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Resi­li­en­z­coa­chings: Alter Wein in neuen Schläu­chen?

Kritische Betrachtung
Resi­li­en­z­coa­chings: Alter Wein in neuen Schläu­chen?

Resilienz stärken - oder doch besser die Verhältnisse dem Menschen anpassen? Das Arbeitsschutzgesetz jedenfalls fordert Verhältnisprävention. © Edler von Rabenstein – Fotolia.com
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Im Zusam­men­hang mit psychi­schen Belas­tun­gen und Bean­spru­chun­gen liest und hört man in der letz­ten Zeit häufi­ger den Begriff „Resi­li­enz“. In entspre­chen­den Beiträ­gen geht es um die Frage, wie man die Resi­li­enz stär­ken kann.
Doch was verbirgt sich eigent­lich hinter dem Begriff? Eröff­net das Konzept der Resi­li­enz neue Präven­ti­ons­mög­lich­kei­ten im Bereich Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit oder wird hier bereits Bekann­tes mit einem neuen Begriff verse­hen?

Dr. Hiltraut Pari­don

Der Begriff „Resi­li­enz“ leitet sich von dem latei­ni­schen Begriff resi­lire ab, was ‚zurück­sprin­gen‘ oder ‚abpral­len‘ heißt. Resi­li­enz lässt sich am besten mit „Wider­stands­fä­hig­keit“ über­set­zen. Man findet diesen Begriff haupt­säch­lich in der psycho­lo­gi­schen Lite­ra­tur. Bei genaue­rer Betrach­tung stellt man aber fest, dass verschie­dene psycho­lo­gi­sche Fach­ge­biete unter­schied­li­che Konzepte mit dem Begriff Resi­li­enz verbin­den. Das erschwert die Verständ­lich­keit. Im Folgen­den werden die unter­schied­li­chen Konzepte darge­stellt. Darüber hinaus wird der Nutzen von neu entstan­de­nen „Resi­li­en­z­trai­nings“ für die Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit disku­tiert.

Resi­li­enz in den ersten Jahren

Mit Resi­li­enz im Kindes- und Jugend­al­ter beschäf­tigt sich die Entwick­lungs­psy­cho­lo­gie. Als eine der ersten Autoren hat Emmy Werner den Begriff Resi­li­enz geprägt, die auf einer hawaia­ni­schen Insel Kinder unter­sucht hat, die unter ungüns­ti­gen Bedin­gun­gen aufwuch­sen (Werner, 1993). Es wurde eine Reihe von Schutz­fak­to­ren beschrie­ben, die sich förder­lich auf die Resi­li­enz auswir­ken. Hierzu gehö­ren zum einen kind­be­zo­gene Fakto­ren, wie beispiels­weise über­durch­schnitt­li­che Intel­li­genz, spezi­elle Talente, Hobbies, hohe Impuls­kon­trolle, posi­ti­ves Sozi­al­ver­hal­ten, hohe Sprach­fer­tig­kei­ten, Problem­lö­se­fä­hig­kei­ten. Zum ande­ren gibt es Schutz­fak­to­ren in der Fami­lie. Hierzu zählen eine stabile emotio­nale Bezie­hung zu einer Bezugs­per­son, ein offe­nes, unter­stüt­zen­des Erzie­hungs­klima, fami­liä­rer Zusam­men­halt, unter­stüt­zende Geschwis­ter oder auch ein hohes Bildungs­ni­veau der Eltern (v.a. der Mutter).
In der Entwick­lungs­psy­cho­lo­gie geht man davon aus, dass sich Resi­li­enz aus dem Zusam­men­spiel von Perso­nen­merk­ma­len und Umwelt­merk­ma­len bildet. Entspre­chend wird Resi­li­enz als verän­der­li­ches Merk­mal ange­se­hen, welches sich im Lebens­lauf entwi­ckelt. Es ist auch immer zu betrach­ten, um welche Aspekte es genau geht, also zum Beispiel um Aggres­si­vi­tät oder Such­ter­kran­kun­gen oder „Stress­re­si­li­enz“. Dass sich die Resi­li­enz im Lebens­lauf ändern kann, zeigt sich auch beim Geschlecht: Im Kindes­al­ter leiden mehr Jungen an Aufmerk­sam­keits­stö­run­gen oder Autis­mus, während Mädchen zu einem späte­ren Zeit­punkt vermehrt Essstö­run­gen oder depres­sive Störun­gen entwi­ckeln (Holt­mann & Laucht, 2008).
Resi­li­enz ist folg­lich kein „ange­bo­re­nes Persön­lich­keits­merk­mal“, sondern entwi­ckelt sich im akti­ven Austausch­pro­zess mit der Umwelt. Man spricht auch nicht von einer univer­sel­len Resi­li­enz, sondern nimmt an, dass Resi­li­enz situations- oder lebens­be­reichs­spe­zi­fisch ist. Sowohl die Person als auch ihre Umwelt sind bei der Entwick­lung von resi­li­en­tem Verhal­ten betei­ligt. Frühere Umwelt­be­din­gun­gen können sich posi­tiv auf die Entwick­lung von Resi­li­enz auswir­ken, da posi­tive Erfah­run­gen die Ausbil­dung von Bewäl­ti­gungs­fä­hig­kei­ten wesent­lich begüns­ti­gen. Ein Mensch, der sich einer kriti­schen oder heraus­for­dern­den Situa­tion gewach­sen zeigt, geht daraus gestärkt hervor und schafft somit güns­tige Voraus­set­zun­gen, die künf­ti­gen Hürden und Krisen auch gut für sich zu meis­tern – aufgrund erlern­ter Kompe­ten­zen (Wust­mann, 2005). Entspre­chend geht man in der entwick­lungs­psy­cho­lo­gi­schen Resi­li­enz­for­schung davon aus, dass man die Wider­stands­fä­hig­keit einer Person fördern kann (Peter­mann et al., 2003).

Resi­li­enz im Erwach­se­nen­al­ter

Wenn sich die Entwick­lungs­psy­cho­lo­gie grund­sätz­lich auch mit Fragen der Entwick­lung im Erwach­se­nen­al­ter beschäf­tigt, finden sich zum Thema „Resi­li­en­z­ent­wick­lung“ keine Hinweise. Eine Diszi­plin der Psycho­lo­gie, für die die Resi­li­enz im Erwach­se­nen­al­ter rele­vant ist, ist die Klini­sche Psycho­lo­gie. Die Klini­sche Psycho­lo­gie beschäf­tigt sich u. a. damit, wie psychi­sche Störun­gen und psychi­sche Aspekte körper­li­cher Erkran­kun­gen entste­hen und aufrecht­erhal­ten werden. Hier bezeich­net Resi­li­enz den Gegen­pol zur Vulnera­bi­li­tät. Unter Vulnera­bi­li­tät wird eine indi­vi­du­ell unter­schied­li­che Verletz­bar­keit für das Auftre­ten psychi­scher Störun­gen verstan­den (Möller, Laux & Deis­ter, 2005).
Vulnera­bi­li­tät wird als Prädis­po­si­tion, d.h. als Anfäl­lig­keit ange­se­hen, die den Ausbruch einer Erkran­kung begüns­tigt, aber als allei­nige Ursa­che nicht ausreicht. Es handelt sich um eine andau­ernde erhöhte Verletz­bar­keit. Vulnera­bi­li­tät bestehet aus ange­bo­re­nen Antei­len (z.B. Störung der Aufmerk­sam­keit und Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung) und erwor­be­nen Antei­len (z.B. Erzie­hungs­stil der Eltern, Trau­mata, Erkran­kun­gen) (Witt­chen, 2013). Vulnera­bi­li­tät und damit auch ihr Gegen­stück Resi­li­enz werden als eher stabile Merk­male ange­se­hen. Dabei sind Vulnera­bi­li­tät bzw. Resi­li­enz keine mess­ba­ren Größen, sondern ange­nom­mene Größen. Sie stel­len das Ergeb­nis des Einwir­kens von schä­di­gen­den bzw. schüt­zen­den Einflüs­sen über­wie­gend in der Kind­heit und Jugend dar (Sand­fort, 2010).

Resi­li­enz in Orga­ni­sa­tio­nen

Inzwi­schen wird das Konzept unter dem Begriff „resi­li­ente Orga­ni­sa­tion“ auch auf Unter­neh­men über­tra­gen. Hier­un­ter wird häufig verstan­den, dass in einer resi­li­en­ten Orga­ni­sa­tion die Beschäf­tig­ten eine hohe Wider­stands­fä­hig­keit besit­zen (Götze, 2013). In den Veröf­fent­li­chun­gen zum Thema fällt vor allem Folgen­des auf:
  • 1. Es wird davon ausge­gan­gen, dass Resi­li­enz verän­der­bar ist.
  • 2. Es wird stark auf das Verhal­ten der Person fokus­siert, während die Verhält­nisse (fast) nicht beach­tet werden.
Zu 1: Es werden also Erkennt­nisse aus der entwick­lungs­psy­cho­lo­gi­schen Forschung, die sich auf das Kindes- und Jugend­al­ter bezie­hen, auf das Erwach­se­nen­al­ter über­tra­gen. Ob dies zuläs­sig ist, ist frag­lich. Die Entwick­lungs­psy­cho­lo­gie selbst forscht nicht im Themen­ge­biet „Resi­li­enz im Erwach­se­nen­al­ter“. Und die klini­sche Psycho­lo­gie, die sich mit dem Erwach­se­nen­al­ter beschäf­tigt, geht davon aus, dass die Resi­li­enz (fast) nicht verän­der­bar ist.
Zu 2: Wenn schon die Erkennt­nisse der entwick­lungs­psy­cho­lo­gi­schen Forschung heran­ge­zo­gen werden, so sollte beach­tet werden, dass hier nicht nur Person, sondern auch Situa­ti­ons­fak­to­ren als wich­tig für die Resi­li­enz betrach­tet werden. Dies scheint jedoch in der Regel außer Acht gelas­sen zu werden.
Die Fokus­sie­rung auf die Person wird auch bei der Erfas­sung der Resi­li­enz und den Maßnah­men zur Verän­de­rung deut­lich. Hier­auf wird im Folgen­den weiter einge­gan­gen.

Resi­li­enz­skala

Resi­li­enz wird in der Regel mit einem Frage­bo­gen erfasst. So gibt es beispiels­weise von Schu­ma­cher et al. (2005) eine vali­dierte Skala zur Erfas­sung der Resi­li­enz. Sie enthält 25 Aussa­gen, die mit einem 7‑stufigem Antwort­for­mat von „Ich stimme nicht zu“ bis „Ich stimme völlig zu“ beant­wor­tet werden. Im Folgen­den sind die elf Aussa­gen einer daraus entwi­ckel­ten Kurz­skala aufge­lis­tet:
  1. Wenn ich Pläne habe, verfolge ich sie auch.
  2. Norma­ler­weise schaffe ich alles irgend­wie.
  3. Es ist mir wich­tig, an vielen Dingen inter­es­siert zu blei­ben.
  4. Ich mag mich.
  5. Ich kann mehrere Dinge gleich­zei­tig bewäl­ti­gen.
  6. Ich bin entschlos­sen.
  7. Ich behalte an vielen Dingen Inter­esse.
  8. Ich finde öfter etwas, worüber ich lachen kann.
  9. Norma­ler­weise kann ich eine Situa­tion aus mehre­ren Perspek­ti­ven betrach­ten.
  10. Ich kann mich auch über­win­den, Dinge zu tun, die ich eigent­lich nicht machen will.
  11. In mir steckt genü­gend Ener­gie, um alles zu machen, was ich machen muss.
Diese Skala zeigt, dass bei der Erfas­sung stark die Person im Fokus steht und die Umwelt­be­din­gun­gen, wie z.B. soziale Unter­stüt­zung oder Freund­schafts­be­zie­hun­gen, nicht erfasst werden.
Ganz neu entwi­ckelt wurde inzwi­schen eine Resi­li­enz­skala für den Arbeits­platz (Work­place Resi­li­ence Inven­tory, McLar­non & Roth­stein, 2013). Diese Skala gibt es bisher aller­dings nur in Englisch und sie enthält 60 Aussa­gen, die sich auf acht Berei­che bezie­hen. Hierzu gehö­ren beispiels­weise Selbst­re­gu­la­ti­ons­pro­zesse („Seit ich etwas Unan­ge­neh­mes erlebt habe, achte ich mehr auf die Ursa­chen für meine Gefühle.“) oder typi­sche Verhal­tens­wei­sen („Ich erle­dige Aufga­ben ohne beson­dere Anstren­gung.“). Auch diese Skala ist rela­tiv perso­nen­ori­en­tiert. Ledig­lich fünf Aussa­gen bezie­hen sich auf Umge­bungs­be­din­gun­gen wie soziale Unter­stüt­zung.

Resi­li­en­z­trai­nings und die Förde­rung von Resi­li­enz

Wie die Erfas­sung der Resi­li­enz steht auch bei der Förde­rung der Resi­li­enz häufig die Person selbst im Fokus. Die Maßnah­men zur Stär­kung der Wider­stands­kraft sind entspre­chend verhal­tens­ori­en­tiert, d.h. Perso­nen werden trai­niert, „resi­li­ente“ Verhal­tens­wei­sen und Einstel­lun­gen zu entwi­ckeln. Verhält­nis­ori­en­tierte Maßnah­men fehlen weit­ge­hend. So gibt die Ameri­can Psycho­lo­gi­cal Asso­cia­tion (APA, der ameri­ka­ni­sche Fach­ver­band für Psycho­lo­gie) folgende zehn Empfeh­lun­gen zur Förde­rung der Resi­li­enz:
  • soziale Kontakte aufbauen
  • Krisen nicht als unüber­wind­li­ches Problem betrach­ten
  • akzep­tie­ren, dass Ände­run­gen ein Teil des Lebens sind
  • sich auf die eige­nen Ziele zube­we­gen
  • aktiv Entschei­dun­gen tref­fen
  • auf Möglich­kei­ten achten, sich weiter­zu­ent­wi­ckeln
  • ein posi­ti­ves Selbst­bild entwi­ckeln und stär­ken
  • Ereig­nisse in ange­mes­se­ner Perspek­tive betrach­ten
  • opti­mis­tisch blei­ben
  • für sich selbst sorgen.

Wie sinn­voll sind Coachings?

Bei der Resi­li­enz­för­de­rung von Beschäf­tig­ten geht es eben­falls meis­tens darum, die Persön­lich­keit zu stär­ken und zu entwi­ckeln. Götze (2013) hat Exper­ten inter­viewt, die Resi­li­en­z­coa­chings anbie­ten. Hier­bei zeigte sich, dass die meis­ten der befrag­ten Exper­ten nicht über ein spezi­el­les Wissen zur Resi­li­enz­för­de­rung verfü­gen. In der Regel versu­chen sie, ihren Klien­ten beizu­brin­gen, die Situa­tion zu akzep­tie­ren und opti­mis­ti­sches Denken zu entwi­ckeln. Das Problem besteht darin, dass die in einem Resi­li­en­z­trai­ning erwor­be­nen Fähig­kei­ten nur zur Wirkung kommen können, wenn das Umfeld entspre­chend gestal­tet ist. Dies ist häufig jedoch nicht der Fall, da in der Regel dieje­ni­gen an einem Resi­li­en­z­trai­ning teil­neh­men, die aufgrund der über­for­dern­den Situa­tion an der Grenze ihrer Belast­bar­keit sind (Götze, 2013).
Die Stra­te­gien, die beim Resi­li­en­z­trai­ning ange­wen­det werden, finden sich bereits in Program­men zur Stres­sprä­ven­tion oder werden auch für die verhal­tens­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung von Depres­si­ven verwen­det. Elemente, die spezi­fisch für ein Resi­li­en­z­trai­ning sind, scheint es nicht zu geben, was sich auch in Exper­ten­in­ter­views wider­spie­gelt.

Fazit

Resi­li­enz bedeu­tet „(psychi­sche) Wider­stands­fä­hig­keit“. In der Entwick­lungs­psy­cho­lo­gie, die sich mit Resi­li­enz im Kindes- und Jugend­al­ter beschäf­tigt geht man davon aus, dass Resi­li­enz in Folge eines akti­ven Austausch­pro­zes­ses mit der Umwelt „erwor­ben“ wird und sie sich auch ändern lässt. Aller­dings macht die Entwick­lungs­psy­cho­lo­gie hinsicht­lich der Resi­li­enz keine Aussa­gen über das Erwach­se­nen­al­ter. Die klini­sche Psycho­lo­gie, die sich mit psychi­schen Störun­gen beschäf­tigt, nimmt eine andere Posi­tion ein und geht davon aus, dass Resi­li­enz (fast) nicht verän­der­bar ist. Hier liegt bereits ein Dilemma bei dem Begriff Resi­li­enz: Je nach Fach­ge­biet gibt es unter­schied­li­che Konzepte. Für die Inhalte von Trai­nings ist es aber eine bedeu­tende Frage, ob Resi­li­enz verän­der­bar ist oder nicht. Bei Kindern und Jugend­li­chen scheint dies möglich zu sein, bei Erwach­se­nen eher nicht. Abge­se­hen von diesem wich­ti­gen inhalt­li­chen Problem, gibt es einen weite­ren kriti­schen Punkt hinsicht­lich der Resilienz-Trainings:
  • Bei der Förde­rung der Resi­li­enz steht häufig die Verhal­tensprä­ven­tion im Fokus. Es wird versucht darauf hinzu­ar­bei­ten, dass Perso­nen bestimmte Situa­tio­nen anders beur­tei­len oder opti­mis­tisch blei­ben. Dies spie­gelt sich auch bei der Über­tra­gung des Resi­li­en­z­kon­zepts auf Betriebe wider. Beschäf­tigte sollen durch ein Trai­ning indi­vi­du­el­ler Aspekte wider­stands­fä­hi­ger und damit belast­ba­rer gemacht werden. Um ein „resi­li­en­tes“ Unter­neh­men zu entwi­ckeln, benö­tigt man aber nicht nur wider­stands­fä­hige Beschäf­tigte, sondern auch „gesunde“ Verhält­nisse, wie z.B. flexi­ble Struk­tu­ren, eine krisen­fä­hige Führung, ein gutes und beschäf­tig­ten­ori­en­tier­tes Betriebs­klima sowie gesund­heits­ge­rechte Arbeits­be­din­gun­gen. Die Verhält­nis­prä­ven­tion wird bei den Resi­li­en­z­trai­nings aller­dings vernach­läs­sigt. Gerade für die gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung stehen aber verhält­nis­prä­ven­tive Maßnah­men im Vorder­grund, da laut Arbeits­schutz­ge­setz indi­vi­du­elle Schutz­maß­nah­men nach­ran­gig zu ande­ren Maßnah­men sind.
Und ein drit­tes Problem der Resilienz-Trainings besteht darin, dass es sich eher um Wissen handelt, das bereits in ande­ren Zusam­men­hän­gen verfüg­bar ist, wie z.B. in Stres­sprä­ven­ti­ons­pro­gram­men. Auch die Unter­su­chung von Götze (2013) zeigt, dass es offen­sicht­lich keine Inhalte von Resi­li­en­z­trai­nings oder Resi­li­en­z­coa­chigs gibt, die spezi­fisch für Resi­li­enz sind. Viel­mehr werden Maßnah­men, die bereits aus ande­ren Trai­nings oder Thera­pien bekannt sind, einge­setzt und mit dem neuen Etikett „Resi­li­enz“ verse­hen.
Insge­samt soll­ten Resi­li­en­z­trai­nings und Resi­li­en­z­coa­chings also kritisch betrach­tet werden. Zu sugge­rie­ren, dass nach einem einwö­chi­gen Trai­ning alle Lebens­kri­sen zu bewäl­ti­gen sind, ist unse­riös. Natür­lich kann es hilf­reich sein, sein eige­nes Verhal­ten einmal kritisch zu analy­sie­ren und auch lang­fris­tig Stra­te­gien zu entwi­ckeln, mit Anfor­de­run­gen gelas­se­ner umzu­ge­hen. Welchen Mehr­wert ein Resi­li­en­z­trai­ning gegen­über bewähr­ten Semi­nar­in­hal­ten hat, sollte jedoch hinter­fragt werden.
Lite­ra­tur
  • Götze, U. (2013). Resi­li­en­z­ent­wick­lung im Perso­nal­ma­nage­ment. Wies­ba­den: Sprin­ger.
  • Holt­mann, M. & Laucht, M. (2008). Biolo­gi­sche Aspekte der Resi­li­enz. In: G. Opp & M. Fingerle (Hrsg.). Was Kinder stärkt. München: Ernst Rein­hardt Verlag, 32–44.
  • McLar­non, M. J. W. & Roth­stein, M. G. (2013). Deve­lo­p­ment and initial vali­da­tion of the work­place resi­li­ence inven­tory. Jour­nal of Person­nel Psycho­logy, 12, 63–73.
  • Möller, H.-J., Laux, G. & Deis­ter, A. (2005). Psych­ia­trie und Psycho­the­ra­pie. Stutt­gart: Thieme.
  • Peter­mann, F., Niebank, K., & Scheit­hauer, H. (2003). Entwick­lungs­wis­sen­schaft: Entwick­lungs­psy­cho­lo­gie, Gene­tik, Neuro­psy­cho­lo­gie. Heidel­berg: Sprin­ger.
  • Sand­fort, D. (2010). Klini­sche Psycho­lo­gie – Ätio­lo­gie http://www.psychologie.uni-bonn.de/abteilungen/sozial-und-rechtspsychologie/lehre/dateien-ina-grau/klinischeps-aetiologie.pdf, abge­ru­fen am 02.08.2013.
  • Schu­ma­cher, J., Leppert, K., Gunzel­mann, T., Strauß, B. & Bräh­ler, E. (2005). Die Resi­li­enz­skala – Ein Frage­bo­gen zur Erfas­sung der psychi­schen Wider­stands­fä­hig­keit als Person­merk­mal. Zeit­schrift für Klini­sche Psycho­lo­gie, Psych­ia­trie und Psycho­the­ra­pie, 53, 16–39.
  • Werner, E. E. (1993). Risk, resi­li­ence, and reco­very: Perspec­ti­ves from the Kauai Longi­tu­di­nal Study. Deve­lo­p­ment and Psycho­pa­tho­logy, 5, 503–515.
  • Witt­chen, H.-U. & Knappe S. (2013). Klini­sche Psycho­lo­gie und Psycho­the­ra­pie I,
  • http://www.psychologie.tu-dresden.de/i2/klinische/students/Bachelor/ws_1213/wittchen_knappe_klinische_psych_stressmodelle_ws_1213.pdf, abge­ru­fen am 02.08.2013
  • Wust­mann, C. (2005). Die Blick­rich­tung der neue­ren Resi­li­enz­for­schung. Wie Kinder Lebens­be­las­tun­gen bewäl­ti­gen. Zeit­schrift für Pädago­gik, 51, 192–206.
Autorin
Dr. Hiltraud Pari­don
Insti­tut für Arbeit und Gesund­heit (IAG) der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (DGUV)
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