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Sicherer Umgang mit Spezialgasen

Fachschulungen als Baustein zur Erfüllung gesetzlicher Anforderungen
Sicherer Umgang mit Spezialgasen

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In Forschung, Labor und Ana­lytik kommt eine Vielzahl von Spezial­gasen zum Ein­satz. Um diese gefahr­los nutzen zu kön­nen, müssen die Anwen­der über beson­dere Ken­nt­nisse ver­fü­gen. Hier nimmt der Geset­zge­ber den Arbeit­ge­ber in die Pflicht: Er überträgt ihm die Ver­ant­wor­tung für den sicheren Betrieb und die Unter­weisung der Mitar­beit­er und lässt ihm dabei Gestal­tungs­frei­heit. Ein wichtiger Baustein zur Erfül­lung der geset­zlichen Vor­gaben kön­nen Fach­schu­lun­gen sein. Sie unter­stützen dabei, sich das erforder­liche Wis­sen anzueignen.

Die Vielfalt der Spezial­gase, die in Forschung und Entwick­lung, in Messtech­nik und Medi­zin zum Ein­satz kom­men, ist beträchtlich (Abb. 1). Für die Erfül­lung ver­schieden­ster Auf­gaben wer­den hier neben Rein­st­gasen auch Gas­gemis­che mit höch­ster Konzen­tra­tions­ge­nauigkeit, beson­ders sel­tene Gase sowie Gase mit gefährlichen Eigen­schaften genutzt. Das große Spek­trum an Spezial­gasen erfordert daher von Mitar­beit­ern, die mit ihnen umge­hen, ein bre­it­ge­fächertes Fach­wis­sen in punk­to spez­i­fis­che Eigen­schaften und sichere Anwen­dung der Gase. Darüber hin­aus ist Know-how in Bezug auf die dazuge­hörige Ver­sorgung­stech­nik (Abb. 2) gefragt.
Geset­zlich geregelt – die Ver­ant­wor­tung des Arbeitgebers
Die Ver­ant­wor­tung für sichere Betrieb­sabläufe und die Infor­ma­tion der Mitar­beit­er legt der Geset­zge­ber in die Hände des Betreibers. Der ist gefordert, Fach­wis­sen zur Ver­fü­gung zu stellen und Beschäftigte, die Gase und Gasev­er­sorgungsan­la­gen nutzen, angemessen zu unter­weisen. Dabei müssen unter anderem fol­gende Regelun­gen Beach­tung finden:
  • Das Arbeitss­chutzge­setz (Arb­SchG) ver­langt in § 12 eine aus­re­ichende und angemessene Unter­weisung der Beschäftigten über Sicher­heit und Gesund­heitss­chutz bei der Arbeit durch den Arbeit­ge­ber. Die Unter­weisung muss erforder­lichen­falls regelmäßig wieder­holt werden.
  • Die Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV) sieht in § 9 eine Unter­rich­tung und Unter­weisung der Beschäftigten zu den sie betr­e­f­fend­en Gefahren vor. Zudem legt die Betr­SichV fest, dass der Arbeit­ge­ber bei selb­st­durchge­führten Prü­fun­gen eine befähigte Per­son zur Prü­fung von Arbeitsmit­teln bes­tim­men muss, die per Def­i­n­i­tion durch ihre Beruf­saus­bil­dung, ihre Beruf­ser­fahrung und ihre zeit­na­he beru­fliche Tätigkeit über die erforder­lichen Fachken­nt­nisse verfügt.
  • Spez­i­fis­che Regelun­gen zur Arbeitssicher­heit und zum Gesund­heitss­chutz in Laboren find­en sich in der Pub­lika­tion BGI-850–0 „Sicheres Arbeit­en in Lab­o­ra­to­rien“. Das Regel­w­erk wurde vom Fachauss­chuss Chemie der BG RCI erlassen. Das Bun­desmin­is­teri­um für Arbeit und Soziales hat die Tech­nis­chen Regeln für Gefahrstoffe, kurz TRGS 526 „Lab­o­ra­to­rien“ aus dem Regelung­steil der neuen Labor­richtlin­ien das staatliche Regel­w­erk übernommen.
Die kurzen Auszüge aus eini­gen der sicher­heit­srel­e­van­ten Regel­w­erke zeigen die Kom­plex­ität der Recht­slage, mit der sich auch die Betreiber von Laboren und Forschung­sein­rich­tun­gen befassen müssen. So enthal­ten sowohl die Betr­SichV als auch das Arb­SchG nur die generelle Pflicht zur Unter­weisung der Beschäftigten, ohne deren Inhalt näher zu spez­i­fizieren. Zudem wur­den spezielle Gase-Vorschriften, wie beispiel­sweise die Berufgenossen­schaftliche Vorschrift B 6 „Gase“ zur Unfal­lver­hü­tung von der BG RCI aufge­hoben. Es zeich­net sich deut­lich ab, dass die konkrete Aus­gestal­tung der Sicher­heits­maß­nah­men heute ver­mehrt in die Ver­ant­wor­tung des Betreibers überge­ht. Auf der einen Seite gewin­nt er so mehr Frei­heit bei der Gestal­tung der notwendi­gen Sicher­heits­maß­nah­men und der prax­is­gerecht­en Unter­weisung. Auf der anderen Seite wer­den von ihm auch mehr Eigenini­tia­tive und Erfahrung gefordert.
Spezial­gase in The­o­rie und Praxis
Wis­sensver­mit­tlung durch Schu­lun­gen – dieses Ange­bot machen die Her­steller und Liefer­an­ten von Gasen. So hat Linde Gas Deutsch­land das Port­fo­lio sein­er bewährten Lipro­tect-Sicher­heitssem­inare jüngst erweit­ert. Hinzugekom­men ist eine zweitägige „Fach­schu­lung Befähigte Per­son – Spezial­gase in Forschung, Labor & Ana­lytik“. Die Fach­schu­lung wurde konzip­iert, um die Betreiber von Laboren und Forschung­sein­rich­tun­gen bei der Erfül­lung ihrer geset­zlichen Pflicht­en zu unter­stützen. Sicher­heits- und Per­son­alver­ant­wortliche kön­nen hier eben­so wie Anwen­der das notwendi­ge Wis­sen für den sicheren Umgang mit Spezial­gasen erwer­ben. Damit wer­den nicht nur Mitar­beit­er vor Gefahren geschützt. Die Schu­lun­gen dienen auch als Nach­weis über die Qual­i­fizierung der Mitar­beit­er und als wichtiger Baustein für Zer­ti­fizierun­gen und Audits.
Eine pro­fes­sionelle Fach­schu­lung sollte auf den beste­hen­den Rechts­grund­la­gen und Vorschriften auf­bauen. Auf der Basis von Betrieb­ssicher­heitsverord­nung und weit­eren Regel­w­erken kann dann fundiert der sichere Umgang mit Spezial­gasen the­ma­tisiert wer­den. Grund­la­gen der Gase­physik und die Eigen­schaften und Wirkung von Gasen sowie ihre Anwen­dung sind wichtige the­o­retis­che Bausteine ein­er Schu­lung. Doch vor allem ist der Prax­is­bezug für den nach­halti­gen Erfolg eines Sicher­heitssem­i­nars entschei­dend (Abb. 3): Die The­men­vielfalt reicht dabei von der Her­stel­lung von Gas­gemis­chen über das Han­dling und die per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung bis zu Not­fall­maß­nah­men. Sin­nvoll ist auch ein Prax­is­teil, bei dem die Schu­lung­steil­nehmer selb­st eine Gefährdungs­beurteilung vornehmen – beispiel­sweise für einen Flaschen­wech­sel mit einem sicher­heit­srel­e­van­ten Gas. Denn das Instru­ment der Gefährdungs­beurteilung hat der Geset­zge­ber in allen neueren geset­zlichen Regelun­gen einge­führt. Im Rah­men ein­er Bege­hung müssen dabei mögliche Gefährdun­gen am Arbeit­splatz ermit­telt, beurteilt und entsprechende Arbeitss­chutz­maß­nah­men fest­gelegt wer­den. Ger­ade Sicher­heitsver­ant­wortliche kön­nen hier entschei­dend vom Know-how der Fach­leute profitieren.
Die richtige Tech­nik entscheidet
Für den sicheren Umgang mit Spezial­gasen ist das Ver­ständ­nis für die dazuge­hörige Tech­nik uner­lässlich. Daher wird in den entsprechen­den Sem­i­naren auch die richtige Hand­habung von Spezial­ga­sev­er­sorgungsan­la­gen behan­delt. Denn die Auswirkun­gen falsch­er Mate­ri­alien und unpräzis­er Hand­habung wer­den auch von erfahre­nen Anwen­dern häu­fig unter­schätzt. So kann zum Beispiel durch schnelles Öff­nen und Schließen von Sauer­stoff-Ven­tilen oder Druck­min­der­ern über die so genan­nte adi­a­batis­che Verdich­tung eine örtliche Tem­per­a­tur­erhöhung entste­hen — und diese kann zu einem Sauer­stoff-Aus­brand führen. Zur Ver­hin­derung eines solchen Sauer­stoff-Aus­bran­des sind neben dem langsamen Öff­nen und Schließen der Ven­tile und Druck­min­der­er weit­ere Aspek­te zu beacht­en: Nur Bauteile, die für Sauer­stoff geeignet sind, bieten die notwendi­ge Sicher­heit. Die Arma­turen dür­fen nicht gebraucht sein und müssen im Betrieb frei von Öl und Fett gehal­ten wer­den. Und der Druck­min­der­er muss nach Gebrauch voll entspan­nt werden.
Auch Gase mit kor­ro­siv­er Wirkung wie Chlor­wasser­stoff erfordern beson­dere tech­nis­che Vor­rich­tun­gen. Nur so kön­nen Schä­den an Werk­stof­fen und damit ein gefährlich­er Gasaus­tritt ver­hin­dert wer­den. Sicher­heit­saspek­te ste­hen bei den Fach­schu­lun­gen zum Umgang mit Spezial­gasen in Forschung, Labor und Ana­lytik klar im Vorder­grund. Darüber hin­aus kön­nen die Her­steller und Liefer­an­ten von Spezial­gasen den Teil­nehmern weit­eres wichtiges Fach­wis­sen ver­mit­teln: So garantiert beispiel­sweise nur die Ver­wen­dung der passenden tech­nis­chen Ausstat­tung und deren kor­rek­te Hand­habung den Erhalt der Gasqual­ität von der Gas­flasche bis zur Anwendung.
Faz­it
Der Geset­zge­ber überträgt den Betreibern von Laboren und Forschung­sein­rich­tun­gen ein wach­sendes Maß an Ver­ant­wor­tung für die Sicher­heit ihrer Mitar­beit­er und lässt ihnen dabei Gestal­tungsspiel­raum. Eine sin­nvolle Möglichkeit, diesen auszufüllen sind Fach­schu­lun­gen, die Liefer­an­ten und Her­steller von Spezial­gasen anbi­eten. Sie befähi­gen Per­son­al- und Sicher­heitsver­ant­wortliche wie auch Anwen­der zum sicheren Umgang mit Spezial­gasen. Damit leis­ten sie einen wichti­gen Beitrag zum Arbeitss­chutz und unter­stützen die Betreiber bei der Erfül­lung ihrer geset­zlichen Pflichten.
Autoren
Klaus Tech Lei­t­en­der Sicherheitsingenieur
Klaus Eng­w­er Spezial­gase Engi­neer­ing Linde AG — Geschäfts­bere­ich Linde Gas
Kon­takt für Leseranfragen
Peter Koch Tel.: 089.7446–1477 E‑Mail: peter.koch@de.linde-gas.com www.linde-gas.de www.liprotect.de
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