Startseite » Fachbeiträge » Archiv SI »

Neues Konzept zur rechnerischen Beurteilung betrieblicher Gefahrstoffexpositionen unter Einbeziehung ausgewählter Brandschutzingenieurmethoden

Teil 1: Rechtlicher Rahmen und Ausgangssituation
Neues Konzept zur rechnerischen Beurteilung betrieblicher Gefahrstoffexpositionen unter Einbeziehung ausgewählter Brandschutzingenieurmethoden

Anzeige
Die Beurteilung von Gefährdun­gen am Arbeit­splatz ist eine der Kern­forderun­gen des dualen Arbeitss­chutzrechts und damit eine Grundpflicht des Arbeit­ge­bers. Ziel ist die Ausweisung des erforder­lichen Schutzniveaus für die bew­erteten Tätigkeit­en durch konkrete betriebliche Gestal­tungs­maß­nah­men. Dabei kön­nen für stoff­be­zo­gene Gefährdungs­beurteilun­gen nach § 5 Arb­SchG bzw. § 6 Gef­Stof­fV auch rech­ner­ische Betra­ch­tun­gen in die Beurteilung einge­bun­den wer­den, welche die Ermit­tlung der Stoff­freiset­zung und ‑aus­bre­itung berück­sichti­gen. Diese Mod­elle müssen gem. Gef­Stof­fV dem Stand der Tech­nik entsprechen. In der Diszi­plin des Brand­schutzin­ge­nieur­we­sens kom­men Mod­elle zum Ein­satz, die sich auf die Stof­faus­bre­itung in Räu­men und Konzen­tra­tions­be­din­gun­gen von Bran­drauch bei Bran­dereignis­sen in Gebäu­den beziehen und entsprechend vali­diert sind. Ein neuer konzep­tioneller Ansatz zur stoff­be­zo­ge­nen Bew­er­tung am Arbeit­splatz stellt die Verknüp­fung aus­gewählter Brand­schutzin­ge­nieur­mod­elle mit bekan­nten Arbeitss­chutz­mod­ellen zur Stof­fe­mis­sion bzw. ‑immis­sion dar. Dieses neu entwick­elte Ver­fahren dient dem Ziel, für aus­gewählte Branchen real­ität­sna­he Prog­nosen zur Stof­faus­bre­itung in Räu­men geben zu kön­nen, um darauf auf­bauend prak­tis­che Hand­lung­shil­fen und ‑empfehlun­gen abzuleit­en. Neben der Entwick­lung dieses neuen konzep­tionellen Ansatzes bein­hal­tet das Forschungsvorhaben an der Ber­gis­chen Uni­ver­sität Wup­per­tal dessen Vali­dierung, um nach­fol­gend Aus­sagen zur Ergeb­nis­ge­nauigkeit und zu prak­tis­chen Ver­wen­dungsmöglichkeit­en tre­f­fen zu können.

1 Ein­leitung
In ein­er Vielzahl von Tätigkeit­en der mod­er­nen Arbeitswelt wer­den gefährliche Stoffe einge­set­zt, deren Ver­wen­dung zur Erfül­lung der Arbeit­sauf­gaben bzw. inner­halb von Prozessen erforder­lich ist. Gemäß § 5 Arbeitss­chutzge­setz (Arb­SchG) [1] in Verbindung mit § 6 Gefahrstof­fverord­nung (Gef­Stof­fV) [2] hat der Arbeit­ge­ber für diese Tätigkeit­en eine Gefährdungs­beurteilung durchzuführen, die ins­beson­dere mögliche Gefährdun­gen der Beschäftigten unter Berück­sich­ti­gung der jew­eili­gen Gefährdungspo­ten­tiale der beteiligten Stoffe und den konkreten Rah­menbe­din­gun­gen der Tätigkeit sowie der Umge­bung (Expo­si­tion) ein­bezieht. Ziel ist es, für den Stoff und die Arbeits­be­din­gun­gen angepasste Schutz­maß­nah­men festzule­gen. Zur prax­is­na­hen Betra­ch­tung des Stof­fver­hal­tens in Arbeit­sräu­men und deren Auswirkun­gen auf Beschäftigte ist die Unter­suchung ver­schieden­er Teilaspek­te erforder­lich (vgl. Abb. 1). Im Anschluss an die Freiset­zung des Gefahrstoffes, der über inhärente Gefährdungspo­ten­tiale („Haz­ard“) ver­fügt, die poten­tiell wirk­sam wer­den kön­nen, erfol­gt eine Stof­faus­bre­itung im Raum. Diese kann bere­its durch unter­schiedliche Para­me­ter der Emis­sion (z.B. Stofftem­per­atur und ‑druck) bee­in­flusst wer­den. Die Aus­bre­itung, die weit­er­hin von den konkreten Rah­menbe­din­gun­gen der Tätigkeit – bspw. von der Umge­bung­stem­per­atur oder den Lüf­tungsver­hält­nis­sen des Raumes – bee­in­flusst wird, führt zu orts- und zeitab­hängi­gen Stof­fkonzen­tra­tio­nen in der Luft. Das räum­lich-zeitliche Aufeinan­dertr­e­f­fen der Stof­fkonzen­tra­tion mit den anwe­senden Beschäftigten gener­iert eine Stof­f­ex­po­si­tion, aus der vor dem Hin­ter­grund der Stof­fim­mis­sion die stoff- und tätigkeitsspez­i­fis­che Gefährdung Beschäftigter mit entsprechen­den neg­a­tiv­en Wirkun­gen resul­tieren kann.
In der Diszi­plin des Brand­schutzin­ge­nieur­we­sens, das maßge­blich auf die Sich­er­stel­lung von Flucht bzw. Ret­tung anwe­sender Per­so­n­en aus­gerichtet ist, wer­den Anforderun­gen an die Rauch­frei­hal­tung von Räu­men und Gebäu­den gestellt. Erforder­liche Entrauchungs­maß­nah­men sind entwed­er aus nor­ma­tiv­en Vor­gaben oder durch rech­ner­ische Nach­weise mit­tels sog. Brand­schutzin­ge­nieurmeth­o­d­en abzuleit­en. Die entsprechen­den Berech­nungsmod­elle zie­len auf die Ermit­tlung der Rauchaus­bre­itung und ‑abführung ab, wobei die räum­lich-zeitlichen Rah­menbe­din­gun­gen sowie die Para­me­ter des Bran­dereigniss­es zu berück­sichti­gen sind. Als Gemein­samkeit von Brand- und Arbeitss­chutz kann Bran­drauch als Stof­fgemisch ange­se­hen wer­den, dessen Kom­po­nen­ten im Brand­ver­lauf entste­hen (z.B. Kohlen­stoff­monox­id und –diox­id etc.) bzw. in die entste­hende Strö­mung eingemis­cht wer­den. Weit­er­hin beruht die Stof­faus­bre­itung in bei­den Schutzbere­ichen grundle­gend auf gle­ichen physikalis­chen Vorgän­gen (ggf. mit unter­schiedlich­er Aus­prä­gung), so dass durch die Betra­ch­tung resul­tieren­der Konzen­tra­tio­nen ein Schnittpunkt bei­der Diszi­plinen besteht.
2 Rech­ner­ische Ansätze zur stoff­be­zo­ge­nen Gefährdungsbeurteilung
Die Gefährdungs­beurteilung durch den Arbeit­ge­ber nach Arb­SchG ver­fol­gt das Ziel, Gesund­heitss­chä­den Beschäftigter durch Unfälle oder arbeits­be­d­ingte Erkrankun­gen bzw. Beruf­skrankheit­en durch Fes­tle­gung angepasster Schutz­maß­nah­men dauer­haft (in Bezug auf die Lebens-Arbeit­szeit) zu ver­mei­den. Diese grundle­gende Anforderung wird durch die Gefahrstof­fverord­nung sowie die konkretisieren­den “Tech­nis­chen Regeln für Gefahrstoffe” (TRGS) gestützt.
Für den betrieblichen Umgang mit Gefahrstof­fen wird durch die TRGS 400 („Gefährdungs­beurteilung für Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen“) [3] und die TRGS 4021 (“Ermit­teln und Beurteilen der Gefährdun­gen bei Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen: Inhala­tive Expo­si­tion“) [5] eine Vorge­hensweise zur Gefährdungs­beurteilung unter Ver­wen­dung ver­schieden­er Ver­fahren aufge­führt. Im Wesentlichen umfassen die Arbeitsschritte
  • die Infor­ma­tion­ser­mit­tlung zur Tätigkeit und zu einzuset­zen­den oder entste­hen­den Gefahrstoffen,
  • die Ermit­tlung und Bew­er­tung vor­liegen­der Expo­si­tio­nen bzw. Gefährdungen,
  • die Ableitung geeigneter Schutz­maß­nah­men für Beschäftigte,
  • die Doku­men­ta­tion sowie
  • die abschließende Wirk­samkeit­süber­prü­fung getrof­fen­er Maßnahmen.
Als Beurteilungs­maßstäbe sind die in TRGS 900 (“Arbeit­splatz­gren­zw­erte”) [6] fest­gelegten Arbeit­splatz­gren­zw­erte (AGW) als staatlich­es Gren­zw­ertkonzept her­anzuziehen. Ist für einen Stoff kein AGW veröf­fentlicht, kön­nen andere Beurteilungs­maßstäbe (z.B. inter­na­tionale Gren­zw­erte, DFG­MAK-Werte) bzw. Analo­giebe­tra­ch­tun­gen herange­zo­gen wer­den. Als Ver­fahren zur Beurteilung stoff­spez­i­fis­ch­er Tätigkeit­en kom­men ver­schiedene konzep­tionelle Ansätze zur Anwen­dung, die dem Stand der Tech­nik entsprechen müssen. Eine Beurteilung von Arbeits­be­din­gun­gen kann auf der Basis von Mes­sun­gen erfol­gen. Die entsprechende Tätigkeit muss jedoch unter den jew­eili­gen Umge­bungs­be­din­gun­gen bere­its durchge­führt sein, eine prospek­tive Erfas­sung ist nicht möglich. Darüber hin­aus ist die Nutzung von Analo­giebe­tra­ch­tun­gen real­isier­bar, jedoch nur mit der Ein­schränkung, dass die Arbeits­be­din­gun­gen der Tätigkeit­en bekan­nt und ver­gle­ich­bar sind. Alter­na­tiv beste­ht die Möglichkeit, rech­ner­ische Ver­fahren als qual­i­fizierte Expo­si­tion­s­ab­schätzung zur Beurteilung von Tätigkeit­en her­anzuziehen. Auch diese müssen dem Stand der Tech­nik entsprechen und die speziellen Arbeits­be­din­gun­gen in geeigneter Weise berücksichtigen.
Entsprechend den grundle­gen­den Mech­a­nis­men, die über die Stof­fe­mis­sion und ‑aus­bre­itung bis hin zur Ein­wirkung von Gefahrstof­fen auf Beschäftigte führen (vgl. Abb. 1), sind unter­schiedliche Schritte inner­halb der rech­ner­ischen Betra­ch­tun­gen erforderlich.
Diese müssen sowohl
  • die Stof­fe­mis­sion als auch
  • die Stof­faus­bre­itung
unter Berück­sich­ti­gung der einzelfall­be­zo­ge­nen Rah­menbe­din­gun­gen umfassen, um orts­be­zo­gene und bew­ert­bare Stoffkonzentrationen2 rech­ner­isch ermit­teln zu kön­nen. Weit­er­hin ist die Berück­sich­ti­gung der räum­lich-zeitlichen Koinzi­denz von Stof­fkonzen­tra­tion und Beschäftigten erforder­lich. Die all­ge­meine Vorge­hensweise ein­er stoff­be­zo­ge­nen Gefährdungs­beurteilung nach Gef­Stof­fV und TRGS 400 ist in Abb. 2 dargestellt.
3 Berech­nungsmod­elle des Arbeitsschutzes
Für rech­ner­ische Betra­ch­tun­gen zur Ermit­tlung der Stof­fe­mis­sion und ‑aus­bre­itung sowie der Entste­hung orts- und zeitab­hängiger Stof­fkonzen­tra­tio­nen in der Luft am Arbeit­splatz ste­hen Mod­elle zur Ver­fü­gung, die z.B. Unter­suchun­gen zur Ver­dun­stung oder Ver­damp­fung von Stof­fen, der strö­mungsmech­a­nis­chen Emis­sion oder auch zur Stof­faus­bre­itung auf­grund der Dif­fu­sion umfassen3.
Weit­er­hin existieren vere­in­fachte Ansätze zur Ermit­tlung der Stof­fkonzen­tra­tion, die von der Ein­teilung des Arbeit­sraumes in unter­schiedliche Zonen (Ein- oder Mehrzo­nen­mod­elle, die sich am Atem­bere­ich der Beschäftigten ori­en­tieren) aus­ge­hen und vol­u­men­be­zo­gene Mit­tel­w­ert­berech­nun­gen durchführen4. Eben­falls sind kom­bi­na­torische Konzepte vorhan­den, welche Unter­suchun­gen zu Stof­fe­mis­sion und ‑aus­bre­itung bere­its zusam­men­führen und durch ver­schiedene Kor­re­la­tio­nen aus Emis­sion­spa­ra­me­tern Rückschlüsse auf die Stof­fkonzen­tra­tio­nen ziehen (z.B. Mod­ell des Sättigungsdampfdrucks5,vgl. [8]). Darüber hin­aus kann eine Beurteilung auftre­tender stoff­spez­i­fis­ch­er Gefährdun­gen mit­tels gener­isch­er Expo­si­tion­s­mod­elle vorgenom­men wer­den, die von der Stof­fe­mis­sion auf die ein­tre­tenden Stof­fkonzen­tra­tio­nen schließen lassen (bspw. Stoffenmanager6). Zudem ist eine Beurteilung mit­tels qual­i­ta­tiv­er Mod­elle nach dem Con­trol-Band­ing-Ansatz (z.B. EMKG – Ein­fach­es Maß­nah­menkonzept Gefahrstoffe7) möglich, der Para­me­ter der Stof­fe­mis­sion mit rel­e­van­ten Arbeits­be­din­gun­gen (bspw. Kon­tak­t­dauer) verknüpft und so Empfehlun­gen zu erforder­lichen Maß­nah­men gibt.
Aus den Dar­legun­gen zu den im Arbeitss­chutz Ver­wen­dung find­en­den Mod­ellen lässt sich darauf schließen, dass diese vor­wiegend aus exper­i­mentellen Unter­suchun­gen abgeleit­et wor­den sind. Für diese Mod­elle beste­hen zumeist keine Vali­dierung­sun­ter­suchun­gen, die Aus­sagen zur Real­ität­snähe der Ergeb­nisse sowie deren Genauigkeit dar­legen und damit eine Voraus­set­zung für die sichere Anwen­dung bilden. Dementsprechend sind die Anwen­dungs­gren­zen eng gesteckt und ein prak­tis­ch­er Ein­satz ggf. eingeschränkt.
Vor diesem Hin­ter­grund ist eine ori­en­tierende Anwen­dung dieser Mod­elle generell möglich, jedoch müssen die Ergeb­nisse mit entsprechen­den Sicher­heits­fak­toren bedacht wer­den. Das Mod­ellde­sign des Zonen­mod­ells baut z.B. auf Mit­tel­w­ertrech­nun­gen auf, deren Bezugsvol­u­men und damit unmit­tel­bar die errech­neten Stof­fkonzen­tra­tio­nen durch den Anwen­der fest­gelegt und direkt bee­in­flusst werden8. Darüber hin­aus sind ins­beson­dere Aus­bre­itungsmod­elle entwed­er auf die Darstel­lung einzel­ner physikalis­ch­er Vorgänge aus­gerichtet (z.B. das Diffusionsmodell9) oder stellen auf nicht dif­feren­zierte Quell­terme ab, die auf empirischen Verknüp­fun­gen basieren.
Zusam­men­fassend ver­fü­gen die vor­liegen­den Berech­nungsmod­elle über konzep­tionelle Ein­schränkun­gen, die im Rah­men der Gefährdungs­beurteilung eine Ver­wen­dung zur ori­en­tieren­den Abschätzung ermöglichen. Orts- und zeitab­hängige Detailierun­gen – bspw. für spezielle Anwen­dungs­fälle – kön­nen jedoch nicht dargestellt werden.
4 Berech­nungsmod­elle des Brandschutzingenieurwesens
Im Bere­ich des Brand­schutzin­ge­nieur­we­sens wer­den für ver­schiedene Unter­suchun­gen rech­ner­ische Mod­elle einge­set­zt, wobei eine Mod­el­lkat­e­gorie auf die Ermit­tlung der Rauchaus­bre­itung in Gebäu­den abzielt. Im Gegen­satz zum Arbeitss­chutz sind die method­is­chen Ansätze nicht auf die Ver­mei­dung von Gesund­heitss­chä­den über die Leben­sar­beit­szeit, son­dern auf die kurzfristige Sich­er­stel­lung der Flucht­möglichkeit und Per­so­n­en­ret­tung im Brand­fall aus­gerichtet. Generell wird für der­ar­tige Berech­nun­gen, die sich auch auf im Rauch enthal­tene Kom­po­nen­ten erstreck­en, zwis­chen den Konzepten brand­schutztech­nis­ch­er Zonen- und Feld­mod­elle unterschieden.
Zonen­mod­elle beruhen auf der Annahme, dass sich im Brand­fall über ein­er soge­nan­nten rauchar­men Schicht eine klar abge­gren­zte Rauch­schicht aus­bildet. Die Rau­che­mis­sion des Bran­des, die Inter­ak­tion der Schicht­en (als rech­ner­ische Kon­trol­lvol­u­men) sowie die Durch­strö­mung von Raumöff­nun­gen wer­den durch Quell­terme beschrieben. Zudem wer­den Vorzugsrich­tun­gen der Aus­bre­itung unter­stellt und berech­net. Feld­mod­elle als Umset­zung der CFD10-Ansätze beruhen auf der Unterteilung des Betra­ch­tungsraums in eine Vielzahl von Kontrollvolumen11. Durch dieses Vorge­hen ist eine freie Rauchaus­bre­itung ohne Vorzugsrich­tung rech­ner­isch abbildbar.
Durch die Berech­nung von im Bran­drauch enthal­te­nen Stof­fkonzen­tra­tio­nen bzw. deren Stof­faus­bre­itung kann erwartet wer­den, dass die Brand­schutzin­ge­nieur­mod­elle eben­falls für Betra­ch­tun­gen zur all­ge­meinen Stof­faus­bre­itung ver­wen­det wer­den kön­nen. Das Konzept der Zonen­mod­elle unter­stellt zwin­gend ein Bran­dereig­nis, weit­er­hin ist die erforder­liche freie Aus­bre­itungs­berech­nung durch die Vor­gabe ein­er Vorzugsrich­tung nicht gegeben. Dieser Mod­ell­typ find­et daher keine Anwen­dung im Arbeitss­chutz. Dage­gen kön­nen Feld­mod­elle auch Berech­nun­gen ohne Bran­dereig­nis und Vorzugsrich­tung real­isieren, so dass eine Ein­bindung dieses Mod­ellde­signs im Arbeitss­chutz möglich erscheint.
Neben Syn­ergieef­fek­ten wäre ein Vorteil ein­er Über­tra­gung, dass bere­its beste­hende Vali­dierungs­be­tra­ch­tun­gen für den Anwen­dungs­bere­ich des Arbeitss­chutzes zugrunde gelegt wer­den. Dies gilt in diesem Kon­text für das all­ge­mein ver­füg­bare und weltweit anerkan­nte Berech­nungsmod­ell „Fire Dynam­ics Simulator“12 (FDS) inklu­sive der ver­füg­baren Unter­suchun­gen (vgl. [12, 13, 14]). Eine zen­trale Schnittstelle bildet dabei die Abbil­dung von Gemis­chen und deren Stof­fkom­po­nen­ten, die sich in der Luft des Berech­nungsraumes aus­bre­it­en und durch ver­schiedene physikalis­che Vorgänge (z.B. Dif­fu­sion, Ther­mik und Ein­fluss von Luft­strö­mungen) bee­in­flusst werden.
Lesen Sie auch:
Lit­er­atur
  • 1. Gesetz über die Durch­führung von Maß­nah­men des Arbeitss­chutzes zur Verbesserung der Sicher­heit und des Gesund­heitss­chutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Arbeitss­chutzge­setz – Arb­SchG), Fas­sung August 1996 (zulet­zt geän­dert Feb­ru­ar 2009); in Bun­des­ge­set­zblatt I, 2009
  • 2. Verord­nung zum Schutz vor Gefahrstof­fen (Gefahrstof­fverord­nung – Gef­Stof­fV), Fas­sung 2010 (zulet­zt geän­dert Juli 2011); in Bun­des­ge­set­zblatt I, 2011
  • 3. TRGS 400 – Gefährdungs­beurteilung für Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen, Aus­gabe: Jan­u­ar 2008
  • 4. TRGS 401 – Gefährdung durch Hautkon­takt – Ermit­tlung, Beurteilung, Maß­nah­men, Aus­gabe: Juni 2008
  • 5. TRGS 402 – Ermit­teln und Beurteilen der Gefährdun­gen bei Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen: Inhala­tive Expo­si­tion, Aus­gabe: Juni 2008
  • 6. TRGS 900 – Arbeit­splatz­gren­zw­erte, Aus­gabe: Jan­u­ar 2006 (zulet­zt geän­dert 2012)
  • 7. Kahl, A. et. al.: Ein­fach­es Maß­nah­menkonzept Gefahrstoffe – Ver­sion 2.2. Dort­mund: Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin, Stand: Okto­ber 2011
  • 8. Eick­mann, U.: Meth­o­d­en der Ermit­tlung und Bew­er­tung chemis­ch­er Expo­si­tio­nen an Arbeit­splätzen. Landsberg/Lech: Ver­lags­gruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, 2008
  • 9. Keil, C.B.: Math­e­mat­i­cal Mod­els for Esti­mat­ing Occu­pa­tion­al Expo­sure to Chem­i­cals. Fair­fax, USA: Amer­i­can Indus­tri­al Hygiene Asso­cioa­t­ion (AHIA), 2000
  • 10. Online ver­füg­bare Gesamt­doku­men­ta­tion: https:\www.stoffenmanager.nl
  • 11. Lehder, G.: Taschen­buch Arbeitssicher­heit. 12., neu bear­beit­ete Auflage. Berlin: Erich Schmidt Ver­lag, 2011
  • 12. McGrat­tan, K. et. al.: Fire Dynam­ics Sim­u­la­tor (Ver­sion 5) – Tech­ni­cal Ref­er­ence Guide, Vol­ume 1: Math­e­mat­i­cal Mod­el. Wash­ing­ton, USA: Nation­al Insti­tute of Stan­dards and Tech­nolo­gie (NIST), U.S. Depart­ment of Com­merce, 2010
  • 13. McGrat­tan, K. et. al.: Fire Dynam­ics Sim­u­la­tor (Ver­sion 5) – Tech­ni­cal Ref­er­ence Guide, Vol­ume 2: Ver­i­fi­ca­tion. Wash­ing­ton, USA: Nation­al Insti­tute of Stan­dards and Tech­nolo­gie (NIST), U.S. Depart­ment of Com­merce, 2010
  • 14. McGrat­tan, K. et. al.: Fire Dynam­ics Sim­u­la­tor (Ver­sion 5) – Tech­ni­cal Ref­er­ence Guide, Vol­ume 3: Val­i­da­tion. Wash­ing­ton, USA: Nation­al Insti­tute of Stan­dards and Tech­nolo­gie (NIST), U.S. Depart­ment of Com­merce, 2010
  • 15. For­ney, G.P.: Smoke­view (Ver­sion 6) – A Tool for Visu­al­iz­ing Fire Dynam­ics Sim­u­la­tion Data – Vol­ume I: User’s Guide. Wash­ing­ton, USA: Nation­al Insti­tute of Stan­dards and Tech­nolo­gie (NIST), U.S. Depart­ment of Com­merce, 2012
  • 16. For­ney, G.P.: Smoke­view (Ver­sion 6) – A Tool for Visu­al­iz­ing Fire Dynam­ics Sim­u­la­tion Data – Vol­ume II: Tech­ni­cal Ref­er­ence Guide. Wash­ing­ton, USA: Nation­al Insti­tute of Stan­dards and Tech­nolo­gie (NIST), U.S. Depart­ment of Com­merce, 2012
  • 1 Neben den speziellen Anforderun­gen für inhala­tive Expo­si­tio­nen beste­hen mit der TRGS 401 („Gefährdung durch Hautkon­takt – Ermit­tlung, Beurteilung, Maß­nah­men“) [4] eben­falls Anforderun­gen für der­male Gefährdun­gen Beschäftigter. Die beschriebe­nen Schritte zur Gefährdungs­beurteilung sind dabei adäquat zu den Anforderun­gen der TRGS 401.
  • 2 Das Gren­zw­ertkonzept der AGW beruht auf der Bew­er­tung stof­flich­er Konzen­tra­tio­nen in der Luft am Arbeit­splatz, wobei die ein­tre­tenden Immis­sion­s­mech­a­nis­men im Rah­men der Gren­zw­ertableitung berück­sichtigt wer­den. Eine rech­ner­ische Betra­ch­tung der Immis­sion sowie der biol­o­gis­chen Wirkungsmech­a­nis­men ist somit im Rah­men der Beurteilung von Tätigkeit­en nicht erforderlich.
  • 3 vgl. z.B. [8]
  • 4 vgl. bspw. [9]
  • 5 aus dem Englis­chen: Sat­u­ra­tion Vapour Pres­sure Model
  • 6 vgl. [10]
  • 7 vgl. [7]
  • 8 vgl. [8]
  • 9 vgl. [8]
  • 10 Com­pu­ta­tion­al Flu­id Dynam­ics – numerische Strömungsmechanik
  • 11 Typ­is­che Kan­ten­län­gen liegen im Bere­ich von 0,20 m, so dass 1 m³ bere­its in 125 Berech­nungs­felder unterteilt wird.
  • 12 http:\code.google.com/p/fds-smv/
Autoren
M.Sc. Flo­ri­an Pillar
Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Anke Kahl
Anzeige
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Meistgelesen

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 12
Ausgabe
12.2020
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 11
Ausgabe
11.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de