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Replik auf Leserbriefe zur Artikelfolge zum Arbeitsschutz in der DDR

Sicherheitsingenieur 5/2012
Replik auf Leserbriefe zur Artikelfolge zum Arbeitsschutz in der DDR

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Ich habe beobachtet, dass des öfteren nach Erscheinen ein­er Studie o. Ä., deren Ergeb­nisse dem Leser nicht in sein „Welt­bild“ passen, also nicht genehm sind, zuallererst die ange­wandte Meth­ode in Zweifel gezo­gen wird, um so zu ver­suchen, die Aus­sagen und die Solid­ität zu erschüt­tern. Dies erlebe ich jet­zt offen­bar auch.
Es war für mich wie ein Geschenk, als ich gegen Ende der 1990er Jahre vom Bun­de­sar­beitsmin­is­teri­um gebeten wurde, an einem großen Geschicht­spro­jekt zur Sozialpoli­tik in Deutsch­land seit 1945 zur Darstel­lung des Arbeitss­chutzes in der DDR mitzuwirken. Die Arbeit­en wur­den von einem Beirat geführt, beset­zt mit anerkan­nten pro­fes­sionellen His­torik­ern. Sie beri­eten und gaben sehr konkrete Ratschläge. Meine method­is­chen Hin­ter­gründe sind hier­durch sehr geschärft wor­den. Eine klare Devise: Den Fach­in­halt nicht isoliert betra­cht­en, son­dern im Umfeld und Gesamtzusam­men­hang. So habe ich bere­its sein­erzeit die Geschichte des Arbeitss­chutzes aufgear­beit­et, bin in zen­tralen Gremien damit anerkan­nt und in Rezen­sio­nen pos­i­tiv bew­ertet wor­den. Aus diesem Pro­jekt her­aus ist ein elf­bändi­ges Werk „Geschichte der Sozialpoli­tik in Deutsch­land seit 1945“ im Nomos-Ver­lag erschienen. Meine Darstel­lun­gen zum Arbeitss­chutz der DDR sind in den Bän­den 2 (2001), 8 (2004), 9 (2006) und 10 (2008) enthal­ten. Ich habe seit­dem immer wieder und immer tiefer ein Doku­menten­studi­um betrieben, die sehr umfassende Lit­er­atur ver­fol­gt, Archive durch­stöbert, Inter­net­foren gesichtet. Ich brauche keine Nach­hil­fe in Method­olo­gie zur geschichtlichen Darstel­lung, wie ich sie jet­zt in einem der Leser­briefe eher unpro­fes­sionell erhalte!
„Geschichtliche Abläufe und Ereignisse inter­pretiert er aus sein­er neuen Sicht des Zeit­geistes“ sagt Dr. Szew­czyk über mich. Genau das mache ich eben nicht. Seine Fun­da­men­talvor­würfe zur Beschrei­bung mit der Sicht des Zeit­geistes bleiben abstrakt, denn jed­er Ver­such ein­er Konkretisierung dieser Vor­würfe läuft in den Leserzuschriften ins Leere und bleibt ohne Sub­stanz. Wenn mit Zeit­geist ein pop­uläres Arbeitss­chutzver­ständ­nis vom Leser gemeint wor­den ist – so trifft dies auf keinen Fall zu. Mir geht es nicht um pop­uläre Ansicht­en vom Arbeitss­chutz der DDR. Ich stelle den Zusam­men­hang her zwis­chen den ver­schiede­nen Fak­ten der dama­li­gen Zeit in der DDR. Wie wurde das, was zum Arbeitss­chutz entwick­elt wurde, was auch Geset­zeskraft erlangte, was als Unter­stützung von Fach­leuten ange­boten wurde – wie wurde das zum Teil deformiert, entstellt, verunglimpft usw., eben auch instru­men­tal­isiert. Wie wur­den auch die Fach­leute des Arbeitss­chutzes ges­teuert durch die Vor­gaben der SED. Wie erlangte vieles keine gewollte Wirk­samkeit durch die poli­tis­che Sit­u­a­tion, die gesellschaftliche Real­ität, auch durch die wirtschaftlichen Zustände. Es gibt bei mir keinen Zeit­geist, son­dern eine auf Quellen gestützte Darstel­lung der Fak­ten der Entwick­lung. Die ver­schiede­nen Sachver­halte wer­den mit Archivquellen sowie mit jün­geren Unter­suchun­gen zur Geschichte der DDR all­ge­mein und zu Sachver­hal­ten des Arbeitss­chutzes (ins­beson­dere in jün­geren Dis­ser­ta­tio­nen und anderen wis­senschaftlichen Unter­suchun­gen) unter­set­zt, auch über Auswer­tun­gen von Diskus­sio­nen in Inter­net­foren u. a.
Und mir wird vorge­wor­fen, dass ich über Erschei­n­un­gen schreibe, die auch in der Bun­desre­pub­lik nicht anders wären. Aber: Ich schreibe über die DDR, wie sie sich nach den vielfälti­gen Quellen darstellt. Diese Ver­gle­iche zwis­chen den deutschen Staat­en, die immer wieder in den Ent­geg­nun­gen durch­schim­mern, habe ich über­haupt nicht angestellt. Sie wer­den unter­stellt oder her­beige­holt. Außer­dem sollen und dür­fen diese nicht daran hin­dern, Wahrheit­en über die DDR auszus­prechen. Und es geht nicht immer und auss­chließlich um ver­bre­it­ete all­ge­meine Erschei­n­un­gen in der DDR, die Dr. Har­tig in ein­er per­sön­lichen Mail an mich von mir in den Darstel­lun­gen erwartet und er Aus­geglichen­heit quan­ti­ta­tiv über die Seiten­zahlen fordert. Das ist eben nicht Geschichtss­chrei­bung! Wenn Strafge­fan­gene unter schlimm­sten Arbeitss­chutzbe­din­gun­gen zwangsweise arbeit­en müssen, ist dies zu benen­nen, denn auch bei kle­in­ster Zahl und weni­gen, ja bei einzel­nen Men­schen ist und bleibt dies kri­tik­würdig. Dies kann dann eben mehr Seiten­zahlen erfordern als zu anderen Fak­ten.
Der aus der DDR stam­mende His­torik­er und Sozi­ologe Peter Hüb­n­er, jet­zt im Zen­trum für Zei­this­torische Forschung tätig, befasst sich inten­siv mit der Sozialpoli­tik der DDR, speziell auch mit der betrieblichen Sozialpoli­tik. Er leit­et aus seinen Unter­suchun­gen 1996 ab, dass sich die SED-Herrschaft nicht demokratisch, son­dern gewis­ser­maßen his­torisch-the­o­retisch als Verkör­pe­rung des pro­le­tarischen Klass­en­in­ter­ess­es legit­imierte und deshalb zur Aufrechter­hal­tung dieser Legit­i­ma­tions­fik­tion ein sehr hand­festes Inter­esse daran hat­te, die Arbeit­er­schaft als quan­ti­ta­tiv und soziokul­turell bedeu­tend­ste Sozial­gruppe ihres Staates zu „insze­nieren“. Hier­aus resul­tiert auch das Engage­ment der SED für den Arbeitss­chutz, eingeschlossen seine Instru­men­tal­isierung. Hüb­n­ers Unter­suchun­gen kom­men 1995 zu der Ein­schätzung der 1980er Jahre: Höhere Planau­fla­gen und damit ver­bun­dene größere Leis­tungsan­forderun­gen, aber auch der daraus fol­gende stärkere Ver­schleiß an den Maschi­nen, führten zu Beein­träch­ti­gun­gen der Arbeitssicher­heit. Ich kann dieses Ergeb­nis sein­er Recherchen nur bestäti­gen. Da kön­nen Arbeitss­chutzge­set­ze, Konzepte usw. noch so gut sein.
Vielle­icht kommt manch­es in den Fach­beiträ­gen der Zeitschrift zu kurz. In meinem Fach­buch „Zwis­chen Anspruch und Wirk­lichkeit – His­torisch­er Abriss der zum Arbeitss­chutz in der SBZ/DDR“, erschienen 2011 im GRIN-Ver­lag, wur­den den Inhal­ten zum Arbeitss­chutz jew­eils Kapi­tel zu den poli­tis­chen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusam­men­hän­gen der ver­schiede­nen Zeit­pe­ri­o­den vor­angestellt; sie bilden den Rah­men für den Arbeitss­chutz und seine Aufar­beitung. Und insoweit ste­ht bei mir der Arbeitss­chutz nicht im luftleeren Raum. Nein, alle Quellen kön­nen von mir nicht gesichtet wor­den sein. Diesen Anspruch erhebe ich nicht. Aber die Quellen, die ich gesichtet habe, sind sehr umfan­gre­ich. Beispiel­sweise zur Nichtein­hal­tung von Über­prü­fungs­fris­ten der Arbeitss­chutzanord­nun­gen. Zur Nichtein­hal­tung, die ich beschreibe, gab es zwar keine zen­trale sta­tis­tis­che Berichter­stat­tung, die Dr. Szew­czyk als Quelle benötigt, wohl aber einen umfan­gre­ichen entsprechen­den Schriftwech­sel des dama­li­gen Arbeitsmin­is­teri­ums bzw. späteren entsprechen­den Staatlichen Amtes (Doku­mente im Bun­de­sarchiv), der vielfach die Nichtein­hal­tung der Fris­ten belegt.
„Schlussfol­gerun­gen soll­ten immer nur das Resul­tat unvor­ein­genommen­er sach­lich­er Unter­suchun­gen sein.“ (Dr. Szew­czyk). Genau das tue ich. Und sein Hin­weis, ich gebe mir fak­tisch die poli­tis­che Ziel­stel­lung für die Arbeit vor, weil im Vorspann auf Verk­lärung ver­wiesen wird: Ich weiß nicht, wann Herr Szew­czyk einen Vorspann oder ein Vor­wort schreibt – ich jeden­falls schreibe es zum Abschluss der Arbeit­en. Es ist keine vorgegebene Ziel­stel­lung, son­dern eine knappe vor­angestellte inhaltliche Beschrei­bung von Inhal­ten des Beitrags, wie all­ge­mein in Fachzeitschriften üblich. Es wer­den dabei z. T. im Ver­lauf des Beitrags dargestellte Zusam­men­hänge vor­weggenom­men und nicht „Sachver­halte wer­den nur nach Maß­gabe der Ziel­stel­lung in die Betra­ch­tun­gen ein­be­zo­gen“, wie Dr. Szew­czyk es aus­drückt. Meine Meth­ode ist umgekehrt sein­er.
In den Fachar­tikeln sind von mir immer wieder Leg­en­den eingestreut, von denen Dr. Szew­czyk erst aus meinen Beiträ­gen erfahren hat. Erforder­lich ist das Ver­fol­gen und Durch­denken der umfan­gre­ichen Lit­er­atur. Beispiel­hafte Ent­geg­nung zu seinen Behaup­tun­gen: Leg­ende 1 (SMAD-Befehl 150 von 1945 war Geburt­surkunde eines ein­heitlichen Arbeitss­chutzes) wird wieder­holt in der DDR pub­liziert (beispiel­sweise vom dama­li­gen Direk­tor des Zen­tralin­sti­tuts für Arbeitss­chutz in Dres­den, Horst Rehtanz), noch 1975, als der ein­heitliche Arbeitss­chutz bere­its längst beseit­igt und insoweit nicht mehr ein­er Her­vorhe­bung wert war; Leg­ende 2 (SMAD-Befehl Nr. 234 von 1947 war die Geburt­surkunde des Betrieb­s­ge­sund­heitswe­sens) wird mehrfach pub­liziert (beispiel­sweise vom DDR-Gesund­heitsmin­is­ter Lud­wig Meck­linger 1977), obwohl in den Archiv­en Mate­ri­alien bele­gen, dass bere­its knapp ein Jahr zuvor von deutschen Fach­ex­perten eine Anord­nung erlassen wurde, die dann wort­gle­ich in den SMAD-Befehl über­nom­men wurde. Natür­lich wurde dies in den dama­li­gen Pub­lika­tio­nen nie als Leg­ende beze­ich­net. Diese Ein­stu­fung resul­tiert aus his­torisch­er Aufar­beitung, mit der beste­hende Behaup­tun­gen wider­legt wer­den. Liest man die enthal­te­nen Leg­en­den sorgsam, so erken­nt der mit­denk­ende Leser, dass es sich um zwei ver­schiedene Typen han­delt. Es wer­den ein­er­seits Leg­en­den aufgezeigt, die bere­its zu Zeit­en der DDR durch SED und Staat gebildet wur­den, und ander­er­seits solche Leg­en­den, die sich nach der Wende als Halb­wahrheit­en und insoweit als Verk­lärung des Arbeitss­chutzes der DDR zeigen. Hin­ter bei­den Typen ste­hen Quellen. Sie sind nicht erfun­den, wie Dr. Szew­czyk ver­mit­teln möchte. Eine ganze Rei­he von Pub­lika­tio­nen ehe­ma­liger DDR-Wis­senschaftler, ehe­ma­liger Gew­erkschaftsvertreter u. a., die nach 1990 erschienen sind, enthal­ten solche Halb­wahrheit­en, nicht voll­ständig beschriebene Fak­ten usw. Nun stellt sich die Frage: Soll man unter Ken­nt­nis der Vielzahl von Fak­ten aus den Archiv­en und dem Hin­ter­grund der Real­ität in der DDR zu solchen Darstel­lun­gen mit Halb­wahrheit­en schweigen? Sollen sich solche Leg­en­den weit­er ver­bre­it­en? Oder soll man diesen Leg­en­den ent­ge­gen­treten? Ich habe mich zu Let­zterem entsch­ieden, um offen und ehrlich miteinan­der umzuge­hen durch Auseinan­der­set­zung mit der Real­ität.
Dr. Har­tig stellt u. a. die Frage: „Kön­nen Fakten/Tatsachen, ´die ja wirk­lich gut waren´, durch Hemm­nisse, unter denen sie ent­standen sind, schlecht und ver­dammenswert wer­den?“ Und er selb­st sagt: „Ich glaube nicht, dass sich das logisch erk­lären lässt.“ Dies ist eine sehr grundle­gende Diskus­sion. Es ist etwas völ­lig anderes, über die poli­tis­che Sit­u­a­tion, über entsprechende Machen­schaften, wirtschaftliche Rah­menbe­din­gun­gen usw. zu sprechen, unter denen vieles nicht so wirk­sam wer­den kon­nte, wie es vom Fach­mann gewollt war. Und es geht auch nicht primär um das Entste­hen von Konzepten usw., son­dern um deren Wirk­samkeit unter den poli­tis­chen und wirtschaftlichen Bedin­gun­gen. Ich polemisiere an kein­er Stelle gegen ent­standene Konzepte, Instru­mente usw. Nur im Einzelfall mache ich auf Lück­en, Unvol­lkom­men­heit, die Gefahr der Bürokratisierung usw. aufmerk­sam. Ich kri­tisiere nicht die Fach­leute oder all­ge­mein die Men­schen, im Gegen­teil: Ich erkenne an, dass sie unter den gegebe­nen Bedin­gun­gen fach­lich Bedeut­sames geleis­tet haben. Ich hebe her­vor, dass es den trotz allem guten Arbeitss­chutz in der DDR nicht gegeben hätte, wenn trotz zen­tral­is­tis­ch­er Plan­wirtschaft usw. nicht die Fach­leute gewe­sen wären, die sich engagiert einge­set­zt haben, mit Erfind­ungsre­ich­tum alles am Laufen hiel­ten. Wenn ich nun die Sit­u­a­tio­nen und Bedin­gun­gen hin­ter­leuchte, kri­tisiere ich noch lange nicht die engagierten Fach­leute, die aktiv­en Prak­tik­er des Arbeitss­chutzes. Wenn ich dur­chaus pos­i­tiv von vie­len Konzepten, The­o­rien, Instru­menten des Arbeitss­chutzes berichte – was sagt das allein aber über die prak­tis­che Wirk­samkeit dieser Konzepte, The­o­rien usw. aus? Gar nichts. Man muss die ver­schiede­nen Facetten beleucht­en. Und ich sage damit: Nicht Konzepte sind schlecht, son­dern was unter den poli­tis­chen Bedin­gun­gen daraus wurde. Das ist eine andere Betra­ch­tungsweise als die von Dr. Har­tig. Und ich stimme aus­drück­lich Her­rn Brügge­mann zu, der aus­führlich und überzeu­gend darüber schreibt, dass vieles von der Per­sön­lichkeit abhängt, wenn im Betrieb etwas durchge­set­zt wer­den soll oder muss. Nur dadurch sind in der DDR über­haupt Fortschritte zur Senkung der Arbeit­sun­fälle usw. möglich gewor­den, trotz aller widri­gen Umstände. Und um diese Dif­feren­zierung geht es mir. Und es geht dabei nicht nur um eine Schere zwis­chen Geset­zen und Prax­is, son­dern es geht auch um bewusste durch SED und Staat ges­teuerte Umge­hung von Geset­zen!
Neben dem Vor­wurf, eine falsche Method­olo­gie zu nutzen, beste­ht Kri­tik in den Leser­briefen an einzel­nen fach­lich-inhaltlichen Darstel­lun­gen. Dabei gibt es drei Hin­weise darauf, dass ich nicht tief und bre­it genug aufar­beite; in fünf Fällen wer­den fehler­hafte Darstel­lun­gen unter­stellt.
So erschien der Inhalt als nicht umfassend genug:
  • Prokla­ma­tio­nen, Direk­tiv­en und Geset­ze des Alli­ierten Kon­troll­rates wur­den nach Dr. Szew­czyk nicht ein­be­zo­gen. Diese Zusam­men­hänge sind in meinem erschiene­nen Fach­buch sehr aus­führlich enthal­ten (ins­bes. Kapi­tel 2), soweit sie den Arbeitss­chutz betr­e­f­fen. Und zum Arbeitss­chutz ist das min­i­mal­is­tisch. Ein Fachar­tikel in der Zeitschrift muss sich konzen­tri­eren. Fehlende Aus­sagen darüber, dass im März 1946 die Alli­ierte Kon­trol­lkom­mis­sion einen Geset­ze­sen­twurf bil­ligte, der sich für eine Ein­heitsver­sicherung im gesamten Besatzungs­ge­bi­et aussprach, ver­misst Dr. Szew­czyk. Das ist im Fach­buch enthal­ten, auch dass in den West­zo­nen sehr wohl inten­siv darüber debat­tiert wurde: „Noch während auf gesamt­deutsch­er Ebene die Erörterun­gen um eine Neuord­nung der Sozialver­sicherung andauerten, wurde in der SBZ im Laufe des Jahres 1946 damit begonnen, kaum mehr umzukehrende Weichen­stel­lun­gen vorzunehmen.“ (als klein­er Auszug). Die Entwürfe des Kon­troll­rates zur Ein­heitsver­sicherung datierten vom April 1946 und ein weit­er­er Entwurf vom August 1946. Die Arbeit­en an dem Geset­zen­twurf sind endgültig im Juni 1948 eingestellt wor­den, nach­dem Briten und Amerikan­er die Reform der Sozialver­sicherung zur innerdeutschen Angele­gen­heit erk­lärt hat­ten. In den west­lichen Besatzungszo­nen über­wog die Ablehnung der Ein­heitsver­sicherung. Die Entschei­dun­gen zur ein­heitlichen staatlichen Kon­trolle des Arbeitss­chutzes fie­len in der SBZ bere­its 1945. Ich befasse mich näm­lich nicht mit dem Ver­sicherungssys­tem oder Entschädi­gungsregelun­gen, son­dern ins­beson­dere mit dem präven­tiv­en Anliegen des Arbeitss­chutzes, der Ver­hü­tung von Gesund­heitss­chä­den. Und der SMAD-Befehl 150 zur Organ­i­sa­tion ein­er Überwachung des Arbeitss­chutzes ver­bun­den mit der Abschaf­fung der Auf­sichts­beamten der Beruf­sgenossen­schaften, denn darum geht es ins­beson­dere, datiert bere­its von 1945. Zu diesem Sachver­halt gab es kein­er­lei Entwürfe oder ver­ab­schiedete Geset­ze des Kon­troll­rates. Alli­ierte Kon­troll­rats­ge­set­ze betr­e­f­fen den sozialen Arbeitss­chutz, den ich aber in den Fach­beiträ­gen der Zeitschrift auss­pare. Inhalte hierzu enthält Kapi­tel 2.4.6 meines Fach­buch­es über etwa fünf Seit­en (z. B. zur Direk­tive des Kon­troll­rates Nr. 26 zur Regelung der Arbeit­szeit von 1946; zum Ver­bot der Beschäf­ti­gung von Frauen auf Baustellen durch Gesetz Nr. 32 des Kon­troll­rats von 1946) ein­schl. beige­fügten Doku­menten.
  • Bei der Auf­gaben­zuweisung an Arbeitss­chutzin­spek­toren zum Werkküch­enessen fehlt Dr. Szew­czyk der Hin­weis, dass kosten­los­es Werkküch­enessen Bestandteil der Arbeits­be­din­gun­gen und der Real­lohngestal­tung bildete. Hier wird im Fachar­tikel von mir diese Verbindung deut­lich gemacht, die sich­er auch bre­it­er hätte dargestellt wer­den kön­nen. Aber es ist trotz­dem nur bed­ingt Bestandteil des Arbeitss­chutzes. Es soll­ten in der SBZ Ent­loh­nungs­fra­gen durch die Inspek­toren überwacht wer­den. Dabei ist das Werkküch­enessen eher ein Rand­prob­lem. Wichtiger ist die Zuweisung von fach­frem­den Auf­gaben an die Arbeitss­chutzin­spek­toren prinzip­iell in dieser Zeit. Sie soll­ten generell all­ge­meine Arbeit­srechts­fra­gen überwachen. Das ist die Grun­daus­sage, mit der deut­lich wer­den sollte, dass damit die für den Arbeitss­chutz erforder­liche und mögliche Kraft reduziert wurde.
  • Dr. Szew­czyk ver­misst tief­ere und präzis­ere Darstel­lun­gen zum fehlen­den Gefahrstof­frecht in der DDR. Es gab in der Real­ität der DDR keinen sys­tem­a­tis­chen Gefahrstoff­schutz. Dies habe ich deut­lich sagen wollen. Und das ist nicht Zeit­geist, son­dern ein aufmerk­sam machen auf Defizite dama­liger Zeit. Da es hierzu keine Rechtsvorschriften in der DDR gab, kann ich auch nichts Konkretes dazu sagen. Es gab Gren­zw­erte zu Luftschad­stof­fen (TGL 32610) und zu nicht­tox­is­chen Stäuben (TGL 32620) mit dazuge­höri­gen sehr all­ge­meinen Forderun­gen – das war es im Wesentlichen schon und das ist für Präven­tion im Arbeitss­chutz von der Sub­stanz her inakzept­abel. Es fehlten grundle­gende Schutz- und Maß­nah­me­nan­forderun­gen. In der Bun­desre­pub­lik wurde bere­its sehr früh die Verord­nung über die Kennze­ich­nung gesund­heitss­chädlich­er Lösemit­tel und lösemit­tel­haltiger ander­er Arbeitsstoffe (Lösemit­telverord­nung) vom 26.2.1954 (Bun­de­sanz. Nr. 43 vom 3.3.1954) erlassen. Zunächst war das Gefahrstof­frecht auch hier lange Jahre lück­en­haft, aber es hat sich entwick­elt. In der DDR eben höch­stens punk­tuell, und zwar von Anfang bis Ende der DDR. Und wenn es nichts Wesentlich­es außer Gren­zw­erten gibt, kann ich dies nur kon­sta­tieren, aber nicht detail­liert beschreiben. Das Bedauer­liche ist, dass der DDR-Arbeitss­chutz die großen SED-Pro­gramme zur Entwick­lung der Chemie nicht für sich nutzen kon­nte und hierzu poli­tisch geblockt wurde (ich erin­nere mich an disku­tierte Vorschläge des Zen­tralin­sti­tuts in Dres­den in den 1980er Jahren), weil dies die Pro­duk­tions­forcierung gehemmt hätte. Im Novem­ber 1958 hat­te die DDR ein Chemiepro­gramm ver­ab­schiedet („Chemie bringt Brot, Wohl­stand und Schön­heit“), dass die chemis­che Pro­duk­tion in Zusam­me­nar­beit mit den RGW-Staat­en, die Erdöl liefer­ten, bis 1965 ver­dop­peln sollte. Demge­genüber blieben aber rechtliche Grund­la­gen zum Arbeitss­chutz auf diesem Gebi­et ein weißer Fleck. Fritz Rösel, Vor­sitzen­der des Volk­skam­mer­auss­chuss­es für Arbeit und Sozialpoli­tik, ver­wies 1968 in einem streng ver­traulichen Papi­er gerichtet an die Staatliche Plankom­mis­sion auf die „Möglichkeit ein­er zunehmenden Gesund­heits­ge­fährdung“ durch die Chemisierung der Volk­swirtschaft (SAP­MO-BArch, DY 34/6787, 1968). Es gab in der DDR also dur­chaus objek­tive Erfordernisse zur Aus­gestal­tung des Gefahrstof­frechts. Trotz­dem blieb ger­ade dieses Gebi­et ohne nach­haltige Beach­tung (umfassend dargestellt in meinem Fach­buch, S. 234 und an eini­gen weit­eren Stellen).
Ins­ge­samt sind diese Hin­weise auf verkürzte Darstel­lun­gen sicher­lich generell berechtigt, wohl aber der knap­pen Möglichkeit ein­er Fachzeitschrift geschuldet.
In fol­gen­den fünf Punk­ten sehen die Leser­briefe fach­liche Fehler in meinen Beiträ­gen, denen ich begeg­nen möchte:
  • Herr Brügge­mann spricht im Leser­brief von ein­er umfassenden fleißi­gen Sam­me­lar­beit an Fak­ten, kri­tisiert aber ein Aus­blenden von poli­tis­chen und gesellschaftlichen Ein­flüssen und Gegeben­heit­en, die ein­er ganzheitlichen wis­senschaftlichen Betra­ch­tung und Bew­er­tung kaum gerecht wer­den. Dr. Szew­czyk spricht von einem „Span­nungs­bo­gen“ zwis­chen „Unrechts- u. Unter­drück­ungsstaat“ ein­er­seits und der „anspruch­sollen The­o­rie“ und „Meilen­steinen“ in den Vorschriften ander­er­seits und dass ich dies „wed­er ide­ol­o­gisch noch fach­lich glaub­haft erläutern bzw. erk­lären“ kann. Er unter­stellt mir „einen Spa­gat zwis­chen ein­er fachlich/historischen Darstel­lung der Entwick­lung des Arbeitss­chutzes […] und der poli­tis­chen Bew­er­tung eines Sys­tems und schreibt: „Im Ergeb­nis kann er kein­er der bei­den Seit­en gerecht wer­den.“ Dr. Har­tig urteilt, dass „der kle­in­ste pos­i­tive Ansatz negiert oder ins Gegen­teil ver­dreht“ wird. Eine Beurteilung zu diesen Vor­wür­fen über­lasse ich dem kundi­gen Leser, aber nicht nur dem der Fachar­tikel im Sicher­heitsin­ge­nieur, son­dern auch dem Leser meines Fach­buchs im GRIN-Ver­lag bzw. den Aus­führun­gen zum DDR-Arbeitss­chutz von mir in der „Geschichte der Sozialpoli­tik in Deutsch­land seit 1945“. In einem Zeitschriften­beitrag sind zwangsläu­fig Verk­nap­pun­gen geboten. Aber es ging ger­ade um die gesellschaftlichen Ein­flüsse, die den Arbeitss­chutz pos­i­tiv (z. B. wenn die Parteibeschlüsse den Arbeitss­chutz the­ma­tisierten, war manch­es durch­set­zbar) oder neg­a­tiv (z. B. der Plan und die Plan­er­fül­lung im Betrieb ließ den Arbeitss­chutz oft außer acht) bee­in­flussten. Ich sehe die Aus­blendun­gen der Ein­flüsse ger­ade nicht. Wesentlich war, die Zusam­men­hänge nicht nur und ein­seit­ig auf eine ökonomisch-tech­nol­o­gis­che Basis zurück­zuführen. Wichtig ist eben­so die poli­tis­che Sit­u­a­tion und deren Wirkung auf den Arbeitss­chutz. Was aber nie meine Absicht war, ist die von Dr. Szew­czyk benan­nte Bew­er­tung eines Sys­tems. Ich konzen­triere mich auf den Arbeitss­chutz und seine Einord­nung in das Sys­tem SED und Staat. Eine Gesamt­be­w­er­tung der DDR kann ich in meinen Arbeit­en nicht erken­nen.
  • Es gäbe nach Dr. Szew­czyk ver­schiedene Brüche in der Arbeit: „So wer­den die Begriffe Arbeitss­chutz und Arbeitssicher­heit ver­wen­det ohne das erkennbar ist, ob er sie als Syn­onyme ver­wen­det oder tat­säch­lich begrif­flich.“ Ich war um Klarheit hierzu bemüht: Arbeitss­chutz als Kom­plex der ver­schieden­sten Maß­nah­men, Mit­tel und Meth­o­d­en zur Gewährleis­tung arbeitssicher­er Bedin­gun­gen; Arbeitssicher­heit, wenn es um den (anzus­treben­den oder erre­icht­en) Zus­tand, um Maß­nah­men für die Sicher­heit geht. Ich sehe die Begriffe nicht als Syn­onyme und finde auch keine Stelle, an der sie falsch ver­wen­det wur­den. Ich empfehle das „Kleine Lexikon des Arbeitss­chutzes“ der DDR.
  • Herr Szew­czyk bestre­it­et, dass Arbeitss­chutz von der SED für wichtig gehal­ten wird. „Als Beweis [für die Wichtigkeit] führt er [der Autor Wien­hold] an, dass Ulbricht sich per­sön­lich dage­gen ver­wahrte, dass die Regierung die Arbeitss­chutzverord­nung beschließen wollte ohne einen entsprechen­den Beschluss des SED-Polit­büros. Ich inter­pretiere diesen Vor­gang genau gegen­sät­zlich: Für die Regierung war die Arbeitss­chutzverord­nung poli­tisch nicht so bedeut­sam, dass man sie dem Polit­büro vor­legen musste. Ulbricht ging es in erster Lin­ie um die Durch­set­zung der führen­den Rolle der Partei – nicht um den Arbeitss­chutz.“ Abge­se­hen davon, dass damit die generelle starke poli­tis­che Ein­flussnahme der SED auf den Arbeitss­chutz und auch seine Instru­men­tal­isierung mit dem Leser­brief bestätigt wird, betra­chte ich dies dif­feren­ziert­er. Andere Fach­leute der ehe­ma­li­gen DDR sehen dies auch so. Beispiel­sweise ver­wies der Sozial­wis­senschaftler Prof. Ger­hard Tiet­ze mir gegenüber erst kür­zlich in einem Tele­fonat, dass ger­ade Ulbricht sehr aufgeschlossen zum Arbeitss­chutz war (ins­beson­dere auch der dama­lige Vor­sitzende des FDGB Her­bert Warnke, der auf Ulbricht direkt Ein­fluss nahm; im Gegen­satz zu dem FDGB-Vor­sitzen­den Har­ry Tisch in der Zeit Honeck­ers). Und es gibt eine Rei­he von Beispie­len, dass Ulbricht direkt in Inhalte des Arbeitss­chutzes ein­griff. Ulbricht posi­tion­ierte sich auf der 2. Parteikon­ferenz der SED im Juli 1952 auch öffentlich zu Arbeitss­chutzfra­gen. Dies trifft übri­gens eben­so auf Otto Grote­wohl zu, der sich sehr pointiert zum Arbeitss­chutz äußerte. Es ist für die rund 40 Jahre DDR das einzige Mal, dass 1956 ein Min­is­ter­präsi­dent auf ein­er zen­tralen Arbeitss­chutzkon­ferenz spricht, und zwar sehr pointiert (vgl. den Abdruck sein­er Rede als Doku­ment 3.12 im Anhang meines Fach­buch­es). Und die andere Sicht, die Dr. Szew­czyk hier ein­bringt, dass es um die Durch­set­zung der führen­den Rolle der Partei ging – das spreche ich über­haupt nicht ab. Das war sich­er so. Aber bei­des ist richtig und nicht alter­na­tiv zu sehen.
  • Dr. Szew­czyk spricht von „poli­tis­ch­er Polemik auf niedrig­stem Niveau“ und das es „mit ein­er sach­lichen Analyse nichts zu tun“ hätte, wie beispiel­sweise Leg­ende 5 (Bezug zwis­chen Arbeitss­chutz u. dem Volk­sauf­s­tand 1953) sowie Leg­ende 6 (Verkürzung der Arbeit­szeit bei gefährlichen Bedin­gun­gen, Aus­gle­ich durch Erschw­erniszuschläge u. Ä. wer­den als Sur­ro­gate beze­ich­net). Wenn der zuge­hörige Text zur Leg­ende 5 richtig gele­sen wird, ist erkennbar, wie nach dem Volk­sauf­s­tand in der Arbeitss­chutzpoli­tik reagiert wurde. Es ent­stand regel­rechter Aktion­is­mus mit neuen Beschlüssen zum Arbeitss­chutz, nur um die Men­schen zu beruhi­gen. Die erlassene Verord­nung über die weit­ere Verbesserung der Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der Arbeit­er und der Rechte der Gew­erkschaften vom 10.12.1953 (vgl. Doku­ment 3.9 im Anhang meines Fach­buch­es) hat­te kaum neue Arbeitss­chutz­in­halte, wurde aber poli­tisch benötigt. Dies sind keine agi­ta­torischen Darstel­lun­gen durch mich, son­dern die Nutzung von Agi­ta­tion für den Arbeitss­chutz durch die SED direkt im Zusam­men­hang mit dem 17. Juni 1953. Der 17. Juni war Aus­lös­er für eine bre­ite Welle von Beschlüssen und Vorschriften zum Arbeitss­chutz, mit großem Aufwand in der Öffentlichkeit sein­erzeit dargestellt. Da diese Beschlüsse über­wiegend nichts Neues bracht­en, sind sie inzwis­chen auch in Vergessen­heit ger­at­en, waren sein­erzeit aber „Beruhi­gungspillen“. Und Sur­ro­gate sind für mich schon Erschw­erniszuschläge, die soge­nan­nte „Arbeitss­chutzmilch“ usw. Wir haben als Arbeitss­chützer bere­its in der DDR dage­gen gesprochen, dies als Arbeitss­chutz­maß­nah­men zu sehen. Das hat mit anspruchsvollen Konzepten der Gestal­tung von Arbeitssicher­heit wenig bis gar nichts zu tun.
  • Dr. Szew­czyk beze­ich­net es als „grotesk, um nicht zu sagen dumm“, dass ich auf fehlende Auseinan­der­set­zung in der Zeit der SBZ mit dem Begriff „Betrieb­sarzt“ abhebe. Dies kri­tisiert auch Dr. Har­tig in seinem Leser­brief und beze­ich­net meine Aus­führun­gen hierzu als „unge­heuere poli­tis­che Pro­voka­tion“. Meine Posi­tion dazu: In der SBZ wurde die Beze­ich­nung etabliert in ein­er Zeit, da der Nation­al­sozial­is­mus noch im Denken der Men­schen ver­wurzelt war. Das öffentliche Bewusst­sein über den Betrieb­sarzt der NS-Zeit wird in meinem Buch charak­ter­isiert („ver­has­ster Gesund­schreiber“ u. v. m.) und aus diesen Zusam­men­hän­gen wird klar, dass im Nachkriegs­deutsch­land diese Beze­ich­nung völ­lig diskred­i­tiert war. Ein direk­tes Einord­nen der Fab­rikärzte in den Betrieb, wie sich dies bere­its vor dem Ersten Weltkrieg in der chemis­chen Indus­trie oder in anderen Groß­be­trieben in der Weimar­er Zeit entwick­elt hat­te, wurde ja in der SBZ abgeschafft, also auch die Weimar­er Erfahrun­gen hier­bei eben nicht genutzt. Dieses neue Mod­ell nach 1945 knüpfte direkt an die Einord­nung der Betrieb­särzte im Nation­al­sozial­is­mus an. Aber es gab dazu keine Diskus­sion oder Aufk­lärung, die sich dur­chaus aufge­drängt hätte. Ger­ade auch, weil von Anfang an in der SBZ kura­tive Tätigkeit gefordert wurde und der Betrieb­sarzt krank und gesund schreiben kon­nte, wie dies unter Hitler Prax­is war. Die SBZ/DDR ist ja auch nicht bei der bis 1945 üblichen Beze­ich­nung des Sicher­heitsin­ge­nieurs geblieben, weil das für irreführend gehal­ten wurde. Der „Sicher­heitsin­spek­tor“ wurde etabliert, obwohl diese Beze­ich­nung nicht den Kern des Tätigkeit­spro­fils traf. Ger­ade dieses Umdenken im Auf­gaben­ver­ständ­nis u. a. durch neue Begrif­flichkeit­en ist für den Betrieb­sarzt in der Öffentlichkeit ver­passt wor­den. Beispiel­sweise sprach die Ärztekam­mer West­falen 1948 vom „Werkge­sund­heits­di­enst” und engagierte sich um dessen Auf- und Aus­bau, wählte also dur­chaus eine andere Beze­ich­nung. Als das ASiG in der Bun­desre­pub­lik in sehr viel später­er Zeit rund 30 Jahre danach kam, waren die belasteten Deu­tun­gen der Ver­gan­gen­heit nicht mehr gegen­wär­tig. Und diesen Zusam­men­hang in den Leser­briefen herzustellen ist indiskutabel.
Sehe ich diese inhaltlichen Kri­tikpunk­te zusam­men­fassend, so erschüt­tern sie Grun­daus­sagen mein­er Pub­lika­tio­nen in kein­er Weise. Es kommt keine sub­stanzielle Kri­tik an den his­torischen Fak­ten, son­dern eher ein Bekrit­teln einzel­ner Darstel­lun­gen, die sog­ar bei sorgfältigem Lesen und Denken nicht ein­mal aufge­treten wären. Ich habe keinen Grund, von den Fun­da­menten mein­er Aus­sagen abzurück­en.
Und schließlich wer­den mir per­sön­lich Vor­würfe in den Leser­briefen gemacht. Sie kom­men von Dr. Har­tig, Dr. Szew­czyk und auch von Her­rn Brügge­mann. Fach­lich­er Mei­n­ungsstre­it ver­bi­etet von Haus aus jede auf die Per­son gezielte Äußerung. Deshalb werde ich mich an solchen Diskus­sio­nen zur Per­son nicht beteili­gen.
Lassen Sie mich als Resümee zu den Leser­briefen sagen: Kri­tik ist immer nüt­zlich, wenn sie sach­lich und kon­struk­tiv ist. Ich nehme für mich in Anspruch, dass durch meine Arbeit­en Lück­en in den Darstel­lun­gen der his­torischen Prozesse und Tatbestände geschlossen wer­den kon­nten. In dieser Bre­ite und Tiefe wurde der Arbeitss­chutz der DDR bish­er nie his­torisch aufgear­beit­et. Sach­lich-inhaltliche Ergänzun­gen sind ger­adezu wün­schenswert.
Dr. Lutz Wien­hold
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