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Was geht?

Gefahrstoffe in Arbeitsräumen
Was geht?

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Was an Gefahrstof­fen in einem Arbeit­sraum zuläs­sig ist und was nicht, ist eine zwis­chen den in dem Arbeit­sraum arbei­t­en­den Arbeit­nehmern ein­er­seits und inter­nen und exter­nen Überwach­ern ander­er­seits mitunter kon­tro­vers disku­tierte Frage. Es geht darum, zwis­chen Bequem­lichkeit und Sicher­heit einen Kom­pro­miss zu find­en. Die im Jan­u­ar 2013 neu gefasste TRGS 510 enthält dazu geän­derte Vor­gaben, weil die Regelun­gen der Fas­sung Okto­ber 2010 viel zu kom­pliziert und restrik­tiv waren.

Dr. Nor­bert Müller

Zur Erin­nerung: Im Dezem­ber 2010 war die neue Tech­nis­che Regel für Gefahrstoffe „Lagerung von Gefahrstof­fen in orts­be­weglichen Behäl­tern“ (TRGS 510) her­aus­gekom­men. Im März 2013 hat die BAuA die Neu­fas­sung Jan­u­ar 2013 vor Veröf­fentlichung im Gemein­samen Min­is­te­ri­al­blatt online gestellt.1 Für Räume, in denen gear­beit­et wird („Arbeit­sräume“, z.B. Werk­stät­ten, Lab­o­ra­to­rien), gilt das fol­gende dreistu­fige Modell:

Stufe 1: Bereithalten im Arbeitsraum

Gefahrstoffe dür­fen in einem Arbeit­sraum weit­er­hin in der für den Fort­gang der Arbeit erforder­lichen Menge bere­it­ge­hal­ten werden;2 das ist keine Lagerung.

Stufe 2: Lagern im Arbeitsraum ohne besondere Maßnahmen

Alles, was – aus welchen Grün­den auch immer – darüber hin­aus­ge­ht, gilt als gelagert. Gefahrstoffe dür­fen in einem Arbeit­sraum nur gelagert wer­den, wenn die Lagerung mit dem Schutz der Beschäftigten vere­in­bar ist; sie hat in beson­deren Ein­rich­tun­gen (ins­beson­dere Sicher­heits- oder Gefahrstoff­schränke) zu erfol­gen, falls dies gemäß Ergeb­nis der Gefährdungs­beurteilung erforder­lich ist.3 Es han­delt sich in diesem Fall um ein Lagern außer­halb eines Lagers. Die Höch­st­men­gen je Arbeit­sraum („Nutzung­sein­heit“) wur­den mit der Fas­sung Jan­u­ar 2013 der TRGS 510 neu bes­timmt. Im Fol­gen­den eine Auswahl in Arbeit­sräu­men häu­figer vork­om­mender Gefahrstoffe:4
  • Gase in Druck­gas­be­häl­tern mit einem Nen­nvol­u­men bis 2,5 Liter
  • Druck­gas­pack­un­gen (Spraydosen)/ ‑kar­tuschen bis 20 kg netto
  • Hochentzündliche Flüs­sigkeit­en (R12/H224) bis 10 kg netto
  • Leich­t­entzündliche Flüs­sigkeit­en (R11/H225) bis 20 kg netto
  • Entzündliche Flüs­sigkeit­en (R10/H226) bis 100 kg netto
  • Brennbare Flüs­sigkeit­en (Flamm­punkt 60 bis 370°C) bis 1000 kg netto.
Hoch‑, leicht- und entzündliche Flüs­sigkeit­en dür­fen in Arbeit­sräu­men bis zu diesen Men­gen nur gelagert wer­den in zer­brech­lichen Behäl­tern (z.B. aus Glas) bis max. 2,5 l Fas­sungsver­mö­gen je Behälter5
oder nicht zer­brech­lichen Behäl­tern (z.B. aus Met­all oder Kun­st­stoff) bis max­i­mal 10 l Fas­sungsver­mö­gen je Behälter.6 Das bedeutet konkret: Ein 200 Liter-Faß mit zum Beispiel Scheiben­frostschutz (Ethanol, R11/H225) darf nicht ungeschützt in ein­er Werk­statt ste­hen. „Leere“ ungere­inigte Behäl­ter gel­ten wie volle.7
Die Lagerung dieser Flüs­sigkeit­en in Sicher­heitss­chränken wird empfohlen,8 ist aber vom Ergeb­nis der Gefährdungs­beurteilung abhängig.

Stufe 3: Lagern im Arbeitsraum mit besonderen Maßnahmen

Sollen/müssen – aus welchen Grün­den auch immer – Gefahrstoffe in größeren als den in Stufe 2 genan­nten Men­gen in einem Arbeit­sraum gelagert wer­den, ist das zumin­d­est für hoch‑, leicht- und entzünd- liche Flüs­sigkeit­en nur in einem Sicher­heitss­chrank zulässig.9 Mit der Fas­sung Jan­u­ar 2013 der TRGS 510 gilt Folgendes:
  • Gemäß den Vor­läufer­vorschriften zur TRGS 51010 waren Sicher­heitss­chränke nach DIN 12925–1 mit ein­er Feuer­wider­stands­fähigkeit (FWF) von nur 20 Minuten zuläs­sig; diese dür­fen weit­er betrieben wer­den (Bestandsschutz).11
  • Sicher­heitss­chränke mit ein­er FWF von 30 Minuten sind zuläs­sig, wenn
nur ein Schrank pro Nutzung­sein­heit (hier: Arbeit­sraum) aufgestellt ist. Bei mehr als 100 m² Nutzung­sein­heit darf je 100 m² ein Schrank aufgestellt wer­den für die Nutzung­sein­heit (hier: Arbeit­sraum) eine automatische
Brand­meldean­lage und eine anerkan­nte Werk­feuer­wehr mit ein­er max­i­malen Hil­fs­frist von fünf Minuten nach Alarmierung oder Löschan­lage zur Ver­fü­gung steht.12
Ist das nicht der Fall, ist ein Sicher­heitss­chrank mit ein­er FWF von 90 Minuten gemäß DIN EN 14470–1 erforderlich.13 Das bedeutet konkret: Wer zum Beispiel – aus welchen Grün­den auch immer – mehr als 20 kg net­to Scheiben­frostschutzmit­tel (Ethanol, R11/H226) in sein­er Werk­statt auf­be­wahren will, braucht einen Sicher­heitss­chrank mit ein­er FWF von in der Regel 90 Minuten. Eine Begren­zung der Menge nach oben gibt es dann nicht.
Die tech­nis­che Belüf­tung eines Sicher­heitss­chranks ist nur noch für hochentzündliche Flüs­sigkeit­en (R12/H224, z.B. Ben­zin) vorgeschrieben.14 Leich­t­entzündliche (R11/H225) und entzündliche Flüs­sigkeit­en (R10/H226) dür­fen auch in nicht tech­nisch belüfteten Sicher­heitss­chränken gelagert wer­den; die Schränke sind dann aber über einen Poten­zialaus­gle­ich zu erden.15 Die Vor­gaben betr­e­f­fend Ex-Schutz-Zone 2 im Inneren eines nicht tech­nisch belüfteten Sicher­heitss­chranks und in einem bes­timmten Radius und in ein­er bes­timmten Höhe um diesen Schrank sind entfallen.16
Eine Beson­der­heit gibt es bei Gas­flaschen. Hier sind Sicher­heitss­chränke mit ein­er FWF von 30 Minuten gemäß DIN EN 14470–2 vorgeschrieben. Diese müssen gegebe­nen­falls wie fol­gt tech­nisch belüftet sein:
  • sehr giftige/giftige Gase (R23/R26/H330/ H331): 120-fach­er Luftwech­sel je Stunde
  • hochentzündliche (R12/H220) oder brand­fördernde Gase (R8/H270): 10- fach­er Luftwech­sel je Stunde.17

Fazit

Die Auf­be­wahrung von Gefahrstof­fen auch in Arbeit­sräu­men ist eine unver­mei­dliche betriebliche Notwendigkeit. Die Änderun­gen in der TRGS 510 Fas­sung Jan­u­ar 2013 im Ver­gle­ich mit der Fas­sung Okto­ber 2010 stellen auf jeden Fall eine Vere­in­fachung, zum Teil Erle­ichterun­gen, zum Teil Ver­schär­fun­gen dar. Jeden­falls sind sie nicht nur ord­nungswidrigkeit­en- und strafrechtlich, son­dern auch zivil­rechtlich (im Schaden­fall ggf. Leis­tungs­frei­heit des Ver­sicherungs­ge­bers) beachtlich.
  • 1 http://www.baua.de/de/Themen-von-A‑Z/Gefahrstoffe/AGS/Neues-vom-AGS.html.
  • 2 Nr. 4.1 (5) TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013, Nr. 6.2 VdS 2038.
  • 3 Nr. 4.2 (4) Sätze 3 und 4 TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013.
  • 4 Nrn. 4.3.1 (1) Satz 1 Zif­fern 1–4 und 4.2 (9) Satz 2 TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013.
  • 5 Nr. 4.2 (9) Satz 1 Zif­fer 1 TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013, Nr. 4.15.1 Satz 3 TRGS 526/BGI 850–0.
  • 6 Nr. 4.2 (9) Satz 1 Zif­fer 2 TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013, Nr. 4.15.1 Satz 3 TRGS 510/BGI 850–0.
  • 7 Nr. 4.2 (8) Satz 2 TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013.
  • 8 Nr. 4.2 (9) Satz 3 TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013.
  • 9 Nrn. 4.3.1 (2) und 12.1 (3) TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013.
  • 10 zulet­zt TRbF 20 Anhang L.
  • 11 Anlage 3 Nr. 1 (4) Satz 2 TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013.
  • 12 Anlage 3 Nr. 1 (4) Satz 1 TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013.
  • 13 Anlage 3 Nr. 1 (3) TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013.
  • 14 Anlage 3 Nr. 1 (8) TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013.
  • 15 Anlage 3 Nr. 2.2 (3) TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013.
  • 16 Anlage 4 Nr. 2.2.8 b4 BGR 104 muss noch angepasst werden.
  • 17 Nr. 10.3 (3) TRGS 510 i.d.F. Jan­u­ar 2013.
Autor
Dr. Nor­bert Müller
Öffentlich bestell­ter und verei­digter Sachver­ständi­ger für Gefahr- gut­trans­port und –lagerung, Duisburg
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