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Vorschrift trifft Praxis – eine Momentaufnahme aus den Betrieben

Umfrage zur Umset­zung der DGUV Vorschrift 2

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Mit Inkraft­tre­ten der DGUV Vorschrift 2 am 1. Januar 2011 stand die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit vor der Aufgabe, ihre Tätig­keit an neue Anfor­de­run­gen anzu­pas­sen. Der betriebs­spe­zi­fi­sche Bedarf sollte in den Vorder­grund rücken. Mehr Bera­tungs­leis­tung und Abstim­mung waren gefragt. Aufga­ben­fel­der und Betreu­ungs­um­fänge muss­ten neu ermit­telt werden. Was hat sich seit­her in den Betrie­ben getan? Welche Erfah­run­gen haben die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit gemacht? Der Verband deut­scher Sicher­heits­in­ge­nieure (VDSI) hat im Herbst 2011 eine reprä­sen­ta­tive Mitglie­der­be­fra­gung durchgeführt.1 Die Auswer­tung liefert eine erste Moment­auf­nahme aus der Praxis.

Die Ergeb­nisse zeigen deut­lich: Die DGUV Vorschrift 2 hat Einzug in die Praxis gehal­ten. Rund 80 Prozent aller Befrag­ten geben an, dass in den von ihnen betreu­ten Betrie­ben die Umstel­lung ange­lau­fen ist – oftmals (63,4%) unter Feder­füh­rung der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit selbst. Knapp drei Vier­tel von ihnen haben sich mit dem Betriebs­arzt an einen Tisch gesetzt und einen gemein­sa­men Vorschlag für den Arbeit­ge­ber erar­bei­tet. Die über­wie­gende Mehr­heit (85%) bewer­tet das Ergeb­nis mit „gut“ bis „zufrie­den­stel­lend“.
Die Hälfte aller Befrag­ten führt die sicher­heits­tech­ni­sche Betreu­ung bereits teil­weise oder ganz nach DGUV Vorschrift 2 durch. Bei über drei Vier­tel sind die Aufga­ben der Grund­be­treu­ung klar umris­sen, mit Einsatz­zei­ten verse­hen und gegen­über den Tätig­kei­ten des Betriebs­arz­tes abge­grenzt. Bei etwa zwei Drit­tel trifft dies auch schon für die betriebs­spe­zi­fi­sche Betreu­ung zu.
Neujus­tie­rung der Gesamt­ein­satz­zei­ten
Für die bedarfs­ori­en­tierte Betreu­ung der Betriebe muss­ten die Aufga­ben von Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­arzt neu ermit­telt und verteilt werden. Verän­derte Gesamt­ein­satz­zei­ten waren zu erwar­ten. Jeder dritte Befragte verzeich­net nach Umstel­lung auf die neue Vorschrift eine Erhö­hung, jede fünfte eine Redu­zie­rung. Für jede zweite Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit hinge­gen brachte die Umstel­lung keine Verän­de­rung. Auch bei den Betriebs­ärz­ten wurden Verän­de­run­gen beob­ach­tet: Jeder Dritte stellt eine Erhö­hung der Gesamt­ein­satz­zeit fest, jeder Zehnte eine Redu­zie­rung. Zumeist beweg­ten sich die Einsatz­zei­ten für Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­arzt in dieselbe Richtung.2
Betrieb­li­che Akteure im konstruk­ti­ven Gespräch
Die Umset­zung der DGUV Vorschrift 2 setzt das Zusam­men­wir­ken aller betrieb­li­chen Akteure in der Präven­tion voraus. 85 Prozent der befrag­ten Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit haben sich während der Umstel­lung mit dem Arbeit­ge­ber abge­stimmt, drei Vier­tel mit dem Betriebs­arzt. Jeder Zweite stand mit dem Betriebs‐ oder Perso­nal­rat im Gespräch.3 Die über­wie­gende Mehr­heit der Befrag­ten beschreibt die Gesprächs­at­mo­sphäre als konstruk­tiv. Nur fünf bis zehn Prozent berich­ten von schwie­ri­gen Gesprä­chen mit chao­ti­schen, ziel­lo­sen, emotio­na­len oder konflikt­rei­chen Verläu­fen.
Schlüs­sel zur Umset­zung: Infor­ma­tion und Unter­stüt­zung
Infor­ma­tion und Unter­stüt­zung sind ein wich­ti­ger Schlüs­sel für die fach­ge­rechte Umstel­lung der Regel­be­treu­ung. Die Mehr­heit der befrag­ten Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit, darun­ter viele Umset­zer der DGUV Vorschrift 2, verfügt bereits darüber: Über zwei Drit­tel fühlen sich über die neue Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift ausrei­chend infor­miert, insbe­son­dere von den Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gern (57,9%) sowie vom eige­nen Fach­ver­band, dem VDSI (13,6%). Knapp zwei Drit­tel aller Befrag­ten benö­ti­gen keine Hilfe mehr bei der Umset­zung. Jeder Zweite von ihnen erhielt nach eige­nen Anga­ben hilf­rei­che Unter­stüt­zung – in erster Linie von den Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gern (30,7%).
Geteilte Meinung zur neuen Vorschrift
Über den Nutzen der neuen Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift sind die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit geteil­ter Meinung. Jeder dritte Befragte sieht in der neuen Vorschrift eine Stär­kung der betrieb­li­chen Präven­ti­ons­ar­beit, jeder fünfte eine Schwä­chung. Jeder Zweite glaubt nicht an Auswir­kun­gen für den betrieb­li­chen Arbeits‐ und Gesund­heits­schutz. Die Einstel­lung der Befrag­ten ist eng mit ihrem Informations‐ und Unter­stüt­zungs­be­darf sowie mit ihren Umset­zungs­er­fah­run­gen verknüpft: Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit, die sich ausrei­chend infor­miert und unter­stützt fühlen und bereits Erfah­run­gen in der prak­ti­schen Umset­zung haben, äußern sich eher posi­tiv zur DGUV Vorschrift 2.
Jeder Zweite setzt auf Nutzen­ar­gu­mente
Die DGUV Vorschrift 2 ermög­licht der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit, sich stär­ker als zuvor in die Ausrich­tung der betrieb­li­chen Präven­tion einzu­brin­gen und den Arbeit­ge­ber zu Aufga­ben und Umfang der sicher­heits­tech­ni­schen Betreu­ung zu bera­ten. Das setzt voraus, dass sie den Nutzen ihrer Dienst­leis­tung kommu­ni­zie­ren kann. Etwa die Hälfte aller Befrag­ten hat bereits dem Arbeit­ge­ber den Mehr­wert der eige­nen Tätig­keit verdeut­li­chen können. Dazu gehö­ren eher Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit, die sich ausrei­chend infor­miert und unter­stützt fühlen und die DGUV Vorschrift 2 bereits umset­zen.
Weiter­hin Hand­lungs­be­darf
Zwei­fel­los erlau­ben die Befra­gungs­er­geb­nisse eine posi­tive Zwischen­bi­lanz, zeigen aber auch noch eini­gen Hand­lungs­be­darf auf: Zum Erhe­bungs­zeit­punkt befand sich ein Vier­tel aller befrag­ten Fach­kräfte noch in der Umstel­lung, jeder Fünfte hatte die Umstel­lung noch nicht in Angriff genom­men. Rund ein Vier­tel aller Befrag­ten äußert immer noch Informations‐ und Unter­stüt­zungs­be­darf. Hilfe wird zumeist von den Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gern (49,5%) sowie vom eige­nen Fach­ver­band (34%) erwar­tet.
Die neue Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift hat in der Mehr­heit der Betriebe einen Umstel­lungs­pro­zess in Gang gesetzt, der noch nicht abge­schlos­sen ist und weiter­hin beglei­tet werden muss. Die neue Vorschrift kann nur so gut sein wie sie von ihren Anwen­dern verstan­den und akzep­tiert wird. Infor­ma­tion und Unter­stüt­zung sind nach wie vor notwen­dig, damit die DGUV Vorschrift 2 ihren inno­va­ti­ven Ansatz entfal­ten und den betrieb­li­chen Arbeits‐ und Gesund­heits­schutz stär­ken kann. Hier sind Insti­tu­tio­nen und Verbände glei­cher­ma­ßen gefragt, Maßnah­men zu ergrei­fen und anzu­bie­ten. Der VDSI behält die Entwick­lung in den Betrie­ben im Blick und plant für Herbst 2012 eine Wieder­ho­lung der Mitglie­der­be­fra­gung.
  • 1 4783 Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit wurden ange­schrie­ben, 795 nahmen an der anony­men Online­be­fra­gung teil.
  • 2 Die vorlie­gen­den Daten liefern noch keinen Hinweis darauf, wodurch eine Verän­de­rung der Einsatz­zei­ten ausge­löst wird. Dieser Frage muss mit voran­schrei­ten­der Umstel­lung auf die betriebs­spe­zi­fi­sche Betreu­ung nach­ge­gan­gen werden.
  • 3 Hier ist zu berück­sich­ti­gen, dass ein Betriebs‐/Personalrat nicht in allen Betrie­ben etabliert ist.
Autor
Karl­heinz Kalen­berg Verband Deut­scher Sicher­heits­in­ge­nieure (VDSI) Geschäfts­füh­rer E‐Mail: K.Kalenberg@vdsi.de
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