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Sicherheitstechnischen Bewertung von Chemikalien am Praxisbeispiel der General Electric

Entwicklung eines standardisierten Workflows
Sicherheitstechnischen Bewertung von Chemikalien am Praxisbeispiel der General Electric

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Die Ver­wen­dung von Chemikalien stellt Unternehmen jeglich­er Größe vor große fach­liche als auch organ­isatorische Her­aus­forderun­gen. Es gilt nicht mehr auss­chließlich, die Mitar­beit­er vor Gefährdun­gen bei Tätigkeit­en mit Chemikalien sowie die Umwelt vor möglichen Belas­tun­gen zu schützen. Mit dem Inkraft­treten der REACH-Verord­nung im Jahr 2007 wur­den die Anforderun­gen an das Chemikalien­man­age­ment eines jeden Unternehmens um die zusät­zliche Kom­po­nente Pro­duk­t­sicher­heit erweit­ert. Das erfordert einen ganzheitlichen Ansatz der sicher­heit­stech­nis­chen Bew­er­tung von in das Unternehmen einge­brachter Chemikalien, beste­hend aus Arbeits- sowie Pro­duk­t­sicher­heit, schon vor der erst­ma­li­gen Beschaf­fung und Ein­führung in die Fertigungskette.
Effiziente Unter­stützung
Ein betrieb­sin­ternes Genehmi­gungsver­fahren in Form eines Work­flows kann eine effiziente und konkrete Hil­fe darstellen. Dieses Vorge­hen dient ein­er­seits der Gewährleis­tung eines hohen Maßes an Recht­skon­for­mität und der Ein­leitung notwendi­ger Schritte und Maß­nah­men, ander­er­seits auch der trans­par­enten Vorge­hensweise, eine inner­be­trieblich beantragte Chemikalie seit­ens der Envi­ron­men­tal Health & Safe­ty Abteilung abzulehnen. Durch diesen Prozess soll zusät­zlich ver­hin­dert wer­den, dass Chemikalien auf „Zuruf“ bestellt und ohne Genehmi­gung der ver­ant­wortlichen EHS-Abteilung einge­führt wer­den können.
Die Prax­is
Im Unternehmen „GE Sens­ing & Inspec­tion Tech­nolo­gies GmbH“ am Stan­dort Hürth wer­den Pro­duk­te zur zer­störungs­freien Werk­stoff­prü­fung hergestellt. Chemikalien wer­den ver­wen­det und gehen darüber hin­aus auch in Erzeug­nisse ein, was den Betrieb zu einem guten Beispiel eines nachgeschal­teten Anwen­ders nach der REACH-Verord­nung macht und sich für die exem­plar­ische Entwick­lung eines Work­flows zur sicher­heit­stech­nis­chen Bew­er­tung von Chemikalien und Gefahrstof­fen per­fekt eignet.
Basierend auf den Anforderun­gen der REACH-Verord­nung an den nachgeschal­teten Anwen­der wur­den Entschei­dungs­bäume in Form von Excel-Tabellen entwick­elt. Diese wur­den in den Work­flow einge­baut und enden jew­eils mit den zu tre­f­fend­en Maß­nah­men für den konkreten Anwen­dungs­fall. Die Entschei­dungs­bäume sind in vier Abschnitte unterteilt:
  • Reg­istrierung
  • Pflicht­en nachgeschal­teter Anwender
  • Stoffe in Erzeugnissen
  • Zulas­sung / Beschränkung.
Für die Gefährdungs­beurteilung nach Gefahrstof­fverord­nung wurde das „Ein­fache Maß­nah­menkonzept Gefahrstoffe“ (EMKG) der BAuA genutzt. Die einzel­nen Mod­ule Inhala­tion, Haut, Brand- und Explo­sion­s­ge­fährdun­gen wur­den eben­falls in Excel Entschei­dungs­bäume über­tra­gen und schließen mit den jew­eils anzuwen­den­den Schutzleitfäden.
Die einzel­nen Spal­ten der Excel Tabellen sind im Work­flow als zusam­men­hän­gende Drop-down-Menüs dargestellt. Eine getrof­fene Auswahl im ersten Drop-down-Menü fil­tert die Auswahlmöglichkeit­en der weit­eren Drop-down-Menüs. So wird die Tabelle soweit einge­gren­zt bis im let­zten Drop-down-Menü nur noch die Maß­nahme bzw. die Schut­zleit­fä­den angezeigt wird.
Es wurde ein Work­flow entwick­elt, der über mehrere Ebe­nen von den Fachver­ant­wortlichen genehmigt wird und von jedem Mitar­beit­er der „Gen­er­al Elec­tric“ ges­tartet wer­den kann. Alle im Work­flow gesam­melten Infor­ma­tio­nen wer­den automa­tisch in eine Daten­bank über­tra­gen, welche u.a. das Gefahrstof­fverze­ich­nis des Stan­dortes darstellt.
Die einzel­nen Genehmi­gungss­chritte sind:
  • Antrag­steller
  • Stoff­beurteilung
  • REACH Kon­for­mität
  • EHS Beurteilung
  • Ident­num­mern­ver­gabe
  • Vorge­set­zten-Genehmi­gung.
Im ersten Schritt macht der Antrag­steller all­ge­meine Infor­ma­tio­nen über die Chemikalie und deren geplante Ver­wen­dung, die für die darauf fol­gen­den REACH- und EMKG-Entschei­dungs­bäume rel­e­vant sind. Weit­er­hin müssen arbeitss­chutzrel­e­vante Aus­sagen zu möglichen Ein­wirkun­gen, H und P Sätze sowie Gefahren­pik­togramme und Sig­nal­wort gemacht wer­den. Die Angaben kann der Antrag­steller dem Sicher­heits­daten­blatt ent­nehmen. Dies soll in Zukun­ft dazu führen, dass der Antrag­steller schon vor der Ein­führung ein­er neuen Chemikalie den Fak­tor Gefährdungspo­ten­tial in seine Entschei­dung mit ein­bezieht. Des Weit­eren muss der Antrag­steller dem Work­flow das aktuelle Sicher­heits­daten­blatt (SDB) anfü­gen und dessen Revi­sions­da­tum angeben. Damit wird eine Prü­fung der Aktu­al­ität automa­tisch vorgenom­men. Ist das SDB älter als drei Jahre wird der Her­steller per Mail aufge­fordert die Aktu­al­ität des SDBs zu bestäti­gen bzw. ein aktuelleres SDB bereitzustellen.
Im zweit­en Schritt des Work­flows erfol­gt die Stoff­beurteilung in Hin­blick auf AGW, DNEL, REACH, Gef­Stof­fV und Tech­nis­che Regeln für Gefahrstoffe. Bei Zubere­itun­gen (Gemis­chen) wer­den alle Einzelkom­po­nen­ten gelis­tet und beurteilt. Hier­durch wird die spätere Bear­beitung der Entschei­dungs­bäume vereinfacht.
Die nach­fol­gende Über­prü­fung der REACH-Kon­for­mität kann erst­ma­lig zu ein­er generellen Ablehnung des Antrags führen.
Bei der abschließen­den EHS-Beurteilung wird über­prüft, ob alle notwendi­gen Kri­te­rien in Bezug auf Arbeitssicher­heit und Gesund­heitss­chutz erfüllt sind. Hierzu zählen u.a.:
  • die Gefährdungs­beurteilung mit Hil­fe der EMKG Entschei­dungs­bäume (siehe Abbil­dung 1)
  • die inner­be­triebliche Kennze­ich­nung nach TRGS 201
  • die Lagerk­lasse nach TRGS 510
  • die Abfallschlüs­sel
  • die Betrieb­san­weisung.
Wenn keine Ein­wände seit­ens der EHS-Abteilung beste­hen, erfol­gt hier die endgültige Zulassung.
Nach der Ver­gabe ein­er ein­deuti­gen Ident­num­mer bekommt der Vorge­set­zte des Antrag­stellers den Work­flow zur Umset­zung der erforder­lichen Maß­nah­men und zur Unter­weisung sein­er Mitarbeiter.
Die Bach­e­lo­rar­beit wird an der Ber­gis­chen Uni­ver­sität Wup­per­tal, FB D im Fachge­bi­et Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit von Prof. Anke Kahl betreut. Die Umset­zung erfol­gt in der Abteilung EHS der „GE Sens­ing & Inspec­tion Tech­nolo­gies GmbH“ am Stan­dort Hürth.
Daniel Kuschel
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