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Üben für den Gesund­heits­schutz nach inter­na­tio­na­lem Maßstab

Infektionskrankheiten
Üben für den Gesund­heits­schutz nach inter­na­tio­na­lem Maßstab

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Epide­mien wie der Ebola-Ausbruch im west­li­chen West­afrika werfen Fragen des Gesund­heits­schut­zes in der Luft­fahrt auf. Maßstab sind die inter­na­tio­na­len Gesund­heits­vor­schrif­ten der WHO von 2005. Dabei gilt: Übung macht den Meis­ter, um im Notfall gewapp­net zu sein.

Dr. Adel­heid Weßling

Monro­via, die Haupt­stadt von Libe­ria, liegt etwa zehn Flug­stun­den von Deutsch­land entfernt, inklu­sive Zwischen­stopp über Brüs­sel oder Casa­blanca. Direkt­flüge exis­tie­ren nicht. Gut 1000 Passa­giere check­ten 2013 von Frank­furt, Berlin, München, Hamburg, Stutt­gart, Hanno­ver, Düssel­dorf oder Bremen nach Libe­ria ein. Etwa 2250 Passa­giere flogen nach Guinea, 250 nach Guinea-Bissau, knapp 1900 nach Sierra Leone. Noch selte­ner sind Flüge in umge­kehrte Rich­tung mit Deutsch­land als Reise­ziel. Zum Vergleich: 55 000 Reisende flogen nach Ghana, 31.000 Passa­gie­ren kamen von dort hier­her.
Durch den Ebola-Ausbruch im vergan­ge­nen Jahr hat sich das Inter­esse an den west­li­chen Ländern West­afri­kas schlag­ar­tig erhöht. Wie zuvor das schwere, akute respi­ra­to­ri­sche Syndrom (SARS), die Vogel­grippe aus Asien oder die bovine spon­gi­forme Enze­pha­lo­pa­thie (BSE) und Vari­an­ten der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) macht die Krank­heit deut­lich, dass sich regio­nale Epide­mien nicht isoliert betrach­ten lassen. (Fern-)Reisen, lange Trans­port­wege von Schlacht­tie­ren, gene­ti­sche Verän­de­run­gen der Mikro­or­ga­nis­men sowie klima­ti­sche und ökolo­gi­sche Fakto­ren, die die Lebens­be­din­gun­gen von Über­trä­gern güns­tig beein­flus­sen, tragen zur Verbrei­tung von Krank­hei­ten bezie­hungs­weise Krank­heits­er­re­gern bei. Damit einher geht das Risiko einer Pande­mie, das heißt einer sich über Länder und Konti­nente ausbrei­ten­den Erkran­kungs­welle. Dies gilt insbe­son­dere, wenn ein Krank­heits­herd dort auftritt, wo die medi­zi­ni­sche Versor­gung unzu­rei­chend ist und einge­übte Verfah­ren im Umgang mit der Erkran­kung fehlen wie bei dem, soweit bekannt ist, ersten Ebola-Ausbruch in West­afrika. Die Krank­heit wurde erst­mals 1976 in einer abge­schie­de­nen Region im Kongo entdeckt und nach einem klei­nen Seiten­fluss des Mongala benannt. Seit­her gab es immer wieder Ebola-Ausbrüche in Afrika, doch verlie­fen diese weni­ger drama­tisch. Sie blie­ben regio­nal begrenzt. Profes­sor Dr. Rein­hard Burger, Präsi­dent der Robert Koch Insti­tuts (RKI), führt als Erklä­rung die geringe Mobi­li­tät in den dünn besie­del­ten Regio­nen Afri­kas an. In West­afrika besteht hinge­gen ein vergleichs­weise dich­tes Verkehrs­netz über die Länder­gren­zen hinweg, so dass sich die Krank­heit leich­ter ausbrei­ten kann. Rund 20 Millio­nen Menschen leben in Libe­ria, Guinea und Sierre Leone. An Ebola sind nach Anga­ben der WHO über 18.000 Menschen erkrankt und etwa 7.000 verstor­ben. Die Dunkel­zif­fer wird höher liegen.
Die Sterb­lich­keit bei Krank­hei­ten, die auf direk­tem oder indi­rek­tem Weg vom Tier auf den Menschen über­tra­ge­nen werden, ist rela­tiv hoch. Für Ebola gibt das RKI eine Wahr­schein­lich­keit von 30 bis 90 Prozent an, je nach Quali­tät der medizinisch-pflegerischen Versor­gung. Manche Zoono­sen wie HIV oder der Ebola-Virus entwi­ckeln das Poten­zial von Mensch zu Mensch über­tra­gen zu werden, was die Anste­ckungs­ge­fahr deut­lich erhöht. Die Über­tra­gung ist bei den genann­ten Krank­hei­ten über den Kontakt zu infi­zier­ten Körper­flüs­sig­kei­ten möglich. Ein deut­lich höhe­res Anste­ckungs­ri­siko bergen Grip­pe­vi­ren, die sich zudem als Tröpf­chen­in­fek­tion über die Luft ausbrei­tet. Mehr als 200 Zoono­sen sind bekannt. Abhän­gig von Forschungs­ak­ti­vi­tä­ten werden jähr­lich, so die Schät­zung von Exper­ten, drei bis vier neue Erre­ger iden­ti­fi­ziert. Um eine wirk­same Präventions- und Behand­lungs­stra­te­gie zu entwi­ckeln, die am Erre­ger ansetzt, ist das Zusam­men­spiel von Human­me­di­zin, Vete­ri­när­me­di­zin, Epide­mio­lo­gie und Mikro­bio­lo­gie im inter­na­tio­na­len Kontext erfor­der­lich. Hoff­nung im Kampf gegen Ebola rufen zwei Impf­stoffe hervor, die in Tier­ver­su­chen getes­tet worden sind. Noch nicht erwie­sen ist, ob die Wirk­stoffe für Menschen glei­cher­ma­ßen geeig­net sind. Die behörd­li­che Zulas­sung steht daher noch aus. Dazu muss ein Wirk­stoff zunächst getes­tet werden. Entspre­chende Studien mit Proban­den, die sich hier­für frei­wil­lig zur Verfü­gung stel­len, sind jüngst gestar­tet. Des Weite­ren soll ein Ebola-Schnelltest in Guinea geprüft werden, der binnen 15 Minu­ten ein Ergeb­nis ausweist.
Natio­nale Melde­wege nach Inter­na­tio­na­len Gesund­heits­vor­schrif­ten
Epide­mien wie Ebola rufen Fragen nach Sicher­heits­vor­keh­run­gen im inter­na­tio­na­len Flug­ver­kehr hervor. Als Reak­tion auf die SARS-Epidemie, die vor gut zehn Jahren ausbrach und sich auf etwa 30 Länder erstreckte, aktua­li­sierte die World Health Orga­niz­a­tion (WHO) 2005 ihre inter­na­tio­na­len Gesund­heits­vor­schrif­ten (IGV). Sie gibt Verfah­ren an den Grenz­über­gän­gen zu Land, zu Wasser und am Flug­ha­fen vor, um zu verhin­dern, dass sich Krank­hei­ten und andere Gefähr­dun­gen für die öffent­li­che Gesund­heit über Länder­gren­zen hinweg ausbrei­ten.
Die IGV wurde 2007 in hiesi­ges Recht über­führt. 2013 trat das IGV-Durchführungsgesetz in Kraft. Durch die IGV können Grund­rechte der körper­li­chen Unver­sehrt­heit, der Frei­heit der Person, des Brief- und Post­ge­heim­nis­ses und der Frei­zü­gig­keit einge­schränkt werden. Des Weite­ren berührt das Gesetz den Infek­ti­ons­schutz in Verant­wor­tung des öffent­li­chen Gesund­heits­diens­tes. Die Arbeit vor Ort, einschließ­lich des Melde­we­sens, obliegt der unte­ren Gesund­heits­be­hörde.
Das Gesund­heits­amt muss die zustän­dige Landes­be­hörde infor­mie­ren, die wiederum dem RKI mitteilt, wenn Krank­hei­ten oder Tatsa­chen bekannt werden, die eine gesund­heit­li­che Notlage von inter­na­tio­na­ler Trag­weite darstel­len könn­ten. Das RKI entschei­det, ob es notwen­dig ist, der WHO das Ereig­nis zu melden. Bei SARS oder einer huma­nen Influ­enza, die durch einen neuen Subtyp des Virus verur­sacht wird, ist dies immer der Fall. Bei Krank­hei­ten wie Ebola, Lassa­fie­ber oder Gelb­fie­ber zieht das RKI einen Entschei­dungs­al­go­rith­mus hinzu, um da Ausmaß der gesund­heit­li­chen Notlage zu bewer­ten. Melde­pflich­tig ist ein Ereig­nis, das unge­wöhn­lich oder uner­war­tet ist und schwer­wie­gende Auswir­kun­gen auf die öffent­li­che Gesund­heit erwar­ten lässt, oder wenn ein erheb­li­ches Risiko einer grenz­über­schrei­ten­den Ausbrei­tung oder das Risiko einer Beschrän­kung inter­na­tio­na­ler Reisen und Handels­wege besteht. Ist nach dem aktu­el­len Kennt­nis­stand keine Melde­pflicht gege­ben, muss das RKI das Ereig­nis erneut bewer­ten, wenn neue Infor­ma­tio­nen vorlie­gen. Die Meldung an die WHO erfolgt über das Gemein­same Melde- und Lage­zen­trum von Bund und Ländern (GMLZ) beim Bundes­amt für Bevöl­ke­rungs­schutz und Kata­stro­phen­schutz, einer Behörde des Bundes­in­nen­mi­nis­te­ri­ums. Die GMLZ über­nimmt damit die Aufgabe der Natio­na­len Kontakt­stelle nach IGV.
In Zusam­men­hang mit Ebola bestand bislang keine förm­li­che Melde­pflicht für die hiesige Behörde. Nach Anga­ben des Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums wurde das Netz­werk der natio­na­len IGV-Anlaufstellen aber schon bei ande­ren Krank­hei­ten wie Tuber­ku­lose genutzt, zum Beispiel wenn Kontakt­per­so­nen eines infi­zier­ten Flug­rei­sen­den in einen ande­ren Staat weiter­ge­reist sind und die Gesund­heits­ver­wal­tung dort auf das Infek­ti­ons­ri­siko hinge­wie­sen werden sollte. Bei den drei an Ebola-erkrankten Pati­en­ten, die sich bei ihrem Hilfs­ein­satz in West­afrika infi­ziert hatten, folgte Deutsch­land der Bitte der WHO bezie­hungs­weise der UNO, die Pati­en­ten in den hier­auf spezia­li­sier­ten Zentren in Hamburg, Leip­zig und Frank­furt am Main zu behan­deln. Die Pati­en­ten kamen mit Spezi­al­flug­zeu­gen, so dass ein Kontakt zu Mitrei­sen­den von vorn­her­ein ausge­schlos­sen wurde. Das Risiko einer Neuerkran­kung in Deutsch­land stuft das RKI gering ein.
(K)eine krank­heits­be­dingte Notfall­lan­dung an benann­ten Flug­hä­fen
Nach dem IGV-Durchführungsgesetz müssen in Deutsch­land fünf Flug­hä­fen – Frank­furt, Düssel­dorf, Hamburg, München und künf­tig Berlin-Brandenburg – Kern­ka­pa­zi­tä­ten eines inter­na­tio­na­len Sani­täts­flug­ha­fens gemäß IGV bereit­hal­ten (siehe Abbil­dung). Für die Kontrolle sind die Landes­ge­sund­heits­be­hör­den im Zuge ihrer Aufga­ben für den vorsor­gen­den Gesund­heits­schutz zustän­dig. So führte das Hessi­sche Minis­te­rium für Sozia­les und Inte­gra­tion gemein­sam mit dem örtli­chen Gesund­heits­amt im August 2008 eine Bege­hung des Flug­ha­fens Frank­furt durch. Über­prüft wurde, inwie­weit die Vorga­ben der IGV umge­setzt wurden, d.h., ob Notfall­pläne vorlie­gen, Kommu­ni­ka­ti­ons­wege und Zustän­dig­keit sicher­ge­stellt sind sowie Untersuchungs- und Betreu­ungs­ka­pa­zi­tä­ten für Flug­rei­sende und Möglich­kei­ten des Trans­ports zu den Unter­su­chungs­ein­rich­tun­gen vorhan­den sind. Das Fach­re­fe­rat kommt zu dem Ergeb­nis, dass der Flug­ha­fen Frank­furt bestens vorbe­rei­tet sei. Unab­hän­gig von den Belan­gen des Gesund­heits­schut­zes kriti­siert die Euro­päi­sche Kommis­sion eine mangelnde Über­prü­fung der allge­mei­nen Luft­si­cher­heits­maß­nah­men in der zivi­len Luft­fahrt auf deut­schen Flug­hä­fen und hat ein Vertrags­ver­let­zungs­ver­fah­ren einge­lei­tet.
Zum Schutz der öffent­li­chen Gesund­heit sollen die benann­ten Flug­hä­fen ange­flo­gen werden können, wenn das zustän­dige Gesund­heits­amt am Ziel­flug­ha­fen eine solche Ände­rung ange­ord­net hat (§ 9 Abs. 2 IGV-DG). „Aller­dings kann bereits der ursprüng­li­che Ziel­flug­ha­fen die Umlei­tung zu einem Sani­täts­flug­ha­fen in die Wege leiten“, sagt Constance Frey von der Senats­ver­wal­tung für Gesund­heit und Sozia­les in Berlin. Ähnlich der Kaska­den­re­ak­tion beim Domino löst eine Meldung die nächste aus. Sobald der Pilot erfährt, „dass eine Person an Bord ist, bei der klini­sche Anzei­chen auf das Vorlie­gen einer über­trag­ba­ren Krank­heit hindeu­ten, die die öffent­li­che Gesund­heit gefähr­det, oder dass an Bord sons­tige Anzei­chen für eine erheb­li­che Gefahr für die öffent­li­che Gesund­heit bestehen“ (§ 11 IGV-DG), infor­miert er die Flug­kon­troll­ver­kehrs­stelle und den Verkehrs­lei­ter am Ziel­flug­ha­fen. Diese leiten die Meldung (flug­ha­fen­in­tern) an die im Notfall­plan fest­ge­legte Stelle weiter, die dem Gesund­heits­amt meldet, das wiederum die für den Sani­täts­flug­ha­fen zustän­dige Gesund­heits­be­hörde verstän­digt. Der Pilot teilt das geän­derte Lande­ziel den Flug­lot­sen der Deut­schen Flug­si­che­rung (DFS) mit, die schließ­lich die Flug­ein­wei­sung zu einer sepa­ra­ten Lande­bahn über­neh­men. „Notfall­lan­dun­gen aus Krank­heits­grün­den sind sehr seltene Ereig­nisse“, infor­miert Axel Raab, DFS-Pressesprecher, der einst selbst als Flug­lotse tätig war. Der Arbeits­ge­mein­schaft Deut­scher Verkehrs­flug­hä­fen (ADV) ist kein Fall bekannt.
Dass krank­heits­be­dingte Umlei­tun­gen eines Flug­zeugs äußerst selten vorkom­men, bestä­ti­gen die Flug­hä­fen. Von einem Ereig­nis pro Jahr geht der Flug­ha­fen Düssel­dorf aus – bei über 10 Millio­nen Landun­gen mit Passa­gie­ren an Bord pro Jahr. Wenn krank­heits­be­dingte Sonder­ein­sätze notwen­dig werden, dann wegen harm­lo­ser Virus­er­kran­kun­gen, Kreis­lauf­pro­ble­men oder Verlet­zun­gen. Der Umgang mit solchen Vorfäl­len ist Routine an den Flug­hä­fen, unab­hän­gig davon, ob sie als Sani­täts­flug­ha­fen nach IGV einge­stuft sind oder nicht. „Sie werden im Normal­be­trieb als Notfall- oder Erste-Hilfe-Einsätze durch den Rettungs­dienst der Flug­ha­fen­feu­er­wehr bewäl­tigt, manch­mal in Zusam­men­ar­beit mit dem exter­nen Rettungs­dienst“, schil­dert Volk­mar Krämer vom Flug­ha­fen Stutt­gart die Abläufe. „Bei einer erns­ten Sympto­ma­tik nehmen wir sofort Kontakt mit dem Gesund­heitssamt auf und ziehen unse­ren Betriebs­arzt hinzu, der die Behörde im Flug­ha­fen vertritt. Falls nötig, infor­miert der Arzt weitere externe Stel­len und leitet einen Kran­ken­trans­port ein.“
Alarms­tern, der im Notfall greift
Seit Mitte 2012 müssen alle Flug­hä­fen über einen Notfall­plan für gesund­heit­li­che Notla­gen verfü­gen, der mit den Gesundheits- und Ordnungs­be­hör­den abge­stimmt ist. Die benann­ten Sani­täts­flug­hä­fen verfü­gen zudem über beson­dere Sicher­heits­vor­keh­run­gen, um auf IGV-Notfälle vorbe­rei­tet zu sein. „Vor dem Inkraft­tre­ten der IGV hatten die betei­lig­ten Akteure ihre eige­nen Notfall­pläne gehabt, die im Detail nicht aufein­an­der bezo­gen waren. Das hat sich nun geän­dert“, begrüßt Dr. Dr. Heri­bert Stich, Leiter der Gesund­heits­ab­tei­lung des Land­rats­am­tes Erding bei München. Infek­tio­lo­gi­sche oder seuchen­me­di­zi­ni­sche Notfälle sind jedoch singu­läre Ereig­nisse. Dies hat sich seit Ausbruch der Ebola-Epidemie im west­li­chen West­afrika nicht geän­dert.
Um ein mögli­ches Infek­ti­ons­ri­siko fest­zu­stel­len bezie­hungs­weise ausschlie­ßen zu können, musste der dienst­ha­bende Notfall­arzt des medi­zi­ni­schen Versor­gungs­zen­trums am Flug­ha­fen München 2014 einmal eine Reise­ana­mnese durch­füh­ren. Hierzu wurden der Reise­weg und die Aufent­halte der letz­ten 21 Tage sowie Kontakte zu Erkrank­ten ermit­telt. Weitere Maßnah­men waren nicht erfor­der­lich. Am Flug­ha­fen Berlin-Schönefeld kam der Notfall­plan am 26. Septem­ber 2014 zum Einsatz, als ein im Anflug befind­li­ches Privat­flug­zeug aus Nige­ria einen schwer erkrank­ten Passa­gier meldete. Das Flug­zeug wurde umge­hend auf einer Außen­po­si­tion abge­stellt. Feuer­wehr und Poli­zei waren am Lande­platz zuge­gen. Eine Amts­ärz­tin führte eine Kontroll­un­ter­su­chung durch. Sowohl ein Schnell­test als auch eine anschlie­ßende Unter­su­chung im Kran­ken­haus wider­leg­ten den anfäng­li­chen Verdacht auf Ebola, der aufgrund der Sympto­ma­tik bestand. Der Flug­be­trieb ging unein­ge­schränkt weiter.
Flug­ha­fen­in­tern sind seuchen­me­di­zi­ni­sche Notfälle der Abtei­lung für Secu­rity (z.B. Absper­run­gen und Zugangs­be­schrän­kun­gen) und Safety zuge­ord­net (z.B. Hygiene, medi­zi­ni­sche Behand­lung, Kran­ken­trans­port). Bei Verdacht auf Ebola oder ähnlich schwer­wie­gende Erkran­kun­gen sepa­riert das Flug­per­so­nal die Person bereits im Flug­zeug von den ande­ren Passa­gie­ren. Die Meldung des Pilo­ten löst in München einen Alarms­tern aus, infolge dessen sich das medi­zi­ni­sche Zentrum am Flug­ha­fen, die Gesund­heits­ab­tei­lung des Land­rats­am­tes Erding, die Flug­ha­fen­feu­er­wehr, die Bundes­po­li­zei und das Kran­ken­haus München Schwa­bing bereit­hal­ten. Ergänzt wird die infek­ti­ons­hy­gie­ni­sche Über­wa­chung durch eine neu ins Leben geru­fene Taskforce für schwer­wie­gende Infek­ti­ons­krank­hei­ten in Bayern unter Leitung des Baye­ri­schen Landes­am­tes für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit, die bera­tend beiseite steht.
Der Notfall­arzt des Flug­ha­fens ist der erste, der Kontakt zu dem Pati­en­ten hat. Er nimmt den Pati­en­ten in Augen­schein, stellt eine Verdachts­dia­gnose und beginnt mit der sympto­ma­ti­schen Behand­lung. Sollte er den Verdacht auf eine schwer­wie­gende Erkran­kun­gen bestä­ti­gen, infor­miert er die in Bereit­schaft befind­li­chen Einsatz­kräfte. Sobald der Amts­arzt einge­trof­fen ist, über­nimmt er die Leitung. Als Einsatz­lei­ter ist er gegen­über den ande­ren Einsatz­kräf­ten weisungs­be­fugt und veran­lasst, dass der Pati­ent in einem Spezi­al­fahr­zeug ins Kran­ken­haus gebracht wird. Das Kran­ken­haus München Schwa­bing verfügt über eine von aktu­ell sieben Sonder­iso­lier­sta­tio­nen für Ebola-Patienten bundes­weit. Die ande­ren Passa­giere des Flug­zeugs dürfen den Flug­ha­fen erst verlas­sen bezie­hungs­weise weiter­rei­sen, nach­dem sie in einem eigens dafür vorge­se­he­nen Raum über den Notfall infor­miert und nach even­tu­el­len Beschwer­den befragt worden sind. Im Bedarfs­fall erhal­ten sie medi­zi­ni­sche Betreu­ung. Paral­lel werden die Einsatz­kräfte, die unmit­tel­bar Kontakt zu dem Pati­en­ten hatten, von gefähr­li­chen Verun­rei­ni­gun­gen befreit (Dekon­ta­mi­na­tion), glei­ches gilt für das Flug­zeug.
Das beschrie­bene Szena­rio ist so selten, dass die Abläufe immer wieder durch­ge­spielt werden müssen, damit das Zusam­men­spiel der Betei­lig­ten mit ihren unter­schied­li­chen Einsatz­kon­zep­ten im Notfall reibungs­los vonstat­ten­geht. Die Inter­na­tio­na­len Gesund­heits­vor­schrif­ten sehen einen fünf­jäh­ri­gen Rhyth­mus vor. Der erste Übungs­ein­satz in Deutsch­land fand am Flug­ha­fen München am 11. Novem­ber 2013 statt. Hier­bei zeigte sich unter ande­rem, dass die Koope­ra­tion der Betei­lig­ten bereits gut aufein­an­der abge­stimmt war, doch dass die Arbeit in Schutz­an­zü­gen manche Tätig­keit erschwert und der Anfahrts­weg zum Flug­ha­fen Zeit­ver­zö­ge­run­gen mit sich brachte. „Wir haben die Übung evalu­iert und befin­den uns in einem Prozess der konti­nu­ier­li­chen Verbes­se­rung. In Anbe­tracht der Komple­xi­tät konzen­trie­ren wir uns auf das Inein­an­der­grei­fen der Abläufe statt auf eine reine Kontrolle der Kapa­zi­tä­ten“, schil­dert der Leiter für das Gesund­heits­we­sen vom Land­rats­amt Erding. Der nächste Übungs­ter­min in München findet in vier Jahren statt, der genaue Termin ist noch unbe­kannt.
Fazit
Trotz aller Vorbe­rei­tung bleibt zu hoffen, dass der Ernst­fall einer Pande­mie im brei­ten Ausmaß nicht eintritt, denn dann könn­ten die Kapa­zi­tä­ten knapp werden.
Die Arbeits­si­cher­heit ist zwar nicht primä­rer Ansprech­part­ner beim Thema Gesund­heits­schutz an Flug­hä­fen, hat aber auch ihre entspre­chen­den Aufga­ben. Wir frag­ten daher Jochen Fischer, Leiten­der Sicher­heits­in­ge­nieur der Fraport AG am Flug­ha­fen Frank­furt, zum Thema Arbeits­schutz und Arbeits­si­cher­heit in Zusam­men­hang mit der Abwehr gesund­heits­be­zo­ge­ner Gefah­ren im inter­na­tio­na­len Flug­ver­kehr.
Wie erfolgt die Einbin­dung des betrieb­li­chen Arbeits­schut­zes bei der Vermei­dung von Gesund­heits­ge­fah­ren, die im inter­na­tio­na­len Luft­ver­kehr auftre­ten können, beispiels­weise bei Ebola?
Jochen Fischer: Grund­sätz­lich liegt die Prozess­ver­ant­wor­tung bei derar­ti­gen Ereig­nis­sen beim zustän­di­gen Gesund­heits­amt. Hier werden in enger Abstim­mung mit den betrof­fe­nen Unter­neh­men, wie auch mit uns als Flug­ha­fen­be­trei­ber, die notwen­di­gen Verfah­ren und Maßnah­men abge­stimmt. Schwer­punkt liegt hier­bei natür­lich im medi­zi­ni­schen Bereich. In eini­gen Themen­fel­dern sind jedoch auch der Arbeits­schutz und somit die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit gefor­dert. Es gilt zu iden­ti­fi­zie­ren, welche Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­ter in den Arbeits­pro­zes­sen betrof­fen sein könn­ten. In Zusam­men­ar­beit mit den zustän­di­gen Betriebs- ärzten und Verant­wort­li­chen werden darauf hin die entspre­chen­den Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen durch weiter­ge­hende Maßnah­men ergänzt. Natür­lich müssen dann auch die Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­ter entspre­chend unter­wie­sen und aufge­klärt werden. Neben der Aufnahme des Themas in die jähr­li­che Unter­wei­sung wurden hier­bei durch unsere Ärzte mehr­fa­che Infor­ma­tio­nen münd­lich und schrift­lich in die Beleg­schaft einge­bracht. Wird es erfor­der­lich, dass für bestimmte Perso­nen­kreise Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (Filter­mas­ken, Schutz­klei­dung etc.) zur Verfü­gung gestellt werden muss, so ist auch hier das unter­stüt­zende Know­How der Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit gefragt.
Autorin
Dr. Adel­heid Weßling, freie Jour­na­lis­tin, Düssel­dorf
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