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Sichere Technik allein reicht nicht!

Ausbildung von Hubarbeitsbühnen-Bedienern neu geregelt
Sichere Technik allein reicht nicht!

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Hubar­beits­büh­nen wer­den in der gewerblichen Wirtschaft vielfältig einge­set­zt. Auf Baustellen sind sie kaum noch wegzu­denken. Doch die Risiken beim Umgang mit den immer kom­plex­er wer­den­den Maschi­nen steigen. Das Prob­lem ist aber nicht die Tech­nik, son­dern die Aus­bil­dung der Bedi­ener von Hubar­beits­büh­nen. Doch seit April 2010 gibt es eine neue Regelung.

Mit Hubar­beits­büh­nen lassen sich vielfältige Tätigkeit­en wie z. B. Wartungs- und Instand­set­zungsar­beit­en in hoch gele­ge­nen Arbeits­bere­ichen kom­fort­a­bel durch­führen. Zum gegen­wär­ti­gen Stand sind Arbeit­shöhen bis knapp über 100 Meter möglich. Nach der EG-Maschi­nen­richtlin­ie (2006/42/EG) sind Hubar­beits­büh­nen „Maschi­nen zum Heben von Per­so­n­en oder von Per­so­n­en und Gütern, bei denen die Gefahr des Absturzes aus mehr als 3 Meter Höhe beste­ht“ (vgl. Anhang IV der Richtlin­ie). Für sie gel­ten beson­dere Bew­er­tungsver­fahren zur Ein­hal­tung des europäis­chen Maschi­nen­rechts, die der Her­steller oder sein Bevollmächtigter zu erfüllen haben. Den Her­stellern ste­ht beim Bau der Maschi­nen die har­mon­isierte Norm DIN EN 280 „Fahrbare Hubar­beits­büh­nen – Berech­nung, Stand­sicher­heit, Bau, Sicher­heit, Prü­fun­gen“ (Feb­ru­ar 2010) zur Verfügung.
Nach der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV) sind Hubar­beits­büh­nen regelmäßig – sowie und nach beson­deren Ereignis­sen (z. B. Unfällen oder län­geren Zeit­en der Nicht­be­nutzung) – durch befähigte Per­so­n­en prüfen zu lassen. Befähigte Per­so­n­en kön­nen Betrieb­sin­ge­nieure und ‑meis­ter oder Kun­den­di­en­st­mon­teure der Her­steller sein, die im Sinne der TRBS 1203 „Befähigte Per­so­n­en – All­ge­meine Anforderun­gen“ über aus­re­ichende Fachken­nt­nisse ver­fü­gen. Insofern kann bei ord­nungs­gemäßer Wahrnehmung der genan­nten Ver­ant­wortlichkeit­en durch die Her­steller, Betreiber und des Prüf­per­son­als davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass der Umgang mit Hubar­beits­büh­nen grund­sät­zlich sich­er ist.
Was sagen die Unfallstatistiken?
Tat­sache ist, dass es für die Bun­desre­pub­lik Deutsch­land kaum ver­lässlich­es Zahlen­ma­te­r­i­al gibt. Jedoch sind sowohl bei den Her­stellern, Betreibern und Ver­mi­etern als auch bei den Unfal­lver­sicherungsträgern ein­schlägige Unfälle mit Hubar­beits­büh­nen bekan­nt. Sel­ten sind tech­nis­che Schä­den oder Wartungsmän­gel an den Maschi­nen die Unfal­lur­sache. Häu­fig sind es organ­isatorische oder ver­hal­tens­be­d­ingte Defizite, die mitunter zu schw­eren oder tödlichen Ver­let­zun­gen des Bedi­en­per­son­als oder anderen beteiligten Per­so­n­en führen.
Hierzu ein Kom­men­tar von Klaus Lang­beck­er, langjähriger und erfahren­er Aus­bilder für Bedi­ener von Hubar­beits­büh­nen: „Ich bilde seit vie­len Jahren Hubar­beits­büh­nenbe­di­ener im In- und Aus­land aus und musste immer wieder fest­stellen, dass der sichere Umgang mit den immer kom­plex­er wer­den­den Maschi­nen unter­schätzt wird. Das ist auch heute noch oft der Fall. Die in der Ver­gan­gen­heit prak­tizierte Meth­ode, zukün­ftige Geräte­führer lediglich durch eine kurze Ein­weisung zur selb­st­ständi­gen Maschi­nenbe­di­enung zu „befähi­gen“, wird den unter­schiedlichen Bau­for­men und Ein­satzge­bi­eten nicht gerecht. Ich begrüße es daher aus­drück­lich, dass nun endlich verbindliche Regeln für die Aus­bil­dung vorhan­den sind.“
Die verbindlichen Regeln, von denen hier die Rede ist, beze­ich­nen den DGUV Grund­satz 966 „Aus­bil­dung und Beauf­tra­gung der Bedi­ener von Hubar­beits­büh­nen“ (April 2010). Die Erstel­lung und Veröf­fentlichung dieses Aus­bil­dungs­grund­satzes der Deutschen Geset­zlichen Unfal­lver­sicherung (DGUV) wurde von vie­len Sicher­heitsin­ge­nieuren und anderen Akteuren des Arbeits- und Gesund­heitss­chutzes bere­its seit eini­gen Jahren gefordert und drin­gend erwartet. Zwar besitzt der Grund­satz keinen unmit­tel­baren Geset­zescharak­ter (so wie zum Beispiel eine Verord­nung oder Vorschrift), er gilt jedoch als anerkan­nte Regel der Tech­nik und liefert daher wichtige Infor­ma­tio­nen und Hin­weise zum gegen­wär­ti­gen Stand der Unfallverhütung.
Keine „Schnellbe­sohlun­gen“ mehr
Die Unternehmen sind gut berat­en, ihre betr­e­f­fend­en Mitar­beit­er nach den Vor­gaben des DGUV Grund­satzes 966 aus­bilden zu lassen. Die Aus­bil­dung des Maschi­nenbe­di­eners hat dem­nach in The­o­rie und Prax­is zu erfol­gen und endet in bei­den Teil­bere­ichen mit ein­er Prüfung.
Die Dauer der Aus­bil­dung ist abhängig vom jew­eili­gen Maschi­nen­typ und dem zukün­fti­gen Ein­satzbere­ich. Sie beträgt jedoch min­destens einen Tag. Insofern dürfte die vom Sicher­heit­sex­perten Klaus Lang­beck­er ange­sproch­ene „Schnellbe­sohlung“ der Bedi­ener bald der Ver­gan­gen­heit ange­hören. Abschließend sei noch erwäh­nt, dass einige Beruf­sgenossen­schaften entsprechende Unfal­lver­hü­tungssem­inare zum sicheren Betrieb von fahrbaren Hubar­beits­büh­nen anbi­eten. Gle­ich­es gilt auch für ver­schiedene pri­vatwirtschaftliche Aus­bil­dungsträger und Train­er. Bei der Auswahl der Bil­dung­sein­rich­tung sollte der Kunde allerd­ings nicht nur auf die Kosten son­dern ins­beson­dere auch auf die Qual­i­fika­tion und Erfahrung der Ref­er­enten und Train­er acht­en. Den Voll­text des DGUV Grund­satzes 966 „Aus­bil­dung und Beauf­tra­gung der Bedi­ener von Hubar­beits­bühne“ find­en Sie im Inter­net als down­load unter:
Das Gespräch mit Her­rn Lang­beck­er führte der Autor diese Artikels am 29.06.2010 in der Schu­lungsstätte Linowsee e. V. (www.linowsee.de)
Autor
Dipl.-Ing. Markus Tis­chen­dorf Beruf­sgenossen­schaft Energie Tex­til Elek­tro Medi­enerzeug­nisse E‑Mail: tischendorf.markus@bgetem.de
Kon­takt: Klaus Lang­beck­er Schu­lungszen­trum Bietigheim-Bissin­gen Adolf-Heim-Str. 4 74321 Bietigheim- Bissin­gen E‑Mail: langbecker@stapler-rent.de
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