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Konzepte für nachhaltige Sicherheit im Arbeitsalltag

Den Eisberg auf die Spitze kippen
Konzepte für nachhaltige Sicherheit im Arbeitsalltag

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Den Eis­berg auf die Spitze kip­pen … und unerkan­nte Gefährdun­gen an die Ober­fläche des Bewusst­seins holen – die Vision „Null Arbeit­sun­fälle“. Die sach­lichen Män­gel wur­den beseit­igt, die Arbeitsabläufe so opti­mal und sich­er organ­isiert wie nur möglich – und trotz­dem ereignen sich immer noch Unfälle, die, in der Rückschau betra­chtet, zu ver­mei­den gewe­sen wären. Ist das ein „Grun­drauschen“, das man akzep­tieren muss? Oder worin beste­ht die Auf­gabe des Arbeitss­chutzes, wenn das Unternehmen sowohl sicher­heit­stech­nisch als auch organ­isatorisch opti­mal aufgestellt ist? Die Antwort kön­nte laut­en, dass man an der Schwelle hin zu einem ver­hal­tens­basiertem Arbeitss­chutz steht.

Bernd Koch

Die Erfahrung zeigt, dass Men­schen sich Änderung­sprozessen wider­set­zen, die ihnen von außen aufge­drückt erscheinen. Um also ein­er Vision wie „Null Arbeit­sun­fälle“ nahezukom­men, müssen wir als Arbeitss­chutz­fachkräfte über Metho-den der Ver­mit­tlung nach­denken, die es den Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­ern ermögli-chen, aus eigen­er Moti­va­tion die Regeln des Arbeitss­chutzes zu beacht­en, bess­er: sie zu leben. Mehr noch: Die Basis – so weit sind wir zumin­d­est hierzu­lande – für eine radikal reduzierte Anzahl an Unfall­ereignis­sen ist die fort­ge­set­zte Steigerung des Sicher­heits­be­wusst­seins der Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er. Mit Bezug auf die Dupont Bradley Curve geht es um die For­ten­twick­lung zum Sta­di­um des „interkol­le­gialen Arbeitss­chutzes“, das zwin­gend ein indi­vidu­elles Sicher­heits- und Prob­lem­be-wusst­sein voraus­set­zt. Wir haben es also in erster Hin­sicht mit einem Lern­prozess zu tun – und Lern­prozesse funk­tion­ieren nun ein­mal nicht auf Knopf­druck, son­dern bedür­fen der Kon­ti­nu­ität, der Wieder­hol­ung und der aktiv­en Ein­bindung der Mitar­bei­t­erin­nen und Mitarbeiter.
Unter diesem Blick­winkel haben wir bei ICL bere­its vor Jahren begonnen, uns mit Fra­gen zu beschäfti­gen, wie Lern­prozesse eigentlich funk­tion­ieren, wie man das Inter­esse an Sicher­heit­s­the­men weck­en kann, welche Strate­gien es gibt, welche Kom­mu­nika­tion­skanäle ver­füg­bar gemacht wer­den kön­nen und wie der Arbeitss­chutz im Betrieb auf den ver­schiede­nen Ebe­nen sicht­bar wird.
Unfal­l­analyse nur begren­zt nützlich
Die Unfal­l­analyse mit anschließen­der Belehrung muss durchge­führt wer­den und damit wäre die geset­zliche Pflicht im Prinzip auch schon erfüllt. Das Prob­lem beste­ht aber darin, welchen Beitrag die geset­zlich vorgeschriebene Unfal­l­analyse zur Nach­haltigkeit der Arbeitssicher­heit im Betrieb leis­tet. Die Unfal­l­analyse ist naturgemäß reak­tiv, ihr Beitrag zur Aufk­lärung eines Unfall­ereigniss­es soll Wis­sen darüber schaf­fen, welche Fak­toren zu dem Ereig­nis geführt haben, die anschließende Besprechung top down soll dieses Wis­sen ver­bre­it­en. Das Unfall-ereig­nis wird auf diese Art zu einem Beispiel, aus dem sich Hand­lungsregeln zur Ver­mei­dung zukün­ftiger Unfall­ereignisse ableit­en sollen. Nun sind die Unfal­l­analyse und das auf dieser Basis gener­ierte Wis­sen zwei ver­schiedene Dimen­sio­nen. Die Arbeitssicher­heit ist in der Frage, wie dieses am konkreten Fall gewonnene Wis­sen im Betrieb wirk­lich effek­tiv Ver­bre­itung find­et, mehr oder weniger auf sich selb­st gestellt.
Der Vor­gang der Analyse selb­st ist nicht unkri­tisch. Eine verun­fallte Per­son als Arbeitssicher­heits­fachkraft zu befra­gen, ist kein neu­traler Vor­gang, ver­gle­ich­bar mit ein­er Recherche. Der ver­let­zte Mitar­beit­er hat möglicher­weise noch mit den psy­chis­chen Beein­träch­ti­gun­gen durch das Ereig­nis zu kämpfen. Die Sit­u­a­tion der Abfrage durch die Fachkraft aus ein­er höheren hier­ar­chis­chen Ebene baut automa­tisch Druck auf, unab­hängig davon wie ein­fühlsam der Fragesteller vorge­ht. Zulet­zt schwingt auch noch ein Moment der Belehrung mit, der Befragte fühlt sich möglicher­weise vor­rangig auf der Anklage­bank, da es in sein­er Erzäh­lung einen Punkt geben kann, an dem er mehr oder weniger zugeben muss, selb­st einen Fehler began­gen zu haben – und das vol­lzieht sich wom­öglich nicht in einem Zwiege­spräch, son­dern vor ein­er größeren Anzahl Per­so­n­en. Das gesamte Set­ting ist fol­glich nicht beson­ders gün­stig, was die Moti­va­tion verun­fall­ter Mitar­beit­er ange­ht und wirkt sich ten­den­ziell auf das Ergeb­nis aus.
Auf ein­er anderen Ebene zeich­net sich zusät­zlich ein noch schw­er­wiegen­deres Prob­lem ab, das die Valid­ität der auf diese Art gewonnenen Infor­ma­tio­nen bet­rifft. Ereignisse, die in der Ver­gan­gen­heit erlebt wur­den, wer­den nicht orig­i­nal­ge­treu abge­spe­ichert und kön­nen dem­nach nicht ein­fach abgerufen wer­den. Jede Erinne-rung ist eine Rekon­struk­tion, und das prägt das Ergeb­nis ein­er Befra­gung eben­falls. Im Übri­gen kann auch die soge­nan­nte „Unaufmerk­samkeits­blind-heit“ ursäch­lich mit dem Unfall­ereig­nis in Zusam­men­hang ste­hen, und dann ste­ht der entschei­dende Wen­depunkt, der zum Ereig­nis führte, der rekon­stru­ieren­den Erin­nerung über­haupt nicht zur Verfügung.
Aus diesen Grün­den ist es schwierig, anhand der Aus­sagen des Betrof­fe­nen und etwaiger Zeu­gen auf den exak­ten Unfall­her­gang zu schließen. Um der geset­zlichen Vorschrift nicht nur zu genü­gen, son­dern dieser auch einen Sinn zu ver­lei­hen, muss den­noch eine sicht­bare Kon­se­quenz gezo­gen wer­den. Hier kom­men meist tech­nis­che Maß­nah­men in Betra­cht, die sicher­lich ihren Beitrag zu zukün­ftiger Arbeitssicher­heit leis­ten. Doch kön­nen solche Maß­nah­men die über­wiegende Ursache für Gefährdun­gen am Arbeit­splatz aufheben?
Nicht nur die Berichte zu Unfall­ereignis­sen, auch die alltägliche Beobach­tung im Betrieb zeigt, dass es vie­len Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­ern an Gefahren­be­wusst­sein man­gelt. (Wir sprechen hier bere­its von solchen Gewohn­heit­en, wie den Hand­lauf beim Trep­pen­steigen nicht zu benutzen.) Auch die übliche Unter­weisung der Mitar­beit­er des durch das Unfall­ereig­nis betrof­fe­nen Bere­ichs zeigt keine nach­haltige Steigerung des indi­vidu­ellen Gefahrenbewusstseins.
Zusam­menge­fasst: Eine Unfal­l­analyse leis­tet ihren Beitrag, doch sie ist lim­i­tiert, wenn es um die nach­haltige Steigerung der Arbeitssicher­heit geht. Aus ver­schie-denen Grün­den ist es objek­tiv unmöglich, alle Aspek­te zu klären, die zum Unfall­ereig­nis geführt haben. Die Auf­gabe, die indi­vidu­elle Sen­si­bil­ität der Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er für poten­zielle Gefährdun­gen in ihrer täglichen Arbeit (und nicht nur dort!) zu erhöhen, muss anders ange­gan­gen wer­den. Es dreht sich nicht alleine um den Zuwachs an Wis­sen aus Erfahrung, es geht vor allem darum, die Mitar­beit­er in die Lage zu ver­set­zen, mögliche Gefährdun­gen selb­st im Ansatz zu erken­nen und zu kom­mu­nizieren. Kon­se­quenter­weise ist dem eine entsprechende Kom­mu­nika­tion­sstruk­tur an die Seite zu stellen. Um diese bei­den Punk­te soll es im Fol­gen­den gehen.
Acht­samkeit ist Schlüs­sel zu nach­haltigem Sicherheitsbewusstsein
Die Her­aus­forderung liegt auf der Hand: Rekon­struk­tio­nen von Unfall­ereignis­sen sind notwendi­ger­weise unvoll­ständig und, was in der Natur der Sache begrün­det liegt, lassen das Wis­sen nur punk­tuell, nicht struk­turi­ert und sys­tem­a­tisch wach­sen. Die Unter­weisung der Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er im betrof­fe­nen Bere­ich ste­ht nur für eine kurze Zeit im grellen Licht der Aufmerk­samkeit, die durch den Unfall geweckt wurde. Die All­t­agsrou­ti­nen wer­den das bald wieder überdeck­en. Eine Faus­tregel kön­nte laut­en, dass die Anzahl geführter Gespräche und erre­ichter Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er mit der Schwere der Ver­let­zung ansteigt, zugle­ich aber die Zahl der­jeni­gen, die solche Unfälle erleben oder bezeu­gen, erfahrungs­gemäß niedrig ist.
Umgekehrt ken­nt fast jed­er aus eigen­er Anschau­ung Ereignisse mit gerin­gerem Ver­let­zungs­grad; hier sinkt dann aber die Zahl der Gespräche und der erre­icht­en Adres­sat­en. Die Aufmerk­samkeit für die rel­a­tiv kleineren Gefährdun­gen ist ger­ing, woraus sich aber nicht ableit­en lässt, dass sie in Bezug auf poten­ziell lebens­ge­fährliche Unfälle umgekehrt höher wäre. Wenn man einen Zusam­men­hang zwis­chen den zahlre­ichen kleinen Unauf-merk­samkeit­en im Arbeit­sall­t­ag und den schw­er­wiegen­den Unfall­ereignis­sen pos­tuliert, muss man davon aus­ge­hen, dass die Aufmerk­samkeit nicht automa­tisch mit der Gefährdung wächst, selb­st wenn ver­ständlicher­weise die Aufre­gung nach einem schw­eren Unfall groß ist.
Wenn die Präsenz des The­mas Arbeitssicher­heit nur im Zusam­men­hang mit punk­tuellen Unfall­ereignis­sen erlebt wird, wie soll unter diesen Umstän­den ein nur par­tiell anwach­sendes Wis­sen um Sicher­heit am Arbeit­splatz unter der Belegschaft Ver­bre­itung find­en? Die Antwort: Betra­cht­en Sie nicht die Spitze des Eis­berges. Ver­suchen Sie, den Teil sicht­bar zu machen, der unter der Wasser­ober­fläche liegt. Hier spielt die Vielzahl der rel­a­tiv kleineren Gefährdun­gen im Arbeit­sall­t­ag eine eben­so entschei­dende Rolle wie die Großgefahren.
Wie aus der Lern­the­o­rie bekan­nt ist, ist Ler­nen ein aktiv­er Prozess. Ler­nen durch bloßes Zuhören, auf das die Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er ja zwangsweise zum größten Teil eingestellt sind, wenn es um das The­ma Arbeitssicher­heit geht, funk­tion­iert nur begren­zt. Sie müssten fol­glich selb­st in Sachen Arbeitssicher­heit aktiv wer­den. Die Rolle der Sicher­heits­fachkraft beste­ht in diesem Zusam­men­hang darin, die Mitar­beit­er-Aktivierung zu stim­ulieren. Die Schöp­fung und die Verteilung von Wis­sen in der Arbeitssicher­heit muss die gewohn­ten Pfade ver­lassen. Das Bewusst­sein der Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er ist der Ort, an dem sich das notwendi­ge Wis­sen um die eigene Sicherung bei der täglichen Arbeit befind­en sollte, nicht alleine das der Fachkraft für Arbeitssicher­heit, die dieses Wis­sen dann top down verkündet.
Struk­turi­erte und vorauss­chauende Kom­mu­nika­tion­s­pla­nung wichtig
Um die oben skizzierte Auf­gabe der Arbeitssicher­heit mit Leben zu erfüllen, bedarf es freilich ein­er Aktivierung der Arbeitssicher­heits­fachkraft selb­st. Es geht darum, das über die Jahre ange­sam­melte Wis­sen kri­tisch und sys­tem­a­tisch zu betra­cht­en und The­men zu iden­ti­fizieren, auf die die Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er aufmerk­sam gemacht wer­den kön­nen. Des Weit­eren sind geeignete method­is­che Schritte (Schu­lun­gen, Events, visuelle Kom­mu­nika­tions­for­men, aktivie-rende Meth­o­d­en), die zu den jew­eils iden­ti­fizierten The­men passen, zu find­en. Sind diese Gele­gen­heit­en ein­er geziel­ten Kom­mu­nika­tion zur Arbeitssicher­heit ein­mal erkan­nt, ist der Fak­tor Zeit in Rech­nung zu stellen.
Zur Struk­turierung eines Kom­mu­ni­ka-tion­s­plans zur Arbeitssicher­heit soll­ten Sie fol­gende Aspek­te in Erwä­gung ziehen: Fra­gen Sie sich, ob die iden­ti­fizierten The­men eine bes­timmte Saison­al­ität haben oder zu gewis­sen Anlässen beson­ders geeignet sind und pla­nen Sie entspre-chend im Voraus. Die Abteilung Arbeitssicher­heit bei ICL plant sowohl über­greifende Zwei­jahreskam­pag­nen als auch wiederkehrende saisonale Aktio­nen, regelmäßige Schu­lun­gen, einige Son­der­ak­tio­nen pro Jahr und monatliche Infor­ma­tio­nen, die spo­radisch mit Give-aways ver­bun­den sind.
Die Ein­führung von spielerischen oder sym­bol­is­chen Ele­menten – etwa ein Gabel­sta­pler-Geschick­lichkeit­stest, ein tem­porär aufgestelltes Gewächshaus, aus dem wir im Früh­jahr Set­zlinge per­sön­lich an die Mitar­beit­er ver­schenken oder ein Test von neuen Sicher­heit­shand­schuhen, bei dem die Kol­le­gen ver­suchen, um die Wette Opstereier mit Hand­schuhen von der Schale zu befreien – haben primär nichts mit Arbeitssicher­heit zu tun: Sie schaf­fen aber eine ungezwun­gene Gele­gen­heit, immer wieder mit den Mitar­bei-tern ins Gespräch zu kom­men und dabei informell das The­ma Sicher­heit in den Fokus zu rücken.
Wie muss man sich das vorstellen? Wenn wir dieses Jahr betra­cht­en, hat­ten wir bish­er abwech­slungsre­iche The­men (anlass­be­zo­gen oder frei gewählt) für die Sicher­heit­skurzge­spräche, zum Beispiel: „Rechtzeit­ig auf Risiken reagieren“ mit Analyse ein­er Kette von Ereignis­sen, die sich zu einem Unfall auf­schau-keln kön­nen; „Aus Unfällen ler­nen“ mit Rekon­struk-tio­nen dreier Unfälle aus der Ver­gan­gen­heit; „Verätzun­gen“ mit der Darstel­lung zweier Unfall­ereignisse und den richti­gen Sofort­maß­nah­men. In Form eines Jahreskalen­ders bieten wir unseren Mitar­beit­ern eine Vorauss­chau auf die fest etablierten Aktio­nen, die oft saison­al ori­en­tiert sind: „Früh­jahrsputz“ zu Beginn des Früh­lings, mit dem Ziel, die über das Jahr etablierten Unsicher­heits­fak­toren zu beseit­i­gen – und natür­lich, um einen gründlich aufgeräumten Arbeits­bere­ich zu haben; die Gabel­sta­pler­schu­lung im ersten und zweit­en Hal­b­jahr; urlaub­s­be­zo­gene Sicher­heit­stipps zu Beginn der Ferien­sai­son; die jährliche Inspek­tion der Werks­fahrräder, zu denen auch pri­vate Fahrräder mit­ge­bracht wer­den dür­fen und vieles mehr.
Diese Struk­turierung in ver­schiede­nen zeitlichen Dimen­sio­nen wird aktiv kom­mu­niziert, indem wir allen Kol­legin­nen und Kol­le­gen rechtzeit­ig den Jahreskalen-der zukom­men lassen. Solche Ele­mente bleiben dann in der Regel das ganze Jahr über in den Arbeits­bere­ichen sicht­bar. Das zeigt, wie weit die Pla­nun­gen auf der Seite ein­er Arbeitssicher­heitsabteilung dem Start ein­er Kam­pagne vor­laufen müssen. Auf diese Weise sind wir der Vision von 365 Tagen Arbeitss­chutz im Jahr ein gutes Stück näher gekom­men. Mit­tler­weile nehmen wir auch Bezug auf Gefährdun­gen, die in der Freizeit auftreten kön­nen und versenden mit der Gehaltsabrech­nung ein monatlich­es Themenblatt.
Durch die Etablierung dieser Kam­pagne haben wir zudem die Möglichkeit, Par­al­le­len zum heimis­chen Bere­ich zu ziehen und damit sicher­heits­be­wusstes Freizeitver­hal­ten zu fördern, z. B. mit den The­men „Haushalts­chemikalien sachgerecht auf­be­wahren“, „Früh­lingszeit – Garte­nar­beit“, „Gute Reise mit dem Auto“, „Som­mer­freuden daheim“. Zum über-greifend­en saisonalen Aspekt gehören Sicher­heit­shin­weise zum Beginn der Motor­rad­sai­son oder zu den unweiger­lich ein­set­zen­den Grill-Par­tys – Anlässe existieren genug, sie müssen nur zum richti­gen Zeit­punkt als Denkim­puls geset­zt wer­den, dann stützen sie die Kernar­beit der Arbeitssicher­heit im Betrieb. Unser Beispiel zeigt, dass eine Arbeitss­chutz­abteilung auch ohne konkreten Anlass zu ein­er erhe­blich gesteigerten Anspra-chefre­quenz gelan­gen kann.
Kom­mu­nika­tion­skanäle auf- und ausbauen
Um die Aufmerk­samkeit der Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er im Betrieb jen­seits neg­a­tiv­er Großereignisse zu weck­en und ihre Sen­si­bil­ität für die Sicher­heit am Arbeit­splatz zu erhöhen, bedarf es ein­er gewis­sen Präsenz des The­mas Arbeitssicher­heit. Mit bloßer Wieder­hol­ung wäre es jedoch nicht getan. Vielmehr benötigt man ver­schiedene Kanäle, um die Reich­weite zu erhöhen und immer wieder neue Anreize zu bieten. Hier muss sich also die Sicher­heits­fachkraft in gewiss­er Weise eines Ein­fall­sre­ich­tums befleißi­gen, der son­st eher von Wer­be­fach­leuten erwartet würde. Das Prinzip ist jedoch das gle­iche: Die über­ge­ord­nete Botschaft, aufmerk­sam und mit Bedacht zu Werke zu gehen, muss Teil der Betrieb­sat­mo­sphäre wer­den. Mit den spez­i­fis­chen Gefährdun­gen, die sich in jedem Betrieb find­en lassen, verbindet sich dann jew­eils auch eine Chance für den Arbeitss­chutz, an genau diesen Stellen Präsenz zu zeigen. Da schon eine gewisse Nähe zu Prinzip­i­en der Wer­bung ange-klun­gen ist: Die Spuren, die der Arbeitss­chutz im Betrieb hin­ter­lässt, soll­ten Wieder­erken­nungswert haben. Arbeitss­chutz muss eine Marke werden.
Natür­lich funk­tion­iert Arbeitssicher­heit im Betrieb nicht alleine durch das Anbrin­gen von war­nen­den Hin­weisen und ermuntern­den Parolen. Die regelmäßige und gezielte Schu­lung zu den jew­eils für den Betrieb rel­e­van­ten The­men bildet eine Kernkom­pe­tenz der Arbeitssich­er-heit. Hier kann es jedoch vorkom­men, dass die Fachkraft unge­wollt in die Rolle des „Ober­lehrers“ gerät, weil sie eventuell nur im erweit­erten Sinne als Kol­lege anerkan­nt ist.
Es ist eine tra­di­tionelle Wahrnehmung, dass Arbeitss­chützer Men­schen sind, die von Berufs wegen ihren Mit­men­schen mit erhoben­em Zeigefin­ger begeg­nen. Das ist für die Akzep­tanz und Über­nahme der Inhalte hin­der­lich. Deshalb gehört es zu den erweit­erten Kom­mu­nika­tion­sstrate-gien, inter­essierte Kol­legin­nen und Kol­le­gen zu Mod­er­a­toren für die Auf­gabe der Schu­lun­gen auszu­bilden und sie im Schu­lung­sprozess im besten Falle nur noch zu begleiten.
Ergeb­nisse
Die Erfahrun­gen, die wir bei ICL über die Jahre gemacht haben, bestäti­gen unsere Vorge­hensweise. Zum einen sind die Unfal­lzahlen ins­ge­samt kon­tinuier­lich gesunken, vor allem die der schw­eren Unfall­ereignisse. Zum anderen nimmt die Fachöf­fentlichkeit unsere Aktiv­itäten wahr, die Anerken­nung spiegelt sich in ein­er Rei­he von Ausze­ich­nun­gen in Wet­tbe­wer­ben wider. Wir kön­nen sagen, dass wir nach über zehn Jahren aus der Umset­zungsphase in die Nach­haltigkeit­sphase überge­gan­gen sind, vor allem wenn wir auf die Unfall­rate blick­en, die seit Jahren auf dem niedrig­sten Niveau rang­iert. Die Mitar­beit­er nehmen das Pro­gramm an, selb­st Betrieb­s­bere­iche, die nicht mehr zum Mut­terkonz­ern gehören, wün­schen sich eine Fort­führung des Programms.
Eine so hohe Fre­quenz und ein solch­er Aktiv­itäts­grad ist unweiger­lich mit höheren Kosten für eine Abteilung Arbeitssicher­heit ver­bun­den. Allerd­ings ist das nur eine Seite der Medaille. Einem Forschungs­bericht der Inter­na­tionalen Vere­ini­gung für soziale Sicher­heit von 2011 zufolge darf ein Unternehmen, das einen Euro in die Arbeitssicher­heit investiert, mit einem „Return on Pre­ven­tion“ von 2,20 Euro rech­nen. Dieser unternehmerische Vorteil der verbesserten Arbeitssicher­heit sollte let­zte Zweifel beseit­i­gen, ob das Wün­schenswerte auch finanzier­bar sei. Es finanziert sich prak­tisch selb­st und wirft noch Gewinn ab.
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