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Warum fällt es den Arbeitsschützern schwer, zu überzeugen?

Arbeitsschutz und Prävention
Warum fällt uns Überzeugungsarbeit so schwer?

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Eine rein logis­che Antwort lässt sich auf die im Titel gestellte Frage selb­st beim besten Willen nicht find­en. In der Poli­tik, das zeigt die Geschichte der Men­schheit, ist es Herrsch­ern immer wieder gelun­gen Men­schen davon zu überzeu­gen, dass die „Feinde“ böse Men­schen sind, die man umbrin­gen müsse. Was dann Men­schen mit zum Teil Vergnü­gen getan haben – mit nor­malem Ver­stand betra­chtet eigentlich unglaublich. Die gesamte Wer­bein­dus­trie ist sehr erfol­gre­ich in der Überzeu­gungsar­beit. Wir, die „Arbeitss­chützer“, wollen keinen Men­schen etwas Bös­es antun. Wir wollen doch eigentlich nur, dass Men­schen gesund bleiben, sich nicht ver­let­zen oder im Extrem­fall sog­ar tödlich verunglück­en. Dass aus­gerech­net wir „Arbeitss­chützer“ mit unser­er gut gemein­ten Botschaft so viele Prob­leme in der Umset­zung haben, ist ganz ein­fach gesagt nicht hinnehmbar.

Dipl.-Ing. Bodo Enzenroß

Abbil­dung 1 zeigt die zwölf Ursachen, die dur­chaus diese „Unlogik“ begrün­den. Die mit blau gekennze­ich­neten Blasen sind jene, die etwas direkt mit Men­schen und ihrer Ein­stel­lung zur Arbeitssicher­heit zu tun haben. Die drei gelb gekennze­ich­net sind die, die sich im betrieblichen Geschehen abspie­len. Die zwei rot gekennze­ich­neten haben etwas mit dem über­greifend­en gesellschaftlichen Leben zu tun.
Die fol­gen­den Aus­führun­gen sind dafür geeignet, den Sicher­heits­fachkräften und Führungskräften im Ver­ständ­nis einiger Ursachen und Hin­ter­gründe bessere Ansatzmöglichkeit­en für die strate­gis­che Umset­zung von Sicher­heit­szie­len zu geben.
Dargestellt wird die Gesamt­prob­lematik an sehr all­ge­meinen Beispie­len. Dabei ste­ht nicht das konkrete Beispiel im Vorder­grund, son­dern die dahin­ter­ste­hende Sys­tem­atik, die auf alle anderen speziellen Sit­u­a­tio­nen über­tra­gen wer­den kann.
Alle zwölf aufge­führten Punk­te sind miteinan­der verzah­nt und lassen sich nicht ganz strikt voneinan­der trennen.
Zu 1. „Die Illu­sion der eige­nen Unverletzbarkeit“
Zunächst ist diese Illu­sion etwas sehr Pos­i­tives. Wären wir nicht davon geprägt, so würde unser gesamtes Leben von Angstzustän­den begleit­et sein. Diese Angst würde begin­nen beim Auf­ste­hen und würde beim Schlafen gehen enden, denn die meis­ten Men­schen ster­ben bekan­nter­maßen im Bett.
Der Nachteil beste­ht nur darin, dass uns in der Überzeu­gungsar­beit zum sicher­heits- und gesund­heits­gerecht­en Ver­hal­ten genau diese Illu­sion die Schwierigkeit bere­it­et: „Mir passiert das nicht – nur immer die anderen sind davon betrof­fen.“ Ein Ausspruch, den wohl jed­er zur Genüge kennt.
Beson­ders hart­näck­ig ist diese Illu­sion dann, wenn wir mit neg­a­tivem Ver­hal­ten pos­i­tive Erfahrun­gen machen (z.B. arbeit­en ohne Helm). Je häu­figer sich dieses Geschehen wieder­holt, desto schlim­mer wird es, jeman­den vom Gegen­teil zu überzeugen.
Zu 2. „Die Illu­sion der eige­nen Unfehlbarkeit“
Auch diese Illu­sion ist zunächst etwas sehr pos­i­tives. Wür­den wir per­ma­nent an all unseren Hand­lun­gen und Tätigkeit­en Zweifel haben, so würde uns das ganz sich­er nicht glück­lich stim­men. Wären unsere Tätigkeit­en (z.B. die Arbeit auf ein­er Leit­er) mit der per­ma­nen­ten Angst vor dem Unfall ver­bun­den, so wäre das an sich schon ein hohes Unfallpotenzial.
Die Kehr­seite der Medaille beste­ht nur darin, dass wir uns mitunter zu wenig Gedanken darüber machen, ob das und wie wir etwas machen auch so richtig ist. Hierzu ein Beispiel: Es gibt wohl kaum einen Mann, der an seinem Fahrstil Zweifel hat. Den­noch gibt es Kraft­fahrer, die per­ma­nent und bewusst­seins­ges­teuert risikofreudi­ge Fahrweisen prak­tizieren (fehlen­der Sicher­heitsab­stand, Geschwindigkeit­süber­schre­itun­gen, bei hohen Geschwindigkeit­en auf der Auto­bahn rechts über­holen…). Ganz typ­isch sowohl für die Illu­sion der eige­nen Unver­let­zbarkeit als auch für die Illu­sion der eige­nen Unfehlbarkeit ist die Tat­sache, dass die meis­ten Men­schen bei Geschwindigkeit­süber­schre­itun­gen nicht vor dem damit ver­bun­de­nen höheren Unfall­risiko Angst haben, son­dern vor dem „Fotografen“.
Zu 11. „Der Unfall ist ein sehr seltenes Ereignis“
Ergänzend zum Unfall kämen noch die arbeits­be­d­ingten Gesund­heits­ge­fahren und Beruf­skrankheit­en hinzu, deren Ver­mei­dung uns in der Überzeu­gungsar­beit noch viel mehr Prob­leme bere­it­et. Die Quit­tung für Fehlver­hal­ten bekom­men wir erst nach Jahren (Lärm, falsches Sitzen, Atemwegserkrankungen).
Der Autor wagt zu behaupten, dass die absolute Masse der Bauar­beit­er sog­ar ein Arbeit­sleben lang den Helm völ­lig umson­st getra­gen hat. Das ist genau eines der Haupt­prob­leme im Ver­ständ­nis und der Akzep­tanz von Regeln und Vorschriften. Es wer­den mit vie­len Sicher­heitsvorschriften die Aus­nahme­si­t­u­a­tio­nen abgedeckt. Näm­lich genau die Sit­u­a­tio­nen, in denen die unglück­lichen Umstände aufeinan­der treffen.
Die Wahrschein­lichkeit im Straßen­verkehr von einem Unfall getrof­fen zu wer­den ist rel­a­tiv ger­ing (alle 300.000 Kilo­me­ter passiert in Deutsch­land im Durch­schnitt ein Verkehrsun­fall). Das erste Prob­lem beste­ht nur darin, dass das ein­ma­lige Ereig­nis unser Leben entschei­dend verän­dern oder sog­ar been­den kann. Das zweite Prob­lem beste­ht darin, dass es eben ein sta­tis­tis­ch­er Wert ist. Es kann einen auch schon nach zehn Kilo­me­tern treffen.
Noch etwas kommt in der Überzeu­gungsar­beit erschw­erend hinzu: Viele Unfälle sind immer einzi­gar­tig und wer­den sich in gle­ich­er Weise nie wiederholen.
Das hängt auch damit zusam­men, dass Unfälle auf die Ver­ket­tung viel­er „unglück­lich­er“ Einzel­ereignisse zurück­zuführen sind. So, wie wir den Brand des Düs­sel­dor­fer Flughafens 1996 mit den fatal­en Fol­gen erlebt haben, wer­den wir es in dieser Form nie wieder erleben und schon gar nicht in Düsseldorf.
Zu 4. „Nicht jedes Fehlver­hal­ten führt zum Unfall“
Mit einem gerin­geren Abstand als drei Sekun­den zum Voraus­fahren­den im Straßen­verkehr zu fahren, ist nicht automa­tisch mit einem Unfall ver­bun­den. Das führt ja bei vie­len zwangsläu­fig zu der Annahme, dass die Regeln falsch sind.
Noch viel prob­lema­tis­ch­er ist das bei der Ver­mei­dung arbeits­be­d­ingter Gesund­heits­ge­fahren und den Beruf­skrankheit­en. Nach der Dis­co kann der Besuch­er sich dur­chaus mit den Fre­un­den ganz nor­mal unterhalten.
Der Gehörver­lust geht nicht mit Schmerzen ein­her. Das ist ein­er­seits ganz gut, erschw­ert uns aber enorm die Überzeu­gungsar­beit. Erst, wenn es einen „erwis­cht“ hat, denken wir anders darüber nach. Insofern sind die „Neg­a­tiver­leb­nisse“ die besten Lehrmeis­ter, die wir aber logis­cher­weise als Arbeitss­chützer nicht mögen.
Um es auf einen Nen­ner zu brin­gen: Wir kön­nen nicht auf dem Dach jeman­den postieren, der immer Steine herunter wirft, um die Bedeu­tung von Schutz- hel­men bewusst zu machen.
Zu 10. „Wir machen mit neg­a­tivem Ver­hal­ten pos­i­tive Erfahrungen“
Es ist dur­chaus schon so, dass wir mit einem gerin­geren Abstand zum Voraus­fahren­den bessere Erfahrun­gen machen, weil die Chance, dass sich dabei ein­er dazwis­chen drän­gelt, geringer wird.
Ohne den „lästi­gen“ Helm, unter dem man schwitzt und der dazu noch Druck­stellen hin­ter­lässt, zu arbeit­en ist zunächst sehr viel angenehmer.
Auf die Idee, dass wir durch den fehlen­den Helm von schw­eren Ver­let­zun­gen sehr viel wahrschein­lich­er getrof­fen wer­den kön­nen, kom­men in dieser Sit­u­a­tion nur wenige Menschen.
Zu 5. „Es gibt genü­gend schlechte Beispiele“
Viele Hand­lun­gen basieren auf Nachah­mung. Davon sind nicht nur Mod­eer­schei­n­un­gen geprägt. Mit diesem Phänomen hat sich ein Psy­chologe namens Alfred Adler inten­siv auseinan­der geset­zt. Selb­st bei Inkauf­nahme ein­er kör­per­lichen Belas­tung führt uns die Grup­pen­dy­namik zu den ver­rück­testen Hand­lun­gen. Es gab zum Beispiel die Mod­eer­schei­n­ung, dass Frauen mit Schuhen gelaufen sind, die ganz hohe Schuh­solen hat­ten. Der Wer­bein­dus­trie ist es gelun­gen, junge Damen davon zu überzeu­gen, dass diese Schuhe ganz toll sind. Sicher­heitss­chuhe hinge­gen sind sehr viel angenehmer und zugle­ich sicher­er. Immer wieder haben Arbeitss­chützer Prob­leme Mitar­beit­er von den Vorteilen der Schutzschuhe zu überzeu­gen. Das ist nicht logisch und nicht hinnehmbar.
Die Haup­tur­sachen liegen eben in der Kom­plex­ität der gesamten zwölf Punkte.
Zu 8. „Sicher­heits­maß­nah­men sind teil­weise unbequem“
Im Som­mer sind San­dalen zweifels­frei beque­mer und angenehmer als S5-Schuhe. Dynamis­ches Sitzen ist zunächst auch anstren­gen­der als so richtiges „rein­lüm­meln“ in den Büros­tuhl. Das trifft bere­its auf ganz viele Arbeitssi­t­u­a­tio­nen zu. Man kön­nte schon sagen, dass es auf ganz viele Sit­u­a­tio­nen zutrifft, bei denen es um den Ein­satz von per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung geht.
Deshalb sind die Anforderun­gen an die Überzeu­gungsar­beit zum sicher­heits­gerecht­en Ver­hal­ten schon mit der Qual­ität der Wer­bein­dus­trie ver­gle­ich­bar. Tat­sache ist aber, dass wir im Arbeitss­chutz in der Überzeu­gungsar­beit meilen­weit von der Wer­bein­dus­trie ent­fer­nt sind.
Zu 3. und 7. „Arbeitssicher­heit kostet zunächst viel Geld/Maßnahmen wirken erst später“
Diese bei­den Punk­te lassen sich nicht voneinan­der tren­nen. Erfol­gre­iche Fir­men zahlen viel Geld für die Pro­duk­twer­bung. Hen­ry Ford sagte ein­mal: „Wer aufhört zu wer­ben, kann aufhören zu pro­duzieren.“ Die Überzeu­gung für das Ver­ständ­nis, dass Pro­duk­twer­bung erforder­lich ist, fällt in aller Regel nicht schw­er. Dass dafür Geld erforder­lich ist, ist jedem Beteiligten völ­lig klar, sog­ar so klar, dass Promi­nente, die als Wer­be­träger einge­bun­den sind, sehr viel Geld kosten: je promi­nen­ter, desto mehr Geld, aber auch desto wirk­samer. Beschei­dene Anfänge sind in den BG-lichen Kam­pag­nen (z.B. Ver­mei­dung von SRS-Unfällen) erkennbar. Aber wie gesagt, diese sind ver­glichen mit der Pro­duk­twer­bung nur bescheiden.
Betriebliche Wer­bekam­pag­nen für die Arbeitssicher­heit sind dem Autor bekan­nt – die aber doch eher darauf aus­gerichtet sind, den Erfolg mit möglichst geringem Aufwand zu erre­ichen. Ver­ständlich ist das zunächst schon aus der unternehme- rischen Sicht. Der Gradmess­er für ein erfol­gre­ich­es Unternehmen ist nun ein­mal die wirtschaftliche Seite. Der Zusam­men­hang zwis­chen wirtschaftlichem Erfolg und der Arbeitssicher­heit ist vie­len Betrieb­sstrate­gen nicht so ganz bewusst. Hier seien einige Punk­te genan­nt, die die gesamte Trag­weite der Auswirkun­gen von Unfällen, Beruf­skrankheit­en und arbeits­be­d­ingten Gesund­heits­ge­fahren nennen:
  • Lohn­fortzahlung
  • Lohnkosten für Ersatzkräfte
  • Beitragsnach­lassver­lust bei der BG/Prämienerhöhung Sachversicherer
  • Ruf­schädi­gung
  • Bei Aus­fall von Experten verzögerte Aufgabenerfüllung
  • Bei der Wiedere­ingliederung Produktivitätsverlust
  • Bear­beitungskosten
  • Mitar­beit­er beschäfti­gen sich mit dem Unfall und nicht mit der Arbeit
  • Stim­mung im Unternehmen bee­in­flusst die Produktivität
Darüber hin­aus gibt es einen direk­ten Zusam­men­hang zwis­chen tech­nol­o­gis­ch­er Diszi­plin und sicher­heits­gerechtem Ver­hal­ten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Mitar­beit­er, die sich sicher­heits­gerecht Ver­hal­ten, auch weniger Auss­chuss produzieren.
Die Abbil­dun­gen 2a und 2b verdeut­lichen diese These und zeigen den Zusam­men­hang zwis­chen Beleuch­tung und dem Unfallgeschehen sowie dem Auss­chuss in der Pro­duk­tion. Faz­it dieser bei­den Stu­di­en ist: Je höher die Beleuch­tungsstärke, umso wohler fühlen sich die Mitar­beit­er (Ver­mei­dung arbeits­be­d­ingter Gesund­heits­ge­fahren) und gle­ichzeit­ig ist das sog­ar mit einem wirtschaftlichen Erfolg ver­bun­den. Die fehlende Erken­nt­nis, dass es einen Zusam­men­hang zwis­chen tech­nol­o­gis­ch­er Diszi­plin und sicher­heits­gerechtem Ver­hal­ten gibt, ist lei­der in der Bauin­dus­trie sehr häu­fig anzutreffen.
Zu 6. „Diejeni­gen, die Überzeu­gungsar­beit leis­ten müssen, sind nicht entsprechend geschult“
Dass Überzeu­gungsar­beit etwas mit Psy­cholo­gie, Päd­a­gogik, Methodik, Rou­tine und Erfahrun­gen zu tun hat, ist sich­er unstrit­tig. Unter­weisun­gen sind ein wichtiges Instru­ment in der Überzeu­gungsar­beit. Wir ver­lan­gen von jed­er Führungskraft (sehr häu­fig ohne jegliche päd­a­gogis­che Aus­bil­dung) sich in einem sehr schwieri­gen päd­a­gogis­chen Feld, wenn nicht sog­ar dem schw­er­sten und kom­pliziertesten päda­go- gis­chen Feld zu betäti­gen. Wir bilden doch nicht umson­st einen Lehrer fünf Jahre mit anschließen­dem Ref­er­en­dari­at aus. Die gesamte Wer­bein­dus­trie hat sehr gut speziell aus­ge­bildete Spezial­is­ten, die gut bezahlt wer­den, aber sehr wirk­sam sind. Der Autor wagt zu behaupten, dass jed­er Bun­des­bürg­er den Slo­gan „Ich bin doch nicht blöd“ zuord­nen kann. Warum ist das so? Ganz ein­fach deshalb, weil wir das nicht nur ein­mal hören, son­dern gut dosiert immer wieder. Weit­er­hin ist der Inhalt so klug aufge­baut, dass ja nur der­jenige dumm ist, der nicht in den Markt geht. Schlau wollen wir alle sein, nur nicht dumm.
Was sagen wir indi­rekt dem Mitar­beit­er im Vor­feld ein­er per­ma­nen­ten Unter­weisung? Na logisch, er ist dumm und er hat alles von der vorheri­gen Unter­weisung vergessen. Damit wird schon im Vor­feld eine psy­chol­o­gis­che Block­ade aufge­baut. Der Autor meint, es wäre sehr viel klüger die per­ma­nente Unter­weisung in die Begrif­flichkeit „Sicher­heits­ber­atung“ umzu­taufen. Fol­gende Vorteile sind damit verbunden:
  • 1. Wir kom­men damit weg von dem schul­meis­ter­lichen „Ich Lehrer, Du dum­mer Schüler“.
  • 2. Wir fordern den Mitar­beit­er auf, sich mit seinen Erfahrun­gen einzubringen.
  • 3. Seine Erfahrun­gen sind mir/uns als Unternehmen sehr wichtig.
  • 4. Eine auf die Ein­beziehung der Mitar­beit­er aus­gerichtete Unter­weisung (Sicher­heits­ber­atung) ist gle­ichzeit­ig Quelle und Bestandteil eines Teils von Gefährdungsbeurteilungen.
  • 5. Der anweisende Charak­ter geht damit keineswegs ver­loren, nur mit dem Unter­schied: Man hat den Weg der Sicher­heit­sar­beit eben gemein­sam erarbeitet.
Zu 9. „Die Medi­en stellen die Arbeitssicher­heit schlecht dar“
Hier seien nur einige Beispiele genan­nt, die diese These bestäti­gen. Über die Gefährlichkeit der elek­tro­mag­netis­chen Felder im Zusam­men­hang mit dem Tele­fonieren, über die brisan­ten Teilchen im Ton­er­staub wurde wochen­lang berichtet und am Ende Angst und Schreck­en ver­bre­it­et. Die von ange­blichen Wis­senschaftlern aufgestell­ten Behaup­tun­gen waren keineswegs gesicherte Erken­nt­nisse. Deshalb sind ja auch am Ende diese Behaup­tun­gen wie eine Seifen­blase zer­platzt. Dahinge­gen wer­den gesicherte wis­senschaftliche Erken­nt­nisse wie beispiel­sweise die Gefährlichkeit von Lärm, die Gefährlichkeit der UV-Strahlung (Solar­ien, Sonne), Gefahren beim Grillen mit Holzkohle (Ben­zo (a) pyrene) nahezu nicht dargestellt und schon gar nicht method­isch wirk­sam aufbereitet.
Ein weit­eres Beispiel: Was bewirken Berichte über Kraft­fahrer mit fast krim­ineller Energie, Ras­er, Drän­gler und so weiter?
  • 1. Es han­delt sich doch um die absoluten Aus­nah­men. Die Mehrheit der Bun­des­bürg­er fährt vernün­ftig, diszi­plin­iert und rück­sichtsvoll, allerd­ings auch mit Reserven.
  • 2. Die Berichter­stat­tung über die Chaoten wird die Reser­ven der Anderen nicht erschließen. Vielmehr wird es zu fol­gen­den Über­legun­gen führen: Wenn alle so fahren und ich nur ein wenig schneller bin, so bin ich immer noch im pos­i­tiv­en Bereich.
  • 3. Es gibt doch genü­gend pos­i­tive, sog­ar sehr pos­i­tive Beispiele, worüber sich auch inter­es­sant bericht­en ließe.
Zu 12. „Sicher­heits­gerecht­es Ver­hal­ten ist teil­weise neg­a­tiv besetzt“
Nicht der­jenige ist ein Held, der defen­siv fährt, son­dern der­jenige, der „zügig“ und „ras­ant“ fährt. Das ist ja schon ein Wider­spruch in sich.
Der­jenige, der im Baustel­len­bere­ich die vorgeschriebene Höch­st­geschwindigkeit nicht über­schre­it­et, gilt als ein Trödler.
Der­jenige, der im Stadtverkehr 48 km/h fährt, gilt als ein Verkehrshin­der­nis. 50 km/h heißt, es ist die Höch­st­geschwindigkeit, die nicht über­schrit­ten wer­den darf. Man muss nicht die Höch­st­geschwindigkeit fahren.
Der­jenige, der auf der Auto­bahn mit 200 km/h angerast kommt, sieht den­jeni­gen, der mit 130 km/h (Richt­geschwindigkeit) einen LKW über­holt, als Verkehrshin­der­nis. Die Richt­geschwindigkeit gilt generell auf bun­des­deutschen Auto­bah­nen. Das wiederum bedeutet: Ich darf nur dann schneller fahren, wenn jegliche Gefahr aus­geschlossen ist und kein anderes Fahrzeug „im Weg“ ist. Bezo­gen auf die geschilderte Sit­u­a­tion bedeutet es, dass der­jenige, der mit 130 km/h fährt, alles richtig macht. Der „Sün­der“ ist der, der mit 200 km/h fährt. Aber auch nicht direkt Beteiligte sehen das oft nicht so.

Fazit

Der Dreh- und Angelpunkt allen Erfolges wird immer sein, wie es uns gelingt, Mitar­beit­er vom Sicher­heits­gerecht­en Ver­hal­ten zu überzeu­gen. Das beschreibt der Autor mit dem Begriff des Sicher­heits­be­wusst­seins. Das hat auch etwas mit einen Erziehung­sprozess zu tun. Wir tun uns etwas schw­er mit den Begrif­f­en „Erziehung“ und „Bewusst­sein“. Das sind zwei Begriffe die seit, Socrates ihren fes­ten Bestand in der gesamten Bil­dungsar­beit haben. Es gibt die „mod­er­nen Spin­ner“, die meinen alles verän­dern zu müssen. Fakt ist, dass die soge­nan­nte alte Päd­a­gogik zum wirtschaftlichen Auf­schwung und Erfolg Deutsch­lands geführt hat.
Der soeben durchge­führte schein­bare „Schlenker“ hat in ein­er Analo­gie seinen Sinn. Die Aus­bil­dung eines Werkzeug­mach­ers kostet zunächst auch sehr viel Geld. Die erfol­gre­iche spätere Arbeit wird sehr maßge­blich dadurch bes­timmt, wie es gelingt, den Werkzeug­mach­er zu einem Qual­itäts­be­wusst­sein zu erziehen. Qual­itäts­be­wusst­sein und Sicher­heits­be­wusst­sein liegen in ihrer Entste­hung und Entwick­lung auf ein­er ver­gle­ich­baren psy­chol­o­gis­chen Ebene. Die Aus­bil­dung ist sehr aufwendig, lang­wierig, nicht sofort wirk­sam und kostet zunächst Geld, ist aber am Ende mit einem großen wirtschaftlichen Erfolg ver­bun­den. Übri­gens ist das Schöne daran, dass der Werkzeug­mach­er sein Qual­itäts­be­wusst­sein nicht am Werk­tor abgibt. Er wird es sog­ar im pri­vat­en Bere­ich mit Leben erfüllen. Das Gle­iche auf dem Gebi­et der Arbeitssicher­heit zur erre­ichen wäre die höch­ste Form der Präven­tion­sar­beit. Ein hohes Sicher­heits­be­wusst­sein, das von ein­er erfol­gre­ichen betrieblichen Arbeit geprägt wurde, wird zwangsläu­fig dazu führen, dass die Mitar­beit­er im pri­vat­en Bere­ich beim Fahrrad­fahren den Schutzhelm ganz frei­willig benutzen.
Autor
Dipl.-Ing. Bodo Enzenroß
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