und betriebs­ärzt­li­che Betreu­ung als soge­nannte Einsatz­zei­ten rein rech­ne­risch anhand der Zahl der Beschäf­tig­ten und eines betriebs­ar­ten­spe­zi­fi­schen Faktors ermit­telt. Inhalt­li­che Fragen und betrieb­li­che Bedürf­nisse spiel­ten für die Fest­le­gung der Einsatz­zei­ten keine Rolle. Oftmals gestal­ten Betriebs­ärzte und Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit auf der Basis des Arbeits­si­cher­heits­ge­set­zes selbst die Inhalte der Betreu­ung.
Mit der DGUV Vorschrift 2 wird ein neues Grund­prin­zip für die Ermitt­lung und Fest­le­gung der sicher­heits­tech­ni­schen und betriebs­ärzt­li­chen Betreu­ungs­leis­tun­gen etabliert:
Grund­sätz­lich sind zunächst die Inhalte der Betreu­ung konkret anhand des Bedarfs des jewei­li­gen Betrie­bes zu ermit­teln und zwischen Betriebs­arzt und Fach­kraft aufzu­tei­len. Die in der DGUV Vorschrift 2 beschrie­be­nen Aufga­ben­fel­der und ‑kata­loge stecken präzise den Rahmen für die Betreu­ungs­leis­tun­gen ab. Auf Basis der ermit­tel­ten Leis­tun­gen ist dann der erfor­der­li­che Aufwand fest­zu­le­gen und im Betrieb zu verein­ba­ren.
Dieser leis­tungs­ori­en­tierte Ansatz tritt anstelle pauschal vorge­ge­be­ner Einsatz­zei­ten.
Betreu­ung gemäß Betriebs­be­dürf­nis­sen
Die Regel­be­treu­ung von Betrie­ben mit mehr als zehn Beschäf­tig­ten erfolgt durch eine Grund­be­treu­ung und einen betriebs­spe­zi­fi­schen Betreuungsteil.1 Beide Teile sind fester Bestand­teil der Gesamt­be­treu­ung. Die Grund­be­treu­ung unter­stützt den Unter­neh­mer dabei, die grund­le­gen­den Aufga­ben im Arbeits­schutz zu erfül­len, die unab­hän­gig von Art und Größe des Betrie­bes und den betriebs­spe­zi­fi­schen Erfor­der­nis­sen anfal­len. Mit dem Teil der betriebs­spe­zi­fi­schen Betreu­ung wird den spezi­el­len Erfor­der­nis­sen Rech­nung getra­gen, wie sie in den jewei­li­gen Verwal­tun­gen und Betrie­ben im konkre­ten Einzel­fall gege­ben sind. Der hier­für erfor­der­li­che Aufwand wird nach einem vorge­ge­be­nen Verfah­ren vom Betrieb selbst ermit­telt.
Grund­be­treu­ung
Mit der DGUV Vorschrift 2 wurde für die Grund­be­treu­ung eine einheit­li­che Zuord­nung der Betriebs­ar­ten zu Betreu­ungs­grup­pen vorge­nom­men. Gleich­ar­tige Betriebe – egal ob bei einem öffent­li­chen oder gewerb­li­chen Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger versi­chert – haben den glei­chen Betreu­ungs­auf­wand in derGrund­be­treu­ung.
Ausge­hend von der Zuord­nung der Betriebs­ar­ten zu einer Betreu­ungs­gruppe ist durch die Multi­pli­ka­tion des Faktors mit der Zahl der Beschäf­tig­ten ein Summen­wert für die Grund­be­treu­ung zu ermit­teln. Die konkrete Auftei­lung zwischen Fach­kraft und Betriebs­arzt ist Sache des Betrie­bes und muss sich nach den jewei­li­gen konkre­ten Leis­tungs­bei­trä­gen rich­ten. Der Mindest­an­teil sowohl für die Fach­kraft als auch für den Betriebs­arzt beträgt jeweils 0,2 Stun­den pro Beschäftigtem/Jahr bzw. 20 Prozent des Summen­wer­tes.
Die erfor­der­li­chen Leis­tun­gen der Grund­be­treu­ung sind über 37 Aufga­ben­fel­der präzise fest­ge­legt und im Einzel­nen durch Aufga­ben beschrie­ben.
Betriebs­spe­zi­fi­sche Betreu­ung
Der betriebs­spe­zi­fi­sche Teil der Betreu­ung trägt den spezi­el­len Erfor­der­nis­sen des jewei­li­gen Betrie­bes Rech­nung, wie sie insbe­son­dere aus seiner Art und Größe hervor­ge­hen. Die zu erbrin­gen­den Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen ergän­zen die Grund­be­treu­ung um die betriebs­spe­zi­fisch entwe­der dauer­haft oder tempo­rär erfor­der­li­chen Betreu­ungs­leis­tun­gen. Sie geht immer von spezi­fi­schen betrieb­li­chen Situa­tio­nen und Anläs­sen aus. Diese gehen insbe­son­dere hervor aus der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, betrieb­li­chen Verän­de­run­gen mit Wirkun­gen auf die Arbeits­be­din­gun­gen und auf die Betriebs­or­ga­ni­sa­tion sowie aus im Betrieb durch­ge­führ­ten Aktio­nen, Program­men und Maßnah­men.
Das Verfah­ren zur Fest­le­gung der betriebs­spe­zi­fi­schen Betreu­ung erfor­dert eine syste­ma­ti­sche Prüfung der erfor­der­li­chen Aufga­ben anhand eines vorge­ge­be­nen Kata­logs mit Auslöse- und Aufwands­kri­te­rien. Anhand der Auslö­se­kri­te­rien ist zu entschei­den, ob ein Betreu­ungs­be­darf in dem jewei­li­gen Aufga­ben­feld vorhan­den ist und worin er besteht. Aufwands­kri­te­rien beschrei­ben die zu erbrin­gen­den Betreu­ungs­leis­tun­gen. Diese Leis­tun­gen müssen anhand der vorlie­gen­den betrieb­li­chen Bedin­gun­gen konkre­ti­siert werden. Den dazu erfor­der­li­chen Zeit­auf­wand müssen Unter­neh­mer einer­seits und Fach­kraft und Betriebs­arzt ande­rer­seits ermit­teln und verein­ba­ren.
Insbe­son­dere der betriebs­spe­zi­fi­sche Betreu­ungs­teil ermög­licht eine pass­ge­naue Betreu­ung, die den jewei­li­gen betrieb­li­chen Entwick­lun­gen ziel­ge­rich­tet ange­passt werden kann. Beginnt der Betrieb z.B. mit der Planung des Umbaus eines Gebäu­des oder verän­dert Verfah­rens­ab­läufe, ist die betrieb­spe­zi­fi­sche Betreu­ung für diesen Zeit­raum entspre­chend hoch­zu­fah­ren.
Zeit­ge­mäße Weiter­ent­wick­lung der Aufga­ben­fel­der
Die Aufga­ben­fel­der der sicher­heits­tech­ni­schen und betriebs­ärzt­li­chen Betreu­ung wurden entspre­chend den Grund­an­for­de­run­gen des Arbeits­schutz­ge­set­zes zeit­ge­mäß ausge­stal­tet und in der Vorschrift fest veran­kert. Insbe­son­dere die folgen­den Teile des Aufga­ben­pro­fils zeigen eine solche zeit­ge­mäße Weiter­ent­wick­lung auf:
Betriebs­arzt und Fach­kraft sollen bera­ten und unter­stüt­zen
  • zum Erhalt der indi­vi­du­el­len gesund­heit­li­chen Ressour­cen der Beschäf­tig­ten im Zusam­men­hang mit der Arbeit durch geeig­nete Maßnah­men der menschen­ge­rech­ten Arbeits­ge­stal­tung und Stär­kung der indi­vi­du­el­len Gesund­heits­kom­pe­tenz der Beschäf­tig­ten,
  • zur Gestal­tung von Tätig­kei­ten mit Poten­zia­len psychi­scher Fehl­be­an­spru­chun­gen,
  • zu Perso­nal­ent­wick­lungs­maß­nah­men im Arbeits­schutz,
  • zur Teil­habe Behin­der­ter und zu Wieder­ein­glie­de­rungs­maß­nah­men,
  • zu Sicher­heit und Gesund­heit unter den Bedin­gun­gen des demo­gra­fi­schen Wandels und
  • zur Weiter­ent­wick­lung eines Gesund­heits­ma­nage­ments.
Verstärkte Koope­ra­tion gefor­dert
Die Aufga­ben­ka­ta­loge diffe­ren­zie­ren nicht nach Fach­kraft und Betriebs­arzt. Die betriebs­ärzt­li­che und sicher­heits­tech­ni­sche Betreu­ung sind als sich ergän­zende Aufga­ben­stel­lun­gen zu verste­hen. Dies erfor­dert die enge Koope­ra­tion von Betriebs­arzt und Fach­kraft. Ausgangs­punkt für die Betreu­ungs­leis­tun­gen von Betriebs­ärz­ten und Fach­kräf­ten ist immer die jewei­lige betrieb­li­che Problem­stel­lung, für deren Lösung die beiden Fach­kun­den in unter­schied­li­chem Maße erfor­der­lich sind.
Der Unter­neh­mer muss eigen­ver­ant­wort­lich entspre­chend den betrieb­li­chen Erfor­der­nis­sen Inhalt und Umfang der Betreu­ungs­leis­tun­gen von der Fach­kraft und dem Betriebs­arzt ermit­teln, auftei­len und schrift­lich verein­ba­ren.
Dabei muss er sich von Fach­kraft und Betriebs­arzt bera­ten lassen. Die betrieb­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tung, in der Regel der Perso­nal­rat, muss dabei mitwir­ken. Die Perso­nal­ver­tre­tungs­ge­setze räumen hier umfang­rei­che Mitbe­stim­mungs­rechte ein. Das Arbeits­si­cher­heits­ge­setz und die DGUV Vorschrift 2 verwei­sen ausdrück­lich darauf. Entspre­chend den betrieb­li­chen Notwen­dig­kei­ten sind die Ergeb­nisse der Ermitt­lung und Auftei­lung regel­mä­ßig und vor allem bei gravie­ren­den Ände­run­gen zu über­prü­fen und anzu­pas­sen. Der Unter­neh­mer sollte in einem gemein­sa­men Gespräch mit allen Akteu­ren ein abge­stimm­tes Leis­tungs­an­ge­bot von Fach­kraft und Betriebs­arzt einfor­dern. Dazu muss er ihnen alle Infor­ma­tio­nen, die für die Ermitt­lung des betriebs­spe­zi­fi­schen Bedarfs erfor­der­lich sind, zur Verfü­gung stel­len. Basis sollte immer die vorlie­gende Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sein sowie der Entwick­lungs­stand der geeig­ne­ten Orga­ni­sa­tion zur Planung und Durch­füh­rung der Maßnah­men des Arbeits­schut­zes.
Die DGUV Vorschrift 2 gibt keine bestimmte Vorge­hens­weise vor, wie in Betrie­ben mit mehr als 10 Beschäf­tig­ten die Ermitt­lung, Auftei­lung und Verein­ba­rung der Betreu­ung erfol­gen muss. Aller­dings müssen folgende Eckpunkte einge­hal­ten werden:
  • Gewähr­leis­tung der Infor­ma­tion von Unter­neh­mer­ver­tre­ter, Betriebs- bzw. Perso­nal­rat, Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­arzt über die Inhalte und Anfor­de­run­gen der DGUV Vorschrift 2
  • Entwick­lung einer Vorge­hens­weise zur betrieb­li­chen Umset­zung der DGUV Vorschrift 2
  • Zuord­nung des Betriebs zur entspre­chen­den Betreu­ungs­gruppe gemäß dem WZ-Schlüssel
  • Ermitt­lung der Beschäf­tig­ten­zah­len und Bestim­mung des Summen­wer­tes für die Grund­be­treu­ung
  • Auftei­lung des Summen­wer­tes auf Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­arzt unter Beach­tung der Schutz­klau­seln (0,2 Std. pro Jahr/Beschäftigtem bzw. 20 Prozent des Summen­wer­tes) und der Erfül­lung der 37 Aufga­ben­fel­der der Grund­be­treu­ung
  • Ermitt­lung des betriebs­spe­zi­fi­schen Betreu­ungs­an­teils durch die Beur­tei­lung jedes der 16 Aufga­ben­fel­der: Erar­bei­tung von konkre­ten Leis­tungs­be­schrei­bun­gen für jedes betrieb­lich rele­vante Aufga­ben­feld und Auftei­lung der Leis­tun­gen auf Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­arzt; Abschät­zung des erfor­der­li­chen Aufwan­des zur Erbrin­gung der Leis­tun­gen
  • Erfül­lung der Mitbe­stim­mungs­er­for­der­nisse
  • Bera­tung des Unter­neh­mers durch Fach­kraft und Betriebs­arzt
  • Schrift­li­che Verein­ba­rung der Betreu­ungs­leis­tun­gen einschließ­lich ihrer Doku­men­ta­tion und Infor­ma­tion der Beschäf­tig­ten
  • Regel­mä­ßige Über­prü­fung der Verein­ba­rung
  • Doku­men­ta­tion der Leis­tungs­er­brin­gung und der dabei erziel­ten Ergeb­nisse seitens Fach­kraft und Betriebs­arzt
Exem­pla­risch wurde die Umset­zung der Vorschrift in unter­schied­li­chen Betrie­ben erprobt. Im Ergeb­nis haben sich unter Beach­tung der oben genann­ten Eckpunkte jeweils auf die betrieb­li­che Situa­tion passende Vorge­hens­wei­sen entwi­ckelt. Abb. 4 zeigt ein Beispiel für das Vorge­hen in einem Unter­neh­men. Die Umset­zung der DGUV Vorschrift 2 wurde im Arbeits­schutz­aus­schuss (ASA) betrie­ben. In einer ersten Sitzung wurden die Vorge­hens­schritte entwi­ckelt, die Summen­werte für die Grund­be­treu­ung ermit­telt, erste Vorschläge zur inhalt­li­chen Schwer­punkt­set­zung und Auftei­lung der Grund­be­treu­ung entwi­ckelt und disku­tiert, welcher betriebs­spe­zi­fi­sche Betreu­ungs­be­darf besteht und welche Arbeits­schutz­pro­jekte auf Grund­lage der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung durch­ge­führt werden sollen.
In einem zwei­ten Schritt haben Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­arzt ein konkre­ti­sier­tes Ange­bot zur Ausge­stal­tung der Grund­be­treu­ung und des betriebs­spe­zi­fi­schen Teils entwi­ckelt. Dies wurde in einer zwei­ten ASA-Sitzung mit allen Betei­lig­ten disku­tiert und anschlie­ßend der Geschäfts­lei­tung vorge­legt.
Im Mittel­punkt der Aushand­lungs­pro­zesse in der Arbeits­aus­schuss­sit­zung stehen die inhalt­li­che Ausein­an­der­set­zung über die betrieb­lich erfor­der­li­che Betreu­ung und die jewei­li­gen Beiträge von Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­arzt (vgl. Abb. 6). Ergeb­nis war der Konsens im ASA über die erar­bei­te­ten Vorschläge, die darauf­hin bei der Geschäfts­lei­tung als Betreu­ungs­an­ge­bot einge­reicht wurden.
Was sind Erfolgs­trei­ber für die Umset­zung der Vorschrift?
Die exem­pla­ri­sche Umset­zung der DGUV Vorschrift 2 in mehre­ren Betrie­ben hat insbe­son­dere folgende Erfolgs­trei­ber und Erkennt­nisse zur Umset­zung verdeut­licht:
  • Syste­ma­tisch zusam­men­stel­len, was der Betrieb bisher im Arbeits­schutz getan hat und wie er dabei vorge­gan­gen ist
  • Bishe­rige Betreu­ungs­in­halte zusam­men­stel­len und syste­ma­tisch mit den Aufga­ben­ka­ta­lo­gen abglei­chen: Bewähr­tes fort­füh­ren und bisher Vernach­läs­sig­tes aufgrei­fen
  • Selbst­re­fle­xion von Fach­kräf­ten und Betriebs­ärz­ten über das eigene Handeln: Tun wir die rich­ti­gen Dinge?
  • Auch in der Grund­be­treu­ung entspre­chend den Aufga­ben­ka­ta­lo­gen und dem betrieb­li­chen Bedarf Schwer­punkte setzen
  • Im Rahmen der betriebs­spe­zi­fi­schen Betreu­ung länger­fris­tig planen z. B. durch die Defi­ni­tion von Projek­ten und darauf abge­stimmte Betreu­ungs­an­ge­bote
  • Fachlich-inhaltliche Begrün­dun­gen von erfor­der­li­chen Betreu­ungs­leis­tun­gen und Ablei­ten von Prio­ri­tä­ten
  • Doku­men­ta­tio­nen nutzen, um den Arbeits­schutz gezielt weiter zu entwi­ckeln
  • Fest­le­gung, wer die Feder­füh­rung für die Umset­zung über­nimmt und Eini­gung auf ein syste­ma­ti­sches Vorge­hen
  • Möglichst breite Betei­li­gung aller betrof­fe­nen Akteure in allen Phasen des Umset­zungs­pro­zes­ses (Unter­neh­mer, Betriebs­rat, Fach­kraft, Betriebs­arzt)
  • Konstruk­tive Koope­ra­tion aller am Prozess betei­lig­ten Akteure
  • Unter­stüt­zung und Bera­tung durch den Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger bei offe­nen Frage­stel­lun­gen einho­len
Neue Chan­cen
Die DGUV Vorschrift 2 zieht eine Reihe von Verän­de­run­gen nach sich. Dies ist mit Befürch­tun­gen und unter­schied­li­chen Erwar­tun­gen verbun­den, eröff­net aber auch eine ganze Reihe von Chan­cen, um die Quali­tät der Betreu­ung zu verbes­sern:
  • Verant­wor­tung des Unter­neh­mers: Das Konzept der DGUV Vorschrift 2 stärkt die Eigen­ver­ant­wor­tung der für den Arbeits­schutz verant­wort­li­chen Leitungs­kräfte des Unter­neh­mens, die Pflich­ten aus dem Arbeits­si­cher­heits­ge­setz zu erfül­len. Sie sind stär­ker als in der Vergan­gen­heit gefor­dert, sich inhalt­lich mit den Arbeits­schutz­fra­gen des eige­nen Betrie­bes ausein­an­der­zu­set­zen. Nur dadurch kann die Pflicht aus der Vorschrift, den Betreu­ungs­be­darf betriebs­be­zo­gen zu ermit­teln, aufzu­tei­len und zu verein­ba­ren, erfüllt werden.
  • Inhalte rücken in den Vorder­grund: Die Leis­tungs­ka­ta­loge und die Auslö­se­kri­te­rien für die betriebs­spe­zi­fi­sche Betreu­ung präzi­sie­ren die Aufga­ben von Fach­kräf­ten und Betriebs­ärz­ten. Zur Bestim­mung von Inhalt und Umfang der Betreu­ung sind sie an den konkre­ten betrieb­li­chen Bedin­gun­gen und Erfor­der­nis­sen zu spie­geln. Leis­tun­gen sind konkret in Form einer Leis­tungs­be­schrei­bung und des dafür erfor­der­li­chen Aufwan­des zu beschrei­ben und zu verein­ba­ren. Dies erfor­dert von allen Betei­lig­ten eine inten­sive Ausein­an­der­set­zung mit der Situa­tion des Arbeits­schut­zes im Betrieb. Die Ermitt­lung von Betreu­ungs­in­hal­ten und ‑umfang ist durch­aus eine anspruchs­volle Aufgabe, die aber zu einer erheb­li­chen Quali­täts­stei­ge­rung der Betreu­ungs­leis­tun­gen selbst beitra­gen kann. Es ist erfor­der­lich, konkret im Betrieb fest­zu­le­gen, worin die Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen von der Fach­kraft und dem Betriebs­arzt bestehen, z.B. bei der Analyse und Beur­tei­lung von Tätig­kei­ten mit Poten­zia­len physi­scher oder psychi­scher Fehl­be­an­spru­chun­gen.
  • Aufgaben- und Leis­tungs­ka­ta­loge als Instru­ment und Hilfs­mit­tel: Die in den Kata­lo­gen genann­ten Anfor­de­run­gen an die betriebs­ärzt­li­che und sicher­heits­tech­ni­sche Betreu­ung können der Fach­kraft und dem Betriebs­arzt in den Verhand­lun­gen mit dem Unter­neh­mer als Argu­men­ta­ti­ons­hilfe dienen und den spezi­fi­schen Betreu­ungs­be­darf für den jewei­li­gen Betrieb und das Erfor­der­nis unter­strei­chen. Die Vorschrift ist somit nicht nur Geset­zes­text, sondern zugleich ein Instru­ment zur Verbes­se­rung des betrieb­li­chen Arbeits­schut­zes!
  • Flexi­bles, bedarfs­ge­rech­tes System: Vor allem der betriebs­spe­zi­fi­sche Teil der Betreu­ung ermög­licht eine ziel­ge­rich­tete Ausge­stal­tung der Betreu­ung nach dem spezi­fi­schen Bedarf und den Erfor­der­nis­sen im Betrieb. Betreu­ungs­an­lässe, wie Baumaß­nah­men, die nur für einen bestimm­ten Zeit­raum bestehen, erfor­dern auch nur tempo­rär eine spezi­fi­sche Betreu­ungs­leis­tung. Auch die Auftei­lung der Leis­tun­gen zwischen Betriebs­arzt und Fach­kraft kann flexi­bel erfol­gen – entspre­chend den betrieb­li­chen Bedürf­nis­sen einer­seits und den jewei­li­gen persön­li­chen Fähig­kei­ten der beiden Akteure ande­rer­seits.
  • Mitwir­kung der Perso­nal­ver­tre­tung: Die Mitbe­stim­mung der Betriebs-/Personalräte ist nun auch verstärkt bei den Inhal­ten der Betreu­ung gefor­dert. Je stär­ker diese auf der Basis der fach­li­chen Bera­tung und Infor­ma­tion durch Fach­kräfte und Betriebs­ärzte erfolgt, desto mehr kann auch von dieser Seite Einfluss auf die Quali­tät der Betreu­ung und des Arbeits­schut­zes genom­men werden.
  • Erhö­hung der Trans­pa­renz und des ziel­ori­en­tier­ten, syste­ma­ti­schen Arbei­tens: Mit den Leis­tungs­ka­ta­lo­gen als Grund­lage und der Pflicht zur regel­mä­ßi­gen Doku­men­ta­tion der Maßnah­men und Ergeb­nisse der Leis­tungs­er­brin­gung wird ein ziel­ori­en­tier­tes und syste­ma­ti­sches Arbei­ten verpflich­tend. Mit der Verein­ba­rung der Leis­tun­gen wird konkret fest­ge­legt, was getan werden soll. Die regel­mä­ßi­gen Doku­men­ta­tio­nen zeigen, was tatsäch­lich getan wurde und welche Ergeb­nisse damit erzielt wurden. Dies sollte wiederum genutzt werden, um die Fest­le­gung der Betreu­ungs­leis­tun­gen zu über­prü­fen.
Umset­zung
Durch die Vorschrift wird insge­samt ein höhe­res Enga­ge­ment aller Betei­lig­ten im Arbeits­schutz gefor­dert. Ob sich dies entwi­ckelt und die Chan­cen für die Quali­täts­stei­ge­rung genutzt werden, muss sich in der Praxis erwei­sen. Unter­stützt wird dies durch Hand­lungs­hil­fen, die die DGUV und die Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger heraus­ge­ben. Die prak­ti­schen Auswir­kun­gen der mit der DGUV Vorschrift 2 erfor­der­li­chen Verän­de­run­gen werden sich erst über einen länge­ren Zeit­raum zeigen. Eine syste­ma­ti­sche Evalua­tion wird erwei­sen, ob die Chan­cen genutzt wurden oder die Befürch­tun­gen sich durch­ge­setzt haben.
1Betriebe mit bis zu 50 Beschäf­tig­ten können anstelle der Regel­be­treu­ung die alter­na­tive betriebs­ärzt­li­che und sicher­heits­tech­ni­sche bedarfs­ori­en­tierte Betreu­ungs­form gemäß Anlage 3 der DGUV Vorschrift 2 wählen, wenn der Unter­neh­mer (Dienst­stel­len­lei­ter) selbst aktiv in das Betriebs­ge­sche­hen einge­bun­den ist. Die alter­na­tive Betreu­ung besteht aus der Teil­nahme des Unter­neh­mers an Motivations‑, Informations- und Fort­bil­dungs­maß­nah­men und der Inan­spruch­nahme der bedarfs­ori­en­tier­ten betriebs­ärzt­li­chen und sicher­heits­tech­ni­schen Betreu­ung.
Autoren
Werner Hama­cher,
Sebas­tian Riebe,
system­kon­zept – Gesell­schaft für System­for­schung und Konzept­ent­wick­lung
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