1 Monat GRATIS testen, danach für nur 3,90€/Monat!
Startseite » Sicherheitsnews » PSA »

Damit niemand die Treppe nehmen muss

Sichere Aufzüge
Damit niemand die Treppe nehmen muss

Seit 1. Juni 2015 ist die nov­el­lierte Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV) in Kraft – ohne Über­gangs­frist. Wichtige Änderun­gen betr­e­f­fen die Prü­fung und den sicheren Betrieb von Aufzü­gen. Das soll das Sicher­heit­sniveau weit­er verbessern und dürfte Sicher­heits­beauf­tragten helfen, zuge­hörige Maß­nah­men durchzusetzen.

Im April 2015 sind zwei Mitar­bei­t­erin­nen ein­er Kindertagesstätte von einem Las­te­naufzug ver­let­zt wor­den. Der Arm ein­er Frau wurde eingek­lemmt, als der Aufzug uner­wartet die Hal­testelle ver­ließ. Beim Ver­such, die Eingeschlossene zu befreien, wurde auch der Arm der zweit­en Mitar­bei­t­erin eingek­lemmt. Die Feuer­wehr kon­nte die Ver­let­zten bergen. Noch ist die Unfal­lur­sache nicht ermit­telt. Generell gilt: Ein Drit­tel der gemelde­ten Unfälle ereignet sich im Umfeld der Aufzugstüren. Die über­wiegende Anzahl der Unfälle mit Aufzü­gen lässt sich auf tech­nis­ches Ver­sagen, aber auch men­schlich­es Fehlver­hal­ten zurück­führen. Auf der einen Seite ste­hen Pro­duk­tver­sagen oder Prob­leme mit der Elek­trik, auf der anderen Seite nicht fachgerechte Mon­tage, Wartung oder Personenbefreiung.
Mehr Frei­heit­en, mehr Risiken
Dass bei Aufzü­gen hierzu­lande nach wie vor deut­liche Sicher­heit­slück­en beste­hen, zeigt der Anla­gen­sicher­heits-Report 2015 der zuge­lasse­nen Überwachungsstellen (ZÜS). Prob­lema­tisch sind vor allem die geschätzt rund 150.000 Anla­gen, die bun­desweit nicht regelmäßig geprüft wer­den. Aber auch abso­lut gese­hen sind die Män­gelquoten immer noch zu hoch. Auch wenn 2014 mehr Aufzüge män­gel­frei waren als die Jahre zuvor, haben sicher­heit­ser­he­bliche Män­gel deut­lich zugelegt. Ger­ade diese bedeuten ein nicht zu unter­schätzen­des Gefährdungspoten­zial. Immer wieder ganz oben in der Unfall­sta­tis-tik ist zum Beispiel unbündi­ges Anhal­ten des Fahrko­rbs. Die dadurch entste­hende Stolperkante kann zu Stürzen aus oder in den Fahrko­rb führen, die vor allem für ältere Men­schen ein erhe­blich­es Ver­let­zungsriskio darstellen. Kann die Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV), die zum 1. Juni 2015 nov­el­liert wor­den ist, das Sicher­heit­sniveau heben?
Die Betr­SichV spricht grund­sät­zlich den Arbeit­ge­ber an, der seinen Arbeit­nehm-ern sichere Arbeitsmit­tel zur „Ver­wen-dung“ zu Ver­fü­gung stellen muss. Wichtig: Der Betreiber von überwachungs­bedürfti­gen Anla­gen wie zum Beispiel Aufzü­gen ist dem Arbeit­ge­ber in vie­len Punk­ten der neuen Verord­nung gle­ichgestellt. Somit ist auch der Betreiber ein­er Aufzugsan­lage nach wie vor für den sicheren Betrieb sein­er Anlage ver­ant­wortlich. Das bedeutet, dass, wie der Arbeit­ge­ber, auch der Betreiber Schutz­maß­nah­men und/oder sicher­heit­stech­nis­che Maß­nah-men tre­f­fen muss, um den sicheren Betrieb nach dem Stand der Tech­nik zu gewährleis­ten. Das soll Risiken für den „Ver­wen­der“, sprich Arbeit­nehmer, Nutzer, Mon­teur, oder Prüfer auf ein Min­i­mum reduzieren.
Teil dieser Maß­nah­men ist auch die Fes­tle­gung der Prüf­fris­ten, wobei die in der Verord­nung fest­gelegten Max­i­mal­fris­ten nicht über­schrit­ten wer­den dür­fen. Die Max­i­mal­frist für die Haupt­prü­fung wurde für alle überwachungs­bedürfti­gen Aufzugsan­la­gen ein­heitlich auf zwei Jahre fest­gelegt – auch für Aufzüge nach Maschi­nen­richtlin­ie. Dies sind zum Beispiel Behin­derte­naufzüge und Baustel­lenaufzüge. Für let­ztere galt bis­lang eine Max­i­mal­frist von vier Jahren. Zudem fordert die nov­el­lierte Betr­SichV nun für alle Aufzüge mit Per­so­n­en­be­förderung eine Prü­fung vor Inbetriebnahme.
Instand­hal­tung im Fadenkreuz
Je nach Nutzungs­grad müssen Betreiber Aufzugsan­la­gen mehr oder weniger häu­fig warten und instand hal­ten lassen. Diese Forderung stellt zwar grund­sät­zlich keine Neuerung dar, wird bei Defiziten jet­zt aber als „Ord­nungswidrigkeit“ geah­n­det. Damit wird der Wartung und Instand­hal­tung nun­mehr deut­lich mehr Gewicht ver­liehen. Das soll den Zus­tand stark man­gel­be­hafteter Anla­gen verbessern.
Zudem sind Betreiber verpflichtet, alle Aufzüge zur Per­so­n­en­be­förderung bis Ende 2020 mit einem so genan­nten Zwei-Wege-Kom­mu­nika­tion­ssys­tem auszu­s­tat-ten, über das ein Not­di­enst ständig erre­icht wer­den kann. Eine Aus­nahme bilden hier die Fas­saden­be­fahran­la­gen und Bauaufzüge. Ergänzend ist für jeden Aufzug ein Not­fallplan erforder­lich, der bis spätestens 31. Mai 2016 dem Not­di­enst zur Ver­fü­gung zu stellen ist.
Die sicht­barste Neuerung: Im Fahrko­rb ist kün­ftig eine Prüf­plakette anzubrin­gen, die Monat und Jahr der näch­sten Prü­fung und die „fes­tle­gende Stelle“ zeigt. Dadurch soll die Zahl der bis­lang ungeprüften Aufzüge gesenkt wer­den. Für den Betreiber vorteil­haft: Das Archivieren der Prüf­bescheini­gun­gen wird kom­fort­abler. Kün­ftig müssen die Beschei­ni-gun­gen nicht mehr in Papier­form vor Ort auf­be­wahrt wer­den. Es reicht, wenn sie elek­tro­n­isch archiviert und vorge­hal­ten werden.
Die Nov­el­le als Sündenbock?
Die Neu­fas­sung der Betr­SichV und ihre Auswirkun­gen auf den Betrieb von Aufzü­gen ste­hen vielfach in der Kri­tik. Die ist aber nicht immer zielführend. Richtig ist: Die Nachrüs­tung beispiel­sweise von Zwei-Wege-Kom­mu­nika­tion­ssys­te­men ist mit zusät­zlichen Kosten ver­bun­den. Das ist auch der Fall, wenn ältere Anla­gen an den Stand der Tech­nik anzu­passen sind. Zwar ist bei diesen Maß­nah­men immer der tech­nis­chen Lösung den Vor­rang zu geben, je nach Möglichkeit und „Ver­hält­nis­mäßigkeit“ kön­nen aber auch organ­isatorische Maß­nah­men getrof­fen wer­den. Auf der anderen Seite darf nicht vergessen wer­den: Die Nov­el­le enthält entschei­dende Änderun­gen, die von den Unfall- und Män­gel­sta­tis­tiken der ver­gan­genen Jahre aus­ge­hen. Fall­weise stellt die Kri­tik selb­stver­ständliche Sicher­heit­saspek­te als Bürokratie dar oder ver­harm-lost Unfall­ge­fahren. In der Prax­is wer­den dann sehr sel­tene Anla­gen wie die Umla­u­faufzüge Pater­nos­ter dafür genutzt, ver­meintliche Über­reg­ulierun­gen zu karikieren – Stich­wort: „Führerschein Zum Paternoster-Fahren“.
Fakt aber ist: Viele Aufzugs­be­treiber sind auch dreizehn Jahre nach der Ein­führung der bish­eri­gen Betr­SichV immer noch nicht aus­re­ichend über die geset­zlichen Regelun­gen und ihre Pflicht­en informiert, die für einen ord­nungs­gemäßen und damit sicheren Betrieb sor­gen. Prü­fun­gen wer­den aus Unken­nt­nis nicht beauf­tragt. Die Anla­gen wer­den unzure­ichend gewartet und instandge­hal­ten. Schadens­fälle und Unfälle bleiben oft­mals ungemeldet.
Die Nov­el­lierung bietet jet­zt die Möglichkeit, Defizite zu kor­rigieren. Betreiber soll­ten dafür direkt mit ein­er unab­hän­gi-gen Prü­for­gan­i­sa­tion zusam­me­nar­beit­en. So kön­nen sie sich ein neu­trales Bild vom tat­säch­lichen Zus­tand ihrer Anla­gen machen. Denn sie haben hier einen Part­ner, der kein wirtschaftlich­es Inter­esse am Prüfer­geb­nis oder am Umfang der möglicher­weise erforder­lichen Mod­ernisierung beziehungsweise Instand­hal­tung und Wartung hat.
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Meistgelesen
Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 12
Ausgabe
12.2021
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 1
Ausgabe
1.2022
ABO

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de