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Restruk­tu­rie­run­gen gesund gestal­ten

Deutsch-französisches Forum im Europaparlament in Straßburg
Restruk­tu­rie­run­gen gesund gestal­ten

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Die Wirt­schafts­krise hat auf EU-Ebene dazu geführt, dass immer mehr Unter­neh­men und Arbeit­neh­mer von Umstruk­tu­rie­run­gen oder Schlie­ßun­gen betrof­fen sind. So notwen­dig in einer globa­len Wirt­schaft Verän­de­run­gen sind um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu erhal­ten, umso deut­li­cher wird die Notwen­dig­keit auch von der Kehr­seite der Umstruk­tu­rie­run­gen zu spre­chen und die Gesund­heit und Sicher­heit der Mitar­bei­ter ins Blick­feld zu rücken. Es geht um Tausende von Mitar­bei­tern die erst ihren Arbeits­platz und dann ihr psychi­sches Gleich­ge­wicht verlie­ren, aber auch um dieje­ni­gen, die unter verschärf­ten Bedin­gun­gen ihren Arbeits­platz in der Krise erhal­ten konn­ten.

Minis­te­ri­al­di­ri­gent a.D. Gerd Albracht

Zu diesem Thema fand am 15. März 2013 das Forum „Restruk­tu­rie­run­gen gesund gestal­ten“ im Euro­pa­par­la­ment mit über 350 Betei­lig­ten statt. Orga­ni­siert wurde es von der Arbeits­gruppe „Arbeits­schutz über Gren­zen hinweg“ und vom Euro-Institut in Kehl wurde es betreut. Die zu beiden Seiten des Rheins zustän­di­gen Arbeits­schutz­be­hör­den, Betriebs­räte, Exper­ten, Betrof­fene , Forscher und Betriebs­lei­ter kamen zusam­men, um durch Erfah­rungs­be­richte über gute Praxis und grenz­über­schrei­ten­den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch darzu­le­gen, wie ein Restruk­tu­rie­rungs­pro­zess mehr im Sinne der psychi­schen Gesund­heit der Beschäf­tig­ten gestal­tet werden kann. Unter­stützt wurde das Forum von den EU-Abgeordneten Alejan­dro Cercas, Karima Delli und Evelyne Gebhardt sowie der Inter­na­tio­na­len Verei­ni­gung für Arbeits­in­spek­tion (IALI).
Umstruk­tu­rie­rung – was ist das?
„Umstruk­tu­rie­run­gen werden von der Euro­päi­schen Kommis­sion defi­niert als Modi­fi­ka­tio­nen in Bezug auf die Beleg­schaft eines Unter­neh­mens, die sowohl deren quali­ta­tive (die notwen­di­gen Fähig­kei­ten und Quali­fi­ka­tio­nen) als auch quan­ti­ta­tive Eigen­schaf­ten (Zahl der Arbeits­plätze) betref­fen, infolge struk­tu­rel­ler, orga­ni­sa­to­ri­scher und produk­ti­ons­tech­ni­scher Anpas­sun­gen im Unter­neh­men“. Dabei unter­schei­det die EU zwischen acht verschie­de­nen Arten wie zum Beispiel Stand­ort­ver­la­ge­run­gen, Ausla­ge­rung von Dienst­leis­tun­gen, Offshoring/Betriebsumsiedlungen in ein ande­res Land, Fusio­nen, Über­nah­men, Insol­venz und Schlie­ßun­gen.
Wirt­schaft­li­che und soziale Verant­wor­tung – ein Wider­spruch?
Nach einer verglei­chen­den Über­sicht der recht­li­chen Grund­la­gen der Restruk­tu­rie­rung eines Unter­neh­mens in Frank­reich und Deutsch­land lautete das Thema der Podi­ums­dis­kus­sion: Wirt­schaft­li­che und soziale Verant­wor­tung – ein Wider­spruch? Sylvie Siffer­mann, Arbeits­di­rek­to­rin bei der Präfek­tur Elsass und Initia­to­rin dieses Forums, eröff­nete die Podi­ums­dis­kus­sion mit der Forde­rung nach einem „mensch­li­chen Fußab­druck“. So wie der ökolo­gi­sche Fußab­druck den Umfang und die Auswir­kun­gen der Einfluss­nahme des Menschen auf die bioti­schen Ressour­cen der Umwelt im regio­na­len und globa­len Kontext beschreibe, könne der mensch­li­che Fußab­druck darle­gen, welche huma­nen und sozia­len Kompo­nen­ten das Unter­neh­men bei Restruk­tu­rie­run­gen berück­sich­tigt. Soziale Verant­wor­tung müsse ein „Mehr­wert“ sein.
Boris Ludborzs (Leiter FB Arbeits­psy­cho­lo­gie, DGUV) betonte, der HIRESS-Report und die Folge­stu­dien machen sehr deut­lich, dass von der psycho­lo­gi­schen Seite her umfas­sende und praxis­be­zo­gene, über­wie­gend auch wissen­schaft­lich gesi­cherte Erkennt­nisse vorlie­gen. Die darauf basie­ren­den Hand­lungs­emp­feh­lun­gen seien ausrei­chend um sofort mit wirk­sa­men und nach­hal­ti­gen Präven­ti­ons­stra­te­gien zu begin­nen. Er bemän­gelte den in Deutsch­land noch fehlen­den Konsens zwischen den Tarif­part­nern für eine gemein­same Präven­ti­ons­stra­te­gie für psychi­sche Gesund­heits­ri­si­ken im Rahmen von Restruk­tu­rie­run­gen. Er beklagte ein deut­li­ches Umset­zungs­de­fi­zit. Bezug­neh­mend auf die zentrale Frage­stel­lung der Diskus­sion sieht Ludborzs dadurch zurzeit in Deutsch­land „einen Wider­spruch zwischen wirt­schaft­li­cher und sozia­ler Verant­wor­tung“. Als Konse­quenz der nega­ti­ven Folgen von Restruk­tu­rie­run­gen, insbe­son­dere der wahr­ge­nom­mene Vertrau­ens­bruch bei Nicht­ein­hal­tung von Standort- und Beschäf­ti­gungs­ga­ran­tien, wachse in den Unter­neh­men eine Miss­trau­ens­kul­tur gegen­über Vorge­setz­ten und Geschäfts­lei­tung (Change-Zynismus). Mari­anne Richard-Molard (Direk­to­rin im franz. Arbeits­mi­nis­te­rium) stellte die Frage, „wie kann man opti­male wirt­schaft­li­che Leis­tun­gen erwar­ten, wenn man die Erwar­tun­gen der Arbeit­neh­mer nicht berück­sich­tigt“? Sie stellte fest, dass sich die Macht­ver­hält­nisse zwischen den Sozi­al­part­nern verän­dert haben. Ein notwen­di­ges neues Dialog­ver­ständ­nis müsse sich sowohl inhalt­lich als auch in der Methode nieder­schla­gen. Der Stress­re­port (2012) der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) sei besorg­nis­er­re­gend. Der Schlüs­sel zur Leis­tungs­fä­hig­keit liege darin wie Inves­ti­tio­nen in Arbeit neu gestal­tet werden können und was notwen­dig ist, dass der Arbeit­neh­mer als eine für das Unter­neh­men produk­tive Inves­ti­tion bei der Arbeit die notwen­dige Aner­ken­nung erfahre. Die Antwort muss sich konkret in der Unter­neh­mens­stra­te­gie wieder­fin­den.
Fehlende Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen
Im Jahre 2005 war France Telecom mit einer Finanz­krise ohne­glei­chen konfron­tiert. Régis Garreau (Gewerk­schafts­ver­tre­ter CFDT und AS-Ausschuss der Telecom-Orange) zeich­nete den Weg des damals staat­li­chen Konzerns auf, der in die Über­nahme von Orange viel Geld steckte und in eine große Krise kam. Die Firmen­kul­tur, die auf Leis­tung beruhte, sei zuguns­ten einer Kultur der Produk­ti­vi­tät und der Gewinn­span­nen ausge­tauscht worden. In dieser Zeit sei „die Lohn­summe klei­ner gewe­sen als die an die Aktio­näre ausge­zahlte Divi­dende“. Eine Vertrau­ens­krise habe das Unter­neh­men erschüt­tert, die beglei­tet wurde mit einer Kette von Selbst­mor­den am Arbeits­platz. Die Betrof­fe­nen hatten unter ande­rem Briefe hinter­las­sen und erklärt „keinen Nutzen mehr zu brin­gen und keinen Sinn mehr in der Arbeit zu sehen“.
Katrin Dist­ler (DGB-BW) stellte heraus, dass die Auswer­tung „Psycho-Stress am Arbeits­platz“ des DGB-Index Gute Arbeit 2012 ähnlich wie der Stress-Report 2012 zu dem klaren Ergeb­nis komme, dass der Druck und die Belas­tung am Arbeits­platz zunehme. Sie bemän­gelte, dass Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen, nach DGB-Erfahrungen, durch die Arbeit­ge­ber nur bei 28 Prozent der Beschäf­tig­ten durch­ge­führt werden und dabei insge­samt bei weni­ger als 10 Prozent nach psychi­schen Stress­fak­to­ren gefragt werde. Sie forderte die Bundes­re­gie­rung auf, eine Anti-Stress-Verordnung zu erlas­sen und wirk­sa­mere Kontrol­len zur Einhal­tung der Arbeits­schutz­vor­schrif­ten.
Isabel Rothe (Präsi­den­tin BAuA) betonte die Bedeu­tung des Stress­re­ports 2012. Er habe ein großes Inter­esse bei den Medien erzeugt, weil der Arbeits­schutz über das Thema Stress „in die Wohn­zim­mer gelangt“ sei. Seit 2000 sei eine höhere psychi­sche Belas­tung zu konsta­tie­ren (Stress, Arbeits­in­ten­si­tät et cetera ). Die nega­ti­ven Werte sind durch­weg höher, wenn Restruk­tu­rie­run­gen statt­ge­fun­den haben oder im Gange sind. Die Spiel­räume für Führungs­kräfte seien oft zu gering, um zu moti­vie­ren und Vertrauen zu entwi­ckeln. Die Grund­la­gen der Betriebs­ver­fas­sung seien harte Instru­mente, die aber stär­ker zu nutzen sind, wenn man die Spitze der nega­ti­ven Belas­tun­gen bei Restruk­tu­rie­run­gen nehmen will.
Bessere Prozesse sind möglich
Anne-Katrin Krem­pien (Leitende Ärztin der Tele­kom AG) stellte eine neue Methode (Regres­si­ons­ana­lyse) zur Bestim­mung der Haupt­kom­po­nen­ten der Erschöp­fung von Mitar­bei­tern und der Verbes­se­rung von Prozes­sen vor, die die Tele­kom in Zusam­men­ar­beit mit der TU Dres­den durch­führt. Bei inten­si­ver und tief­ge­hen­der Anwen­dung der Gefähr­dungs­ana­lyse „Psychi­sche Belas­tun­gen“ sind nach ihrer Erfah­rung weit­ge­hende Verbes­se­run­gen der Situa­tion zu errei­chen. Bernd Brück­ner, Vize­prä­si­dent der IALI, appel­lierte an die anwe­sen­den Abge­ord­ne­ten des EU-Parlaments, bei der drin­gend notwen­di­gen neuen EU-Strategie für Gesund­heits­schutz am Arbeits­platz (2013 – 2020) den Bereich „Gesund­heits­schutz bei Restruk­tu­rie­run­gen von Unter­neh­men“ in das Programm zu inte­grie­ren und Druck auf die Kommis­sion auszu­üben, dass die neue Stra­te­gie bald in Angriff genom­men wird.
Birgit Köper (BAuA) und Claude Triom­phe (ASTREES) stell­ten die Erfah­run­gen der verschie­de­nen HIRES1-Projekte dar. Sie waren wesent­lich für das Grün­buch zur Restruk­tu­rie­rung (Januar 2012) und der folgen­den Konsul­ta­ti­ons­phase und der Annahme einer entspre­chen­den Reso­lu­tion im EU Parla­ment (Januar 2013). Die Kommis­sion ist aufge­for­dert, jetzt zu reagie­ren. Nach ihrer Erfah­rung werden die Gesund­heits­aspekte zuguns­ten von tech­ni­schen, orga­ni­sa­to­ri­schen und wirt­schaft­li­chen Prozes­sen eher ausge­blen­det. Sie bemän­gel­ten, dass im Fokus mehr die Frage von Abfin­dun­gen, Entlas­sun­gen und Beschäf­ti­gung stehe und die Gesund­heit eher ein „Privat­pro­blem“ ist.
Beispiele guter Praxis
Unter der Leitung von Dr. Gerhard Bort, Arbeits­mi­nis­te­rium Baden-Württemberg, konn­ten zahl­rei­che gute Praxis­bei­spiele von beiden Seiten des Rheins vorge­stellt werden. So zum Beispiel der Prozess der Fusion zweier Gesund­heits­kas­sen in der Region Elsass und Mosel im Jahre 2012.
Arcelor­Mit­tal – welt­größ­ter Stahl­pro­du­zent, wird häufig kriti­siert wegen schlech­ter Arbeits­be­din­gun­gen, beson­ders in seinen Betrie­ben in Osteu­ropa. Doch Olaf Gayk, Mana­ger bei Arcelor­Mit­tall in Bremen, stellte ein seit acht Jahren in Bremen mit Erfolg prak­ti­zier­tes Modell des „Verän­de­rungs­ma­nage­ment“ vor. Gayk: „Wir mana­gen perso­nelle Anpas­sungs­maß­nah­men in einer eigen­stän­di­gen Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit durch Flexi­bi­li­tät, Talent­ent­wick­lung, inter­nen Verleih und Insour­cing, ohne Sozi­al­bud­get und mit hoher Zufrie­den­heit der Mitar­bei­ter. Diese Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit ist Teil eines Groß­be­trie­bes mit beson­de­ren Aufga­ben. Sie ist bewusst nicht Teil des Perso­nal­we­sens, sondern auf der glei­chen Ebene wie alle Haupt­be­triebe direkt unter dem Vorstand ange­sie­delt. Gegen­wär­tig arbei­ten knapp 400 Beschäf­tigte von 3600 in dieser Einheit.“
Als gute Praxis muss auch die Beglei­tung der grenz­über­schrei­ten­den Mobi­li­tät der Ange­stell­ten der Gruppe Petrop­lus im Rahmen der Still­le­gung genannt werden. Mit der Ankün­di­gung der Schlie­ßung der Raffi­ne­rie in Reich­stett (Frank­reich) Ende 2010 wurde ein Consul­ting­büro beauf­tragt, die beruf­li­che Neuaus­rich­tung der 250 Beschäf­tig­ten zu beglei­ten. Die Beleg­schaft bekun­dete ihr Inter­esse, die Jobsu­che auch auf den deut­schen Arbeits­markt auszu­deh­nen. Die spezi­fi­sche Beglei­tung und Bera­tung mit dem Ziel der Vorbeu­gung psychi­scher Belas­tun­gen wurde eindrucks­voll von einem frühe­ren Raffinerie-Mitarbeiter geschil­dert. Damals empfand der 49-Jährige die drohende Entlas­sung als Schock, nach­dem der neue Besit­zer noch eine Beschäf­ti­gungs­ga­ran­tie gege­ben hatte. Er hatte eine Schlüs­sel­rolle in dem Betrieb. Die ange­bo­te­nen Infor­ma­tio­nen gaben mir „Mut zum Über­le­ben, zur Weiter­bil­dung und Hoff­nung auf eine Wieder­be­schäf­ti­gung“. Dank dem Einsatz der Geschäfts­füh­rung und des Betriebs­ra­tes wurden konkrete Hilfs­mit­tel und inno­va­tive Maßnah­men wie „L´Offre Candi­dat“ einge­rich­tet. So konnte die Beleg­schaft mit deut­schen und fran­zö­si­schen Firmen zusam­men­kom­men und eine Part­ner­schaft mit der Agen­tur für Arbeit entste­hen. Heute arbei­tet er in Deutsch­land für ein Inge­nieur­büro und erbringt Dienst­leis­tun­gen für einen Chemie­kon­zern in einem inter­na­tio­na­len Umfeld. Diese Erfah­rung gebe ihm „mehr Vertrauen bei Wech­seln in der Zukunft.“
CERCAS Bericht
Am 15. Januar 2013 wurde mit großer Mehr­heit im Rahmen einer Entschlie­ßung des Euro­päi­schen Parla­ments der Cercas- Bericht mit Empfeh­lun­gen an die Kommis­sion zur Unter­rich­tung und Anhö­rung von Arbeit­neh­mern, Anti­zi­pa­tion und Manage­ment von Umstruk­tu­rie­run­gen (2012/2061/INI) ange­nom­men. Der Euro­pa­ab­ge­ord­nete Alejan­dro Cercas stellte im Forum fest, die „euro­päi­schen Rege­lun­gen sind abso­lut unzu­rei­chend. Es gibt keine kohä­rente euro­päi­sche Stra­te­gie für die Restruk­tu­rie­run­gen. Die fünf Millio­nen Arbeit­neh­mer, die durch Restruk­tu­rie­run­gen ihren Arbeits­platz verlo­ren haben, brau­chen eine Antwort.“ Er betonte: „Es müssen die Folgen für die Gesund­heit und Sicher­heit der Mitar­bei­ter, insbe­son­dere die psycho­so­zia­len Belas­tun­gen, unter denen Einzelne oder oft ein ganzes Team von Mitar­bei­tern durch die Umstruk­tu­rie­rungs­pläne leiden, ins Blick­feld gerückt werden.“ Cercas forderte auf, auch von der Kehr­seite der Restruk­tu­rie­rung von Unter­neh­men zu spre­chen. Denn nach­dem Tausende ihren Job verlo­ren haben, würden sie viel­fach auch „ihr psychi­sches Gleich­ge­wicht“ verlie­ren. Eine erschre­ckend anstei­gende Zahl von Depres­sio­nen und Alko­ho­lis­mus­fäl­len sei die Folge, wie man sich in Lüttich, Florange und Astu­rien über­zeu­gen könne.
Karima Delli, EU-Abgeordnete Frank­reichs, kriti­sierte die Vorge­hens­weise großer Konzerne ohne sozia­len Dialog Stand­orte kurz­fris­tig zu schlie­ßen. Sie forderte, dass „Umstruk­tu­rie­rungs­pro­zesse im Voraus besser vorbe­rei­tet und geplant werden und die Arbeit­neh­mer und ihre Vertre­tun­gen so früh wie möglich an diesen Prozes­sen betei­ligt werden, um diesen Ader­lass zu stop­pen. Auch die öffent­li­chen, loka­len und regio­na­len Behör­den müss­ten einbe­zo­gen werden.“
Die deut­sche EU-Abgeordnete Evelyne Gebhardt sieht für „Poli­ti­ker und Unter­neh­men eine doppelte Heraus­for­de­rung: auf der einen Seite müssen wir einge­hen­der nach Alter­na­ti­ven zu Massen­ent­las­sun­gen suchen. Und auf der ande­ren Seite sollen Beschäf­tigte akti­ver an Umstruk­tu­rie­rungs­pro­zes­sen betei­ligt werden und entlas­sene wie blei­bende Beschäf­tigte profes­sio­nell betreut werden“. Auf der Grund­lage des Cercas-Berichtes (gerech­net auf alle EU-Mitgliedsstaaten) würde eine früh­zei­tige Anhö­rung die Zahl der Entlas­sun­gen um 23 Prozent senken, 35 Prozent der entlas­se­nen Arbeit­neh­mer helfen neue Arbeits­plätze zu finden und würden Schu­lun­gen 36 Prozent der entlas­se­nen Arbeit­neh­mer helfen, einen neuen Arbeits­platz zu finden.
Dialog ist nötig
Die Abge­ord­ne­ten waren sich mit den deut­schen und fran­zö­si­schen Teil­neh­mer einig, dass es drin­gend notwen­dig ist, für die Problem­lö­sun­gen einen einheit­li­chen euro­päi­schen Rechts­rah­men zu schaf­fen, in dem die mit Umstruk­tu­rie­run­gen verbun­de­nen Probleme auf umfas­sende Weise behan­delt werden. Inter­ven­tio­nen auf EU-Ebene könnte einen „inte­grier­ten und kohä­ren­ten Ansatz zum Umgang mit Umstruk­tu­rie­run­gen liefern, der in der derzei­ti­gen Gesetz­ge­bung, Poli­tik, Praxis und Wahr­neh­mung“ in vielen Mitglieds­saa­ten noch fehlt.
Gerade ange­sichts der im Mai 2013 zu konsta­tie­ren­den höchs­ten Arbeits­lo­sen­quote von 10,2 Prozent in Frank­reich hat der Erhalt oder die Wieder­erlan­gung eines Arbeits­plat­zes im Zusam­men­hang mit Restruk­tu­rie­run­gen sowie die Gesund­heit der Beschäf­tig­ten höchste Prio­ri­tät.
Kleine und mittel­stän­di­sche Unter­neh­men beider­seits des Rheins haben in der Vergan­gen­heit gezeigt, dass notwen­dige Anpas­sun­gen an verän­derte wirt­schaft­li­che Rahmen­be­din­gun­gen nicht zu Lasten der Beschäf­tig­ten, sondern im Dialog mit ihnen zu führen sind. Dieses Verant­wor­tungs­be­wusst­sein gilt es zu stär­ken. Das deutsch-französische Forum war in beson­de­rer Weise geeig­net, den Hand­lungs­be­darf für Poli­ti­ker und Unter­neh­men und den grenz­über­schrei­ten­den Austausch zwischen allen Betei­lig­ten über „gesün­dere“ Formen der Restruk­tu­rie­rung von Unter­neh­men zu fördern.
Quel­len
Autor
Gerd Albracht Minis­te­ri­al­di­ri­gent a.D. Senior Advi­sor of the Inter­na­tio­nal Asso­cia­tion of Labour Inspec­tion (IALI)
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