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Zusammenarbeit von FASI und VEFK

Welche Überlegungen sollte die Fachkraft für Arbeitssicherheit anstellen?
Zusammenarbeit von FASI und VEFK

Foto: Mitya – fotolia.com
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Fachkräfte­man­gel herrscht allen­thal­ben – auch im Arbeitss­chutz. Beispiel­haft hier­für ist die Ver­ant­wortliche Elek­tro­fachkraft (VEFK), denn Elek­trotech­niker wer­den all­ge­mein immer mehr zur Man­gel­ware. Hier kön­nen externe Fachkräfte aushelfen. Nur wer ist dafür geeignet? Und welche Rolle sollte die Fachkraft für Arbeitssicher­heit dabei spie­len?

Zunehmend wird aus der Prax­is die Frage gestellt, ob die Posi­tion der Ver­ant­wortlichen Elek­tro­fachkraft (VEFK) gemäß DIN VDE 01000–10 auch durch externe Fach­leute beset­zt wer­den kann. Dies ist der Tat­sache geschuldet, dass der Fachkräfte­man­gel nicht nur beim Arbeitss­chutz, son­dern auch im Bere­ich der Elek­trotech­nik unbarmherzig zuschlägt. Somit wer­den eigene Mitar­beit­er mit ein­er für eine VEFK aus­re­ichen­den Qual­i­fika­tion weniger. Fakt ist: Gutes Per­son­al wird nicht nur im Arbeitss­chutz immer sel­tener!
Wie geht man also mit diesem Umstand als Beauf­tra­gen­der oder Fachkraft für Arbeitssicher­heit (FASI) um? Kann man den selb­ständi­gen Elek­tromeis­ter, der als Sub­auf­trag­nehmer sehr gute Arbeit macht, hier­mit auch beauf­tra­gen? Prinzip­iell ja! Allerd­ings gilt es hier Regeln zu beacht­en, auf die später noch einge­gan­gen wird.
Doch vor­weg die Gretchen­frage: Wer benötigt über­haupt eine VEFK? Das sind ein­fach gesagt alle Unternehmen, die eine elek­trotech­nis­che Betrieb­sstätte besitzen. Hier kann man keine glob­ale Aus­sage machen, hil­fre­ich ist die Lek­türe der DIN VDE 1000-10 oder auch gerne eine Anfrage beim Autor. Tat­sache ist nur, dass sehr viele Unternehmen den soge­nan­nten „Unternehmervertreter Elek­trotech­nik“ brauchen, da nur wenige Ver­ant­wortliche eine elek­trotech­nis­che Aus­bil­dung haben. Gle­ichzeit­ig kön­nen auch nicht die Fachkräfte für Arbeitssicher­heit (FASI) alle Fra­gen rund um die Elek­trotech­nik abdeck­en. Schlim­mer noch: Ich als Gerichtssachver­ständi­ger würde ein­er FASI auch nicht empfehlen, dieses auf seine Kappe zu nehmen!
Meine per­sön­liche Empfehlung ist: Getreu dem Spruch „Schus­ter bleib bei deinen Leis­ten“ sollte eine FASI bei dem heute schon sehr bre­it­en Auf­gaben­spek­trum sich nicht noch die Elek­trotech­nik auf die Schul­tern laden. Weit­er­hin sollte bedacht wer­den, dass eine FASI bera­tend tätig ist, aber eine VEFK explizites Weisungsrecht gemäß VDE 1000-10 haben muss. Hier entste­ht ein rechtlich­er Kon­flikt wenn was passieren sollte, denn man wird sich vor Gericht fra­gen müssen, als was für eine Art Garant die FASI in diesem Fall zu betra­cht­en ist.
Oft kommt die Frage, warum das Rechtliche beim Gew­erk Elek­trotech­nik zunehmend so eng gese­hen wird. Das ist ein­fach zu erk­lären: Der §49 vom EnWG schenkt den Medi­en Gas, Wass­er und Strom beson­dere Beach­tung und legt großes Augen­merk auf die Ein­hal­tung der aktuellen Regelun­gen wie z.B. der DIN VDE Vorschriften. Weit­er­hin sollte jed­er Vorge­set­zte sich vor Augen hal­ten, was ein Stro­maus­fall oder Schaden an bzw. durch Elek­triz­ität im eige­nen Unternehmen bewirkt. Denn welch­er betriebliche Prozess gelingt heute ohne Strom? Diese Kom­bi­na­tion kann im Ern­st­fall sehr teuer wer­den.
Hier fol­gt eine beispiel­hafte Check­liste für die Auswahl der geeigneten exter­nen VEFK. Wichtig ist, dass alle Punk­te mit „Erfüllt“ beant­wortet wer­den soll­ten. Denn mit jedem uner­füll­ten Punkt steigt das Risiko für den Auf­tragge­ber immens!
Check­liste „Eig­nung als externe VEFK“
Beim let­zten Punkt der Check­liste ist für viele irri­tierend, dass er extra aufge­führt wird. Nach eini­gen Jahren Praxis­er­fahrung bei der Etablierung von exter­nen VEFK in Unternehmen wurde immer wieder fest­gestellt, dass der Teufel im Detail steckt. Har­monieren FASI und VEFK nicht, lei­det die Sicher­heit erhe­blich. Bei­de brauchen einan­der und bei ein­er exter­nen VEFK wird dieser Punkt extrem wichtig. Denn die FASI ist ein äußerst wichtiger Part­ner für die externe VEFK, die selb­st nicht immer vor Ort sein kann!
Nach dieser Check­liste ist rel­a­tiv klar: Bei der Fülle der unter­schiedlichen Facetten der Elek­trotech­nik ist ein Einzelkämpfer kaum in der Lage, die umfan­gre­ichen Auf­gaben ein­er VEFK rechtssich­er wahrzunehmen und eine guter Part­ner für die FASI zu sein.
Eine externe VEFK braucht im Hin­ter­grund ein Team um sich per­sön­lich abzu­sich­ern und dem Auf­tragge­ber die notwendi­ge Rechtssicher­heit bieten zu kön­nen. Einzelkämpfer leben zudem gefährlich und kön­nten schnell als erset­zbar­er Extern­er auf dem inner­be­trieblichen Altar geopfert wer­den. Die Wahrschein­lichkeit dieses soge­nan­nten rechtlichen Kol­lat­er­alschadens steigt übri­gens mit der Schadenssumme sehr schnell an. Hier lauert eine große Gefahr auf die externe VEFK! Ein Einzelkämpfer hat zudem kaum die Möglichkeit die erforder­liche Kon­trolle der Mitar­beit­er im Bere­ich der Elek­trotech­nik allein durchzuführen, selb­st wenn er mit der FASI opti­mal har­moniert. Er muss sich also im Unternehmen eine Organ­i­sa­tion auf­bauen oder ein Team haben, das ihm zuar­beit­en kann. Dies muss auch ver­traglich vorge­se­hen wer­den.
Haftpflichtver­sicher­er wer­den Einzelkämpfer sehr teuer ver­sich­ern, wenn sie die Trag­weite ihrer Garan­ten­stel­lung begrif­f­en haben. Denn diese Garan­ten­stel­lung muss mit der Ver­sicherung expliz­it besprochen und pro­tokol­liert wer­den. Son­st wäre eine Ver­sicherungspo­lice nicht das Geld des Papieres wert, auf dem sie gedruckt wird! Eine Haf­tungs­beschränkung seit­ens der VEFK unter­halb von drei Mil­lio­nen Euro ist nicht empfehlenswert.
Wenn wir schon beim The­ma Ver­sicherung sind: Die Fachkraft für Arbeitssicher­heit wird vor Gericht zunehmend als Garant gese­hen. Man will als Gerichtssachver­ständi­ger nicht den Teufel an die Wand malen, aber jede externe FASI sollte über­prüfen, ob ihre Haftpflichtver­sicherung auch die Garan­ten­stel­lung abdeckt!
Faz­it:
Eine opti­male Zusam­me­nar­beit der exter­nen VEFK mit der FASI ist sehr wichtig. Denn bei­de sind für die Mitar­beit­er und das Unternehmen erst bei guter und enger Zusam­me­nar­beit ein großer Schritt in Rich­tung Sicher­heit. Die FASI muss bei der Auswahl der exter­nen VEFK involviert sein. Schließlich muss sie mit der exter­nen VEFK eng zusam­me­nar­beit­en und sollte auf die Check­liste ver­weisen.
Eine externe VEFK kann auch ein Einzelkämpfer sein. Dafür wird eine gewisse Risikobere­itschaft allerd­ings voraus­ge­set­zt. Die gle­iche Risikobere­itschaft braucht auch das beauf­tra­gende Unternehmen. Die FASI sollte darauf acht­en, dass es für alle Seit­en gut ist genau zu über­legen, ob man eine externe VEFK haben möchte. Und wenn ja, welchen Ansprüchen sie genü­gen muss!
Autor
Dr.-Ing. Thorsten Neu­mann Geschäfts­führen­der Gesellschafter der MEBEDO GmbH E‑Mail: neumann@mebedo.de
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