Startseite » Sicherheit » Arbeitsschutzorganisation »

Stoppt die Kopflosigkeit!

Präventionskampagne der gesetzlichen Unfallversicherung gestartet
Stoppt die Kopflosigkeit!

Anzeige
Wer mit dem Kopf nicht bei der Sache ist, riskiert einen Unfall. Mit der Kam­pagne „Risiko raus!“ – die seit Jan­u­ar läuft und zwei Jahre dauert – will die geset­zliche Unfal­lver­sicherung daher die Ver­ant­wor­tung der Men­schen für sich und andere stärken. Anlass ist die hohe Zahl der Arbeits- und Wege­un­fälle im Zusam­men­hang mit Fahr- und Transportarbeiten. 
Knapp 230.000 Arbeit­sun­fälle jährlich verze­ich­nen die Träger der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung – Beruf­sgenossen­schaften, Unfal­lka­ssen und land­wirtschaftliche Sozialver­sicherung – beim inner­be­trieblichen Trans­port. Rund 150 davon enden tödlich. Hinzu kom­men 23.000 Arbeits- und Dienst­wege­un­fälle im Straßen­verkehr mit rund 170 Toten. Auch der Weg zur Arbeit, zur Schule und zur Uni birgt Gefahren. So wer­den den Trägern der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung jährlich rund 175.000 Wege- und Schul­we­gun­fälle im Straßen­verkehr gemeldet. Über 500 Ver­sicherte ver­loren bei einem dieser Unfälle ihr Leben.
Präven­tion tut Not
„Die trau­rige Wahrheit hin­ter diesen Unfällen ist – mit Rück­sicht und Ver­ant­wor­tung hät­ten viele von ihnen ver­mieden wer­den kön­nen“, sagt Dr. Wal­ter Eichen­dorf, stv. Haupt­geschäfts­führer der Deutschen Geset­zlichen Unfal­lver­sicherung (DGUV). Leo Blum, Vor­standsvor­sitzen­der der Land­wirtschaftlichen Sozialver­sicherung (LSV), ergänzt: „Unfälle führen uns vor Augen, welch tragis­che Fol­gen Leichtsinn, Zeit­druck und Selb­stüber­schätzung haben kön­nen. Lei­der vergessen die Men­schen diese Lek­tion nur allzu schnell wieder.“ Für die Träger der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung ste­ht fest: Das Bewusst­sein für die Risiken beim Fahren und Trans­portieren muss gefördert, das Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl der Men­schen füreinan­der gestärkt wer­den. Daher haben sie die Präven­tion­skam­pagne „Risiko raus!“ ins Leben gerufen.
Bei der Vor­bere­itung und Durch­führung der Präven­tion­skam­pagne kann die geset­zliche Unfal­lver­sicherung auf einen starken Part­ner bauen: Der Deutsche Verkehrssicher­heit­srat (DVR) wird als langjähriger Part­ner der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung in Sachen „Verkehrssicher­heit­sar­beit“ die Kam­pagne aktiv begleit­en und ste­ht allen Beteiligten bera­tend zur Seite. Weit­ere wichtige Part­ner sind die Bundesländer.
„Risiko raus!“ bedi­ent sich dabei ein­er ganz beson­deren Struk­tur der Aktiv­itäten: Eine gemein­same soge­nan­nte Dachkam­pagne aller beteiligten Insti­tu­tio­nen, die über­wiegend medi­al aus­gerichtet ist, wird die Öffentlichkeit auf die Kam­pagne aufmerk­sam machen. Ziel­grup­pen­spez­i­fis­che Kam­pag­ne­nak­tiv­itäten der Träger der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung und einzel­ner Bun­deslän­der tra­gen die Kam­pagne in die Unternehmen. Eine enge Ver­net­zung von Dach- und Trägerkam­pag­nen ist dabei entschei­dend für den Erfolg.
The­men­vielfalt con­tra Zielgenauigkeit
Größte Her­aus­forderung in der Konzep­tion der Dachkam­pagne ist es, sehr viele ver­schiedene The­men, Ideen, Inter­essen und Ansprachefor­men zu ein­er großen und starken Kam­pagne zusam­men zu führen. Die gle­ich­berechtigte Bear­beitung der vier großen The­men­blöcke „inner­be­trieblich­er Trans­port und Verkehr“, „Arbeits- und Dienst­wege­un­fälle im Straßen­verkehr“, „Schülerun­fälle im öffentlichen Straßen­verkehr“ sowie „Wege­un­fälle“ ist trotz aller anfänglich­er Bedenken gut gelun­gen. Auch die Abstim­mung mit der Gemein­samen Deutschen Arbeitss­chutzs­trate­gie (GDA) ist erfol­gt. Das ein­schlägige GDA-Arbeit­spro­gramm „sich­er Fahren und Trans­portieren“ und die Kam­pagne „Risiko raus!“ wer­den gemein­sam einen Beitrag zu mehr Sicher­heit im Betrieb und auf der Straße leisten.
Der Men­sch im Mittelpunkt
Doch wie will die Kam­pagne dies erre­ichen? „Mit ‚Risiko raus!’ rück­en wir den Fak­tor Men­sch in den Mit­telpunkt“, so die Pro­jek­tleit­er der Kam­pagne Elke Rogosky und Mar­tin Rüd­del. „Die Kam­pagne set­zt genau da an, wo Sicher­heit­stech­nik nicht mehr weit­er­hil­ft.“ Ziel ist, das Bewusst­sein für die Verkehrssicher­heit im Betrieb und auf der Straße zu schär­fen. „Das bedeutet auch, Arbeit­sor­gan­i­sa­tion und per­sön­lich­es Ver­hal­ten daraufhin zu prüfen, ob sie Zeit­druck erzeu­gen, der wiederum die Unfall­ge­fahr erhöht“, sagt Rogosky. „Die Kam­pagne richtet sich also nicht nur an die Arbeit­nehmer, die die Tätigkeit­en aus­führen, son­dern auch an diejeni­gen, die das betriebliche Umfeld gestalten.“
Die Kam­pag­nen­mach­er haben jedoch nicht nur die Betriebe im Auge. Auch auf dem Schul­weg soll es sicher­er zuge­hen. „Kinder sind die schwäch­ste Gruppe im Straßen­verkehr – das zeigen die vie­len Fahrradun­fälle von 10- bis 16-jähri­gen Schülern“, erk­lärt Rüd­del. „Hier ver­fol­gen wir eine dop­pelte Strate­gie: Zum einen wollen wir alle Verkehrsteil­nehmer dazu brin­gen, mehr Rück­sicht auf Kinder zu nehmen. Zum anderen wollen wir erre­ichen, dass Schüler, Eltern und Lehrkräfte mehr über sicheres Fahrrad­fahren wis­sen und auch untere­inan­der darauf achten.“
Kam­pagne gegen Kopflosigkeit
Um die 70 Mil­lio­nen Men­schen und die 3,6 Mil­lio­nen Betriebe und Ein­rich­tun­gen, die durch die geset­zliche Unfal­lver­sicherung ver­sichert sind, zu erre­ichen, set­zen die Mach­er auf neue Kom­mu­nika­tions­for­men. Sie gestal­teten ein auf­fäl­liges Logo und entwick­el­ten vor allem eine cle­vere Idee für die Plakate: Zeit­druck, Hek­tik, Unacht­samkeit wer­den im Volksmund gern als kopflos­es Ver­hal­ten bezeichnet.
Diese Kopflosigkeit und ihre Fol­gen wer­den mit „Risiko raus!“ visu­al­isiert: Läs­sig kurvt ein Gabel­sta­pler­fahrer durch eine Lager­halle, die Gabel ist ganz nach oben gefahren… und darauf ste­ht ein Mitar­beit­er, der hoch aufgestapelte Kisten zählt. Er ste­ht so wack­e­lig, dass es nur noch Sekun­den bis zum Sturz dauern kann. Der im Vorder­grund abge­bildete Geschäfts­führer schre­it­et jedoch nicht ein. Er tele­foniert und der Schriftzug über dem Bild ver­rät: „Mein Kopf ist beim näch­sten Auf­trag.“ Eine Leer­stelle im Satz hebt das über­raschende Ele­ment im Motiv her­vor: Der Kopf des Geschäfts­führers fehlt!
Das Arrange­ment von Text und Bild ver­weist auf die zen­trale Aus­sage der Kam­pagne: Wer mit dem Kopf nicht bei der Sache ist, gefährdet sich und andere. Ins­ge­samt zehn Motive sind bish­er nach diesem Konzept ent­standen. Sie zeigen Sit­u­a­tio­nen, die aus dem Leben gegrif­f­en sind. Da ist der Motor­roller­fahrer, der sich an ein­er gefährlichen Straße­necke von ein­er hüb­schen Frau ablenken lässt. Da ist die Geschäfts­frau, die die Autotür öffnet, ohne sich umzuschauen, ob sie damit andere gefährdet, und der Rad fahrende Schüler, der an die Schule denkt und nicht auf Fußgänger achtet. Ein Kurz­text am unteren Bil­drand nen­nt die Gefahren, die mit solch kopflosem Ver­hal­ten ver­bun­den sind. Daneben prangt das gelb-schwarze Logo der Kam­pagne: ein Aus­rufeze­ichen in Form eines Warn­schildes, dazu die Auf­schrift „Risiko raus!“.
Ver­anstal­tun­gen
Doch das ist nicht alles. Die Kam­pagne set­zt auf eine vielfältige Ansprache der Ziel­grup­pen. Neben ein­er kon­tinuier­lichen Pressear­beit ist dies zum Beispiel die Präsenz auf ein­er Rei­he von Messen und Ver­anstal­tun­gen, etwa bei den „Aktion­sta­gen Risiko raus!“ vom 17. bis 19. Juni 2010 in der West­falen­halle 2 in Dortmund.
Par­al­lel dazu find­et die 50. Jahresta­gung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedi­zin und Umweltmedi­zin e.V. (DGAUM) im benach­barten Kon­gresszen­trum statt. Sie wid­met sich schw­er­punk­t­mäßig eben­falls dem The­ma „Trans­port und Verkehr“. Bei­de Ver­anstal­tun­gen fall­en zusam­men mit dem bun­desweit­en Tag der Verkehrssicher­heit am 19. Juni 2010. Der ide­ale Anlass also, um öffentlichkeitswirk­sam auf „Risiko raus!“ und die Gefahren beim inner­be­trieblichen Trans­port und im Straßen­verkehr aufmerk­sam zu machen.
In und um die West­falen­halle 2 wird es zahlre­iche Attrak­tio­nen und Ver­anstal­tun­gen rund um das The­ma Verkehr geben: Eine Pup­pen­bühne und einen Niedrig­seil­gar­ten für die Kle­in­sten, X‑pert Talks für Fahran­fänger, Stuntshows, Spritspar­train­ings und die Vor­führung von Fahreras­sis­ten­zsys­te­men sind geplant. Auf ver­schieden­sten Sim­u­la­toren kann das Ver­hal­ten in bren­zli­gen Sit­u­a­tio­nen – natür­lich gefahr­los – geübt wer­den. Neben den Beruf­sgenossen­schaften und Unfal­lka­ssen, dem DVR und der DGUV wer­den weit­ere Insti­tu­tio­nen wie etwa die Polizei NRW, die ZNS-Han­nelore Kohl Stiftung und die Lan­desverkehr­swacht NRW ihre Arbeit vorstellen und nüt­zliche Tipps rund um den Verkehr geben.
Am 18. Juni 2010 (Fre­itag) wer­den der Ver­band Deutsch­er Sicher­heitsin­ge­nieure e.V. (VDSI), die DGAUM, der Ver­band Deutsch­er Betriebs- und Werk­särzte e.V. (VDBW) und die Gesellschaft für Arbeitswis­senschaft e.V. (GfA) ihre Mit­glieder zu ein­er gemein­samen Vor­tragsver­anstal­tung ein­laden. Die The­men der Vorträge wer­den sich an den The­men von „Risiko raus!“ ori­en­tieren. Eine öffentliche Vor­tragsver­anstal­tung mit The­men von A wie „ Alter und Verkehrssicher­heit“ bis Z wie „Zukun­ft der Verkehrssicher­heit­sar­beit“ von DGAUM, DVR und „Risiko raus!“ am 19.6.2010 (Sam­stagvor­mit­tag) run­det das Pro­gramm ab.
Ein weit­eres High­light ist die Unter­stützung des Sta­pler-Cups der Fir­ma Linde im Som­mer 2010. Über 1.600 Teil­nehmer jährlich bewer­ben sich bei einem der mehr als zwei Dutzend Vorentschei­de, die mit­tler­weile im sech­sten Jahr bun­desweit stat­tfind­en. Das Ziel: Als ein­er von ins­ge­samt 60 Final­is­ten in die Endrunde auf dem Aschaf­fen­burg­er Schloss­platz zu kom­men und deutsch­er Meis­ter zu wer­den. Oder aber als Team von Kol­le­gen die Fir­men­meis­ter­schaft gewin­nen. Beim Cup zählt näm­lich nicht nur Geschwindigkeit, son­dern Geduld, Konzen­tra­tion, Präzi­sion und vor allem Sicher­heit. Zweck des Wet­tbe­werbs ist es, auf die beru­flichen und sicher­heit­stech­nis­chen Voraus­set­zun­gen des Sta­pler­fahrens aufmerk­sam zu machen. Mit der Meis­ter­schaft wer­ben die Ver­anstal­ter unter anderem für die Aus­bil­dung zum Sta­pler­fahrer – denn Qual­i­fika­tion erhöht die Sicher­heit für alle im Betrieb. „Der Wet­tbe­werb liegt damit nicht nur the­ma­tisch, son­dern auch von sein­er Philoso­phie voll auf der Lin­ie unser­er Kam­pagne“, so Elke Rogosky. Deshalb ist „Risiko raus!“ 2010 erst­mals als Part­ner mit dabei.
„Risiko raus!“ auf allen Kanälen
Auch neue Medi­en haben ihren Platz bei „Risiko raus!“. So gibt es ein Mul­ti­me­di­aquiz, das es erlaubt, den eige­nen Risiko­typ zu ermit­teln – ide­al für den Ein­satz bei Unter­weisun­gen und Sem­i­naren oder bei betrieblichen Aktion­sta­gen. Für Jugendliche gibt es erst­mals ab Früh­jahr 2010 einen speziellen Web­clip, der ins­beson­dere die Risiken des Fahrrad­fahrens the­ma­tisiert. Über die Möglichkeit, den Clip per­son­al­isiert an Fre­unde und Ver­wandte weit­erzuschick­en, ver­bre­it­et sich die Botschaft wie von selb­st im Inter­net. „Nie ohne Helm“ ist der zweite Kurz­film, der extra für „Risiko raus!“ pro­duziert wurde. Darin schildert der 14-jährige Schüler Ben, was bei einem Fahrradun­fall passieren kann, wenn man keinen Helm trägt – am Beispiel ein­er Mel­one. Der exper­i­mentelle Charak­ter der Geschichte mit Zeitlu­pe­nauf­nah­men sowie die jugendliche Iden­ti­fika­tions­fig­ur eröff­nen Kindern (und Erwach­se­nen) einen leicht­en Zugang zur Botschaft: „Helm auf = Risiko raus!“ Auch ein Napo-Film zu den Kam­pag­nen­the­men darf nicht fehlen. Die Web­site www.risiko-raus.de bietet aktuelle Neuigkeit­en und Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen rund um Uhr. Hier sind auch die Filme sowie E‑cards zu finden.
Mul­ti­p­lika­toren der Kam­pagne gefragt
Die Kam­pagne wirbt dafür, dass Fachkräfte für Arbeitssicher­heit und Sicher­heits­fachkräfte als Mul­ti­p­lika­toren die Kam­pagne zum Anlass nehmen, um in den Unternehmen das sichere Fahren und Trans­portieren zu the­ma­tisieren. Dabei kön­nen sie auf vielfältige Mate­ri­alien der Kam­pagne zurück­greifen. Neben Plakat­en und Fly­ern befind­en sich Broschüren zu den The­men „Sicheres Fahrrad“ und „Sicheres Rad­fahren“ sowie „Ladungssicherung“ in der Vor­bere­itung. Auf allen prangt das grell­gelbe Warn­dreieck mit Aus­rufeze­ichen. Es will die Aufmerk­samkeit erhöhen, die Konzen­tra­tion zurück­holen und das Denken in Kon­se­quen­zen fördern.
Ansprech­part­ner für betriebliche Aktio­nen und Kam­pag­nen­ma­te­r­i­al sind die Beruf­sgenossen­schaften und Unfal­lka­ssen. Zudem kön­nen sich Inter­essierte mit Fra­gen zur Kam­pagne an die Pro­jek­tleit­er Elke Rogosky (elke.rogosky@dguv.de) und Mar­tin Rüd­del (martin.rueddel@ dguv.de) wenden.

Autorin
San­dra Demuth, Pro­jek­t­mi­tar­bei­t­erin Kam­pag­nen, DVR SDemuth@dvr.de
Koau­tor
Ste­fan Boltz, stv. Press­esprech­er DGUV presse@dguv.de
Anzeige
Gewinnspiel

Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Meistgelesen

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 11
Ausgabe
11.2020
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 11
Ausgabe
11.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de