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Neues Konzept eröffnet neue Chancen

DGUV Vorschrift 2
Neues Konzept eröffnet neue Chancen

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Die DGUV Vorschrift 2 „Betrieb­särzte und Fachkräfte für Arbeitssicher­heit“ stellt den Ein­satz von Fachkräften für Arbeitssicher­heit und Betrieb­särzten auf eine neue Grund­lage. Die für alle Unfal­lver­sicherungsträger gle­ich­lau­t­ende Vorschrift löst ab 1. Jan­u­ar 2011 die Unfal­lver­hü­tungsvorschrift BGV A2 bzw. GUV A6/A7 ab. Im Mit­telpunkt der Vorschrift ste­ht ein Par­a­dig­men­wech­sel zur Ermit­tlung der Per­son­al­res­sourcen für die sicher­heit­stech­nis­che und betrieb­särztliche Betreu­ung: hin zu ein­er Bes­tim­mung anhand der betrieblich erforder­lichen inhaltlichen Betreu­ungsleis­tun­gen anstelle eines for­malen Einsatzzeitenmodells.

Ermit­tlung des Betreu­ung­sum­fangs: Leis­tung­sori­en­tiert­er Ansatz
Bis­lang wur­den die erforder­lichen Per­son­al­res­sourcen für die sicher­heit­stech­nis­che und betrieb­särztliche Betreu­ung als soge­nan­nte Ein­satzzeit­en rein rech­ner­isch anhand der Zahl der Beschäftigten und eines betrieb­sarten­spez­i­fis­chen Fak­tors ermit­telt. Inhaltliche Fra­gen und betriebliche Bedürfnisse spiel­ten für die Fes­tle­gung der Ein­satzzeit­en keine Rolle. Oft­mals gestal­ten Betrieb­särzte und Fachkräfte für Arbeitssicher­heit auf der Basis des Arbeitssicher­heits­ge­set­zes selb­st die Inhalte der Betreuung.
Mit der DGUV Vorschrift 2 wird ein neues Grund­prinzip für die Ermit­tlung und Fes­tle­gung der sicher­heit­stech­nis­chen und betrieb­särztlichen Betreu­ungsleis­tun­gen etabliert:
Grund­sät­zlich sind zunächst die Inhalte der Betreu­ung konkret anhand des Bedarfs des jew­eili­gen Betriebes zu ermit­teln und zwis­chen Betrieb­sarzt und Fachkraft aufzuteilen. Die in der DGUV Vorschrift 2 beschriebe­nen Auf­gaben­felder und ‑kat­a­loge steck­en präzise den Rah­men für die Betreu­ungsleis­tun­gen ab. Auf Basis der ermit­tel­ten Leis­tun­gen ist dann der erforder­liche Aufwand festzule­gen und im Betrieb zu vereinbaren.
Dieser leis­tung­sori­en­tierte Ansatz tritt anstelle pauschal vorgegeben­er Einsatzzeiten.
Betreu­ung gemäß Betriebsbedürfnissen
Die Regel­be­treu­ung von Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten erfol­gt durch eine Grund­be­treu­ung und einen betrieb­sspez­i­fis­chen Betreuungsteil.1 Bei­de Teile sind fes­ter Bestandteil der Gesamt­be­treu­ung. Die Grund­be­treu­ung unter­stützt den Unternehmer dabei, die grundle­gen­den Auf­gaben im Arbeitss­chutz zu erfüllen, die unab­hängig von Art und Größe des Betriebes und den betrieb­sspez­i­fis­chen Erfordernissen anfall­en. Mit dem Teil der betrieb­sspez­i­fis­chen Betreu­ung wird den speziellen Erfordernissen Rech­nung getra­gen, wie sie in den jew­eili­gen Ver­wal­tun­gen und Betrieben im konkreten Einzelfall gegeben sind. Der hier­für erforder­liche Aufwand wird nach einem vorgegebe­nen Ver­fahren vom Betrieb selb­st ermittelt.
Grund­be­treu­ung
Mit der DGUV Vorschrift 2 wurde für die Grund­be­treu­ung eine ein­heitliche Zuord­nung der Betrieb­sarten zu Betreu­ungs­grup­pen vorgenom­men. Gle­ichar­tige Betriebe – egal ob bei einem öffentlichen oder gewerblichen Unfal­lver­sicherungsträger ver­sichert – haben den gle­ichen Betreu­ungsaufwand in derGrundbetreuung.
Aus­ge­hend von der Zuord­nung der Betrieb­sarten zu ein­er Betreu­ungs­gruppe ist durch die Mul­ti­p­lika­tion des Fak­tors mit der Zahl der Beschäftigten ein Sum­men­wert für die Grund­be­treu­ung zu ermit­teln. Die konkrete Aufteilung zwis­chen Fachkraft und Betrieb­sarzt ist Sache des Betriebes und muss sich nach den jew­eili­gen konkreten Leis­tungs­beiträ­gen richt­en. Der Min­destanteil sowohl für die Fachkraft als auch für den Betrieb­sarzt beträgt jew­eils 0,2 Stun­den pro Beschäftigtem/Jahr bzw. 20 Prozent des Summenwertes.
Die erforder­lichen Leis­tun­gen der Grund­be­treu­ung sind über 37 Auf­gaben­felder präzise fest­gelegt und im Einzel­nen durch Auf­gaben beschrieben.
Betrieb­sspez­i­fis­che Betreuung
Der betrieb­sspez­i­fis­che Teil der Betreu­ung trägt den speziellen Erfordernissen des jew­eili­gen Betriebes Rech­nung, wie sie ins­beson­dere aus sein­er Art und Größe her­vorge­hen. Die zu erbrin­gen­den Unter­stützungsleis­tun­gen ergänzen die Grund­be­treu­ung um die betrieb­sspez­i­fisch entwed­er dauer­haft oder tem­porär erforder­lichen Betreu­ungsleis­tun­gen. Sie geht immer von spez­i­fis­chen betrieblichen Sit­u­a­tio­nen und Anlässen aus. Diese gehen ins­beson­dere her­vor aus der Gefährdungs­beurteilung, betrieblichen Verän­derun­gen mit Wirkun­gen auf die Arbeits­be­din­gun­gen und auf die Betrieb­sorgan­i­sa­tion sowie aus im Betrieb durchge­führten Aktio­nen, Pro­gram­men und Maßnahmen.
Das Ver­fahren zur Fes­tle­gung der betrieb­sspez­i­fis­chen Betreu­ung erfordert eine sys­tem­a­tis­che Prü­fung der erforder­lichen Auf­gaben anhand eines vorgegebe­nen Kat­a­logs mit Aus­löse- und Aufwand­skri­te­rien. Anhand der Aus­lösekri­te­rien ist zu entschei­den, ob ein Betreu­ungs­be­darf in dem jew­eili­gen Auf­gaben­feld vorhan­den ist und worin er beste­ht. Aufwand­skri­te­rien beschreiben die zu erbrin­gen­den Betreu­ungsleis­tun­gen. Diese Leis­tun­gen müssen anhand der vor­liegen­den betrieblichen Bedin­gun­gen konkretisiert wer­den. Den dazu erforder­lichen Zeitaufwand müssen Unternehmer ein­er­seits und Fachkraft und Betrieb­sarzt ander­er­seits ermit­teln und vereinbaren.
Ins­beson­dere der betrieb­sspez­i­fis­che Betreu­ung­steil ermöglicht eine pass­ge­naue Betreu­ung, die den jew­eili­gen betrieblichen Entwick­lun­gen ziel­gerichtet angepasst wer­den kann. Begin­nt der Betrieb z.B. mit der Pla­nung des Umbaus eines Gebäudes oder verän­dert Ver­fahrens­abläufe, ist die betrieb­spez­i­fis­che Betreu­ung für diesen Zeitraum entsprechend hochzufahren.
Zeit­gemäße Weit­er­en­twick­lung der Aufgabenfelder
Die Auf­gaben­felder der sicher­heit­stech­nis­chen und betrieb­särztlichen Betreu­ung wur­den entsprechend den Grun­dan­forderun­gen des Arbeitss­chutzge­set­zes zeit­gemäß aus­gestal­tet und in der Vorschrift fest ver­ankert. Ins­beson­dere die fol­gen­den Teile des Auf­gaben­pro­fils zeigen eine solche zeit­gemäße Weit­er­en­twick­lung auf:
Betrieb­sarzt und Fachkraft sollen berat­en und unterstützen
  • zum Erhalt der indi­vidu­ellen gesund­heitlichen Ressourcen der Beschäftigten im Zusam­men­hang mit der Arbeit durch geeignete Maß­nah­men der men­schen­gerecht­en Arbeits­gestal­tung und Stärkung der indi­vidu­ellen Gesund­heit­skom­pe­tenz der Beschäftigten,
  • zur Gestal­tung von Tätigkeit­en mit Poten­zialen psy­chis­ch­er Fehlbeanspruchungen,
  • zu Per­son­alen­twick­lungs­maß­nah­men im Arbeitsschutz,
  • zur Teil­habe Behin­dert­er und zu Wiedereingliederungsmaßnahmen,
  • zu Sicher­heit und Gesund­heit unter den Bedin­gun­gen des demografis­chen Wan­dels und
  • zur Weit­er­en­twick­lung eines Gesundheitsmanagements.
Ver­stärk­te Koop­er­a­tion gefordert
Die Auf­gabenkat­a­loge dif­feren­zieren nicht nach Fachkraft und Betrieb­sarzt. Die betrieb­särztliche und sicher­heit­stech­nis­che Betreu­ung sind als sich ergänzende Auf­gaben­stel­lun­gen zu ver­ste­hen. Dies erfordert die enge Koop­er­a­tion von Betrieb­sarzt und Fachkraft. Aus­gangspunkt für die Betreu­ungsleis­tun­gen von Betrieb­särzten und Fachkräften ist immer die jew­eilige betriebliche Prob­lem­stel­lung, für deren Lösung die bei­den Fachkun­den in unter­schiedlichem Maße erforder­lich sind.
Der Unternehmer muss eigen­ver­ant­wortlich entsprechend den betrieblichen Erfordernissen Inhalt und Umfang der Betreu­ungsleis­tun­gen von der Fachkraft und dem Betrieb­sarzt ermit­teln, aufteilen und schriftlich vereinbaren.
Dabei muss er sich von Fachkraft und Betrieb­sarzt berat­en lassen. Die betriebliche Inter­essen­vertre­tung, in der Regel der Per­son­al­rat, muss dabei mitwirken. Die Per­son­alvertre­tungs­ge­set­ze räu­men hier umfan­gre­iche Mitbes­tim­mungsrechte ein. Das Arbeitssicher­heits­ge­setz und die DGUV Vorschrift 2 ver­weisen aus­drück­lich darauf. Entsprechend den betrieblichen Notwendigkeit­en sind die Ergeb­nisse der Ermit­tlung und Aufteilung regelmäßig und vor allem bei gravieren­den Änderun­gen zu über­prüfen und anzu­passen. Der Unternehmer sollte in einem gemein­samen Gespräch mit allen Akteuren ein abges­timmtes Leis­tungsange­bot von Fachkraft und Betrieb­sarzt ein­fordern. Dazu muss er ihnen alle Infor­ma­tio­nen, die für die Ermit­tlung des betrieb­sspez­i­fis­chen Bedarfs erforder­lich sind, zur Ver­fü­gung stellen. Basis sollte immer die vor­liegende Gefährdungs­beurteilung sein sowie der Entwick­lungs­stand der geeigneten Organ­i­sa­tion zur Pla­nung und Durch­führung der Maß­nah­men des Arbeitsschutzes.
Die DGUV Vorschrift 2 gibt keine bes­timmte Vorge­hensweise vor, wie in Betrieben mit mehr als 10 Beschäftigten die Ermit­tlung, Aufteilung und Vere­in­barung der Betreu­ung erfol­gen muss. Allerd­ings müssen fol­gende Eck­punk­te einge­hal­ten werden:
  • Gewährleis­tung der Infor­ma­tion von Unternehmervertreter, Betriebs- bzw. Per­son­al­rat, Fachkraft für Arbeitssicher­heit und Betrieb­sarzt über die Inhalte und Anforderun­gen der DGUV Vorschrift 2
  • Entwick­lung ein­er Vorge­hensweise zur betrieblichen Umset­zung der DGUV Vorschrift 2
  • Zuord­nung des Betriebs zur entsprechen­den Betreu­ungs­gruppe gemäß dem WZ-Schlüssel
  • Ermit­tlung der Beschäftigten­zahlen und Bes­tim­mung des Sum­men­wertes für die Grundbetreuung
  • Aufteilung des Sum­men­wertes auf Fachkraft für Arbeitssicher­heit und Betrieb­sarzt unter Beach­tung der Schutzk­lauseln (0,2 Std. pro Jahr/Beschäftigtem bzw. 20 Prozent des Sum­men­wertes) und der Erfül­lung der 37 Auf­gaben­felder der Grundbetreuung
  • Ermit­tlung des betrieb­sspez­i­fis­chen Betreu­ungsan­teils durch die Beurteilung jedes der 16 Auf­gaben­felder: Erar­beitung von konkreten Leis­tungs­beschrei­bun­gen für jedes betrieblich rel­e­vante Auf­gaben­feld und Aufteilung der Leis­tun­gen auf Fachkraft für Arbeitssicher­heit und Betrieb­sarzt; Abschätzung des erforder­lichen Aufwan­des zur Erbringung der Leistungen
  • Erfül­lung der Mitbestimmungserfordernisse
  • Beratung des Unternehmers durch Fachkraft und Betriebsarzt
  • Schriftliche Vere­in­barung der Betreu­ungsleis­tun­gen ein­schließlich ihrer Doku­men­ta­tion und Infor­ma­tion der Beschäftigten
  • Regelmäßige Über­prü­fung der Vereinbarung
  • Doku­men­ta­tion der Leis­tungser­bringung und der dabei erziel­ten Ergeb­nisse seit­ens Fachkraft und Betriebsarzt
Exem­plar­isch wurde die Umset­zung der Vorschrift in unter­schiedlichen Betrieben erprobt. Im Ergeb­nis haben sich unter Beach­tung der oben genan­nten Eck­punk­te jew­eils auf die betriebliche Sit­u­a­tion passende Vorge­hensweisen entwick­elt. Abb. 4 zeigt ein Beispiel für das Vorge­hen in einem Unternehmen. Die Umset­zung der DGUV Vorschrift 2 wurde im Arbeitss­chutzauss­chuss (ASA) betrieben. In ein­er ersten Sitzung wur­den die Vorge­henss­chritte entwick­elt, die Sum­men­werte für die Grund­be­treu­ung ermit­telt, erste Vorschläge zur inhaltlichen Schw­er­punk­t­set­zung und Aufteilung der Grund­be­treu­ung entwick­elt und disku­tiert, welch­er betrieb­sspez­i­fis­che Betreu­ungs­be­darf beste­ht und welche Arbeitss­chutzpro­jek­te auf Grund­lage der Gefährdungs­beurteilung durchge­führt wer­den sollen.
In einem zweit­en Schritt haben Fachkraft für Arbeitssicher­heit und Betrieb­sarzt ein konkretisiertes Ange­bot zur Aus­gestal­tung der Grund­be­treu­ung und des betrieb­sspez­i­fis­chen Teils entwick­elt. Dies wurde in ein­er zweit­en ASA-Sitzung mit allen Beteiligten disku­tiert und anschließend der Geschäft­sleitung vorgelegt.
Im Mit­telpunkt der Aushand­lung­sprozesse in der Arbeit­sauss­chuss­sitzung ste­hen die inhaltliche Auseinan­der­set­zung über die betrieblich erforder­liche Betreu­ung und die jew­eili­gen Beiträge von Fachkraft für Arbeitssicher­heit und Betrieb­sarzt (vgl. Abb. 6). Ergeb­nis war der Kon­sens im ASA über die erar­beit­eten Vorschläge, die daraufhin bei der Geschäft­sleitung als Betreu­ungsange­bot ein­gere­icht wurden.
Was sind Erfol­gstreiber für die Umset­zung der Vorschrift?
Die exem­plar­ische Umset­zung der DGUV Vorschrift 2 in mehreren Betrieben hat ins­beson­dere fol­gende Erfol­gstreiber und Erken­nt­nisse zur Umset­zung verdeutlicht:
  • Sys­tem­a­tisch zusam­men­stellen, was der Betrieb bish­er im Arbeitss­chutz getan hat und wie er dabei vorge­gan­gen ist
  • Bish­erige Betreu­ungsin­halte zusam­men­stellen und sys­tem­a­tisch mit den Auf­gabenkat­a­lo­gen abgle­ichen: Bewährtes fort­führen und bish­er Ver­nach­läs­sigtes aufgreifen
  • Selb­stre­flex­ion von Fachkräften und Betrieb­särzten über das eigene Han­deln: Tun wir die richti­gen Dinge?
  • Auch in der Grund­be­treu­ung entsprechend den Auf­gabenkat­a­lo­gen und dem betrieblichen Bedarf Schw­er­punk­te setzen
  • Im Rah­men der betrieb­sspez­i­fis­chen Betreu­ung länger­fristig pla­nen z. B. durch die Def­i­n­i­tion von Pro­jek­ten und darauf abges­timmte Betreuungsangebote
  • Fach­lich-inhaltliche Begrün­dun­gen von erforder­lichen Betreu­ungsleis­tun­gen und Ableit­en von Prioritäten
  • Doku­men­ta­tio­nen nutzen, um den Arbeitss­chutz gezielt weit­er zu entwickeln
  • Fes­tle­gung, wer die Fed­er­führung für die Umset­zung übern­immt und Eini­gung auf ein sys­tem­a­tis­ches Vorgehen
  • Möglichst bre­ite Beteili­gung aller betrof­fe­nen Akteure in allen Phasen des Umset­zung­sprozess­es (Unternehmer, Betrieb­srat, Fachkraft, Betriebsarzt)
  • Kon­struk­tive Koop­er­a­tion aller am Prozess beteiligten Akteure
  • Unter­stützung und Beratung durch den Unfal­lver­sicherungsträger bei offe­nen Fragestel­lun­gen einholen
Neue Chan­cen
Die DGUV Vorschrift 2 zieht eine Rei­he von Verän­derun­gen nach sich. Dies ist mit Befürch­tun­gen und unter­schiedlichen Erwartun­gen ver­bun­den, eröffnet aber auch eine ganze Rei­he von Chan­cen, um die Qual­ität der Betreu­ung zu verbessern:
  • Ver­ant­wor­tung des Unternehmers: Das Konzept der DGUV Vorschrift 2 stärkt die Eigen­ver­ant­wor­tung der für den Arbeitss­chutz ver­ant­wortlichen Leitungskräfte des Unternehmens, die Pflicht­en aus dem Arbeitssicher­heits­ge­setz zu erfüllen. Sie sind stärk­er als in der Ver­gan­gen­heit gefordert, sich inhaltlich mit den Arbeitss­chutzfra­gen des eige­nen Betriebes auseinan­derzuset­zen. Nur dadurch kann die Pflicht aus der Vorschrift, den Betreu­ungs­be­darf betrieb­s­be­zo­gen zu ermit­teln, aufzuteilen und zu vere­in­baren, erfüllt werden.
  • Inhalte rück­en in den Vorder­grund: Die Leis­tungskat­a­loge und die Aus­lösekri­te­rien für die betrieb­sspez­i­fis­che Betreu­ung präzisieren die Auf­gaben von Fachkräften und Betrieb­särzten. Zur Bes­tim­mung von Inhalt und Umfang der Betreu­ung sind sie an den konkreten betrieblichen Bedin­gun­gen und Erfordernissen zu spiegeln. Leis­tun­gen sind konkret in Form ein­er Leis­tungs­beschrei­bung und des dafür erforder­lichen Aufwan­des zu beschreiben und zu vere­in­baren. Dies erfordert von allen Beteiligten eine inten­sive Auseinan­der­set­zung mit der Sit­u­a­tion des Arbeitss­chutzes im Betrieb. Die Ermit­tlung von Betreu­ungsin­hal­ten und ‑umfang ist dur­chaus eine anspruchsvolle Auf­gabe, die aber zu ein­er erhe­blichen Qual­itätssteigerung der Betreu­ungsleis­tun­gen selb­st beitra­gen kann. Es ist erforder­lich, konkret im Betrieb festzule­gen, worin die Unter­stützungsleis­tun­gen von der Fachkraft und dem Betrieb­sarzt beste­hen, z.B. bei der Analyse und Beurteilung von Tätigkeit­en mit Poten­zialen physis­ch­er oder psy­chis­ch­er Fehlbeanspruchungen.
  • Auf­gaben- und Leis­tungskat­a­loge als Instru­ment und Hil­f­s­mit­tel: Die in den Kat­a­lo­gen genan­nten Anforderun­gen an die betrieb­särztliche und sicher­heit­stech­nis­che Betreu­ung kön­nen der Fachkraft und dem Betrieb­sarzt in den Ver­hand­lun­gen mit dem Unternehmer als Argu­men­ta­tion­shil­fe dienen und den spez­i­fis­chen Betreu­ungs­be­darf für den jew­eili­gen Betrieb und das Erforder­nis unter­stre­ichen. Die Vorschrift ist somit nicht nur Geset­zes­text, son­dern zugle­ich ein Instru­ment zur Verbesserung des betrieblichen Arbeitsschutzes!
  • Flex­i­bles, bedarf­s­gerecht­es Sys­tem: Vor allem der betrieb­sspez­i­fis­che Teil der Betreu­ung ermöglicht eine ziel­gerichtete Aus­gestal­tung der Betreu­ung nach dem spez­i­fis­chen Bedarf und den Erfordernissen im Betrieb. Betreu­ungsan­lässe, wie Bau­maß­nah­men, die nur für einen bes­timmten Zeitraum beste­hen, erfordern auch nur tem­porär eine spez­i­fis­che Betreu­ungsleis­tung. Auch die Aufteilung der Leis­tun­gen zwis­chen Betrieb­sarzt und Fachkraft kann flex­i­bel erfol­gen – entsprechend den betrieblichen Bedürfnis­sen ein­er­seits und den jew­eili­gen per­sön­lichen Fähigkeit­en der bei­den Akteure andererseits.
  • Mitwirkung der Per­son­alvertre­tung: Die Mitbes­tim­mung der Betriebs-/Per­son­al­räte ist nun auch ver­stärkt bei den Inhal­ten der Betreu­ung gefordert. Je stärk­er diese auf der Basis der fach­lichen Beratung und Infor­ma­tion durch Fachkräfte und Betrieb­särzte erfol­gt, desto mehr kann auch von dieser Seite Ein­fluss auf die Qual­ität der Betreu­ung und des Arbeitss­chutzes genom­men werden.
  • Erhöhung der Trans­parenz und des zielo­ri­en­tierten, sys­tem­a­tis­chen Arbeit­ens: Mit den Leis­tungskat­a­lo­gen als Grund­lage und der Pflicht zur regelmäßi­gen Doku­men­ta­tion der Maß­nah­men und Ergeb­nisse der Leis­tungser­bringung wird ein zielo­ri­en­tiertes und sys­tem­a­tis­ches Arbeit­en verpflich­t­end. Mit der Vere­in­barung der Leis­tun­gen wird konkret fest­gelegt, was getan wer­den soll. Die regelmäßi­gen Doku­men­ta­tio­nen zeigen, was tat­säch­lich getan wurde und welche Ergeb­nisse damit erzielt wur­den. Dies sollte wiederum genutzt wer­den, um die Fes­tle­gung der Betreu­ungsleis­tun­gen zu überprüfen.
Umset­zung
Durch die Vorschrift wird ins­ge­samt ein höheres Engage­ment aller Beteiligten im Arbeitss­chutz gefordert. Ob sich dies entwick­elt und die Chan­cen für die Qual­itätssteigerung genutzt wer­den, muss sich in der Prax­is erweisen. Unter­stützt wird dies durch Hand­lung­shil­fen, die die DGUV und die Unfal­lver­sicherungsträger her­aus­geben. Die prak­tis­chen Auswirkun­gen der mit der DGUV Vorschrift 2 erforder­lichen Verän­derun­gen wer­den sich erst über einen län­geren Zeitraum zeigen. Eine sys­tem­a­tis­che Eval­u­a­tion wird erweisen, ob die Chan­cen genutzt wur­den oder die Befürch­tun­gen sich durchge­set­zt haben.
1Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten kön­nen anstelle der Regel­be­treu­ung die alter­na­tive betrieb­särztliche und sicher­heit­stech­nis­che bedarf­sori­en­tierte Betreu­ungs­form gemäß Anlage 3 der DGUV Vorschrift 2 wählen, wenn der Unternehmer (Dien­st­stel­len­leit­er) selb­st aktiv in das Betrieb­s­geschehen einge­bun­den ist. Die alter­na­tive Betreu­ung beste­ht aus der Teil­nahme des Unternehmers an Motivations‑, Infor­ma­tions- und Fort­bil­dungs­maß­nah­men und der Inanspruch­nahme der bedarf­sori­en­tierten betrieb­särztlichen und sicher­heit­stech­nis­chen Betreuung.
Autoren
Wern­er Hamacher,
Sebas­t­ian Riebe,
sys­temkonzept – Gesellschaft für Sys­tem­forschung und Konzeptentwicklung
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