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Richtiges Material entscheidend

Schutzmaßnahmen beim Einsatz von PU-Schäumen
Richtiges Material entscheidend

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Seit 1. Dezem­ber 2010 müssen PU-Schaum-Dosen, die mehr als 0,1 Prozent MDI enthal­ten, beim Verkauf an die bre­ite Öffentlichkeit Schutzhand­schuhe beigelegt wer­den. Die bish­er von den Her­stellern beige­fügten Schutzhand­schuhe aus geschweißten Folien schützen erfahrungs­gemäß nicht vor den unaus­ge­härteten Schäu­men, weil sie bere­its bei geringer Belas­tung aufreißen kön­nen.

Rein­hold Rühl, Clau­dia Waldinger, Uwe Musanke

Regelun­gen zum Inverkehrbrin­gen kreb­sverdächtiger Stoffe
Kreb­sverdächtige Stoffe waren bis zum 1. Dezem­ber 2010 mit dem R‑Satz R40 „Ver­dacht auf kreb­serzeu­gende Wirkung“ zu kennze­ich­nen, seit­dem nach GHS mit dem H‑Satz H351 „Kann ver­mut­lich Krebs erzeu­gen.“ Entsprechend zu kennze­ich­nen sind auch Pro­duk­te, die kreb­sverdächtige Stoffe über ein­er Kennze­ich­nungs­gren­ze enthal­ten. Da die Umstel­lungs­frist für die Kennze­ich­nung nach GHS für Pro­duk­te noch bis 2015 andauert, wer­den weit­er­hin viele Pro­duk­te noch nach dem alten Sys­tem gekennze­ich­net sein.
Für alle mit R40 gekennze­ich­neten Pro­duk­te gilt nach § 3 und § 4 der Chemikalien­ver­botsverord­nung (ChemVer­botsV) ein Selb­st­be­di­enungsver­bot, d.h. man darf diese Pro­duk­te nur mit ein­er Beratung verkaufen. Solche Selb­st­be­di­enungsver­bote gel­ten unter anderem auch für Pro­duk­te mit Kennze­ich­nun­gen wie T (giftig) oder R 62 (Kann möglicher­weise die Fortpflanzungs­fähigkeit beein­trächti­gen). Ein Verkauf in Selb­st­be­di­enung (z.B. offenes Regal im Bau­markt) ist ver­boten (Abb. 1). Pri­vate Kun­den müssen durch eine sachkundi­ge Per­son (Sachkunde nach § 5 ChemVer­botsV) über die Schutz­maß­nah­men berat­en wer­den.
Diese Vorge­hensweise ist vor allem bei Pflanzen­schutzmit­teln bekan­nt. Sie wer­den zum Beispiel in den Baumärk­ten üblicher­weise in ver­schlosse­nen Schränken hin­ter ein­er Theke auf­be­wahrt.
Für den Verkauf an gewerbliche Anwen­der ist nach § 3(2) ChemVer­botsV eine sachkundi­ge Per­son nicht vorge­se­hen. Hier reicht es aus, wenn die abgebende Per­son (Verkäufer) regelmäßig belehrt wird. Bei den gewerblichen Anwen­dern muss der Arbeit­ge­ber die Schutz­maß­nah­men im Rah­men sein­er Gefährdungs­beurteilung fes­tle­gen.
EU-Regelung für PU-Schäume
Seit 1. Dezem­ber 2010 gel­ten EU-weit neue Regelun­gen für das Inverkehrbrin­gen von Polyurethan-Pro­duk­ten, also auch von PU-Schäu­men, die mehr als 0,1 Prozent MDI (Methylendiphenyldi­iso­cyanat, Diphenyl­methandi­iso­cyanat) enthal­ten (Verord­nung (EG) Nr. 552/2009 vom 22. Juni 2009). Entsprechende Pro­duk­te tra­gen dann den R‑Satz R40. Um zu ver­mei­den, dass diese Schäume nicht mehr an pri­vate Ver­brauch­er („bre­ite Öffentlichkeit“) abgegeben wer­den dür­fen, hat die Indus­trie einen Kom­pro­miss in Brüs­sel erre­icht: Dieses Ver­bot des Inverkehrbrin­gens an die bre­ite Öffentlichkeit ent­fällt, wenn Schutzhand­schuhe beigelegt wer­den (siehe Abb. 2).
Beigelegte Hand­schuhe bei PU-Schäu­men?
Die bish­erige Erfahrung zeigt, dass die Her­steller Schutzhand­schuhe bei­le­gen, die aber unter Baustel­lenbe­din­gun­gen nicht sich­er vor Hautkon­takt schützen. Es wer­den sehr dünne Folien­hand­schuhe beigelegt, die aus zwei miteinan­der ver­schweißten Folien beste­hen. Das Hand­schuh­ma­te­r­i­al ist eventuell eine gewisse Zeit gegenüber den Schäu­men beständig. Für die Nähte kann dies nicht gewährleis­tet wer­den, denn schon bei geringer mech­a­nis­ch­er Belas­tung kön­nen die Schweißnähte nachgeben und aufreißen.
Lei­der kur­sieren Zer­ti­fikate zu diesen Hand­schuhen, die missver­ständliche For­mulierun­gen enthal­ten. Bei dem Hand­schuh, aus dessen Prüfzeug­nis Abbil­dung 3 einen Auss­chnitt zeigt, wurde nur das Mate­r­i­al geprüft und das Prob­lem der Nähte aus­geklam­mert. Mit der Beschrei­bung „geringer Schutz gegen chemis­che Gefahren“ wird dem Anwen­der ein Schutz ange­priesen, der nicht vorhan­den sein kann.
Schutzhand­schuhe für PU-Schäume
Für den Umgang mit lösemit­tel­freien Iso­cyanat-Pro­duk­ten hat die BG BAU die geeigneten Schutzhand­schuhe ermit­telt. Eine aktuelle Liste ist unter
www.gisbau.de/service/sonstiges/handfab/handfab.htm zu find­en. Da beim Ein­satz von PU-Schäu­men kein Dauerkon­takt mit den Iso­cyanat­en beste­ht, kön­nen auch die in Tabelle 1 aufge­führten Schutzhand­schuhe ver­wen­det wer­den, wenn sie nach Beschmutzung aus­ge­zo­gen und entsorgt wer­den.
Ein pro­fes­sioneller Ver­ar­beit­er wird beim nor­malen Auss­chäumvor­gang aus ein­er Dose mit aufge­set­ztem Röhrchen oder mit­tels Pis­tole kaum einen Kon­takt mit noch nicht aus­ge­härtetem Mon­tageschaum haben. Er kann mit einem nitril­getränk­ten Baum­woll­hand­schuh arbeit­en. Diese auf Baustellen sehr häu­fig ver­wen­de­ten nitril­getränk­ten Baum­woll­hand­schuhe sind allerd­ings keine Chemikalien­schutzhand­schuhe. Wenn unbe­ab­sichtigt aus­tre­tender Schaum eingedämmt oder beseit­igt wer­den muss, solange er weich ist, benötigt auch der Fach­mann einen geeigneten Chemikalien­schutzhand­schuh und keine ein­fachen Folien­hand­schuhe.
Infor­ma­tions­beschaf­fung
Beim Einkauf im Bau­markt sollte klargestellt wer­den, dass man ein gewerblich­er Anwen­der ist und deshalb Anspruch auf ein Sicher­heits­daten­blatt hat. Das Sicher­heits­daten­blatt muss kosten­los aus­ge­händigt wer­den. Wenn PU-Schäume bere­its im Betrieb vorhan­den sind, sollte mit dem Liefer­an­ten oder Her­steller Kon­takt aufgenom­men (z.B. über die Home­page) und ein aktuelles Sicher­heits­daten­blatt ver­langt wer­den. Die Her­steller müssen auf­grund der neuen Regelung (siehe Abb. 1) die Sicher­heits­daten­blät­ter über­ar­beit­en. Auch bei MDI-armen Pro­duk­ten muss in der Regel ein Sicher­heits­daten­blatt mit­geliefert wer­den, das Auskün­fte über die notwendi­gen Schutz­maß­nah­men liefert.
Infor­ma­tio­nen zu Gefahren und Schutz­maß­nah­men beim Ver­ar­beit­en von Mon­tageschäu­men liefern auch die Pro­duk­t­grup­pen-Infor­ma­tio­nen der GISCODES PU70 und PU80, die auf der WINGIS-CD und in WINGIS-Online ( www.wingis-online.de) enthal­ten sind. Den Entwurf ein­er Betrieb­san­weisung für den Umgang mit PU-Schäu­men zeigt Abbil­dung 4.
Autor
Dr. Rein­hold Rühl, Leit­er des Zen­tral­refer­ates Gefahrstoffe BG BAU E‑Mail: Reinhold.Ruehl@bgbau.de
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