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Vergleichende Betrachtung der Messstrategien zur Ermittlung der inhalativen Exposition im Arbeitsschutz

TRGS 402 und DIN EN 689
Vergleichende Betrachtung der Messstrategien zur Ermittlung der inhalativen Exposition im Arbeitsschutz

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Jan Meier

Der Umgang mit Gefahrstof­fen ist für viele Arbeit­nehmer Bestandteil ihrer täglichen Arbeit und die möglichen Gefährdun­gen sind je nach Auf­nah­mep­fad vielfältig. Zum Schutz der Arbeit­nehmer vor der Gefährdung durch chemis­che Arbeitsstoffe bei der Arbeit hat der Rat der Europäis­chen Union die Richtlin­ie 98/24/EG (Gefahrstof­frichtlin­ie) erlassen. Diese wurde in Deutsch­land durch die Gefahrstof­fverord­nung umge­set­zt. Danach sind die inhala­tiv­en, der­malen und physikalisch-chemis­chen Gefährdun­gen durch Gefahrstoffe im Rah­men ein­er Gefährdungs­beurteilung durch den Arbeit­ge­ber zu beurteilen. Der Arbeit­ge­ber hat dabei die Ein­hal­tung von Arbeit­splatz­gren­zw­erten sicherzustellen. So kann die Konzen­tra­tion eines gefährlichen Stoffes in der Luft am Arbeit­splatz gemessen und mit Gren­zw­erten oder anderen Beurteilungs­maßstäben ver­glichen wer­den. Das Ziel von Arbeit­splatzmes­sun­gen ist die quan­ti­ta­tive Ermit­tlung der Expo­si­tion der Beschäftigten. Die Ergeb­nisse von Arbeit­splatzmes­sun­gen müssen die Expo­si­tion während ein­er Schicht zutr­e­f­fend und repräsen­ta­tiv beschreiben und zwar als Schicht­mit­tel­w­erte (Messergeb­nis) sowie als Kurzzeitwerte. Wer Arbeit­splatzmes­sun­gen nach Gef­Stof­fV durch­führt, sollte diese nach der Messstrate­gie der Tech­nis­chen Regel für Gefahrstoffe 402 (TRGS 402) „Ermit­teln und Beurteilen der Gefährdun­gen bei Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen: Inhala­tive Expo­si­tion“ pla­nen und durch­führen. Auch die Norm DIN EN 689 „Anleitung zur Ermit­tlung der inhala­tiv­en Expo­si­tion gegenüber chemis­chen Stof­fen zum Ver­gle­ich mit Gren­zw­erten und Messstrate­gie“ beschreibt eine solche.
Ziel der Mas­ter The­sis ist eine ver­gle­ichende bzw. kri­tis­che Betra­ch­tung bei­der Messstrate­gien mit Blick auf eine ein­heitliche, europäis­che Strategie.
Beim Ver­gle­ich der Messstrate­gien nach der TRGS 402 und der DIN EN 689 ist festzustellen, dass sich die method­is­chen Vorge­hensweisen nur uner­he­blich voneinan­der unter­schei­den. Eine stufen­weise Ermit­tlung gilt als effek­tivste Möglichkeit, wobei erste Abschätzun­gen der Expo­si­tion und Über­sichtsmes­sun­gen dabei helfen kön­nen, den Ermit­tlungsaufwand zu ver­ringern. Die Pla­nung und Durch­führung von kosten­in­ten­siv­en und aufwendi­gen Mes­sun­gen stellt dabei die let­zte Stufe dar. Um hier­bei möglichst repräsen­ta­tive Ergeb­nisse zu erhal­ten, sind genaue Messver­fahren und repräsen­ta­tive Randbe­din­gun­gen auszuwählen.
Beim Ver­gle­ich der nor­ma­tiv­en Regel­w­erke lassen sich fol­gende Ker­naus­sagen festhalten:
  • Die TRGS 402 ist aus der DIN EN 689 ent­standen und nach Gef­Stof­fV in Deutsch­land maßge­blich für die Ermit­tlung und Beurteilung inhala­tiv­er Expo­si­tio­nen bei Tätigkeit­en mit Gefahrstoffen.
  • Die TRGS 402 wurde auf das deutsche Gefahrstof­frecht abges­timmt und hat sich im Gegen­satz zur DIN EN 689 dem heuti­gen Arbeitss­chutzrecht inhaltlich und sprach­lich angepasst.
  • Die TRGS 402 beschreibt die Vorge­hensweise detail­liert­er als die DIN EN 689.
  • Die DIN EN 689 beschreibt hinge­gen im informellen Teil die Bew­er­tungsmeth­o­d­en aus­führlich­er, welche nach TRGS 402 mit­tler­weile nur noch teil­weise Anwen­dung finden.
Die Arbeit­splatzmes­sung ist eine gängige Ermit­tlungsmeth­ode im Arbeitss­chutz. Diesem Konzept ste­hen jedoch Unsicher­heit­en bei der Expo­si­tion­ser­mit­tlung und der Beurteilung gegenüber.
Mit Blick auf eine ein­heitliche, europäis­che Messstrate­gie hat die Lit­er­atur­recherche weit­ere Fra­gen aufge­tan. Betra­chtet man die Aus­sagekraft von Expo­si­tion­s­mes­sun­gen, kann zwar bei pos­i­tivem Befund nicht zwangsläu­fig von ein­er Gren­zw­ertein­hal­tung gesprochen wer­den. Es beste­ht bei Anwen­dung der TRGS 402 jedoch der Ver­mu­tungs­grund­satz, dass die Gef­Stof­fV bei einem pos­i­tiv­en Befund einge­hal­ten wird. Es ist zu klären, ob bere­its bei der Fes­tle­gung der Arbeit­splatz­gren­zw­erte die Unsicher­heit­en der Ermit­tlungs- und Bew­er­tungsmeth­o­d­en berück­sichtigt wur­den und welche Anforderun­gen noch an die Repräsen­ta­tiv­ität von Mes­sun­gen gestellt wer­den müssen. Um zu prüfen, wie andere Län­der dieses Prob­lem hand­haben, wäre ein europäis­ch­er oder inter­na­tionaler Ver­gle­ich der Messstrate­gien und Gren­zw­ertkonzepte erstrebenswert.
Gemäß TRGS 402 und DIN EN 689 kann die Min­dest­probe­nan­zahl zur Ermit­tlung des Schicht­mit­tel­w­ertes je nach Probe­nahmedauer dif­ferieren. Es kann nicht aus­geschlossen wer­den, dass die unter­schiedlichen Probe­nahmedauern nicht auch unter­schiedliche Ergeb­nisse liefern kön­nen. Zudem ist es fraglich, ob der Grundgedanke von genauen Mes­sun­gen der TRGS 402 und der DIN EN 689 für den betrieblichen Arbeitss­chutz wirk­lich zielführend ist. So wäre es möglich, dass viele, gegebe­nen­falls unge­nauere Einzelmes­sun­gen zu ein­er repräsen­ta­tiv­eren Aus­sage bezüglich der inhala­tiv­en Expo­si­tion führen kön­nen. Es darf dabei auch nicht außer Acht gelassen wer­den, dass die gewonnenen Dat­en eventuell auch für andere Fragestel­lun­gen (epi­demi­ol­o­gis­che Unter­suchun­gen, Kollek­tivmes­sun­gen) herange­zo­gen wer­den. Ist eine ein­heitliche Messstrate­gie sin­nvoll oder sind die Messstrate­gien und die Beurteilungsver­fahren auf ver­schiedene Fragestel­lun­gen abzustimmen?
Fach­lich betreut wird die Mas­ter The­sis seit­ens des Fachge­bi­ets Sicher­heit­stech­nik / Arbeitssicher­heit der Ber­gis­chen Uni­ver­sität Wup­per­tal durch Frau Prof. Dr. A. Kahl.
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