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Vertrauen ist gut – Kontrolle ist hilfreich

Die neue DGUV Vorschrift 2 (BGV A2)
Vertrauen ist gut – Kontrolle ist hilfreich

Die DGUV Vorschrift 2: Es wird noch diskutiert, aber sie kommt zum 1.1.2011. Foto: diego cervo – Fotolia.com
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Nach der Fusion von HVBG und BUK zum neuen Spitzen­ver­band DGUV ist und wird sukzes­sive das Vorschriften- und Regel­w­erk der gewerblichen und der öffentlichen Unfal­lver­sicherungsträger zusam­menge­führt. Eine der zen­tralen Vorschriften ist die noch gültige BGV A2, die als „DGUV Vorschrift 2“ ab dem 1.1.2011 u.a. die Ein­satzzeit­en und die notwendi­ge Fachkunde von Sicher­heits­fachkräften und Betrieb­särzten regelt. Doch der Ende August 2009 den UV-Trägern zur Stel­lung­nahme ver­sandte Entwurf hat Nachbesserungs­be­darf (s. auch Sicher­heitsin­ge­nieur 10/09).

schwarz auf weiß Agen­tur für Pub­lic Rela­tions Frau Petra Lasar Im Schmalen Auel 42 D 51503 Rös­rath

Bei kleinen und mit­tel­ständis­chen Unternehmen gibt es bekan­ntlich sehr unter­schiedliche Auf­fas­sun­gen hin­sichtlich der Erbringung von Arbeits- und Gesund­heitss­chutz für ihre Beschäftigten. Viele tendieren heute dazu, weit mehr zu leis­ten als der Geset­zge­ber vorschreibt, weil sie sich den Ben­e­fit betrieblich­er Maß­nah­men zur Gesun­der­hal­tung und Gesund­heits­förderung ihrer Mitar­beit­er zugun­sten ihrer Wet­tbe­werb­s­fähigkeit sich­ern wollen. Das erleben wir bei vie­len unser­er Auf­tragge­ber. Ander­er­seits gibt es immer noch Betriebe, die nicht ein­mal eine Gefährdungs­beurteilung durch­führen. Die neue BGV A2 ist im Ansatz schon deshalb zu begrüßen, weil sie für Unternehmen, die die The­matik bere­its in der Ver­gan­gen­heit sehr ver­ant­wor­tungs­be­wusst gehand­habt haben, qua­si einen Bonus enthält. Denn mit diesem Entwurf der Deutschen Geset­zlichen Unfal­lver­sicherung zu ein­er ein­heitlichen Unfal­lver­hü­tungsvorschrift „Betrieb­särzte und Fachkräfte für Arbeitssicher­heit“ (BGV A2/Anschlussreform), die ein Split­ting in Grund­be­treu­ung und spez­i­fis­chem Bedarf zugrunde legt, wer­den Unternehmen, die schon heute in punk­to Arbeitss­chutz und Arbeitssicher­heit gut aufgestellt sind und ver­ant­wor­tungs­be­wusst mit der Gesund­heit ihrer Mitar­beit­er umge­hen, weniger zusät­zliche Beratungsleis­tung benöti­gen als Unternehmen, bei denen einiges im Argen liegt.
Sank­tio­nen erforder­lich
Ander­sherum plädiere ich dafür, dass diejeni­gen Unternehmen, die ihre Schwach­stellen auch in Zukun­ft nicht beseit­i­gen, sank­tion­iert wer­den. Nur dann kann das Mehr an Frei­heit, das die neue BGV A2 bei der Aus­gestal­tung und beim Umfang der Mitar­beit­er­be­treu­ung durch Betrieb­särzte und Sicher­heits­fachkräfte ein­räumt, funk­tion­ieren. Das Sys­tem, das auf mehr unternehmerische Eigen­ver­ant­wor­tung set­zt, braucht eine funk­tion­ierende Kon­trol­linstanz, die dafür sorgt, dass die Bedarf­ser­mit­tlung nach ein­heitlichen Stan­dards erfol­gt und auch die Män­gelbe­sei­t­i­gung entsprechend nachge­hal­ten wird. Daran man­gelt es allerd­ings heute sehr oft.
Vor dem Hin­ter­grund ein­er dynamis­chen Arbeitswelt mit ihren diver­si­fizierten Her­aus­forderun­gen an die Qual­i­fika­tion, die Leben­sar­beit­szeit und die Flex­i­bil­ität von Beschäftigten sind andere betriebliche Konzepte zur Gesun­der­hal­tung und Gesund­heits­förderung gefragt als noch vor weni­gen Jahren. Die Schw­er­punk­te haben sich ver­schoben und sind zudem betrieb­sspez­i­fisch vari­abel. Die Erbringer von Dien­stleis­tun­gen in diesem Seg­ment wer­den nun gefordert, bei der betrieb­sspez­i­fis­chen Beratung genauestens zu analysieren, welch­er Bedarf in welchen Tätigkeits­feldern tat­säch­lich vorhan­den ist. Erst daraus lassen sich zielo­ri­en­tierte Maß­nah­men ableit­en, gestal­ten und umset­zen. Es geht also dem­nächst darum, hand­feste Inhalte an den Anfang zu stellen statt fest­gelegte Zeit­en mit Leis­tun­gen zu füllen. Das wird natür­lich auch Ein­fluss auf die Preis­gestal­tung im Markt haben, denn für den Unternehmer ist dieses Ver­fahren im Gegen­satz zu bezahlten Zeit­ein­sätzen trans­par­ent. Er weiß, welche konkrete Leis­tung er für sein Geld bekommt und erwarten kann. Das wird auch neue Maßstäbe an die Qual­i­fika­tion, die Vorge­hensweise und das Selb­stver­ständ­nis sowie das Erfahrungspoten­zial und die Tools der Leis­tungser­bringer set­zen.
Ein­satzzeit­en in der Kri­tik
Fest­gelegte Zeit­en wird es nur noch für die Grund­be­treu­ung geben, die 70 Prozent der heuti­gen Ein­satzzeit, mit Erweiterung um einen branchen­spez­i­fis­chen Zusatz, umfasst. Kri­tisch sehe ich in diesem Zusam­men­hang die soge­nan­nte Schutzk­lausel, näm­lich die Fes­tle­gung von Min­destzeit­en für Fachkräfte für Arbeitssicher­heit und Arbeitsmedi­zin­er in Höhe von jew­eils 20 Prozent. Das halte ich für zu niedrig. Real­ität­snäher und mark­t­gerechter wären 40 Prozent. Schließlich haben wir die tech­nis­che Sicher­heit heute ganz gut im Griff, während es in anderen Bere­ichen, die eher die Arbeitsmedi­zin betr­e­f­fen, zunehmenden Bedarf gibt. Würde auf die Arbeitsmedi­zin ein Grund­be­treu­ungs-Min­destanteil von nur 20 Prozent ent­fall­en, bestünde die Gefahr, dass Unternehmen, die eher nach­läs­sig mit der The­matik umge­hen, vor allem kostengün­stigere Sitec-Leis­tun­gen einkaufen. Andere Prob­lemkreise, die sich seit Jahren ver­schär­fen – wie beispiel­sweise psy­cho­me­n­tale Belas­tun­gen oder alters­be­d­ingte Erkrankun­gen – kön­nten dann schnell zu kurz kom­men. Die Fes­tle­gung der Min­destanteile sollte auf jeden Fall regelmäßig über­prüft anstatt dauer­haft fest­geschrieben wer­den. Schließlich wer­den sich auch zukün­ftig die Anforderun­gen in der Grund­be­treu­ung im steten Wan­del unser­er Arbeitswelt ändern.
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