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Sägen, Brennschneiden oder Trennschleifen? - Brandgefährdungen im Betrieb

Brandgefährdungen und Unfallbeispiele
Sägen, Brennschneiden oder Trennschleifen?

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In der Ver­gan­gen­heit wer­den immer wieder Brände aus­gew­ertet, die durch Schweiß- und Schnei­dar­beit­en verur­sacht wur­den. Ver­wiesen wird dann auch auf die Nichtein­hal­tung der für diese Ver­fahren zuständi­gen Unfal­lver­hü­tungsvorschriften wie der BGR 500 Kapi­tel 2.26 „Schweißen, Schnei­den und ver­wandte Ver­fahren“. Eine beson­dere Rolle spielt in fast allen Fällen eine schriftliche Freiga­be für die Ver­fahren, wenn eine Brand- oder Explo­sion­s­ge­fährdung nicht ver­hin­dert bzw. aus­geschlossen wer­den kann. Im Fol­gen­den Beispiele aus der Prax­is.

Häu­fig wird darauf ver­wiesen, zur Ver­mei­dung von Aufwen­dun­gen zur Brand- bzw. Explo­sions­be­sei­t­i­gung, mech­a­nis­che Tren­nver­fahren einzuset­zen. Nun löst aber der Auf­trag, ein Wass­er- oder Dampfrohr mit 50mm Durchmess­er von Hand durchzusä­gen, nicht unbe­d­ingt Freude aus. Es liegt also nahe auf einen Trennschleifer zurück­zu­greifen. Dieser ist ja in der BGR 500 wed­er als Schneid- noch als ver­wandtes Ver­fahren genan­nt. Dabei kann es aber zu einem „Denk­fehler“ kom­men, da an der Trennstelle Tem­per­a­turen bis ca. 900 °C entste­hen und der Funken­flug je nach Arbeit­spo­si­tion und Wet­ter­lage Bere­iche bis 8 m tre­f­fen kann.
Dieser Funken­flug kann Schwel­brände erzeu­gen, die erst zu einem viel späteren Zeit­punkt sich zu Fol­ge­brän­den ausweit­en. In den met­al­lver­ar­bei­t­en­den Werk­stät­ten ist es üblich, bei Anwen­dung der Trennschei­dtech­nik ohne eine schriftliche Schweißer­laub­nis im Sinne des Absatzes 3.8 zu arbeit­en.
Abbil­dung 2 und 3 zeigen jedoch die Gefahren, die bei Vorhan­den­sein brennbar­er Gegen­stände oder Ent­nahmestellen für brennbare Gase entste­hen. Dass nun bei jedem Ein­satz eines Trennschleifers eine schriftliche Genehmi­gung erforder­lich sein sollte, ist auch nicht sin­nvoll. Man muss aber auf die ver­steck­ten Gefahren in Unter­weisun­gen aufmerk­sam machen. Die nach­ste­hen­den Beispiele weisen erneut noch ein­mal auf die Gefährdun­gen mit Trennschnei­d­funken hin.

Schwere Verbrennung infolge ungeeigneter Arbeitskleidung

Schloss­er eines Stahlbau­un­ternehmens arbeit­en mit Trennschleifern an Stahlbauteilen. Plöt­zlich begin­nt die Ober­bek­lei­dung eines Mitar­beit­ers zu bren­nen. Trennschleif­funken hat­ten das ohne AS-Klei­dung abgesicherte Ther­mo­hemd entzün­det. Nur durch beherztes schnelles Löschen der Kol­le­gen kon­nte der Verun­fallte, zwar mit Ver­bren­nun­gen 3. Grades, aber am Leben gehal­ten wer­den. Ther­mo­hem­den dienen als Käl­teschutz und sind durch die Wat­tierung aus Chemiefas­er leicht entzündlich, wenn man sie nicht zusät­zlich gegen Funken­flug, wie beim Trennschleifer, mit AS-Klei­dung bedeckt.

300.000 Toastbrote verbrennen

In der Pro­duk­tion­shalle ein­er Großbäck­erei wer­den an einem Wochen­be­ginn am Mor­gen Schlosser­ar­beit­en an ein­er Küh­lanlage für Toast­brote aus­ge­führt. Dabei han­delt es sich um eine Förder­ban­dan­lage, auf der die Waren mit Spir­i­tus behan­delt wer­den. Eine Arbeit­ser­laub­nis ohne beson­dere Feuer­erlaub­nis liegt vor. Während der Mon­tagear­beit­en wird zwecks Änderung der vorge­se­henen Bauteile ein Trennschleifer einge­set­zt. Dabei wird nicht beachtet, dass Tren­n­funken auf die mit schw­er ent­flamm­bare Stoffe umman­telte Küh­lanla­gen fall­en. In der Folge kommt es zu einem Großbrand, wobei beson­ders ein mit 1000 Litern Spir­i­tus gefüll­ter Tank die größte Gefahr bere­it­et. Die 40 Mitar­beit­er kön­nen sich in Sicher­heit brin­gen. Den 100 einge­set­zten Feuer­wehrleuten gelingt es dann nach sechs Stun­den den Brand zu löschen. Ein Brand­schaden von etwas 10 Mil­lio­nen Euro ist das Ergeb­nis. (Siehe Abbil­dung 1).

Steuerungsanlage einer Karusseldrehmaschine vernichtet

In ein­er Zerspanungswerk­statt soll eine ehe­ma­lige Druck­luftleitung NW 40 demon­tiert wer­den. Dem Auf­trag­nehmer war bekan­nt, dass für die Anwen­dung des Brennschnei­dens eine schriftliche Erlaub­nis entsprechend BGR 500 hätte erteilt wer­den müssen. Aus „Zeit­grün­den“ wird daher ein Trennschleifer einge­set­zt. Nicht wahrgenom­men wird, dass die mit Fett behafteten Holzk­lötze im Umfeld durch Schnei­d­funken zu einem Schwel­brand führen, der sich nach Arbeit­sende zu einem Brand entwick­elt und die elek­tro­n­is­che Steuer­an­lage ver­nichtet. Die Frage des Ver­sicher­ers: „Lag eine schriftliche Erlaub­nis vor?“

Der Gerümpelhaufen

Die Ansamm­lung aller Eisen­teile ver­an­lasste einen Gartenbe­sitzer, diese zu zerklein­ern. Der Schrot­thaufen lag etwa drei Meter neben sein­er schö­nen, von her­rlichen Wedeln aus Gras umgebe­nen Garten­laube. Wohl wis­send, dass bei der vorherrschen­den Trock­en­heit und dem böi­gen Wind der Ein­satz eines Brennschnei­dgerätes gefährlich ist, nahm er einen Trennschleifer. Mit­ten in sein­er Arbeit schreck­te den Mann jedoch der Ruf seines Ehep­art­ners auf. Und da sah er dann, was er angerichtet hat­te: Das trock­ene Pam­pas­gras bran­nte, und die Flam­men grif­f­en ger­ade auf die Garten­laube über. Löschmit­tel waren nicht vorhan­den. Deshalb bran­nte das „Häuschen“ gän­zlich ab.

Fazit

Für den Umgang mit Trennschleif­maschi­nen gilt die BGR 500 – Kapi­tel 2.23. Diese bein­hal­tet aber nichts über Brandge­fährdun­gen. Das Trennschleifen gilt aber auch nicht als „ver­wandtes Ver­fahren“ im Sinne der BGR 500 Kapi­tel 2.26
Autor:
Dipl.-Ing. Uwe Tat­ter
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