Zu faul zum Rechnen. Konrad Zuse zum 100. Geburtstag -
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Konrad Zuse zum 100. Geburtstag

Zu faul zum Rech­nen

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Am 22. Juni wäre Konrad Zuse 100 Jahre alt gewor­den. Er war der Erfin­der und Konstruk­teur des ersten Compu­ters der Welt.

Herrn Peter H. Nieder­elz Vogt­land­straße 11 d 65232 Taunus­stein

Im Wohn­zim­mer bei seinen Eltern in Hoyers­werda baute er von 1936 –1938 seine erste programm­ge­steu­erte Rechen­ma­schine. Er nannte sie Z 1. Noch war er mit der Zuver­läs­sig­keit der gewähl­ten Bauteile nicht zufrie­den. Beim Nach­fol­ge­mo­dell Z2 (1938 –1939) setzte er 600 Tele­fon­re­lais ein. Die 1941 fertig gestellte Maschine Z 3 arbei­tete mit 2000 Relais und war der erste funk­ti­ons­fä­hige, frei program­mier­bare auf dem binä­ren Zahlen­sys­tem basie­rende Rech­ner der Welt.
Konrad Zuse (1910–1995) wurde am 22.6.1910 in Berlin –Wilmers­dorf gebo­ren. Sein Vater war Post­be­am­ter im mitt­le­ren Dienst, seine Mutter arbei­tete als Nähe­rin. Nach verschie­de­nen Wech­seln des Wohn­or­tes machte er schließ­lich 1928 am Reform­gym­na­sium in Hoyers­werda Abitur. Er studierte Maschi­nen­bau an der Tech­ni­schen Hoch­schule Char­lot­ten­burg.
Seine erste Stelle fand er bei den Henschel-Flugzeugwerken in Berlin. Diese gab er aber bald wieder auf, um seine Z 1 zu bauen. Die Arbeit als Stati­ker bei Henschel hat ihn mit vielen eintö­ni­gen Rechen­auf­ga­ben in Berüh­rung gebracht, die er durch eine auto­ma­ti­sche Rechen­ma­schine ausfüh­ren lassen wollte.
Humor­voll sagte er manch­mal über seine Moti­va­tion zur Compu­te­rer­fin­dung: Ich war zu faul zum Rech­nen.
Krieg und Nach­kriegs­zeit
Seine Z 3 konnte neben den Grund­re­chen­ar­ten auch quadra­ti­sche Wurzeln ziehen und Multi­pli­ka­tio­nen mit einge­ge­be­nen Fakto­ren selbst­stän­dig durch­füh­ren. Für eine Divi­sion brauchte sie drei Sekun­den – im Vergleich zu heute natür­lich Stein­zeit.
Das Nach­fol­ge­mo­dell Z 4 war leis­tungs­fä­hi­ger. Konrad Zuse, der schon als Kind großes Inter­esse an Stabil­bau­käs­ten hatte und daraus bereits als Schü­ler einen Geld­wech­sel­au­to­ma­ten gebaut hatte, konstru­ierte ihn in einem Berli­ner Luft­schutz­bun­ker. Als die Front immer näher auf Berlin zukam, verpackte er die Z 4 in 22 Kisten um sie in Sicher­heit zu brin­gen und schaffte es, sie über zahl­rei­che Umwege nach Hinter­stein im Allgäu zu brin­gen. Sie lagerte bei Kriegs­ende 1945 dort in Einzel­tei­len in mehre­ren Schup­pen.
Die Alli­ier­ten hatten zunächst kein Inter­esse an Zuses Erfin­dun­gen. In den USA hat es mit dem mili­tä­risch genutz­ten Groß­rech­ner ENIAC ( Elec­tro­nic Nume­ri­cal Inte­gra­tor And Compu­ter) eine von Zuses Compu­tern unab­hän­gige Entwick­lungs­li­nie gege­ben. Und ausge­rech­net ein Deut­scher als Erfin­der des ersten Compu­ters der Welt?
Konrad Zuse stand auf der falschen Seite. 1946 begann er in Hopferau bei Füssen mit seinem Zuse-Ingenieurbüro. Im Jahr 1949 wech­selte er ins hessi­sche Hünfeld bei Fulda und grün­dete mit Alfred Eckhardt und Harro Stucken die ZUSE KG. Sie produ­zierte die Z5 , eine gewal­tige 12 Meter breite und 2,5 Meter hohe Maschine. Sie wurde bei den Leitz-Werken in Wetz­lar zur Berech­nung opti­scher Linsen einge­setzt. Weitere Modelle mit immer komple­xe­rer Röhren- und Tran­sis­tor­tech­nik folg­ten. Einige wie die ab 1957 gebaute Z 22 waren auch wirt­schaft­lich ein Erfolg. Sie kostete pro Stück rund 200.000,- DM.
Das Unter­neh­men beschäf­tige in seinen besten Zeiten gut 1500 Menschen. Es geriet ab 1962 trotz­dem in die roten Zahlen und wurde 1966 vom Siemens-Konzern erwor­ben.
Konrad Zuse blieb im hessi­schen Hünfeld und lehrte als Hono­rar­pro­fes­sor zeit­weise an der Univer­si­tät in Göttin­gen.
Unter dem Namen „Kuno See“ malte er auch, meist Porträts, eines auch von Bill Gates, den er einmal seinen Enkel im Geiste genannt hat.
Konrad Zuse starb am 18.Dezember 1995 und ist auf dem Fried­hof in Hünfeld beige­setzt. Im Zuse-Museum am Kirch­platz in Hünfeld kann man einen Teil seines Schaf­fens bewun­dern.
Das Land Hessen hat auch zur Förde­rung der zentra­len Zukunfts­be­rei­che IT und Tele­kom­mu­ni­ka­tion seinen großen Bürger Konrad Zuse am 26 .Mai in der Landes­haupt­stadt Wies­ba­den mit einem umfang­rei­chen Kongress gewür­digt.
Horst Zuse, Profes­sor an der TU Berlin und Sohn Konrad Zuses hielt einen Vortrag darüber, wie der Boden berei­tet werden muss, so dass junge inno­va­tive Köpfe am besten geför­dert werden können. Dies geht nur, wenn alle Talente bei Jung und Alt auf ein Umfeld der Förde­rung und Moti­va­tion stoßen, welches Grund­kon­sens unse­rer Gesell­schaft sein muss.
Autor
Minis­te­ri­al­rat Peter H. Nieder­elz
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