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Substitution von Gefahrstoffen

Rezension
Substitution von Gefahrstoffen

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Ecomed Sicher­heit 2014
EUR 29,99 — ISBN 978–3–609–69181–7
Die Sub­sti­tu­tion spielt lei­der heute kaum eine Rolle bei der Gefährdungs­beurteilung zum Umgang mit Gefahrstof­fen. Dabei ist der Ersatz gefährlich­er Stoffe oder Ver­fahren, um unge­fährlichere oder sog­ar unge­fährliche Vorge­hensweisen zu erre­ichen, der beste Schutz und nach dem STOP-Prinzip auch der wichtig­ste Schritt.
In der Prax­is der kleinen und mit­tleren Betriebe find­et eine Sub­sti­tu­tion kaum statt, in großen Betrieben mit Sicher­heitsabteilun­gen (und Betrieb­srat) wird manch­mal sehr viel über dieses The­ma disku­tiert.
Dr. Stöf­fler ken­nt die Prax­is und macht deut­lich, dass statt des STOP-Prinzips oft das POTS-Prinzip ange­wandt wird. Zuerst wer­den per­sön­liche Schutz­maß­nah­men einge­set­zt, dann wird über organ­isatorische Maß­nah­men nachgedacht, eventuell über tech­nis­che Maß­nah­men und ganz sel­ten über Sub­sti­tu­tion.
Es ist daher sehr zu begrüßen, dass das Buch die Ersatzstoff­suche the­ma­tisiert. Dr. Stöf­fler macht auf die Tra­di­tion der Ersatzstoff-TRGSen aufmerk­sam, die seit dem Inkraft­treten der Grund­satz-Ersatzstoff-TRGS 600 zum Erliegen gekom­men ist. Bis Ende der 90er Jahre hat sich der Auss­chuss für Gefahrstoffe (AGS) immer wieder aus aktuellen Anlässen beson­deren The­men gewid­met.
Es soll an dieser Stelle gar nicht auf die Asbest-Ersatzstoff-Regelun­gen einge­gan­gen wer­den. Diese sind auf­grund der extremen Eigen­schaften von Asbest und der Betrof­fen­heit fast aller Branchen ohne- hin etwas Beson­deres. Aber auch die Ersatzstoff-TRGSen zu lösemit­tel­halti­gen Kleb­stof­fen und Par­kettsiegeln, zu fruchtschädi­gen­den Glyko­leth­ern, usw. sind Erfol­gs­geschicht­en des AGS. Die TRGSen zu chro­matar­men Zementen und dichlormethanhalti­gen Abbeiz­ern haben immer­hin zu europäis­chen Ver­boten geführt, sodass die Zahl der Mau­r­erkrätze-Erkrankun­gen und vor allem die Zahl der Toten durch die dichlormethanhalti­gen Abbeiz­er drastisch zurück­ge­gan­gen sind bzw. nicht mehr vorkom­men.
Seit der Jahrtausendwende über­lässt es der AGS den Betrieben, Ersatzstoffe zu find­en. Dies ist zumin­d­est in kleinen und mit­tleren Betrieben im Prinzip zum Scheit­ern verurteilt. Diese Betriebe haben nicht die Möglichkeit, die tech­nis­che Geeignetheit von Ersatzstof­fen zu prüfen bzw. deren Entwick­lung zu fördern. Auch wird von den Auf­sichts­be­hör­den kaum Druck aus­geübt, Ersatzstoffe bei der Gefährdungs­beurteilung in Erwä­gung zu ziehen.
Schon deshalb ist das Buch von Dr. Stöf­fler grund­sät­zlich zu begrüßen. Sie ver­ste­ht es, den Leser in die The­matik einzuführen. Dabei macht sie auch auf weit ver­bre­it­ete Missver­ständ­nisse aufmerk­sam. So ist oft nicht klar, dass nicht die Sub­sti­tu­tion Pflicht ist, son­dern die Sub­sti­tu­tion­sprü­fung. Allerd­ings ist z.B. bei ein­er Expo­si­tion über dem AGW sowie bei CMR-Stof­fen generell ein Verzicht auf die Sub­sti­tu­tion zu begrün­den.
Die Bedeu­tung der Sub­sti­tu­tion inner­halb der REACH-Verord­nung ist eben­falls wenig bekan­nt. Das Buch macht deut­lich, dass nach REACH ins­beson­dere bei beson­ders gefährlichen (SVHC) Stof­fen die Sub­sti­tu­tion auch der wirtschaftlichere Weg sein kann. Für die SVHC-Stoffe ist eine Zulas­sung notwendig, die teuer ist, mehrere Jahre in Anspruch nimmt und dann zeitlich begren­zt ist und die keine Min­dest­men­gen ken­nt – da ist eine Sub­sti­tu­tion doch ein­fach­er.
Sehr erfreulich ist auch die gründliche Darstel­lung des Spal­ten­mod­ells und der Wirk­fak­toren im Buch. Sie wur­den in den 90er Jahren für die inzwis­chen zurück­ge­zo­gene TRGS 440 entwick­elt und sind etwas in Vergessen­heit ger­at­en, obwohl sie in der TRGS 600 beschrieben wer­den. Auch die Gefährdungszahl, ein lei­der aus der Mode gekommenes Instru­ment, wird aus­führlich beschrieben.
Beson­ders lesenswert ist das Beispiel- Kapi­tel. Die teils sehr aktuellen Beispiele machen Mut, auch im eige­nen Betrieb über den Ersatz von Gefahrstof­fen nachzu­denken. Beson­ders aktuell sind die Beiträge zu Tri, Formalde­hyd und NEP. Das Beispiel N‑Ethylpyrrolidon (NEP) hätte der Auss­chuss für Gefahrstoffe ken­nen sollen, bevor er im Novem­ber 2014 ohne Gegen­stim­men ein VSK zum Ein­satz eines NEP-halti­gen Abbeiz­ers beschloss.
Abgeschlossen wird das Buch durch eine Anleitung zur Inter­ne­trecherche. Inter­net­por­tale und Links zur Ersatzstoffthe­matik soll­ten öfter genutzt wer­den, sie sind ein guter Ein­stieg für die Ersatzstoff­suche im eige­nen Betrieb.
Das Buch „Sub­sti­tu­tion von Gefahrstof­fen“ sollte in den Betrieben, aber auch in den Auf­sichts­gremien zum Anlass genom­men wer­den, die Möglichkeit­en der Sub­sti­tu­tion zu über­denken. Die vie­len Anleitun­gen und Beispiele sind ger­ade auch für Experten sich­er hil­fre­ich bei der Ersatzstoff­suche.
Dr. Rein­hold Rühl
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