Startseite » Sicherheit » Arbeitsschutzorganisation » Wirk­sam­keit von Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men aus Unternehmer‐ und Mitar­bei­ter­per­spek­tive

Untersuchung der gesetzlichen Unfallversicherung

Wirk­sam­keit von Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men aus Unternehmer‐ und Mitar­bei­ter­per­spek­tive

Anzeige
Ein Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tem (AMS) ist ein eigen­stän­di­ges Manage­ment­sys­tem oder Teil eines inte­grier­ten Manage­ment­sys­tems, welches den Arbeits­schutz syste­ma­tisch in Unter­neh­mens­pro­zesse und Abläufe inte­griert, um die Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäf­tig­ten bei der Arbeit nach­hal­tig zu verbes­sern.

Dipl.-Psych. Anna‐Maria Hessenmöl­ler, Dipl.-Ing. Josef Merdian

1. Hinter­grund
Zu den Zielen eines AMS gehö­ren:
  • die Erhö­hung der Rechts­si­cher­heit für den Betrieb und seine Führungs­kräfte,
  • die Opti­mie­rung der Orga­ni­sa­tion, der Prozess­ab­läufe und Arbeits­be­din­gun­gen des Arbeits­schut­zes,
  • die Erhö­hung der Arbeits­schutz­kom­pe­tenz der Führungs­kräfte,
  • die Erhö­hung der Arbeits­zu­frie­den­heit, Moti­va­tion, Verfüg­bar­keit und Leis­tungs­be­reit­schaft der Mitar­bei­ter,
  • die Förde­rung der Bereit­schaft, sich an Arbeits­schutz­vor­schrif­ten zu halten und sich aktiv an einer syste­ma­ti­schen Durch­füh­rung des Arbeits­schut­zes zu betei­li­gen,
  • die Mini­mie­rung der Kosten und Fehl­zei­ten durch Betriebs­stö­run­gen, arbeits­be­dingte Erkran­kun­gen, Gesund­heits­ge­fah­ren und Arbeits­un­fäl­len sowie
  • die Stei­ge­rung des Unter­neh­men­si­mages und die Vertrau­ens­zu­nahme bei Kunden und Part­nern.
Die Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger (UVT) unter­stüt­zen in viel­fäl­ti­ger Art und Weise Unter­neh­men bei der Einfüh­rung eines AMS. So können Betriebe eine frei­wil­lige Begut­ach­tung durch den zustän­di­gen Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger in Anspruch nehmen. Darauf haben sich das Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozia­les (BMAS), die obers­ten Arbeits­schutz­be­hör­den der Länder, die Träger der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­run­gen und die Sozi­al­part­ner im „Natio­na­len Leit­fa­den für Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme“ (NLF) geeig­net. Um Betrie­ben die Einfüh­rung eines AMS im Unter­neh­men zu erleich­tern, bieten die UVT zudem verschie­dene Leis­tun­gen bzw. Hilfe­stel­lun­gen zum Aufbau und zur Weiter­ent­wick­lung des AMS an. So können Betriebe eine Grund­be­ra­tung über Vorteile und Ablauf der Einfüh­rung sowie eine projekt­be­glei­tende Bera­tung zum Aufbau eines AMS, welche auf dem Natio­na­len Leit­fa­den für AMS beruht, in Anspruch nehmen. Darüber hinaus haben die UVT eine Reihe an spezi­ell auf die jewei­lige Bran­che zuge­schnit­tene Umset­zungs­hil­fen zum Aufbau eines AMS erstellt wie Check und Frage­lis­ten zur Bestands­auf­nahme. Auch Schu­lun­gen zum Thema AMS für Unter­neh­mer, Führungs­kräfte und andere Akteure im Arbeits­schutz werden von den UVTn ange­bo­ten.
Im Rahmen eines Projekts des Fach­aus­schus­ses Orga­ni­sa­tion des Arbeits­schut­zes (FA ORG) der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) wurde erst­mals unter­sucht, wie wirk­sam Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme sind sowie ob und in welcher Art sie zu einer mess­ba­ren Verbes­se­rung der Arbeits­schutz­leis­tung im Betrieb (Schutz der Beschäf­tig­ten vor berufs­be­ding­ten Gefah­ren und Belas­tun­gen) führen. Hier­für wurde das Insti­tut für Arbeit und Gesund­heit (IAG) der DGUV in Dres­den, Bereich Evalua­tion und Betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment, mit einem Evalua­ti­ons­pro­jekt beauf­tragt.
2. Metho­di­sches Vorge­hen
Zur Evalua­tion wurden zwei verschie­dene Frage­bö­gen entwi­ckelt. Einer rich­tet sich an die Unter­neh­mens­lei­tung. Der andere an die Sicher­heits­be­auf­trag­ten des Betrie­bes, die stell­ver­tre­tend für die Mitar­bei­ter befragt wurden. Neben eini­gen allge­mei­nen Fragen zum Unter­neh­men lag der Fokus der Befra­gung in der Erfas­sung von Verän­de­run­gen bzw. Auswir­kun­gen infolge der Einfüh­rung des AMS im Betrieb sowie auf der Bewer­tung der einzel­nen Unter­stüt­zungs­an­ge­bote der UVT. Die Unter­neh­mer wurden darüber hinaus zu den Grün­den für die Einfüh­rung befragt. Die Befra­gung der Unter­neh­men star­tete Mitte Februar 2011 und erstreckte sich über einen Zeit­raum von 4 Mona­ten. Aus der Grund­ge­samt­heit der durch die UVT begut­ach­te­ten Unter­neh­men wurde eine reprä­sen­ta­tive Stich­probe gezo­gen. Die Vertei­lung der begut­ach­te­ten Unter­neh­men auf die UVT findet sich in der Stich­probe wieder. Die Erhe­bung wurde einma­lig nach Einfüh­rung des AMS durch­ge­führt. Die Frage­bö­gen wurden nach tele­fo­ni­scher Ankün­di­gung auf dem Post­weg vom jeweils zustän­di­gen UVT an die Unter­neh­men versen­det.
3. Ergeb­nisse
3.1 Allge­meine Anga­ben
Insge­samt haben 378 Unter­neh­mer und 606 Mitar­bei­ter (Sicher­heits­be­auf­trage) aus unter­schied­li­chen Bran­chen an der Befra­gung teil­ge­nom­men. Etwa je ein Vier­tel der befrag­ten Unter­neh­mer und Mitar­bei­ter gab an, dass ihr Unter­neh­men der Bran­che Gesund­heits­dienst (27%) ange­hört. Rund ein Vier­tel der Unter­neh­mer sowie 16% der Mitar­bei­ter gaben an, in der Baubran­che tätig zu sein. 16% der Unter­neh­mer und 11% der Mitar­bei­ter berich­te­ten, aus den Bran­chen Steine und Erden zu stam­men. Weiter­hin wurden die Bran­chen Metall, Chemie, Elektro‐Feinmechanik‐Textil‐Leder, Holz und Nahrungs­mit­tel von je 5 bis 7% der Befrag­ten genannt. Die Bran­chen Handel bis Verwal­tung, Gas bis Fern­wärme, der öffent­li­che Bereich und der Verkehr nehmen mit jeweils 0,3 bis 1% den gerings­ten Anteil ein (s. Abb. 1).
Etwa je ein Drit­tel der Befrag­ten (Unter­neh­mer: 30%; Mitar­bei­ter: 32%) gehen ihrer Tätig­keit in einem mittel­gro­ßen Betrieb mit 50 bis 249 Mitar­bei­ter nach. Ein Vier­tel der Mitar­bei­ter (24%) und ein Drit­tel der Unter­neh­mer (36%) gaben an, in einem klei­nen Unter­neh­men mit 10 bis 49 Beschäf­tig­ten zu arbei­ten, ein Vier­tel der Mitar­bei­ter (24%) und 14% der Unter­neh­mer berich­te­ten, in einem Groß­be­trieb mit 250 bis 1000 Ange­stell­ten tätig zu sein. 16% Prozent der befrag­ten Unter­neh­mer gaben an, einen Kleinst­be­trieb mit weni­ger als 10 Mitar­bei­tern zu führen. Von den befrag­ten Mitar­bei­tern berich­te­ten 7 bis 8%, dass sie in einem solchen Betrieb tätig sind. Den gerings­ten Anteil bilde­ten sowohl bei den Mitar­bei­tern (7 bis 8%) als auch bei den Unter­neh­mern (3%) Perso­nen, die in sehr großen Unter­neh­men mit mehr als 1000 Beschäf­tig­ten tätig sind (s. Abb. 2).
Zwei Drit­tel der Unter­neh­mer berich­te­ten, neben dem AMS ein weite­res Manage­ment­sys­tem im Betrieb inte­griert zu haben. Mehr als die Hälfte der Unter­neh­mer gaben an, dass es sich dabei um ein Quali­täts­ma­nage­ment­sys­tem handelt (57%). Umwelt­ma­nage­ment­sys­teme sind mit rund 14% eher selten im Betrieb inte­griert.
3.2 Gründe für die Einfüh­rung eines AMS im Unter­neh­men
Aus der Befra­gung der Unter­neh­mer geht hervor, dass die Opti­mie­rung der Arbeits­schutz­pro­zesse, die Erhö­hung der Rechts­si­cher­heit für den Betrieb, die Erhö­hung der Arbeits­schutz­kom­pe­tenz der Führungs­kräfte sowie die Vertrau­ens­zu­nahme bei Kunden und Part­nern ausschlag­ge­bende Gründe für die Einfüh­rung eines AMS gewe­sen sind. Auf einer Skala von 1 (über­haupt nicht ausschlag­ge­bend) bis 6 (sehr stark ausschlag­ge­bend) bewer­te­ten die Unter­neh­mer diese Über­le­gun­gen im Mittel zwischen MW = 4.8 und 5.2. Die Verbes­se­rung der Markt­po­si­tion des Betrie­bes sowie Druck von außen durch Kunden, Part­ner oder Konzerne wird insge­samt als weni­ger ausschlag­ge­bend beschrie­ben. Die rela­tiv hohe Stan­dard­ab­wei­chung deutet jedoch darauf hin, dass die Einschät­zung der Unter­neh­mer hier ausein­an­der geht. Als weitere Gründe für die Einfüh­rung des AMS nann­ten die Unter­neh­mer die wahr­ge­nom­mene Verant­wor­tung gegen­über ihren Mitar­bei­ter. Darüber hinaus habe die Unter­stüt­zung durch den zustän­di­gen UVT eine ausschlag­ge­bende Rolle gespielt (s. Abb. 3).
3.3 Bewer­tung des Ablaufs der Einfüh­rung des AMS im Unter­neh­men
Die Einfüh­rung eines AMS im Unter­neh­men, d.h. vom Entschluss zur Einfüh­rung bis zur Ertei­lung des Zerti­fi­kats, ist ein Prozess, welcher ca. 1 bis 2 Jahre dauert. Die Unter­neh­mer bewer­te­ten den Ablauf der Einfüh­rung insge­samt sehr posi­tiv. Auf einer Skala von 1 (nein, gar nicht) bis 6 (ja, abso­lut) gaben sie an, dass die Ziele des AMS klar waren (MW = 5.2), die Mindest­an­for­de­run­gen zum Erhalt des Zerti­fi­kats trans­pa­rent gewe­sen sind (MW = 5.0), die bei der Begut­ach­tung fest­ge­stell­ten Hinweise hilf­reich waren (MW = 5.1) und der zeit­li­che Aufwand gerecht­fer­tigt gewe­sen ist (MW = 4.9). Auch mit der Durch­füh­rung der Begut­ach­tung insge­samt sind die Unter­neh­mer nach ihren Anga­ben nahezu abso­lut zufrie­den (MW = 5.4) (s. Abb. 4).
Als schwie­rig bei der Einfüh­rung des AMS nann­ten jeweils 8% der Unter­neh­mer den hohen Zeit­auf­wand für Lehr­gänge und zusätz­li­che Arbeits­zeit sowie fehlen­des Verständ­nis und Moti­va­tion auf Seiten der Mitar­bei­ter. Auch die umfang­rei­che Doku­men­ta­tion bzw. Büro­kra­tie sowie die Umset­zung des AMS in der Praxis wurde von eini­gen Befrag­ten als schwie­rig empfun­den. Als Erleich­te­rung wurde von den Befrag­ten die Inan­spruch­nahme von Beratungs‐ und Betreu­ungs­an­ge­bo­ten des zustän­di­gen Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers aufge­führt.
3.4 Bewer­tun­gen der Hilfe­stel­lung bei der Einfüh­rung
Die von den Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gern ange­bo­te­nen Hilfe­stel­lun­gen und Leis­tun­gen zum Aufbau und zur Weiter­ent­wick­lung eines AMS wurden insge­samt von mehr als 80% der befrag­ten Unter­neh­mer in Anspruch genom­men und über­ein­stim­mend als sehr hilf­reich für die Einfüh­rung des AMS bewer­tet.
Zwei Drit­tel der Befrag­ten gaben an, eine Bera­tung des zustän­di­gen UVT in Anspruch genom­men zu haben und diese als sehr (60%) bzw. ziem­lich hilf­reich (32%) empfun­den zu haben.
3.5 Auswir­kun­gen im Betrieb
Um die Auswir­kun­gen des AMS im Betrieb zu erfas­sen, wurden Unter­neh­mer und Mitar­bei­ter gebe­ten, verschie­dene Aspekte im Betrieb vor und nach der Einfüh­rung des AMS, d.h. rück­bli­ckend auf die Zeit vor ihrem Entschluss zur Einfüh­rung des AMS und nach Ertei­lung des Zerti­fi­kats, auf einer sechs­stu­fi­gen Skala (6 = sehr posi­tiv bis 1 = sehr nega­tiv) zu bewer­ten. Die Evalua­ti­ons­er­geb­nisse zeigen, dass die Inte­gra­tion eines AMS im Unter­neh­men sowohl aus Sicht der Unter­neh­mens­lei­tung als auch aus Sicht der Mitar­bei­ter zu einer deut­li­chen Verbes­se­rung der Arbeits­schutz­leis­tung des Unter­neh­mens führte.
3.5.1 Orga­ni­sa­tion des Arbeits­schut­zes
Die Orga­ni­sa­tion des Arbeits­schut­zes wird hinsicht­lich der Struk­tu­ren, Verant­wort­lich­kei­ten und Prozesse von den Unter­neh­mern nach der Einfüh­rung des AMS ziem­lich posi­tiv und um 1.5 bis 1.9 Skalen­punkte besser bewer­tet als zuvor, die Einschät­zung der Sicher­heits­be­auf­trag­ten verbes­serte sich um 1.0 bis 1.8 Skalen­punkte. Der größte Verbes­se­rung in der Vorher–Nachher-Bewertung zeigte sich in der Abgren­zung und Fest­le­gung der Verant­wor­tungs­be­rei­che im Betrieb bezo­gen auf den Arbeits­schutz, in der Doku­men­ta­tion der Prozesse und Abläufe hinsicht­lich der Nach­voll­zieh­bar­keit und Syste­ma­tik sowie bei der Bewer­tung der Durch­füh­rung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen (s. Abb. 5).
3.5.2 Arbeits­schutz­be­wusst­sein und betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung
Das Arbeits­schutz­be­wusst­sein und die Arbeits­schutz­kom­pe­tenz des Betrie­bes sowie die betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung sind mit der Einfüh­rung des AMS aus Sicht der Unter­neh­mer und Mitar­bei­ter eben­falls signi­fi­kant ange­stie­gen. Während das Arbeits­schutz­be­wusst­sein und die Arbeits­schutz­kom­pe­tenz des Unter­neh­mens vor der Einfüh­rung des AMS mit einem Wert von MW = 3.9 (Unter­neh­mer) bzw. MW = 3.7 (Mitar­bei­ter) im mitt­le­ren Bereich bewer­tet wurden, fällt die Einschät­zung nach Einfüh­rung des AMS mit einem Wert von MW = 5.2 (Unter­neh­mer) bzw. MW = 5.0 (Mitar­bei­ter) deut­lich posi­ti­ver aus. Auch die betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung im Unter­neh­men wurde nach der Einfüh­rung des AMS um 1.0 (MW Unter­neh­mer = 4.8) bzw. 0.9 (MW Mitar­bei­ter= 5.3) Skalen­punkte besser bewer­tet als zuvor (s. Abb. 6).
3.5.3 Arbeits­mit­tel­be­schaf­fung, Arbeits­be­din­gun­gen, Rechts­si­cher­heit
Die Prüfung der Geräte, Maschi­nen und Anla­gen, das Vorge­hen bei der Beschaf­fung von Arbeits­mit­teln oder Dienst­leis­tun­gen sowie die Arbeits­be­din­gun­gen im Betrieb wurden nach der Einfüh­rung des AMS sowohl von den Mitar­bei­tern als auch von den Unter­neh­mern deut­lich besser einge­stuft als zuvor (s. Abb. 7).
Während die Recht­si­cher­heit für den Betrieb und seine Führungs­kräfte von den Unter­neh­mern vor Einfüh­rung des AMS im mitt­le­ren Bereich einge­stuft wurde (MW = 3.7), fällt die Bewer­tung mit einem inte­grier­ten AMS um 1.5 Skalen­punkte besser aus (MW = 5.2).
3.5.4 Arbeits­un­fälle und Erkran­kun­gen
Auch auf wirt­schaft­li­che Aspekte hat das AMS nach Einschät­zung der Unter­neh­mer einen posi­ti­ven Effekt. So schät­zen die Unter­neh­mer die Anzahl der Arbeits­un­fälle und Unter­bre­chun­gen sowie den Kran­ken­stand seit der Einfüh­rung signi­fi­kant gerin­ger ein als zuvor. Einen deut­li­chen Rück­gang hat es nach Einschät­zung der Unter­neh­mer hinsicht­lich des Kran­ken­stan­des gege­ben, der vor der Einfüh­rung des AMS mit einem Wert von MW = 2.7 und nach Einfüh­rung des AMS mit einem Wert von MW = 1.4 als sehr nied­rig einge­stuft wurde.
3.5.5 Arbeits­schutz­kom­pe­tenz der Führungs­kräfte
Nach der Einfüh­rung des AMS schät­zen Unter­neh­mer und Mitar­bei­ter die Arbeits­schutz­kom­pe­tenz der Führungs­kräfte über­ein­stim­mend posi­tiv und um 0.7 bis 1.1 Skalen­punkte höher ein als zuvor. So geben die Befrag­ten an, dass die Führungs­kräfte nach der Einfüh­rung des AMS häufi­ger im Arbeits­schutz mit gutem Beispiel voran­ge­hen, im Falle von erkann­ten Sicher­heits­män­geln schnel­ler Maßnah­men ergrei­fen, die Mitar­bei­ter zu Verbes­se­rungs­vor­schlä­gen im Arbeits­schutz ermun­tern und regel­mä­ßi­ger kontrol­lie­ren, ob die Sicher­heits­vor­schrif­ten von den Beschäf­tig­ten einge­hal­ten werden (s. Abb. 8).
Darüber hinaus hat die Regel­mä­ßig­keit, mit der Führungs­kräfte ihre Mitar­bei­ter über notwen­dige Maßnah­men, Anfor­de­run­gen und den Stand des Arbeits­schut­zes infor­mie­ren, aus Sicht der Unter­neh­mer deut­lich zuge­nom­men (MW vorher = 4.0; MW nach­her = 5.1). Auch die Mitar­bei­ter bewer­te­ten die Regel­mä­ßig­keit, mit der Unter­wei­sun­gen und Weiter­bil­dun­gen statt­fin­den, nach der Einfüh­rung des AMS deut­lich besser als zuvor (MW vorher = 4.2; MW nach­her = 5.0). Darüber hinaus bewer­te­ten die Mitar­bei­ter auch die Rele­vanz der Inhalte der Unter­wei­sun­gen für die Arbeit nach der Einfüh­rung des AMS besser als zuvor (MW vorher = 4.2; MW nach­her = 5.4).
3.5.6 Verhal­ten der Mitar­bei­ter
Das Verhal­ten der Beschäf­tig­ten am Arbeits­platz ist aus Sicht der Unter­neh­mer und Mitar­bei­ter seit der Einfüh­rung des AMS siche­rer gewor­den. So gaben die Befrag­ten an, dass sich die Beschäf­tig­ten seit­her stär­ker an Sicher­heits­re­geln halten als zuvor. Auch die Anzahl der einge­reich­ten Verbes­se­rungs­vor­schläge im Arbeits­schutz sowie die Teil­nahme der Mitar­bei­ter an Schu­lun­gen und Weiter­bil­dun­gen ist nach Einschät­zung der Unter­neh­mer um jeweils nahezu einen Skalen­punkt gestie­gen. Aus Mitar­bei­ter­per­spek­tive hat sich zudem das Betriebs­klima um 0.7 Skalen­punkte auf einen Mittel­wert von MW = 4.9 verbes­sert.
3.5.7 Bezie­hung zu Kunden und Drit­ten
Die Einfüh­rung des AMS hat aus Sicht der Unter­neh­mer zu einer leich­ten Verbes­se­rung des Unter­neh­men­si­mages geführt. Während das Image des Unter­neh­mens vor Einfüh­rung des AMS im Mittel mit MW = 4.2 bewer­tet wurde, fällt die Bewer­tung nach Einfüh­rung des AMS mit einem Mittel­wert von MW = 4.8 etwas besser aus.
3.5.8 Doku­men­ta­ti­ons­auf­wand
Der Doku­men­ta­ti­ons­auf­wand hat sowohl aus Sicht der Unter­neh­mer als auch aus Sicht der Mitar­bei­ter zuge­nom­men. Während der Aufwand vor der Einfüh­rung des AMS mit einem Mittel­wert von MW = 3.0 (Unter­neh­mer) bzw. MW = 3.3 (Mitar­bei­ter) eher nied­rig einge­schätzt wird, fällt die Einstu­fung des Doku­men­ta­ti­ons­auf­wan­des nach Einfüh­rung des AMS mit einem Mittel­wert von MW = 4.5 (Unter­neh­mer und Mitar­bei­ter) eher hoch aus.
4. Fazit
Ziel eines AMS ist die konti­nu­ier­li­che Verbes­se­rung der Arbeits­schutz­leis­tung und die Inte­gra­tion von Sicher­heit und Gesund­heit in die Orga­ni­sa­ti­ons­ab­läufe eines Unter­neh­mens. Dies soll in einer Art und Weise gesche­hen, die gleich­zei­tig einen Beitrag zur Verbes­se­rung der Wirt­schaft­lich­keit des Unter­neh­mens gewähr­leis­tet. Die Evalua­ti­ons­er­geb­nisse zeigen, dass die Inte­gra­tion eines AMS im Unter­neh­men sowohl aus Sicht der Unter­neh­mens­lei­tung als auch aus Sicht der Sicher­heits­be­auf­trag­ten zu einer deut­li­chen Verbes­se­rung der Arbeits­schutz­leis­tung des Unter­neh­mens führte. So gaben Unter­neh­mer und Mitar­bei­ter über­ein­stim­mend an, dass sich die Orga­ni­sa­tion des Arbeits­schut­zes hinsicht­lich der Struk­tu­ren, Verant­wort­lich­kei­ten und Prozesse nach der Einfüh­rung des AMS deut­lich verbes­sert hat. Das Arbeits­schutz­be­wusst­sein und die Arbeits­schutz­kom­pe­tenz des Betrie­bes sind mit der Einfüh­rung des AMS aus Sicht der Unter­neh­mer und Mitar­bei­ter eben­falls signi­fi­kant ange­stie­gen. Darüber hinaus schätz­ten Unter­neh­mer und Mitar­bei­ter die Arbeits­schutz­kom­pe­tenz der Führungs­kräfte nach Einfüh­rung des AMS über­ein­stim­mend höher ein als zuvor. Die Mitar­bei­ter gaben an, seit der Einfüh­rung des AMS deut­lich stär­ker in Prozesse des Arbeits­schut­zes einbe­zo­gen zu werden als zuvor. Weiter­hin hat die Einfüh­rung eines AMS aus Sicht der Unter­neh­mer zu einer deut­li­chen Erhö­hung der Rechts­si­cher­heit des Unter­neh­mens geführt. Auch auf wirt­schaft­li­che Aspekte hat das AMS nach Einschät­zung der Unter­neh­mer einen posi­ti­ven Effekt. So schät­zen die Unter­neh­mer die Anzahl der Arbeits­un­fälle und Unter­bre­chun­gen sowie den Kran­ken­stand seit der Einfüh­rung signi­fi­kant gerin­ger ein als zuvor. Mehr als 80% der Unter­neh­mer und Mitar­bei­ter bewer­te­ten die Inte­gra­tion von Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men im Unter­neh­men zwischen sehr gut und gut (s. Abb. 9). Die viel­fäl­ti­gen Hilfe­stel­lun­gen der UVT wurden vom Groß­teil der Unter­neh­mer in Anspruch genom­men und als große Unter­stüt­zung und Erleich­te­rung bei der Einfüh­rung des AMS beschrie­ben.
Anmer­kung: Die Verfas­ser danken an dieser Stelle den Mitar­bei­tern des Themen­fel­des 4 des FA ORG für die Mitar­beit im Projekt.
Autorin:
Dipl.-Psych. Anna‐Maria Hessenmöl­ler Insti­tut für Arbeit und Gesund­heit (IAG) der DGUV, Refe­ren­tin für Evalua­tion und Betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment
Dipl.-Ing. Josef Merdian Berufs­ge­nos­sen­schaft Nahrungs­mit­tel und Gast­stät­ten (BGN), Präven­ti­ons­au­ßen­stelle Nürn­berg E‐Mail: josef.merdian@bgn.de
Anzeige

News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs

Sicher­heits­be­auf­trag­ter

Titelbild Sicherheitsbeauftragter 6
Ausgabe
6.2019
ABO

Sicher­heits­in­ge­nieur

Titelbild Sicherheitsingenieur 6
Ausgabe
6.2019
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de