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Chemikalienschutzkleidung: Richtig an- und ausziehen

Tipps für die Praxis
Chemikalienschutzkleidung: Richtig an- und ausziehen

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Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung (PSA) kann den Träger nur wirkungsvoll schützen, wenn sie für die jew­eilige Anwen­dung geeignet ist und vorschriftsmäßig an- und abgelegt wird. Der Beitrag gibt wichtige Tipps und beschreibt aus­führlich, wie Chemikalien­schutzanzüge sich­er an- und aus­ge­zo­gen wer­den.

Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung (PSA) schützt den Träger vor der Kon­t­a­m­i­na­tion durch Gefahrstoffe in sein­er Arbeit­sumge­bung wie: flüs­sige und feste Chemikalien, Öle, nicht-tox­is­che Flüs­sigkeit­en, luft­ge­tra­gene Schad­stoffe, Stäube und Fasern. In Labors oder beson­ders kon­trol­lierten Umge­bun­gen trägt Schutzk­lei­dung zusät­zlich dazu bei, eine Kon­t­a­m­i­na­tion der Umge­bung und des Pro­duk­ts durch den Men­schen z.B. durch Haare, Haut­par­tikel oder Klei­dungs­fasern zu ver­hin­dern.
Das Tra­gen allein bietet jedoch noch keine hun­dert­prozentige Sicher­heit. Mitentschei­dend für die Schutzwirkung und damit die Sicher­heit des Trägers sind das kor­rek­te Anle­gen sowie – noch wichtiger – das vorschriftsmäßige Able­gen von PSA. Eine aus­führliche Unter­weisung der Mitar­beit­er, die während ihrer Tätigkeit Schutzk­lei­dung tra­gen müssen, im Umgang mit PSA sowie im richti­gen An- und Ausziehen ist daher uner­lässlich.
Zunächst muss sichergestellt sein, dass der aus­gewählte Schutzanzug für die jew­eilige Anwen­dung geeignet ist und die erforder­liche Schutzwirkung besitzt. Auch der Schnitt und die ergonomis­che Pass­form spie­len eine wichtige Rolle. So kann ein schlecht sitzen­der Anzug den Träger bei der Ausübung sein­er Tätigkeit ein­schränken und die Ursache für unsachgemäßen Gebrauch sein.

Auf die richtige Größe kommt es an

Auch die kor­rek­te Größe­nauswahl hat Ein­fluss auf die Sicher­heit. Daher müssen Schutzanzüge immer in allen benötigten Größen und in aus­re­ichen­der Anzahl vor­rätig sein. Ist der Anzug zu groß, kann er in Pro­duk­tion­san­la­gen gezo­gen und eingek­lemmt wer­den oder der Träger kann stolpern und fall­en. Ist er dage­gen zu klein, kann er die Bewe­gungs­frei­heit stark ein­schränken oder sog­ar ein­reißen. Zur Ermit­tlung der passenden Größe wer­den die Kör­per­maße des Trägers (in Unter­bek­lei­dung) mit den Her­stellerangaben in der Gebrauch­san­weisung oder auf der Ver­pack­ung ver­glichen.
Vor dem Anziehen sollte die auf der Ver-pack­ung aufge­druck­te Größe zur Sicher­heit noch ein­mal mit der auf dem Etikett im Inneren des Anzugs ver­glichen wer­den. Zudem sind Mate­r­i­al, Nähte und Reiß- ver­schlüsse auf Unversehrtheit und Funk­tion­al­ität zu prüfen.
Das Anziehen sollte an einem kon­t­a­m­i­na­tions­freien Ort erfol­gen, um eine Kon­t­a­m­i­na­tion des Anzug­in­neren zu ver­mei­den. Falls möglich sollte eine zweite Per­son beim Anziehen behil­flich sein und vor dem Betreten des Arbeits­bere­ichs den kor­rek­ten Sitz des Schutzanzugs über­prüfen.
Ist weit­ere PSA (z.B. Schutzbrille, Maske, Hand­schuhe) erforder­lich, muss sichergestellt sein, dass sie mit der übri­gen Aus-rüs­tung kom­pat­i­bel ist. Zudem muss sie eben­falls am Umk­lei­de­ort bere­itliegen.
Damit der Schutzanzug beim Anziehen nicht beschädigt wird, sind Schuhe bzw. Stiefel zuvor auszuziehen. Zudem soll­ten alle Gegen­stände (z.B. Schlüs­sel, Werkzeuge, Stifte) aus den Taschen der Unter- bek­lei­dung ent­fer­nt wer­den, um eine Beschädi­gung des Anzugs oder Bewe­gung­sein­schränkun­gen zu ver­mei­den.
Um zu ver­hin­dern, dass die Hosen­beine der Unter­bek­lei­dung hochrutschen, emp­fiehlt es sich, diese in die Sock­en zu steck­en. Anschließend: Mit den Füßen in die Anzug­beine schlüpfen, hin­set­zen oder – falls keine Sitzgele­gen­heit vorhan­den – gegen eine Wand lehnen und Schuhe bzw. Stiefel wieder anziehen und schließen. Hosen­beine soll­ten stets über die Stiefel gezo­gen wer­den (siehe Abb. 2), um ein Ein­drin­gen von Gefahrstof­fen in die Stiefel zu ver­hin­dern und eine Ableitung elek-tro­sta­tis­ch­er Aufladun­gen zu ermöglichen. Danach dann den Anzug bis zur Hüfte hochziehen.
Falls zwei Paar Hand­schuhe getra­gen wer­den sollen: Erst das erste Paar anziehen. Dann mit den Armen in die Ärmel schlüpfen und den Anzug über die Schul­tern ziehen; Reißver­schluss bis zur Hüfte schließen. Dann, falls vorhan­den, Dau­men­schlaufe über den Dau­men ziehen, um ein Hochrutschen der Anzugärmel bei Überkop­far­beit­en zu ver­hin­dern.
Danach soll­ten Sie Schutzbrille bzw. Visi­er und gegebe­nen­falls Atem­schutz nach Her­steller­an­weisung anle­gen. Hier­bei ist es wichtig, dass sich Bän­der und Gum­mis immer unter der Kapuze befind­en. So sind sie nach dem Abstreifen der Kapuze sauber und frei von Kon­t­a­m­i­na­tio­nen und kön­nen sich­er berührt wer­den. Nun kön­nen Sie die Kapuze über den Kopf ziehen. Anschließend den Reißver­schluss ganz hochziehen und den Schieber ver­riegeln, um ein selb­st­tätiges Öff­nen zu ver­hin-dern. Dann soll­ten Sie die (Über-) Hand­schuhe anziehen und über die Ärmel­bünd­chen ziehen.
In eini­gen Bere­ichen kann zur Erhöhung der Sicher­heit ein Abkleben kri­tis­ch­er Anzugöff­nun­gen (Ärmel­bünd­chen, Beinen­den, Reißver­schluss, Kapuze) mit Bar­ri­ere­band erforder­lich sein.
Vor dem Betreten des Arbeits­bere­ichs soll­ten Sie mit Hil­fe eines Spiegels oder ein­er zweit­en Per­son den kor­rek­ten Sitz des Anzugs und die Bewe­gungs­frei­heit prüfen. Dazu auf ein Knie stellen und einen Arm nach oben streck­en sowie mit nach vorne aus­gestreck­ten Armen in die Hocke gehen (siehe Abb. 1).

Höchste Sorgfalt beim Ablegen und Entsorgen

Das Able­gen der Schutzk­lei­dung und die anschließende Entsorgung erfordern höch­ste Sorgfalt, um eine Kon­t­a­m­i­na­tion des Trägers und eine Ver­schlep­pung in andere Bere­iche zu ver­hin­dern. So ist vor allem darauf zu acht­en, dass die kon­t­a­minierte Außen­seite von Hand­schuhen und Anzug nicht mit nack­ter Haut oder der Unter­bek­lei­dung in Kon­takt kommt. Zudem muss zusam­men mit der Schutzk­lei­dung einge­set­zter Atem­schutz bis zulet­zt getra­gen wer­den, um zu ver­hin­dern, dass aufgewirbelte Gefahrstoffe eingeat­met wer­den.
Auch beim Ausziehen des Schutzanzugs wird drin­gend emp­fohlen, sich von ein­er zweit­en Per­son helfen zu lassen. Diese muss eben­falls eine dem Gefahrstoff entsprechende PSA tra­gen.
Bei einem möglichen Kon­takt mit gefähr- lichen Sub­stanzen müssen der Anzug und weit­ere Aus­rüs­tungs­ge­gen­stände vor dem Ausziehen dekon­t­a­miniert wer­den (z. B. durch Abwis­chen, Absprühen, Duschen). Dabei soll­ten verdeck­te Kör­per­par­tien (z. B. Achsel­höhlen) nicht vergessen wer­den.
Dann soll­ten zunächst eventuell vorhan­dene Kle­be­bän­der an der Reißver­schlussab­deck­ung, der Kapuze sowie den Arm- und Bein­ab­schlüssen vor­sichtig ent­fer­nt und sofort in den bere­it­ste­hen­den Ent-sorgungs­be­häl­ter gegeben wer­den. Anschließend die Kinn- und Reißver­schlussab­deck­ung öff­nen. Zum Abset­zen der Kapuze wird diese seitlich am Kopf gefasst und so nach hin­ten gerollt, dass die Innen­seite nach außen gestülpt wird. Damit wird ver­hin­dert, dass der nun freiliegende Nack­en durch die Anzu­gaußen­seite kon­t­a­miniert wird. Anschließend den Reißver­schluss bis zur Hüfte nach unten ziehen.
Zum Abziehen des ersten Ärmels ist ein Griff mit der anderen Hand hin­ter den Rück­en nötig, um den Ärmel an der Außen­seite zu fassen und den Arm mit Unter­stützung der zweit­en Per­son her­ausziehen (siehe Abb. 3) zu kön­nen. Gle­ichzeit­ig sollte mit dem Ärmel der Über­hand­schuh abgestreift wer­den. Anschließend mit dem nicht kon­t­a­minierten Innen­hand­schuh auf Höhe der anderen Schul­ter unter den Anzug fassen und den zweit­en Ärmel und Über­hand­schuh ausziehen.
Danach ist der Anzug (am besten im Sitzen) mit der Innen­seite nach außen bis über die Knie herun­terzurollen und sind die Stiefel bzw. Schuhe abzus­treifen, ohne sie mit den sauberen Hand­schuhen zu berühren.
Zur Entsorgung wird der Anzug anschließend in den bere­it­gestell­ten Entsorgungs-con­tain­er gegeben. Erst jet­zt wer­den Schutzbrille und Atem­maske abge­set­zt. Dazu an den Bän­dern am Hin­terkopf fassen und abziehen. Da diese Bän­der unter der Kapuze waren, sind sie nicht kon­t­a­miniert. Brille und Atem­maske soll­ten dekon­t­a­miniert oder entsorgt wer­den. Zulet­zt die Innen­hand­schuhe abstreifen und in den Entsorgungs­be­häl­ter geben.
Nach dem Ausziehen ist die Umge­bung kon­t­a­miniert und muss gere­inigt wer­den. Ein Ver­lassen des Arbeits­bere­ichs mit kon­t­a­miniert­er Klei­dung bedeutet nicht nur ein Risiko für den Träger, son­dern auch für unbeteiligte Per­so­n­en.

Schulung und Information wichtig

Das An- und Ausziehen sollte in Ruhe und ohne Hek­tik nach bekan­nten und geübten Ablaufregeln erfol­gen. Dazu müssen die Mitar­beit­er aus­führlich über den sicheren Umgang mit Schutzk­lei­dung informiert wer­den und Gele­gen­heit haben, die einzel­nen Schritte einzuüben. Zu diesem Zweck bietet DuPont im Inter­net ver­schiedene kosten­lose Videos an, die das vorschriftsmäßige An- und Ausziehen demon­stri­eren. Zudem führt das Unternehmen bei Bedarf Schu­lun­gen bei Kun­den vor Ort durch und bietet umfan­gre­ich­es Infor­ma­tion­s­ma­te­r­i­al zum The­ma, z. B. Poster mit den einzel­nen Schrit­ten oder eine Kurzan­leitung mit Bildern auf der Ver­pack­ung.
Autor
Kai-Uwe von Rhein, Endan­wen­der­ber­ater und Han­dels­be­treuer bei DuPont
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