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Über zwei benach­barte Norma­tive, Deutun­gen und Bedeu­tun­gen

Explosions- und Explosivstoffschutz – zum „Ex-Bereich“ Teil 1
Über zwei benach­barte Norma­tive, Deutun­gen und Bedeu­tun­gen

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Auf eine einfa­che Anfrage gibt es eine eben­sol­che Antwort, meint man. Es sei denn, es erge­ben sich mehrere einfa­che Antwor­ten, von denen jede für sich ihre Wahr­heit bean­sprucht. Zusam­men genom­men können sie dann einen Trojaner-Effekt entwi­ckeln – nicht nur im Explo­si­ons­schutz. Am Beispiel einer Anfrage zur über­ar­bei­te­ten Norm des elek­tri­schen Explo­siv­stoff­schut­zes DIN V VDE V 0166 [1] wird deut­lich, dass sich sprach­li­che Halb­hei­ten zu brisan­ten Fehl­deu­tun­gen akti­vie­ren können, hier in Verbin­dung mit der benach­bar­ten Ex-Norm DIN EN 60079–14 VDE 0165–1 [2]. Es gibt aber auch noch andere Gründe, dazu eini­ges anzu­mer­ken und zu beden­ken.

Dipl. Ing. Johan­nes Pester

1. Einlei­tung:
Als Fach­pla­ner für das Baune­ben­ge­werbe erar­bei­ten wir auch Ange­bots­un­ter­la­gen für Anla­gen in Ex-Bereichen. Eine Fach­zeit­schrift infor­mierte kürz­lich über „Elek­tri­sche Anla­gen in Ex-Bereichen“ [3]. Anlass dafür war die neue DIN V VDE V 0166:2011–04. Die Norm befasst sich mit dem Errich­ten elek­tri­scher Anla­gen in Berei­chen, die durch Stoffe mit explo­si­ven Eigen­schaf­ten gefähr­det sind. Zum Anwen­dungs­be­reich gehö­ren auch Anla­gen der Auto­ma­ti­sie­rungs­tech­nik und der Infor­ma­ti­ons­tech­nik. Einfüh­rend wird auf grund­sätz­li­che Bedin­gun­gen für elek­tri­sche Anla­gen in Ex-Bereichen einge­gan­gen. Aber gilt für explo­si­ons­ge­fähr­dete Berei­che denn nicht eine andere Norm, die DIN EN 60079–14 (VDE 0165–1)? Uns fehlt die Zeit für tief­ge­hende Recher­chen. Rück­fra­gen zum „Ex-Bereich“ beim Auftrag­ge­ber blei­ben oft erfolg­los, weil er die frag­li­che Anlage nicht selbst betreibt oder kennt.
Wir möch­ten gern wissen:
  • 1. Was gilt im Explo­si­ons­schutz als Ex-Bereich?
  • 2. Welcher Zusam­men­hang besteht zwischen VDE 0165–1 und VDE V 0166?
  • 3. Welche orien­tie­ren­den Voraus­set­zun­gen müssen mindes­tens erfüllt sein, um dafür ein Ange­bot abge­ben zu können?
  • 2. Zum „Explo­si­ons­schutz“ – Bedeu­tung und Zustän­dig­kei­ten
  • 2.1 Über grund­le­gen­des Fach­vo­ka­bu­lar
Wer unter Fach­leu­ten spon­tan fragen würde, ob es denn in einem Ex-Bereich explo­si­ons­ge­fähr­lich sei, bekäme bestimmt eine ebenso reso­lute Antwort wie auf die Frage nach der Abfahrts­zeit des 9‑Uhr-Zuges. So ist das, wenn ein Wort mehrere Bedeu­tun­gen haben kann.
Das Wort „Explo­si­ons­schutz“ beginnt mit „Explo­sion“. Anstatt dieses Phäno­men physi­ka­lisch zu durch­leuch­ten muss sich der Verfas­ser hier auf eine Kurz­fas­sung beschrän­ken, ange­ge­ben in Tab. 1.
Daraus ist zu erken­nen, dass es um Explo­sio­nen unter Betei­li­gung entzünd­li­cher Stoffe geht und nicht um Explo­si­ons­ef­fekte infolge ande­rer Ursa­chen wie z.B. Wasser­dampf.
Explo­si­ons­ge­fähr­dend, explo­si­ons­ge­fähr­lich, explo­si­ons­fä­hig, explo­siv, explo­si­bel, leicht explo­die­rend, brisant, deto­na­tiv oder nur verpuf­fend – ja welche Eigen­schaft ist es denn nun, weswe­gen ein Ex-Bereich infrage kommt? Trifft das nicht irgend­wie bei allen diesen Adjek­ti­ven zu? Oder gilt das nur für dieje­ni­gen, die auch im Duden-Wörterbuch stehen?
Noch ohne die physi­ka­li­sche Viel­falt von Explo­sio­nen zu erah­nen, meinte schon Goethe, mit Worten ließe sich treff­lich strei­ten. Ein Meinungs­streit über Fach­aus­drü­cke kommt jedoch allein durch Austausch von Worten kaum zum treff­li­chen Ende. Deswe­gen muss noch eini­ges mehr voraus­ge­schickt werden über Hinter­gründe mögli­cher Miss­ver­ständ­nisse.
Viel­leicht liegt der sprich­wört­li­che Pfer­de­fuß einfach darin, dass sich die Umgangs­spra­che beharr­lich weigert, die frag­li­chen Stoffe nach Arten und Zustän­den zu unter­schei­den. Im Engli­schen heißt das ja auch alles „explo­siv“, sagen manche der Verwei­ge­rer. Und das sind Leute, die ihre Kennt­nisse aus den Origi­nal­tex­ten der IEC- und EN-Normen bezie­hen. Andere hinge­gen – die sprach­li­chen Gegner von „explo­si­blen Gemi­schen“ – waren froh, als das verwa­schene Wort „explo­si­bel“ in den Norma­ti­ven verschwand und durch „explo­si­ons­fä­hig“ ersetzt wurde. Leider weiß man als Prak­ti­ker zu wenig über die Hinter­gründe, um am Froh­sinn rück­halt­los teil­ha­ben zu können.
Aber ohne Kennt­nis der defi­nier­ten Begriffe einschließ­lich ihrer Quel­len fehlt die Basis dafür, sich zwei­fels­frei und rechts­si­cher zu verstän­di­gen. Dennoch bedient sich die reale Spra­che betrieb­li­cher Fach­kräfte nur ausnahms­weise juris­tisch gesi­cher­ter Defi­ni­tio­nen. Der Verun­si­che­rung durch das entwick­lungs­be­dingte Unver­mö­gen der Normung, gegen­sei­tige Bezüge intakt zu halten, begeg­net die Fach­pra­xis mit Auswe­gen in Form verkür­zen­der Umschrei­bun­gen. Am „Ex-Bereich“ zeigt sich wieder einmal, wie mühse­lig es sein kann, den gedank­li­chen Fallen einer zwie­späl­ti­gen Kurz­form auszu­wei­chen.
2.2 Maßge­bende Rechts­grund­la­gen
Euro­pä­isch gese­hen belegt das Spreng­stoff­recht eine Sonder­stel­lung. Eine umfas­send ange­legte Norm über Schutz­me­tho­den, wie sie für den Explo­si­ons­schutz als DIN EN 1127–1 [4] vorliegt, gibt es für den Explo­siv­stoff­schutz nicht. Man spürt ihn noch immer, den Nimbus des Geheim­nis­vol­len um alles, was kracht und blitzt, seit dem der Mönch Bert­hold Schwarz vor etwa 700 Jahren das Schwarz­pul­ver erfand.
Anders als bei explo­si­ons­ge­fähr­de­ten Berei­chen bezieht der Geltungs­be­reich der Betr­SichV die explo­siv­stoff­ge­fähr­de­ten Berei­che nicht ausdrück­lich mit ein. Neben dem Gefahr­stoff­recht gilt dafür das Spreng­stoff­recht. Ande­rer­seits regelt die Betr­SichV nach euro­päi­schen Grund­sät­zen allge­mein­hin das sichere Betrei­ben von Arbeits­mit­teln. Dazu zählen auch Anla­gen. Demzu­folge wäre es falsch anzu­neh­men, die Betr­SichV ließe elek­tri­sche Anla­gen unter der VDE V 0166 völlig außen vor. Die Zusatz­fest­le­gun­gen in DIN VDE 0105–7 [5] für den Betrieb elek­tri­scher Anla­gen in Gegen­wart explo­si­ver Stoffe bezie­hen die Betr­SichV ausdrück­lich ein.
Weitere Hinweise über anzu­wen­dende Norma­tive finden sich in der berufs­ge­nos­sen­schaft­li­chen BGV B5:2001 [6] – Explo­siv­stoffe. § 49 der BGV B5 greift das ArbSchG [7] auf und verpflich­tet den Unter­neh­mer „dafür zu sorgen, dass beim Betrieb von elek­tri­schen Anla­gen und deren Antriebs­tei­len in gefähr­li­chen Gebäu­den keine Zünd­ge­fah­ren entste­hen können“. Dazu müssen die aner­kann­ten Regeln der Tech­nik einge­hal­ten werden. Die zuge­hö­rige Durch­füh­rungs­an­wei­sung orien­tiert an DIN VDE 0166. Einer BG-Information zufolge soll eine neue BGV B3 – Explo­si­ons­ge­fähr­li­che Stoffe – die schon etwas anti­quierte BGV B5 erset­zen. Staat­li­cher­seits denkt man im Ausschuss für Gefahr­stoffe (AGS) über eine Tech­ni­sche Regel zur GefStoffV (TRGS „Explo­siv­stoffe und pyro­tech­ni­sche Gegen­stände“) noch nach.
2.3 Recht­li­che Krite­rien
Ihrem Titel entspre­chend befasst sich die DIN V VDE V 0166 mit dem Schutz gegen Gefähr­dun­gen durch „Stoffe mit explo­si­ven Eigen­schaf­ten“. Damit ist eine Palette von Stof­fen gemeint, die das Gefahr­stoff­recht mit der Bezeich­nung „explo­sive Stoffe/Gemische und Erzeug­nisse mit Explo­siv­stoff nach Anhang I Abschnitt 2.1“ zusam­men­fasst. So steht es in der Gefahr­stoff­ver­ord­nung (GefStoffV) [8].
Ausgangs­punkt für das Erfor­der­nis, einen Bereich für Maßnah­men des Explo­si­ons­schut­zes fest­zu­le­gen, ist zunächst – weil von Rechts wegen – die Antwort darauf, ob „explo­si­ons­fä­hige Stoffe“ im Sinne von § 2 (9) der GefStoffV vorlie­gen. In ihrer aktu­el­len Fassung unter­teilt sie diese Stoffe in
  • a) explo­si­ons­fä­hige Stoffe, Zube­rei­tun­gen und Erzeug­nisse (§ 2(9)) und
  • b) explo­si­ons­fä­hige Gemi­sche (§ 2 (10)).
Das Spreng­stoff­recht unter­schei­det zwischen explo­si­ons­fä­hi­gen und explo­si­ons­ge­fähr­li­chen Stof­fen, wobei aber auch die explo­si­ons­fä­hi­gen zu Explo­siv­stof­fen werden können (§ 1(2) SprengG [9]).
Im § 3 defi­niert die GefStoffV die Gefähr­lich­keits­merk­male. Stoffe und Zube­rei­tun­gen sind „explo­si­ons­ge­fähr­lich, wenn sie in festem, flüs­si­gem, pasten­för­mi­gem oder gela­ti­nö­sem Zustand auch ohne Betei­li­gung von Luft­sauer­stoff exotherm und unter schnel­ler Entwick­lung von Gasen reagie­ren können und unter fest­ge­leg­ten Prüf­be­din­gun­gen deto­nie­ren, schnell deflag­rie­ren oder beim Erhit­zen unter teil­wei­sem Einschluss explo­die­ren.“
So liest man es auch in der VDE V 0166, die dazu noch klein gedruckt anmerkt: „Die vorste­hende Defi­ni­tion umfasst Stoffe, Gemi­sche und Gegen­stände, die Explo­siv­stoffe (siehe Richt­li­nie 93/15/EWG), pyro­tech­ni­sche Gegen­stände, explo­si­ons­ge­fähr­li­che Stoffe, orga­ni­sche Peroxide, selbst­zer­setz­li­che Stoffe/Gemische und explo­sive Stoffe im Sinne der UN Recom­men­da­ti­ons bzw. der CLP-Verordnung sind.“ Wem das noch immer zu kompakt vorkommt, dem sei eine erläu­ternde Kurz­fas­sung der Gefähr­dun­gen durch Explo­siv­stoffe im Inter­net empfoh­len [10].
Einem Chemi­ker erscheint das sonnen­klar. Ansons­ten erahnt man nun „explo­si­ons­ge­fähr­lich“ und „Gemi­sche“ als Schlüs­sel­worte. Anhand der Defi­ni­tio­nen in Tab. 2 klärt sich auf, worauf es letzt­lich ankommt. Es sind die „Stoffe im Gemisch mit Luft“. Das wesent­li­che Krite­rium stellt ein Merk­mal in der Defi­ni­tion des explo­si­ons­fä­hi­gen Gemi­sches dar, nämlich der Luft­an­teil als typi­sche Kompo­nente einer explo­si­ons­fä­hi­gen Atmo­sphäre. Nur, wenn die Gefahr­stoffe eine „explo­si­ons­fä­hige Atmo­sphäre“ verur­sa­chen können, gilt die DIN EN 60079–14 (VDE 0165–1). Bestimmte Arten von Anla­gen mit Explo­si­ons­ri­si­ken unter­lie­gen einer behörd­li­chen Melde- oder Erlaub­nis­pflicht. Den Ausschlag geben aller­dings nicht die elek­tri­schen Einrich­tun­gen, sondern die tech­no­lo­gi­schen Risi­ken.
2.4 Verant­wort­lich­keit für die Beur­tei­lung
Aber muss sich denn ein Fach­mann des Baune­ben­ge­wer­bes über­haupt damit ausein­an­der setzen? Ja und nein. Welcher EMR‑, IT- oder Klima-Fachmann würde von sich behaup­ten, das kapri­ziöse Gefahr­stoff­recht zu durch­schauen. Trotz­dem muss sich eine Fach­kraft soweit darin zurecht finden, dass sich aufklärt, welche Fach­nor­men jeweils zutref­fen. Sie muss sich aber nicht damit ausken­nen, wie und nach welchen TRBS, TRGS oder TRBS/TRGS man einen Bereich, in dem explo­si­ons­fä­hige Stoffe auftre­ten, zu klas­si­fi­zie­ren hat. Dazu sagt die GefStoffV
  • in § 6 – Infor­ma­ti­ons­er­mitt­lung und Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung: (9) Die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung darf nur von fach­kun­di­gen Perso­nen durch­ge­führt werden. Verfügt der Arbeit­ge­ber nicht selbst über die entspre­chen­den Kennt­nisse, so hat er sich fach­kun­dig bera­ten zu lassen. Fach­kun­dig können insbe­son­dere die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und … sein.
  • in § 7 – Grund­pflich­ten: (1) Der Arbeit­ge­ber darf eine Tätig­keit mit Gefahr­stof­fen erst aufneh­men lassen, nach­dem eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach § 6 durch­ge­führt und die erfor­der­li­chen Schutz­maß­nah­men nach Abschnitt 4 ergrif­fen worden sind.
  • in § 12 – Tätig­kei­ten mit explo­si­ons­ge­fähr­li­chen Stof­fen und orga­ni­schen Peroxi­den: Bei Tätig­kei­ten mit explo­si­ons­ge­fähr­li­chen Stof­fen und orga­ni­schen Peroxi­den hat der Arbeit­ge­ber auf der Grund­lage der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach § 6 zum Schutz der Beschäf­tig­ten, ande­rer Perso­nen und von Sach­gü­tern zusätz­lich beson­dere Maßnahme zu ergrei­fen, insbe­son­dere verfah­rens­tech­ni­sche, orga­ni­sa­to­ri­sche und bauli­che Schutz­maß­nah­men, einschließ­lich einzu­hal­ten­der Abstände. Die Vorschrif­ten des Spreng­stoff­ge­set­zes und der darauf gestütz­ten Rechts­vor­schrif­ten blei­ben unbe­rührt.
Glei­cher­ma­ßen verpflich­ten § 5 des Arbeits­schutz­ge­set­zes (ArbSchG) sowie § 3 und § 6 der Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung (Betr­SichV) [11] den Arbeit­ge­ber bzw. Unter­neh­mer, Explo­si­ons­ri­si­ken zu beur­tei­len und zu doku­men­tie­ren.
Wo aber – wie bei dieser Anfrage – weder eine aussa­ge­kräf­tige Auftrags­do­ku­men­ta­tion exis­tiert noch ein betrieb­lich verant­wort­li­cher Unter­neh­mer, hilft das nicht weiter. Dann kommt ein Fach­pla­ner nicht umhin, sich selbst zu verge­wis­sern, nach welchen Normen er sich maßgeb­lich zu rich­ten hat. Hilfe geben bei Explo­siv­stof­fen die Beispiel­samm­lung im Anhang C der VDE V 0166, bei explo­si­ons­fä­hi­ger Atmo­sphäre die TRBS 2152 ff [12] und die BGR 104 [13].
3. Zum Ex-Bereich und ande­ren Schlag­wor­ten
3.1 „Explo­si­ons­ge­fähr­de­ter Bereich“ und recht­li­che Einord­nung
Aus der Betr­SichV geht hervor, welche Gefähr­dungs­lage die Bezeich­nung „explo­si­ons­ge­fähr­de­ter Bereich“ recht­lich umschließt. Tab. 1 macht deut­lich, in welchen Bedeu­tun­gen ein „Ex-Bereich“ in den maßge­ben­den Norma­ti­ven vorkommt. Entge­gen mögli­cher Vermu­tun­gen handelt es sich dabei nicht um einen Ober­be­griff für alle Stel­len, an denen irgend­wel­che Stoffe explo­die­ren könn­ten, beispiels­weise Explo­siv­stoffe. Die Bedin­gun­gen der DIN V VDE V 0166 rich­ten sich an „Berei­che, die durch Stoffe mit explo­si­ven Eigen­schaf­ten gefähr­det sind“. Diese Berei­che sind, wie gesagt, grund­sätz­lich nicht iden­tisch mit den „explo­si­ons­ge­fähr­de­ten Berei­chen“ der Betr­SichV. Nur dafür ist die Kurz­be­zeich­nung „Ex-Bereich“ recht­lich korrekt.
Beide Gefähr­dungs­ar­ten unter­glie­dern sich nach der Inten­si­tät (Tab. 3). Die soge­nann­ten „Zonen“ gelten für jeweils örtlich begrenzte Berei­che, haben jedoch unter­schied­li­che Bedeu­tun­gen, Kurz­zei­chen und Schutz­maß­nah­men. Auch deshalb sollte man spezi­ell beim Thema Explo­siv­stoffe nicht im glei­chen Atem­zug von „Ex-Bereichen“ spre­chen.
3.2 Zusam­men­fas­sende Wort­kür­zel und ihre Folgen
So alltäg­li­che Verkür­zun­gen wie bei der Einheit km/h, leger als „Stun­den­ki­lo­me­ter“ gespro­chen anstatt „Kilo­me­ter je Stunde“, kennt jeder. Sie sind sicher­lich nicht das Problem. Selbst wer nun, diesen Schräg­strich im Auge, ein „Kilo­watt je Stunde“ zur Maßein­heit der Elek­tro­en­er­gie (kWh) erhe­ben wollte, hätte zwar die falschen Schlüsse gezo­gen, aber sonst eben­falls keinen echten Scha­den erlit­ten. Bei ande­ren Sach­ver­hal­ten kann sich das unver­se­hens ändern. Nicht nur im Gefahr­stoff­recht gibt es begriff­li­che Klip­pen, die im Berufs­all­tag zu verkürz­ten unschar­fen Fach­aus­drü­cken verlei­ten. Diese Mehr­deu­tig­keit erschwert die Verstän­di­gung unter Vertrags­part­nern und beein­träch­tigt die Hand­lungs­si­cher­heit. Ein typi­sches Beispiel dafür gibt diese Anfrage zum „Ex-Bereich“.
Nicht viel anders verhält es sich bei vielen einan­der ähnli­chen Fach­be­grif­fen, z.B. dicht/technisch dicht, eigensicher/Eigensicherheit, Tank/Behälter, Ventil/Schieber, Lampe/Leuchte oder Kabel/Leitung. Jeder Fach­kraft einer anla­ge­tech­ni­schen Fach­dis­zi­plin wird dazu noch manches mehr einfal­len. Diese Gruppe von Fach­leu­ten zeich­net sich nicht zuletzt dadurch aus, dass sie ihr eige­nes fach­spe­zi­fi­sches Voka­bu­lar perfekt über­blickt und benutzt.
Einer ande­ren Gruppe, die sich fach­über­grei­fend mit anla­ge­tech­ni­schen Koor­di­nie­rungs­auf­ga­ben befasst, gelingt das viel weni­ger. Dort sammeln sich die zuge­lie­fer­ten Doku­mente zur Abstim­mung. Man konzen­triert sich auf ein Faktum, findet diffe­rente Bezeich­nun­gen, studiert darauf­hin die bran­chen­spe­zi­fi­schen Norma­tive und findet intern unter­schied­li­che Defi­ni­tio­nen. Dem Koor­di­na­tor fällt die uner­sprieß­li­che Aufgabe zu, den ziel­füh­ren­den Fach­aus­druck für dieses Faktum für alle Adres­sa­ten eindeu­tig zu erfas­sen. Gelingt ihm das nicht, so multi­pli­ziert sich der Verdruss. Dank unab­läs­sig anwach­sen­der Gesetzes- und Regel­werke liegt das in der Natur der Sache. Zusätz­li­che multi­pli­zie­rende Effekte entsprin­gen der vertrags­be­ding­ten Kontakt­ar­mut unter den Subun­ter­neh­mern größe­rer anla­ge­tech­ni­scher Planungs­vor­ha­ben.
Nicht immer werden solche Probleme früh genug erkannt, so z.B. beim Erstel­len einer anla­ge­tech­ni­schen Doku­men­ta­tion (Ange­bot, Auftrag, Prüfung) mit Soft­ware­pro­gram­men bzw. aus Text­bau­stei­nen, mit Form­blät­tern oder als Sammel­mappe, oder wenn zeit­kri­tisch zwischen­durch nach­ge­fragt werden muss. Mehr­deu­tig formu­lierte Fragen kann man nicht eindeu­tig beant­wor­ten.
In Zeiten, wo Vieles auf Zuruf und neben­ein­an­der abläuft anstatt nach­ein­an­der und abge­stimmt, gerät auch zeit­weise manches in Verges­sen­heit. Da lohnt es, öfter darüber nach­zu­den­ken, ob und weshalb man irgendwo noch nach­ha­ken muss. Wer es versäumt sich auf den Umgang mit solchen Situa­tio­nen einzu­stel­len und davon über­rascht wird, verschenkt mögli­cher­weise neben einer ziel­ge­rech­ten Lösung auch den rechts­si­che­ren Nach­weis sach­ge­rech­ten Handelns.
Teil 2 folgt in Ausgabe 6/2012.
Lite­ra­tur
  • 1. DIN V VDE V 0166:2010–04 Errich­ten elek­tri­scher Anla­gen in Berei­chen, die durch Stoffe mit explo­si­ven Eigen­schaf­ten gefähr­det sind.
  • 2. DIN EN 60079–14 (VDE 0165–1): 2009-05 Explo­si­ons­fä­hige Atmo­sphäre – Teil 14: Projek­tie­rung, Auswahl undEr­rich­tung elek­tri­scher Anla­gen
  • 3. Maske, D.: Elek­tri­sche Anla­gen in Ex-Bereichen. de (2011) H. 19, S. 34–36
  • 4. DIN EN 1127–1:2011 Explo­si­ons­fä­hige Atmo­sphä­ren – Explo­si­ons­schutz – Teil 1: Grund­la­gen und Metho­dik
  • 5. DIN VDE 105–7:2011–10 Betrieb von elek­tri­schen Anla­gen – Zusatz­fest­le­gun­gen für Berei­che, die durch Stoffe mitex­plo­si­ven Eigen­schaf­ten gefähr­det sind
  • 6. BGV B5:2001–04 Explo­siv­stoffe –Allge­meine Vorschrift
  • 7. Arbeits­schutz­ge­setz vom 7. August 1996 (BGBl. I S. 1246), zuletzt geän­dert durch Arti­kel 15 Absatz 89 des Geset­zes vom5. Februar 2009 (BGBl. I S. 160)
  • 8. Gefahr­stoff­ver­ord­nung (GefStoffV) vom 26. Novem­ber 2010 (BGBl. I S. 1643, 1644) einschließ­lich EG-Verordnung 1272/2008 über die Einstu­fung, Kenn­zeich­nung und Verpa­ckung von Stof­fen und Gemi­schen (CLP-Verordnung, 1355 Seiten und 7 Anhänge)
  • 9. Gesetz über explo­si­ons­ge­fähr­li­che Stoffe (Spreng­stoff­ge­setz – SprengG) vom 17. April 1986 (BGBl. I S. 577), zuletzt geän­dert durch Arti­kel 1 des Geset­zes vom 23. Juni 1998 (BGBl. I S.1530)
  • 10. http://www.gefaehrdungsbeurteilung.de/de/gefaehrdungsfaktoren/brand_und_explosion/explosivstoffe
  • 11. Betriebssicherheitsverordnung(BetrSichV) vom 27.09.2002 – Verord­nung über Sicher­heit und Gesund­heits­schutz bei der Bereit­stel­lung von Arbeits­mit­teln und deren Benut­zung bei derAr­beit, über Sicher­heit beim Betrieb über­wa­chungs­be­dürf­ti­ger Anla­gen und über die Orga­ni­sa­tion des betrieb­li­chen Arbeits­schut­zes – BGBl. I S. 3777, zuletzt geän­dert durch Art. 5 des Geset­zes über die Neuord­nung des Geräte- undPro­dukt­si­cher­heits­rechts vom 08.11.2011, BGBl. I S. 2178
  • 12. TRBS 2152/TRGS 720 ff Gefähr­li­che­ex­plo­si­ons­fä­hige Atmo­sphäre …
  • 13. BGR 104 Explosionsschutz-Regeln(EX-RL), Stand 2011-02
Autor
Dipl. Ing. Johan­nes Pester
Mark­klee­berg
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