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Normung als Instrument der Prävention

Beteiligung des Arbeitsschutzes an der Normung
Normung als Instrument der Prävention

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Für den Arbeitss­chutz ist die Nor­mung ein wichtiges Instru­ment der Präven­tion: Sicher­heit­srel­e­vante Nor­men tra­gen wesentlich zur Ver­mei­dung von Arbeit­sun­fällen und Beruf­serkrankun­gen bei, da sie die Grund­lage für sichere und ergonomis­che Arbeitsmit­tel bilden. Daher ist die Inte­gra­tion des Arbeitss­chutzes bei der Erar­beitung von sicher­heit­stech­nis­chen Nor­men essen­tiell.

Bet­ti­na Pal­ka

Das Ziel, qual­i­ta­tiv hochw­er­tige Nor­men zu erar­beit­en, kann jedoch nur erre­icht wer­den, wenn sich alle Kreise aktiv an ihrer Erar­beitung beteili­gen.
Die per­son­ellen, aber auch die finanziellen Möglichkeit­en erschw­eren allerd­ings die Mitwirkung bei der Nor­mungsar­beit. Die zunehmende Inter­na­tion­al­isierung der Nor­mung ver­stärkt diesen Trend noch. Dabei ist ger­ade die Mitar­beit aller inter­essierten Kreise in der Nor­mung von großer Bedeu­tung. Dies gilt ins­beson­dere für die Vertreter des Arbeitss­chutzes und für diejeni­gen, die mit den genormten Pro­duk­ten und Ver­fahren tagtäglich umge­hen müssen. Nur so kann sichergestellt wer­den, dass die Erfahrun­gen der Beteiligten in den Normin­halt ein­fließen und Aspek­te wie z.B. Benutzbarkeit, Ergonomie oder Eig­nung für spezielle Sit­u­a­tio­nen angemessen berück­sichtigt wer­den. Anson­sten entste­ht das Risiko, dass die Inter­essen aus Arbeitss­chutzsicht nicht hin­re­ichend berück­sichtigt wer­den, weil der Arbeitss­chutz als wichtiger inter­essiert­er Kreis bei der Nor­mung nicht aus­re­ichend aktiv mitwirkt.
Beteili­gungsmöglichkeit­en
Die Nor­mungsin­sti­tute (in Deutsch­land das DIN) haben den Anspruch, bei der Erar­beitung von Nor­men die inter­essierten Kreise einzubeziehen. Dazu zählen je nach The­ma und Inter­essen­schw­er­punkt Her­steller, Anwen­der, Arbeit­ge­ber und Arbeit­nehmer, Behör­den, Unfal­lver­sicherung, Han­del, Handw­erk, Prüfin­sti­tute, Sachver­sicher­er, selb­st­ständi­ge Sachver­ständi­ge, tech­nis­che Überwach­er, Ver­brauch­er, Ver­bände und Wis­senschaft. Die Beteili­gung kann sowohl über die per­son­elle Mitar­beit als auch über Stel­lung­nah­men zu ein­er Norm erfol­gen.
Bei der per­sön­lichen Mitar­beit in einem Nor­me­nauss­chuss sind die mitar­bei­t­en­den Experten sehr lange einge­bun­den, da die Erar­beitung ein­er Norm auf­grund der Abstim­mung­sprozesse und der inhaltlichen Dichte bis zu drei Jahre, manch­mal sog­ar länger, dauern kann. Die inhaltliche Fachar­beit fällt zusät­zlich zu den Pro­jek­t­sitzun­gen an, und neben dem zeitlichen Aufwand gibt es Kosten für die mitar­bei­t­en­den Experten: Dies sind zum einen die Kosten des Arbeit­saus­falls, zum anderen Reisekosten sowie in bes­timmten Fällen auch Gebühren an das DIN. Dies sind Aspek­te, die eine aktive Mitar­beit bei der Erstel­lung von Nor­men erschw­eren.
Die Beteili­gung am Nor­mung­sprozess kann auch über Stel­lung­nah­men erfol­gen, in denen Änderun­gen, Ergänzun­gen oder Ein­sprüche zu ein­er Norm geäußert wer­den. Diese Stel­lung­nah­men sind jed­er­mann möglich: Die Norm-Entwürfe, die kom­men­tiert wer­den, sind als Gesamt­doku­ment nicht kosten­frei erhältlich. Es gibt jedoch die Möglichkeit, sich beim Norm-Entwurfs-Por­tal des DIN zu reg­istri­eren und dadurch kosten­frei Inhalte von aktuellen Norm-Entwür­fen einzuse­hen. Das DIN bietet für Stel­lung­nah­men durch jed­er­mann eine Tabelle zum Down­load an, die direkt am PC aus­ge­füllt wer­den kann. Es ist sehr rat­sam, dass der Stel­lungnehmende seine Posi­tion bei der nationalen Ein­spruchs­ber­atung dem Nor­mungs­gremi­um erläutert. Daher fall­en ähn­lich wie bei der per­sön­lichen Mitar­beit in einem Nor­me­nauss­chuss eben­falls Arbeit­skosten sowie für die Ein­spruchssitzung Reisekosten an. Der finanzielle und per­son­elle Aufwand, der durch die For­mulierung von Stel­lung­nah­men entste­ht, ist jedoch nicht so hoch wie bei der per­sön­lichen Mitar­beit in einem Nor­me­nauss­chuss.
Beteili­gungsmöglichkeit­en nation­al
In Deutsch­land ist durch die Ein­beziehung divers­er Insti­tu­tio­nen die Berück­sich­ti­gung des Arbeitss­chutzes beim Nor­mung­sprozess gewährleis­tet. Dieses geschieht ins­beson­dere durch die aktive Mitar­beit von Arbeitss­chutzex­perten in Nor­mungs­gremien sowie durch die Kom­mis­sion Arbeitss­chutz und Nor­mung (KAN), aber auch durch die Beteili­gung der Behör­den.
Beteili­gung der Unfal­lver­sicherungsvertreter
In der Nor­mung arbeit­en Vertreter der Unfal­lver­sicherungsträger sehr inten­siv mit. Mehr als jed­er dritte von ihnen trägt Ver­ant­wor­tung als Vor­sitzen­der oder Obmann eines nationalen, europäis­chen oder inter­na­tionalen Nor­mungs­gremi­ums.
Beteili­gung der Behör­den
Da sich in Deutsch­land auf­grund eines Beschlusses der Arbeits- und Sozialmin­is­terkon­ferenz der Bun­deslän­der „der staatliche Arbeitss­chutz seit etwa 1999 weit­ge­hend nicht mehr an der zeitlich sehr aufwendi­gen Nor­mungsar­beit“ [4] beteiligt, ist die Mitwirkung der staatlichen Behör­den zwar geringer gewor­den. Den­noch beteili­gen sich die Behör­den nation­al mit­tel­bar in Arbeitss­chutz­be­lan­gen an der zeitlich sehr aufwendi­gen Nor­mungsar­beit, z.B. durch Mitar­beit in der Kom­mis­sion Arbeitss­chutz und Nor­mung und deren pro­jek­t­be­glei­t­en­den Arbeits­grup­pen. Fall­weise arbeit­en sie auch in Nor­mungs­gremien mit.
Kom­mis­sion Arbeitss­chutz und Nor­mung
Die KAN beste­ht aus Vertretern von Arbeit­ge­bern, Arbeit­nehmern, Staat (Bund und Län­dern), der DGUV sowie des DIN. Sie hat die Auf­gabe, die Nor­mungsar­beit zu beobacht­en und die Arbeitss­chutz­be­lange bei der Nor­mung einzubrin­gen [5]. Das Gremi­um tagt zweimal jährlich und wird inhaltlich durch die KAN-Geschäftsstelle unter­stützt.
Die Schw­er­punk­te in der Arbeit der KAN liegen in fol­gen­den Punk­ten:
  • „Erar­beitung grund­sät­zlich­er Posi­tio­nen des Arbeitss­chutzes zu bedeut­samen Fra­gen des Nor­mungs­geschehens,
  • Bew­er­tung der Inhalte von Nor­men danach, ob sie den Arbeitss­chutzan­forderun­gen aus deutsch­er Sicht und den in den europäis­chen Richtlin­ien vorgegebe­nen Schutzzie­len entsprechen,
  • Ein­flussnahme auf Nor­mung­spro­gramme und ‑man­date (Man­date sind Nor­mungsaufträge der Europäis­chen Kom­mis­sion an die pri­vat­en Nor­mungsin­sti­tute CEN/CENELEC),
  • Prü­fung, ob aus der Sicht des Arbeitss­chutzes ein Nor­mungs­be­darf beste­ht,
  • Vor­bere­itung von Infor­ma­tio­nen zur Nor­mungsar­beit für die Arbeitss­chutzex­perten.“ [5]
In der KAN-Geschäftsstelle ist zur Sich­er­stel­lung der Ein­flussnahme der Sozial­part­ner jew­eils ein Vertreter der Arbeit­ge­ber und der Arbeit­nehmer direkt vor Ort in die Arbeit ein­be­zo­gen. So kön­nen deren Belange direkt in die Tage­sar­beit ein­fließen. Darüber hin­aus arbeit­en die Leit­er der Sozial­part­ner­büros auch in der prak­tis­chen Nor­mungsar­beit, z.B. im Nor­me­nauss­chuss Ergonomie, mit. Arbeit­ge­ber- und Arbeit­nehmervertreter kön­nen sich über ihre Sozial­part­ner­büros an die KAN wen­den, wenn sie Hin­weise und Verbesserungsvorschläge bei Nor­men ein­brin­gen möcht­en.
Die KAN nimmt auf vielfältige Weise Ein­fluss auf die Nor­mung: Sie bün­delt die Posi­tio­nen der Arbeitss­chutzin­sti­tu­tio­nen und fasst diese zu KAN-Stel­lung­nah­men zusam­men, die an das DIN weit­ergeleit­et wer­den. Eine abges­timmte KAN-Arbeitss­chutzstel­lung­nahme hat daher eine andere Gewich­tung als die Stel­lung­nahme eines einzel­nen Arbeitss­chutzvertreters. Des Weit­eren unter­stützt die KAN bei Bedarf Arbeitss­chutzex­perten in der Nor­mung, indem sie Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen ver­mit­telt, weit­ere Kon­tak­te her­stellt sowie über Ein­flussmöglichkeit­en informiert.
Die KAN hat darüber hin­aus mit­tels des „geschlosse­nen Votums“ die Möglichkeit, eine Norm durch den deutschen Arbeitss­chutz abzulehnen, was zur Kon­se­quenz hat, dass sich das DIN bei Abstim­mungen zumin­d­est enthal­ten muss. [7] In beson­deren Fällen unter­stützt sie das Bun­desmin­is­teri­um für Arbeit und Soziales darin, einen formellen Ein­wand [7] gegen eine har­mon­isierte europäis­che Norm bei der Europäis­chen Kom­mis­sion einzule­gen und diesen zu begrün­den.
Beteili­gungsmöglichkeit­en europäisch
Eine Europäis­che Norm wird unter Mitwirkung der Mit­gliedsin­sti­tute erar­beit­et. Wenn ein nationales Nor­mungsin­sti­tut aktiv an ein­er Europäis­chen Norm mitar­beit­et, richtet es einen Spiege­lauss­chuss ein, der ein nationales Mei­n­ungs­bild erar­beit­et und dieses im europäis­chen Nor­mungsin­sti­tut CEN ver­tritt.
Aus diesem Spiegel­gremi­um wird eine nationale Del­e­ga­tion zum Tech­nis­chen Komi­tee entsandt. Diese Del­e­ga­tion ist an die nationale Mei­n­ungs­bil­dung gebun­den und repräsen­tiert die nation­al in dem Spiege­lauss­chuss abges­timmte Mei­n­ung. Im Gegen­satz zu der Del­e­ga­tion in einem TC1 agieren in ein­er Work­ing Group (WG) die „per­sön­lich benan­nten Experten […] nicht als offizielle Vertreter ihres Lan­des […], son­dern als per­sön­liche Fach­leute“. [11] Eine Rück­kop­plung der nationalen Experten mit dem jew­eili­gen Spiegel­gremi­um ist sin­nvoll. Wichtig ist, dass die Delegierten die nationale Mei­n­ung wiedergeben und nicht, wie Experten, ihre eigene Posi­tion darstellen. Für Abstim­mungen ist es essen­tiell, dass die Del­e­ga­tio­nen einen aus­re­ichen­den Ver­hand­lungsspiel­raum während der Normer­ar­beitung haben, so dass sie einem Kom­pro­miss zus­tim­men kön­nen. Der nationale Spiege­lauss­chuss erfährt im Anschluss über die nationale Del­e­ga­tion den Diskus­sion­s­stand sowie die erar­beit­eten Ergeb­nisse.
In der Vere­in­barung zwis­chen der DGUV (ehe­mals HVBG) und dem DIN ist geregelt, dass ein Arbeitss­chutzvertreter der Unfal­lver­sicherungsträger in der nationalen Del­e­ga­tion vertreten ist. Anson­sten sollte der Arbeitss­chutz durch die nationale Mei­n­ungs­bil­dung im Spiege­lauss­chuss durch einen Vertreter berück­sichtigt und so mit in die europäis­che Normer­ar­beitung genom­men wer­den.
SABOHS
Im CEN hat das Beratungs­gremi­um für Arbeitss­chutz (SABOHS, Strate­gic Advi­so­ry Body for Occu­pa­tion­al Health and Safe­ty) die Auf­gabe, eine angemessene Berück­sich­ti­gung des Arbeitss­chutzes auf europäis­ch­er Nor­mungsebene zu erre­ichen [9]. Das Gremi­um berät den CEN-Rap­por­teur [10] für Arbeitss­chutz sowie die Tech­nis­chen Komi­tees in Fra­gen des Arbeitss­chutzes [9]. Außer­dem beobachtet das Gremi­um die Nor­mungsvorhaben, sowohl europäisch als auch inter­na­tion­al, und inter­ve­niert, sofern notwendig, in Form von Stel­lung­nah­men an CEN. Weit­er­hin gibt SABOHS Infor­ma­tio­nen zu Rechts­grund­la­gen und Entwick­lun­gen her­aus und zeigt deren Kon­se­quen­zen für die Nor­mung auf [9]. Damit möchte das Gremi­um zen­trale Anlauf­stelle sein für Gremien auf CEN-Ebene, die sich mit Fra­gen des Arbeits- und Gesund­heitss­chutzes befassen. [3]
ADCO – Admin­is­tra­tive Coop­er­a­tion Group
Laut Artikel 19 der EG-Maschi­nen­richtlin­ie sor­gen die Mit­glied­staat­en „(1) … durch geeignete Maß­nah­men dafür, dass die […] zuständi­gen Behör­den untere­inan­der und mit der Kom­mis­sion zusam­me­nar­beit­en und einan­der die für die ein­heitliche Anwen­dung dieser Richtlin­ie notwendi­gen Infor­ma­tio­nen über­mit­teln. (2) Zur Koor­dinierung der ein­heitlichen Anwen­dung dieser Richtlin­ie organ­isiert die Kom­mis­sion den Erfahrungsaus­tausch zwis­chen den für die Mark­tauf­sicht zuständi­gen Behör­den.“ [1] Diese Koop­er­a­tion wird auf­grund der zunehmenden Glob­al­isierung und des gren­züber­schre­i­t­en­den Han­dels von Pro­duk­ten immer wichtiger. Zur Erfül­lung dieser Anforderung der Maschi­nen­richtlin­ie wurde die „Machin­ery Admin­is­tra­tive Coop­er­a­tion Group“ (Machin­ery ADCO Group) gegrün­det.
Ende 2009 grün­dete ADCO „eine Task Force, die die Nor­mung der Land­maschi­nen auf europäischer/internationaler Ebene unter­stützen und dabei auf die Grund­sätze und Vorschläge des Krakauer Mem­o­ran­dums [2] acht­en soll.“[8]
EUROSHNET
Das Net­zw­erk europäis­ch­er Arbeitss­chutzex­perten EUROSHNET – Euro­pean Occu­pa­tion­al Safe­ty and Health Net­work (http://www.euroshnet.eu) ist eine inter­net­basierte Kom­mu­nika­tion­splat­tform, auf der sich Experten über arbeitss­chutzrel­e­vante Prob­lematiken und Aspek­te aus­tauschen kön­nen. Das Net­zw­erk trägt der Inter­na­tion­al­isierung in der Nor­mung Rech­nung und trägt dazu bei, dass sich nationale Experten mit Fach­leuten aus anderen europäis­chen Län­dern kom­pe­tent aus­tauschen kön­nen.
Europäis­ches Gew­erkschaftsin­sti­tut ETUI – Euro­pean Trade Union Insti­tute
Das Europäis­che Gew­erkschaftsin­sti­tut ETUI (Euro­pean Trade Union Insti­tute) ist eine Ein­rich­tung des Europäis­chen Gew­erkschafts­bun­des. ETUI ist u.a. assozi­iertes Mit­glied im Europäis­chen Komi­tee für Nor­mung (CEN) und betreibt ein Net­zw­erk Nor­mung für die europäis­chen Gew­erkschaften. Inhaltliche Schw­er­punk­te sind die Nor­mung zur Ergonomie und zur Maschi­nen­sicher­heit. Das Insti­tut hat ein großes Inter­esse, die Beteili­gung der Sozial­part­ner an der Nor­mung weit­er zu fördern, um damit auch den Arbeits- und Gesund­heitss­chutz der Mitar­beit­er noch weit­er zu verbessern.
NORMAPME
NORMAPME (Bureau Européen de l’Ar­ti­sanat et des Petites et Moyennes Entre­pris­es pour la Nor­mal­i­sa­tion), das europäis­che Büro des Handw­erks und der KMU für die Nor­mung, ist eine europäis­che Organ­i­sa­tion mit Sitz in Brüs­sel, die kleine und mit­tlere Unternehmen sowie Handw­erks­be­triebe bei der Nor­mung unter­stützt [6]. Arbeitss­chutz wird in NORMAPME jedoch nur eingeschränkt behan­delt.
Beteili­gungsmöglichkeit­en inter­na­tion­al
Im inter­na­tionalen Bere­ich existieren eben­falls das nationale Del­e­ga­tion­sprinzip sowie das Ver­braucherkomi­tee COPOLCO, das Arbeitss­chutz im Rah­men von Ver­braucher­in­ter­essen behan­delt. Des Weit­eren kann EUROSHNET für die inter­na­tionale Nor­mung zumin­d­est durch die europäis­chen Arbeitss­chutzex­perten genutzt wer­den.
Nationales Del­e­ga­tion­sprinzip auf inter­na­tionaler Ebene
Ähn­lich wie auf europäis­ch­er Ebene wird die nationale Mei­n­ung durch Del­e­ga­tio­nen in die ISO-Gremien getra­gen. Durch die je nach Schw­er­punkt der Norm zusam­mengestellte Auswahl der Vertreter sollte der Arbeitss­chutz bei der Del­e­ga­tion repräsen­tiert sein. Bei Nor­men mit Arbeitss­chutz­be­lan­gen sollte ein Arbeitss­chutzvertreter entwed­er direkt in der nationalen Del­e­ga­tion sein oder aber die Arbeitss­chutz­po­si­tion indi­rekt durch die nationale Mei­n­ungs­bil­dung im Spiegel­gremi­um vertreten sein, da die nation­al abges­timmte Mei­n­ung von der Del­e­ga­tion so über­nom­men und dem inter­na­tionalen Gremi­um gegenüber vertreten wer­den muss. Dies muss abhängig von dem Nor­mvorhaben im nationalen Spiegel­gremi­um entsch­ieden wer­den.
COPOLCO
Das Komi­tee für Ver­braucher­poli­tik der Inter­na­tionalen Nor­mung­sor­gan­i­sa­tion COPOLCO (Com­mit­tee on Con­sumer Pol­i­cy of the Inter­na­tion­al Orga­ni­za­tion for Stan­dard­iza­tion (ISO)) set­zt sich aus Delegierten zusam­men, die von nationalen Nor­mungs­gremien und Ver­braucheror­gan­i­sa­tio­nen weltweit kom­men. Der Auf­trag von COPOLCO beste­ht in der Ermöglichung eines Infor­ma­tions- und Erfahrungsaus­tausches über Nor­men und Konformitätsbewertung.2
Das Ver­braucher­gremi­um beschäftigt sich mit Nor­mungs­the­men bei ISO, die sich vor­rangig an den Ver­brauch­er richt­en und damit auch die Ver­brauch­er­sicher­heit tang­ieren. Insofern ist auch der Arbeits- und Gesund­heitss­chutz durch COPOLCO teil­weise abgedeckt, indem in Nor­men zum Ver­brauch­er­schutz auch sicher­heit­stech­nis­che Anforderun­gen an Pro­duk­te fest­gelegt wer­den.
Aus­blick
Die Gegenüber­stel­lung der Beteili­gungsmod­elle zeigt, dass der aktuelle Beteili­gungs­grad des Arbeitss­chutzes mit zunehmender Inter­na­tion­al­isierung abn­immt. Den­noch haben Nor­men für den Arbeitss­chutz eine steigende Bedeu­tung: In den europäis­chen Bin­nen­markt-Richtlin­ien sowie deutschen Verord­nun­gen sind verbindliche, aber all­ge­meine Schutzziele für Pro­duk­te vorgegeben, die durch har­mon­isierte Europäis­che Nor­men aus­ge­füllt wer­den. Diese Nor­men sind in der Anwen­dung frei­willig, sie lösen aber die Ver­mu­tungswirkung aus und sind daher ein hil­fre­ich­es Instru­ment in der Prax­is.
Neben der Pro­duk­t­nor­mung ist eine steigende Ten­denz an Nor­mvorhaben im sozialen Bere­ich zu verze­ich­nen (Dien­stleis­tun­gen, Qual­i­fika­tio­nen, sozialpoli­tis­che The­men wie die ISO 26000 zu Social Respon­si­bil­i­ty), die auch Bezüge zum Arbeitss­chutz aufweisen. Auch hier gilt es, die unter­schiedlichen Möglichkeit­en, wie sich der Arbeitss­chutz in die Nor­mung ein­bringt (nation­al, europäisch sowie inter­na­tion­al), aktiv zu nutzen.
Um die Mitwirkung des Arbeitss­chutzes an der Nor­mung weit­er zu verbessern, wur­den im Rah­men ein­er Diplo­mar­beit Vorschläge unter Berück­sich­ti­gung der per­son­ellen und finanziellen Hin­dernisse gemacht, wie eine weit­ere Beteili­gung real­isiert wer­den kann. Auf europäis­ch­er und auf inter­na­tionaler Ebene ist es wichtig, das nationale Del­e­ga­tion­sprinzip zu erhal­ten, da die weitest­ge­hende Möglichkeit Arbeitss­chutza­spek­te über­na­tion­al zur Gel­tung zu brin­gen dann beste­ht, wenn bei Nor­mvorhaben mit Arbeitss­chutzrel­e­vanz ein Arbeitss­chutzvertreter per­sön­lich in der nationalen Del­e­ga­tion vertreten ist. Weit­er­hin wird derzeit bei dem Bera­ten­den Auss­chuss für Sicher­heit und Gesund­heit am Arbeit­splatz der Europäis­chen Kom­mis­sion eine Arbeits­gruppe „Nor­mung“ ein­gerichtet. Mit Hil­fe dieser Arbeits­gruppe kann Nor­mung mit Arbeitss­chutzrel­e­vanz auf europäis­ch­er Ebene aus­führlich betra­chtet und rich­tung­weisende Aktiv­itäten kön­nen in dieser Hin­sicht unter­nom­men wer­den.
Lit­er­atur
  • 1. Richtlin­ie 2006/42/EG des Europäis­chen Par­la­ments und des Rates vom 17. Mai 2006 über Maschi­nen und zur Änderung der Richtlin­ie 95/16/EG (Neu­fas­sung) vom 9. Juni 2006, in: Amts­blatt der Europäis­chen Union, L 157 vom 9.6.2006, S. 24.
  • 2. BG-PRÜFZERT: Nor­mung, Prü­fung und Zer­ti­fizierung für sichere Produkte.Euroshnet stellt Krakauer Mem­o­ran­dum vor [http://www.dguv.de/dguv-test/de/aktuelles/2008/memorandum/index.jsp], Erschei­n­ungs­da­tum: ohne Angabe,Abrufdatum: 23.05.2011.
  • 3. CEN: Role, [https://www.cen.eu/cen/Sectors/Sectors/HealthAndSafety/SABOHS/Pages/Role.aspx], Erschei­n­ungs­da­tum: o.A., Abruf­da­tum: 23.05.2011.
  • 4. Gra­mat­te, Wil­fried: End­bericht KAN-Studie 38 Sicher­heit von Maschi­nen in der Land­wirtschaft, Sankt Augustin 2007, S. 28. Das Doku­ment ist erhältlich unter http://www.kan.de/uploads/tx_kekandocs/41-Bericht-Projektnehmer.pdf.
  • 5. Kom­mis­sion Arbeitss­chutz und Nor­mung: Auf­gaben, [http://www.kan.de/de/wir-ueber-uns/aufgaben.html], Erschei­n­ungs­da­tum: o.A., Abruf­da­tum: 23.05.2011.
  • 6. NORMAPME: Über uns. Wir stellen uns vor!, [http://www.normapme.com/german/presentation-de.htm], Erschei­n­ungs­da­tum: o.A., Abruf­da­tum: 23.05.2011.
  • 7. Schlüter, Rita: Die KAN und der „Formelle Ein­wand“, in: KAN­Brief, Nr. 1/2004, S. 15.
  • 8. Schlüter, Rita: Land­maschi­nen auf der Ziel­ger­aden?, in: KAN­Brief, Nr. 1/2010, S. 6.
  • 9. Sterk, Wern­er: SABOHS – Eine neue Stimme für den Arbeitss­chutz in der Nor­mung, in: KAN­Brief, Nr. 3/2009, S. 12.
  • 10. May­er, Alain (Inter­view): CEN-Rap­por­teur PSA: Arbeitsweise und Auf­gaben, in: KAN­Brief, Nr. 4/1998, S. 8.
  • 11. Schulz, Klaus-Peter: Ein­flussmöglichkeit­en des Arbeitss­chutzes auf die CEN-Nor­mung, KAN-Bericht 35, Sankt Augustin 2006.
  • 1 Tech­ni­cal Com­mit­tee (Tech­nis­ches Komi­tee)
  • 2 Auf europäis­ch­er Ebene berät sich COPOLCO teil­weise mit der europäis­chen Vertre­tung der Ver­brauch­er ANEC.
Autorin
Bet­ti­na Pal­ka
KAN – Kom­mis­sion Arbeitss­chutz und Nor­mung – Geschäftsstelle Alte Heer­straße 111 53757 Sankt Augustin Tel.: +49(0)2241/231‑3462 Fax +49(0)2241/231‑3464 E‑Mail: palka@kan.de
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