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Vision Zero – keiner kommt um, alle kommen an

Schutz des menschlichen Lebens an erster Stelle
Vision Zero – keiner kommt um, alle kommen an

Der Schutz und die Unversehrtheit des men­schlichen Lebens ste­ht heute wie vor 40 Jahren im Vorder­grund der Verkehrssicher­heit­sar­beit des Deutschen Verkehrssicher­heit­srates (DVR). Bei der Ansprache der Verkehrsteil­nehmer stellt der DVR nach wie vor den Part­ner­schafts­gedanken und die Stärkung der Eigen­ver­ant­wor­tung in den Mittelpunkt.

Deutsch­er Verkehrssicher­heit­srat e.V. (DVR) Her­rn Sven Rademach­er Beuel­er Bahn­hof­s­platz 16 53225 Bonn DGUV Her­rn Dr. Wal­ter Eichen­dorf Alte Heer­straße 111 53757 Sankt Augustin

Seit Okto­ber 2007 legt der DVR sein­er Verkehrssicher­heit­sar­beit die Sicher­heit­sphiloso­phie Vision Zero zugrunde. Der Denkansatz von Vision Zero ist eben­so in anderen Lebens­bere­ichen, zum Beispiel im Arbeitss­chutz, ver­ankert. Dort hat die Deutsche Geset­zliche Unfal­lver­sicherung (DGUV) die Vision Zero über einen Beschluss ihrer Mit­gliederver­samm­lung eben­falls zur Leitlin­ie erwählt. Da die Umset­zung der Vision Zero im betrieblichen Arbeitss­chutz anders erfol­gen muss als im Straßen­verkehr, wird hier nur die Verkehrssicher­heit betrachtet.
Strate­gie
Die Vision Zero soll nun­mehr in konkrete Verkehrssicher­heit­spoli­tik umge­set­zt wer­den. Kern der Philoso­phie ist ein sicheres Verkehrssys­tem und die Ein­sicht, dass der Men­sch als Teil dieses Sys­tems nicht fehler­frei agiert. Ziel von Vision Zero ist es, die Mobil­ität lebenswert zu sich­ern und unfall­frei zu gestal­ten und dadurch das Sicher­heits­bedürf­nis der Men­schen zu befriedi­gen. Bei Zielkon­flik­ten gibt Vision Zero die Rich­tung klar vor: Im Zweifel für die Verkehrssicher­heit. Dabei ist Vision Zero qual­i­ta­tiv ori­en­tiert. Das erfordert visionäres Denken und nicht Herum­dok­tern an Kleinigkeit­en. Es wird immer Bagatel­lun­fälle mit Blech­schä­den geben, die aber nie­man­den spür­bar ver­let­zen – das ist schon Vision Zero. Der Weg dor­thin ist lang, aber es lohnt sich, ihn kon­se­quent zu verfolgen.
Vision Zero als poli­tis­ches Programm
Vision Zero als poli­tis­ches Pro­gramm set­zt Pri­or­itäten: Der Schutz des men­schlichen Lebens muss bei der Abwä­gung von unter­schiedlichen Werten oder Zie­len an erster Stelle ste­hen! Bei der Gestal­tung unser­er Mobil­ität und unseres Verkehrssys­tems muss diese Tat­sache immer mit beachtet wer­den, damit Fehler keine fatal­en Fol­gen haben.
Kün­ftig wird es darum gehen, noch stärk­er auf Maß­nah­men zu set­zen, die gezielt auf die Bren­npunk­te im Verkehrs­geschehen aus­gerichtet sind. Diese Maß­nah­men sind häu­fig kom­plex und bedeuten eine ver­stärk­te Ver­ant­wor­tungsüber­nahme der­er, die für die Aus­gestal­tung des Sys­tems Straßen­verkehr zuständig sind. Dazu gehören Auto­mo­bil­her­steller, Trans­portun­ternehmen, Poli­tik und Behörden.
Mit der Vision Zero-Strate­gie ver­fol­gt der DVR das Ziel, Abhil­fe­maß­nah­men für die häu­fig­sten Unfal­lur­sachen zu erar­beit­en. In der Arbeit des DVR und sein­er Mit­glieder ist Vision Zero bere­its fest ver­ankert: Das gilt zum Beispiel für den Bere­ich der elek­tro­n­is­chen Fahreras­sis­ten­zsys­teme, für die Sicher­heit­sau­dits beim Bau „fehlerverzei­hen­der“ Straßen, die wichtige Arbeit der Unfal­lkom­mis­sio­nen in den Kom­munen oder für die nach wie vor hohen Stan­dards unseres Rettungswesens.
Der einzelne Verkehrsteil­nehmer ist dabei nicht aus der Ver­ant­wor­tung ent­lassen. Jed­er Einzelne muss sich bewusst sein über die Risiken, die er durch sein Han­deln für sich und andere erzeugt. Es ist erforder­lich, die öffentliche Mei­n­ung noch inten­siv­er zu bee­in­flussen. Die Gesellschaft muss sich das Ziel set­zen, Verkehrsopfer nicht hinzunehmen.
Erfol­gre­iche Verkehrssicherheitsarbeit
Die bish­erige Verkehrssicher­heit­sar­beit in Deutsch­land hat in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten große Fortschritte gemacht und beachtliche Erfolge errun­gen. Hat­ten wir 1970 mit 21.300 Getöteten im Straßen­verkehr einen trau­ri­gen Höhep­unkt erre­icht, lag diese Zahl 2008 bei 4.477 und das bei einem Fahrzeugbe­stand, der sich im Ver­gle­ich zu den 1970er Jahren nahezu ver­dreifacht hat.
Den­noch: Täglich kom­men zwölf Men­schen auf unseren Straßen ums Leben, mehr als 1.000 wer­den ver­let­zt. Diese Zahlen sind nach wie vor inakzept­abel. Das gilt beson­ders für die so genan­nten Schw­er­stver­let­zten, die nach einem Verkehrsun­fall den Rest ihres Lebens im Roll­stuhl oder mit Prothe­sen zurechtkom­men müssen. Die Zahl von rund 30.000 Betrof­fe­nen ist lei­der seit zehn Jahren kon­stant. Hier gibt es noch viel zu tun.
Neben den vie­len tragis­chen Einzelschick­salen für die Opfer und deren Ange­hörige sind auch die volk­swirtschaftlichen Kosten, die durch Verkehrsun­fälle entste­hen, nicht von der Hand zu weisen. Sie liegen jährlich bei rund 30 Mil­liar­den Euro.
Aus­ge­hend von Vision Zero nehmen wir die Her­aus­forderung an, auf der Basis der bish­eri­gen Arbeit in den Bere­ichen Tech­nik, Straße und Men­sch die Zahl der Verkehrsopfer weit­er senken zu wollen.
Präven­tion in den Betrieben
In diesem Zusam­men­hang spielt die Präven­tion­sar­beit in den Betrieben eine sehr wichtige Rolle. Die klas­sis­chen drei Säulen der Präven­tion, also der Arbeits‑, Gesund­heits- und Umweltschutz haben generell einen hohen Stel­len­wert in den Betrieben. Hierzu gehört natür­lich auch die Verkehrssicher­heit­sar­beit und in diesem Zusam­men­hang die Wege­un­fälle und Dienst­wege­un­fälle. Zugegeben­er­maßen ein schwieriges Präven­tions­feld, aber ger­ade deshalb wichtig. Ein Blick auf die Zahlen belegt das: Etwa 16 Prozent aller Unfälle sind Wege­un­fälle (ein­schließlich der Dienst­wege­un­fälle). Die Fol­gekosten liegen dage­gen bei fast 25 Prozent der gesamten Entschädi­gungskosten. In der Regel han­delt es sich also um schwere Unfälle. Das macht sehr deut­lich, dass Präven­tion ein fort­dauern­der Prozess ist, der ständig prax­is­nah begleit­et wer­den muss.
Arbeit­ge­ber haben vielfältige Möglichkeit­en, Ein­fluss auf das Verkehrsver­hal­ten ihrer Beschäftigten zu nehmen. An erster Stelle ste­ht die Vor­bild­funk­tion: Den Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­ern ver­mit­teln, dass sie sich selb­st verkehrssich­er und ver­ant­wor­tungs­be­wusst verhalten.
Dazu gehört, dass Verkehrssicher­heit über­haupt the­ma­tisiert wird. Das kön­nen Arbeit­ge­ber über ver­schiedene Kanäle trans­portieren. Sei es in regelmäßi­gen Mitar­beit­erge­sprächen, sei es über das Ange­bot von Fahrsicher­heit­strain­ings und entsprechen­den Sem­i­naren. Der DVR bietet auch in der betrieblichen Verkehrssicher­heit­sar­beit Train­ings und Pro­gramme an, die indi­vidu­ell auf die spez­i­fis­chen betrieblichen Gegeben­heit­en und Anforderun­gen abges­timmt wer­den kön­nen. Häu­fig wer­den diese Maß­nah­men auch vom zuständi­gen Unfal­lver­sicherungsträger gefördert.
Beispiel GTI
Ein konkretes Beispiel ist das Pro­jekt „GTI: Neue Wege der Verkehrssicher­heit“ für Auszu­bildende. Auszu­bildende gehören in der Regel zur beson­ders gefährde­ten Gruppe der jun­gen Fahrer (18 bis ein­schließlich 24 Jahre) und sind über­pro­por­tion­al an Verkehrsun­fällen beteiligt. Gemein­sam mit der Hüt­ten- und Walzw­erk-BG und ThyssenK­rupp-Steel hat der DVR neue Wege beschrit­ten. Die Auszu­bilden­den wer­den dabei während ihrer gesamten Lehrzeit mit dem The­ma Verkehrssicher­heit kon­fron­tiert. GTI ste­ht für Gesund­heits­förderung, Team­bil­dung und Iden­titätsstärkung. Im Pro­gramm wer­den Sem­i­nare und Train­ings mit com­put­er­basiertem Ler­nen und Pro­jek­tar­beit kom­biniert. Der The­men­bere­ich „Mobil­ität und Verkehrssicher­heit“ wird somit zu einem kon­stan­ten Inhalt der Ausbildung.
Vision Zero als nationale Leitlinie
Ich bin sich­er, dass wir in den kom­menden Jahren im Sinne der Vision Zero große Fortschritte machen wer­den. Dafür ist natür­lich auch poli­tis­che Unter­stützung notwendig. Der DVR arbeit­et hier­für eng mit der Poli­tik im Bund und in den Län­dern zusammen.
Aber auch von der Wirtschaft wün­schen wir uns weit­ere Impulse. Wir haben viel Unter­stützung rund um die Pro­jek­te zur Infor­ma­tion über Fahreras­sis­ten­zsys­teme, Reifen­sicher­heit oder das The­ma Licht und Sicht.
Uns ist auch bewusst, dass in Zeit­en der Wirtschaft­skrise eine finanzielle Unter­stützung erschw­ert ist. Den­noch möchte ich auch an dieser Stelle appel­lieren: Von ein­er wirkungsvollen Verkehrssicher­heit­sar­beit prof­i­tieren alle – die Wirtschaft an vorder­ster Front.
Bei aller Arbeit, die noch vor uns liegt, bin ich sich­er: Vision Zero wird kün­ftig eine all­ge­mein bekan­nte und anerkan­nte nationale Leitlin­ie der Verkehrspoli­tik in Deutsch­land sein.
Dr. Wal­ter Eichendorf
Präsi­dent des Deutschen Verkehrssicher­heit­srates (DVR)
Stv. Haupt­geschäfts­führer der DGUV
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