Startseite » Fachbeiträge » Archiv SI »

Risiken durch Asbest beim Auslandseinsatz

Gesundheitsschutz und Prävention
Risiken durch Asbest beim Auslandseinsatz

Anzeige
Der Begriff Asbest (alt­griech. unvergänglich) umfasst ver­schiedene Silikat­min­er­alien. Bei Tem­per­a­turen bis 1.000°C und gegenüber schwachen Säuren erweist sich Asbest als chemisch sta­bil und mech­a­nisch sehr belast­bar. Asbest lässt sich gut mit Zement oder Harzen zu Ver­bundw­erk­stof­fen zusam­men­fü­gen. Der Weißas­best (Chrysotil) fand die weiteste Anwen­dung, vor allem als Armierungs­fas­er im Asbestze­ment. Auch zur Her­stel­lung vielfältiger feuer­fester Pro­duk­te eignete sich das Mate­r­i­al. Als wider­stands­fähiger Werk­stoff wurde Asbest schließlich in der Schiff­fahrtsin­dus­trie, bei der Reifen­her­stel­lung und zur Wärmedäm­mung einge­set­zt.
Man unter­schei­det fol­gende drei Kat­e­gorien (Forum Asbest Schweiz):
  • fes­ter Ver­bund, z.B. Asbestze­ment­pro­duk­te für Fas­saden, Wellplat­ten, Kanal- und Druck­rohre sowie Formware wie Kup­plungs- und Brems­belege, Blu­menkisten (Ver­bund mit Harz), Dich­tun­gen (Ver­bund mit Gum­mi).
  • los­er Ver­bund, Iso­la­tion­s­ma­te­r­i­al für Brand­schutz und Wärmedäm­mung (Spritzas­best­beschich­tun­gen, Beschich­tung von Boden­belä­gen, Asbest-Leicht­bau­plat­ten)
  • reine Form, z.B. Füll­stoffe.
Gesund­heits­ge­fährdende Eigen­schaften des Asbests wur­den bere­its zu Beginn des Zwanzig­sten Jahrhun­derts beobachtet. Es dauerte fast hun­dert Jahre bis daraus weitre­ichende geset­zliche Regelun­gen abgeleit­et wur­den. Nicht in allen Län­dern ist die Ver­wen­dung von Asbest ver­boten.
In der Europäis­chen Union beste­ht ein Ver­bot seit 2006, hier ste­hen heute vor allem Entsorgung­sprob­leme im Vorder­grund. Gemäß des Europäis­chen Abfal­lkat­a­logs (entsprechend Abfal­lverze­ich­nis-Verord­nung in Deutsch­land, s.u.) gel­ten asbesthaltige Mate­ri­alien als gefährlich­er Abfall.
Gesund­heitliche Risiken
Asbest­fasern spal­ten sich in Längsrich­tung auf und kön­nen auf diese Weise die Dicke eines Haares um ein Tausend­s­tel unter­schre­it­en. Eine Gesund­heits­ge­fahr beste­ht vor allem dann, wenn Asbest­par­tikel mit ein­er Faser­länge von weniger als 5 µm und einem Durchmess­er bis 3 µm in die Lun­gen­bläschen gelan­gen. Zunächst resul­tiert bei mas­siv­er Expo­si­tion eine Staublunge (Pneumoko­niose) mit bindegewe­bigem Umbau des Lun­gengewebes. Wobei die Latenzzeit zwis­chen Expo­si­tion und Erkrankung meist in ein­er Größenord­nung von zehn bis zwanzig Jahren liegt. Auf­grund ihrer Geome­trie führen die Asbest­fasern zu ein­er ver­gle­ich­sweise starken Schädi­gung des Lun­gengewebes. Die Fasern durch­stechen das Gewebe wie Nadeln und kön­nen durch die Lunge bis an das Brust­fell oder sog­ar bis zum Bauch­fell wan­dern.
Nor­maler­weise wer­den Fremd­kör­p­er durch Alve­o­lar-Makropha­gen, den „Fresszellen“ der Lunge, aufgenom­men und beseit­igt. Die Auf­nahme der Asbest-Par­tikel durch Makropha­gen ver­schlim­mert das Prob­lem jedoch nur, da die Fasern in der Zelle nicht abge­baut, auf­grund ihrer Länge oft noch nicht ein­mal voll­ständig aufgenom­men wer­den kön­nen: die Auss­chüt­tung von Entzün­dungs­me­di­a­toren (Bsp. Inter­leukin 1) und gesteigerte Bil­dung von Bindegewebe ist die Folge. Auf die Fibrose der Lunge kann mit ein­er weit­eren Latenzzeit von 5 bis 25 Jahren die Entwick­lung eines Lun­genkarzi­noms fol­gen. Es kön­nen unter­schiedliche Arten von Lun­genkarzi­nomen durch Asbest aus­gelöst wer­den. Anders als früher angenom­men, scheinen Ade­no-Karzi­nome der Lunge bei Kreb­spa­tien­ten mit Asbest­be­las­tung nicht (sig­nifikant) häu­figer vorzukom­men als bei den­jeni­gen Patien­ten, bei denen das Rauchen den alleini­gen Risiko­fak­tor darstellt. (Lee 1998).
Das Rauchen ist der wichtig­ste beglei­t­ende Risiko­fak­tor für die Entwick­lung eines Lun­genkreb­ses. Das Lun­genkreb­srisiko wird selb­st bei nur geringer Asbest­be­las­tung durch den beglei­t­en­den Risiko­fak­tor „Rauchen“ erhe­blich erhöht (Gus­tavs­son 2002).
Malignes Pleu­rame­sothe­liom
Ein stark mit Asbest-assozi­iert­er Tumor ist das Pleu­rame­sothe­liom. Es han­delt sich um einen bösar­ti­gen Tumor des Brust­fells, der sich bei Asbest­ex­ponierten etwa 1.000 mal häu­figer find­et als in der Nor­mal­bevölkerung (Koni­et­zko 2000). Daher kann das Auftreten von Pleu­rame­sothe­liomen auch als Indika­tor für die Asbest­be­las­tung von Bevölkerung­steilen betra­chtet wer­den. Die Latenzzeit zwis­chen Expo­si­tion und Auftreten der Erkrankung liegt meist bei über 40 Jahren, was eine Zuord­nung der Kausal­ität oft erschw­ert.
In Europa ist in den let­zten Jahrzehn­ten ein deut­lich­er Anstieg der Fal­lzahlen zu verze­ich­nen. Beispiel­sweise wur­den in Großbri­tan­nien im Jahr 1968 ins­ge­samt 153 Fälle gemeldet, im Jahr 2001 waren es 1.848. Und in den Nieder­lan­den waren 1969 61 Erkrankun­gen zu verze­ich­nen, während im Jahr 2001 313 Fälle gemeldet wur­den. Als Faus­tregel gilt, dass sta­tis­tisch auf 170 t ver­ar­beit­eten Asbest ein Pleu­ra-Mesothe­liom kommt (Finnish Insti­tute of Occu­pa­tion­al Health). Bei Latenzzeit­en von über 40 Jahren ist abse­hbar, dass vor allem in den Entwick­lungs- und Schwellen­län­dern, in denen Asbest noch nicht so lange ver­wen­det wird wie in den Indus­tri­es­taat­en, die eigentliche „Mesothe­liom-Epi­demie“ noch bevorste­ht (Bianchi 2007).
Inter­na­tionale Ver­wen­dung
In Deutsch­land wurde mit ger­ingfügi­gen Aus­nah­men die Ver­wen­dung von Asbest­fasern bere­its 1993 ver­boten. Die am 1. Juni 2006 in Kraft getretene REACH-Verord­nung (s.u.) regelte das Asbestver­bot europaweit. Die Abkürzung REACH ist ein Akro­nym für Reg­is­tra­tion, Eval­u­a­tion, Autho­ri­sa­tion and Restric­tion of Chem­i­cals. Das Amts­blatt der Europäis­chen Union L 396 vom 30. Dezem­ber 2006 (S. 129) hält fest, dass das „In-den-Verkehr-brin­gen“ und die Ver­wen­dung von Asbest­fasern ver­boten sei (siehe REACH-Verord­nung). Dies gilt für die Asbest­fasern: Kroky­dolith, Amosit, Antho­phyl­lit, Akti­no­lith, Tremolit, Chrysotil.
Die Unit­ed States Geo­log­i­cal Sur­vey, eine Behörde des US-Innen­min­is­teri­ums, weist auf einen besorgnis­er­re­gen­den Trend hin. Die Bauwirtschaft in weit­en Teilen Asiens nutze Asbest wieder zunehmend häu­fig als Werk­stoff. (IRIN 2012) Da Asbest inzwis­chen von zahlre­ichen Staat­en nicht mehr ver­wen­det wird, lassen sich durch ver­mehrte Nutzung des Rohstoffs Asbest Wet­tbe­werb­svorteile erzie­len, da Asbest deut­lich bil­liger ist als mögliche Alter­na­tiv­en. (green­peace mag­a­zine 3.10)
Etwa 125 Mil­lio­nen Men­schen weltweit sind an ihrem Arbeit­splatz ein­er Asbest­be­las­tung aus­ge­set­zt. Die Welt­ge­sund­heit­sor­gan­i­sa­tion (WHO) schätzt die Zahl der Asbest-bed­ingten Todes­fälle auf 107.000 pro Jahr (WHO Fact­sheet N°343, Juli 2010).
Dabei haben zufolge des Inter­na­tion­al Ban Asbestos Secrete­ri­at (IBAS, s.u.) in den Jahren 2011 und 2012 ver­schiedene asi­atis­che Län­der wie Chi­na, Japan und Thai­land ein Ver­bot für die Ver­wen­dung von Asbest aus­ge­sprochen.
Unab­hängig von beste­hen­den Reg­ulierun­gen ist zu berück­sichti­gen, dass das Ver­bot des Ein­satzes von Asbest keineswegs bedeutet, dass par­al­lel hierzu Asbest­sanierun­gen durchge­führt wer­den. Darüber hin­aus sei nach Ein­schätzung des Asia Ban Asbestos Net­works Asbest de fac­to in Asien (ein­schließlich Mit­tlerem und Nahem Osten) weit­er­hin ein wichtiger Werk­stoff in der Bauwirtschaft und der pro­duzieren­den Indus­trie.
Etwa 60% des weltweit­en Asbestver­brauchs gehen auf das Kon­to von Chi­na, Indi­en und Rus­s­land. Wenig kon­se­quent durchge­führte Reg­ulierun­gen führen dazu, dass in diesen Län­dern selb­st Pro­duk­te mit einem hohen Risiko für Asbest-Freiset­zung, die anderenorts nicht mehr akzep­tiert wür­den, noch abge­set­zt wer­den kön­nen. (IRIN 2012)
Auch Staat­en wie Indone­sien, Sri Lan­ka, Kasach­stan und Usbek­istan haben einen großen Asbest­be­darf bei weit­ge­hend fehlen­der geset­zlich­er Reg­ulierung. Schätzungsweise wer­den in Asien jährlich 1,3 Mio. Ton­nen Asbest ver­ar­beit­et. Hier­aus wür­den bei entsprechen­der Latenzzeit von über 40 Jahren jährlich schätzungsweise 8.000 Mesothe­liom­fälle resul­tieren.
Über­raschen­der­weise unter­liegt die Ver­wen­dung von Asbest in den USA keinem Ver­bot, son­dern ist lediglich geset­zlich geregelt. In den ver­gan­genen vierzig Jahren musste die Asbestin­dus­trie in den Vere­inigten Staat­en Kom­pen­sa­tion­szahlun­gen im Umfang über 70 Mrd. Dol­lar entricht­en.
Der US Geo­log­i­cal Sur­vey zufolge liegt der weltweite Asbestver­brauch seit 1998 unverän­dert bei zwei Mio. Ton­nen im Jahr.
Asbest­pro­duk­tion 2010, nationale Anteile an der weltweit­en Pro­duk­tion (IRIN 2012):
Rus­sis­che Föder­a­tion : 49%
Chi­na: 20%
Brasilien : 13%
Kasach­stan 10%
Kana­da 5%
Asbestver­brauch 2010, nationale Anteile am weltweit­en Ver­brauch (IRIN 2012):
Chi­na: 29%
Indi­en : 17%
Rus­sis­che Föder­a­tion : 14%
Kasach­stan : 7%
Brasilien 7%
Indone­sien : 5%
Usbek­istan: 5%
Thai­land : 4%
Viet­nam : 4%
Ukraine : 3%
Sri Lan­ka: 2%
Iran : 1%
Rolle der Asbest-Lob­by
Das von der kanadis­chen Regierung geförderte Chrysotile Insti­tute (s.u.), das eng mit der Asbestin­dus­trie zusam­me­nar­beit­et, äußert sich stark rel­a­tivierend hin­sichtlich der Asbest­prob­lematik. Ein wesentlich­er Punkt in der Argu­men­ta­tion ist die Bagatel­lisierung der Zahl asbestverur­sachter Gesund­heitss­chä­den im Ver­gle­ich mit anderen Gesund­heit­sprob­le­men, zum Beispiel Kinder­sterblichkeit in Entwick­lungslän­dern. Ein zweit­er zen­traler Punkt in der Argu­men­ta­tion liegt in der Unter­schei­dung von ver­meintlich „gutem“ und „schlechtem“ Asbest. Als „gesund­heitlich unprob­lema­tisch“ wird der „weiße Asbest“, Chrysotil, eingeschätzt. Angaben zu Chrysotil-bed­ingten Todes­fällen wer­den in ihrer Valid­ität bezweifelt, da es sich über­wiegend um bevölkerungs­be­zo­gene Schätzun­gen han­delt. Das Chrysotile Insti­tute sieht die Asbest-Indus­trie als Opfer der „Anti-Asbest-Lob­by“ und ver­sucht, dem durch entsprechen­den Ein­fluss auf den Geset­zge­ber ent­ge­gen­zuwirken. Auf der inter­na­tionalen Ebene hat Kana­da mit Unter­stützung unter­schiedlich­er Län­der wie z.B. Iran, Indi­en oder Chi­na bere­its mehrfach erfol­gre­ich eine geplante Auf­nahme von Chrysotil als Gefahrstoff in die Rot­ter­dam-Kon­ven­tion (s.u.) ver­hin­dert. Diese Hal­tung Kanadas ist ins­beson­dere bei der Ärzteschaft auf heftige Kri­tik gestoßen. (Attaran 2008, Col­lier 2008)
Was ist zu beacht­en?
Falls beim Umgang mit Werk­stof­fen der Ver­dacht aufkommt, dass es sich um asbesthaltige Mate­ri­alien han­delt, sollte zunächst Rück­sprache mit einem Arbeitsmedi­zin­er oder son­sti­gen Experten für berufs­be­d­ingte Risiken gehal­ten wer­den. Vor allem das Bear­beit­en von schwachge­bun­den Asbest­pro­duk­ten ist riskant. Hohe Konzen­tra­tio­nen von Asbest­fasern in der Luft sind die Folge. Der Umgang mit losem Asbestver­bund ist Spezial­fir­men vor­be­hal­ten.
Beim Bear­beit­en fes­ter Asbestver­bund­ma­te­ri­alien, zum Beispiel beim Bohren, Fräsen, Brechen, kön­nen eben­falls gefährliche Fasern freige­set­zt wer­den. Solche Tätigkeit­en soll­ten ver­mieden wer­den.
Im Fol­gen­den einige konkrete Beispiele des Schweiz­er Asbest­fo­rums:
Asbest­freiset­zung möglich bei Beschädi­gung oder mech­a­nis­ch­er Bear­beitung:
  • Blu­menkisten aus Asbestze­ment
  • Fassaden/Dächer aus Asbestze­ment (Risiko auch beim Ein­satz von Hochdruck­reinigern)
  • Rohrleitun­gen aus Asbestze­ment
  • asbesthaltige Press­plat­ten
  • asbesthaltige Boden­beläge, fest­ge­bun­den
Starke Asbest­freiset­zung möglich bei Beschädi­gung oder mech­a­nis­ch­er Bear­beitung:
  • asbesthaltige Boden­beläge, schwachge­bun­den (mehrschichtig, kar­tonar­tig)
  • Elek­trotableau
  • Asbest­tüch­er
Geringe spon­tane Freiset­zung möglich, starke Freiset­zung von Asbest bei Beschädi­gung od. Bear­beitung:
  • asbesthaltiger Mör­tel, umgeben von schwach asbesthaltigem Jutestoff
  • asbesthaltige Kesseliso­la­tio­nen (oft mit Met­all­blech abgedeckt)
  • asbesthaltige Leicht­bau­plat­ten
  • Spritzas­best
  • Asbestkissen zur Brand­ab­schot­tung (auch stärkere spon­tane Freiset­zung möglich)
  • Iso­la­tio­nen aus Asbest­mat­ten
Faserze­ment­plat­ten
Im Freien ist die Ent­fer­nung durch nicht spezial­isierte Fir­men im Prinzip möglich, jedoch soll­ten emp­foh­lene Schutz­maß­nah­men kon­se­quent umge­set­zt wer­den. Wichtig hier­bei ist u.a. Tra­gen von Schutzk­lei­dung (Staub­schutz­maske Typ FFP 3, Ein­we­gov­er­all, Sicher­heitss­chuhe, Hand­schuhe, ggf. Schutzhelm) und deren fachgerechte Entsorgung, ggf. auch Reini­gung. Die Demon­tage der Plat­ten sollte möglichst zer­störungs­frei geschehen. Nägel oder Schrauben soll­ten vor dem Ent­fer­nen befeuchtet wer­den. Mate­r­i­al nicht wer­fen und keine Schut­trutschen ver­wen­den. Asbestze­ment­plat­ten dür­fen nicht wiederver­wen­det wer­den und müssen gemäß der Richtlin­ien entsorgt wer­den. Die Ent­fer­nung von beispiel­sweise schwach gebun­de­nen asbesthalti­gen Boden­belä­gen sollte hinge­gen Spezial­fir­men vor­be­hal­ten bleiben (suva.ch, s.u.).
Arbeitsmedi­zinis­che Aspek­te
Diag­nos­tik und Begutach­tung asbest­be­d­ingter Beruf­skrankheit­en in Deutsch­land wer­den detail­liert erörtert in den Inter­diszi­plinären S2-Leitlin­ien der Deutschen Gesellschaft für Pneu­molo­gie und Beat­mungsmedi­zin und der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedi­zin und Umweltmedi­zin vom 31.12.2010 (AWMF, s.u.). Diese Leitlin­ie gilt bis 31.12.2014. Die Arbeitsmedi­zin­er sind jedoch bere­its weit im Vor­feld ein­er möglichen asbest­be­d­ingten Beruf­skrankheit gefordert. Auch gesunde Per­so­n­en, bei denen „nur“ eine beru­fliche Asbest­ex­po­si­tion vor­liegt, kön­nen von ein­er arbeitsmedi­zinis­chen Betreu­ung prof­i­tieren. Als Maßzahl für den Grad der Asbest­ex­po­si­tion dient dem Arbeitsmedi­zin­er das „Faser­jahr“ (FJ). Ein Faser­jahr entspräche je ein­er alve­olengängi­gen Fas­er pro ml Atem­luft während eines Arbeit­s­jahres. Bere­its ab 0,1 FJ ist mit ein­er Mesothe­liomhäu­fung im Ver­gle­ich zur Nor­mal­bevölkerung zu rech­nen. Entschei­dend ist die kumu­la­tive Expo­si­tion, ein­ma­lige hohe Belas­tun­gen sind hinge­gen meist zu ver­nach­läs­si­gen. Bere­its Arbeit­nehmer, die eine kumu­la­tive Min­dest­do­sis von 0,1 FJ aufweisen, kön­nen alle fünf Jahre unter­sucht wer­den, sofern der Beginn der Expo­si­tion weniger als 15 Jahre zurück­liegt. Liegt die Expo­si­tion länger als 15 Jahre zurück, haben sich regelmäßige Unter­suchun­gen im Zwei­jahresin­ter­vall bewährt. Voraus­set­zung zur Anerken­nung ein­er asbest­be­d­ingten Beruf­skrankheit sind in Deutsch­land jedoch deut­lich höhere kumu­la­tive Asbest­dosen (min­destens 25 Faser­jahre!!!). Die arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge umfasst die sorgfältige Erhe­bung der Krankengeschichte (inkl. Rauchge­wohn­heit­en) und Expo­si­tion­sanam­nese sowie eine Rönt­ge­nun­ter­suchung (p.a.-Röntgenthorax) und eine Atem­funk­tions­di­ag­nos­tik (Spirome­trie). Verkürzte Unter­suchungsin­ter­valle oder Durch­führung von low-dose Spi­ral CTs sind nur für Aus­nah­me­fälle vorge­se­hen. (Rüeg­ger, Suva – Med. Mit­teilun­gen. Nr. 75)
Faz­it
Beste­ht der Ver­dacht, dass Arbeits­ma­te­ri­alien im Aus­land asbesthaltig sind, kön­nen Proben an ein Spezial­la­bor geschickt wer­den, beson­ders, wenn auf­grund der beab­sichtigten Bear­beitung mit ein­er ver­mehrten Freiset­zung von Asbest gerech­net wer­den müsste. Durch die Probeent­nahme sel­ber kön­nten jedoch eben­falls bere­its Asbest­fasern freige­set­zt wer­den. Daher soll­ten mit dem jew­eili­gen Spezial­la­bor bere­its im Vor­feld die Einzel­heit­en der Probe­nent­nahme besprochen wer­den. Bei Ver­dacht auf Asbest­ex­po­si­tion ist zunächst die mögliche Expo­si­tion zu unterbinden, z.B. durch Umzug in eine andere Unterkun­ft. Bei fraglich­er beru­flich­er Asbest-Belas­tung ist der Verzicht auf das Rauchen eine der wichtig­sten Sofort­maß­nah­men. Bei Ver­dacht auf länger anhal­tende Expo­si­tion kön­nen Kon­trol­lun­ter­suchun­gen (Rönt­gen­tho­rax etc.) ange­boten wer­den.
Find­et sich ein asbesthaltiges Mate­r­i­al, das auch ohne Bear­beitung in nen­nenswertem Umfang Fasern freiset­zt, so ist eine Sanierung zu prüfen. Vor allem bei schwachge­bun­den­em oder reinem Asbest. In speziellen Fällen kön­nen mit dem bera­ten­den Labor die Möglichkeit­en ein­er Luftmes­sung der Asbest­fas­er-Konzen­tra­tion besprochen wer­den. Asbest­pro­duk­te von denen keine unmit­tel­bare Gefahr aus­ge­ht, soll­ten mit einem Asbest­warnze­ichen gut sicht­bar gekennze­ich­net wer­den.
Lit­er­atur und Links
Autor
Dr. med. Matthias Gün­ther
MD Medicus Reise- und Tropen­medi­zin GmbH am Bern­hard-Nocht-Insti­tut für Tropen­medi­zin E‑Mail: abt.rmz@md-medicus.de www.gesundes-reisen.de
Anzeige
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abon­nieren

Meistgelesen

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 9
Ausgabe
9.2020
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 9
Ausgabe
9.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de