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Die DFG-MAK-Kommission wird 60!

Ein weiteres eindrucksvolles Jubiläum
Die DFG-MAK-Kommission wird 60!

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Schon im vorigen Jahr hat­te die DFG-Arbeitsstof­fkom­mis­sion mit der Veröf­fentlichung der 50. MAK-Werte-Liste ein bemerkenswertes Jubiläum gefeiert. In diesem Jahr ste­ht die „Ständi­ge Sen­atskom­mis­sion zur Prü­fung gesund­heitss­chädlich­er Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungs­ge­mein­schaft“ selb­st im Mit­telpunkt: im Sep­tem­ber 2015 kann sie ihren 60. Grün­dungstag feiern.

Dr. Ulrich Welzbacher

Die Vor­bere­itun­gen zur Grün­dung ein­er solchen Kom­mis­sion, die gefährliche Stoffe am Arbeit­splatz im Hin­blick auf gesund­heitliche Belas­tun­gen für die Beschäftigten bew­erten und Gren­zw­erte vorschla­gen sollte, began­nen bere­its im Jahre 1953; zu dieser Zeit erhiel­ten auch die Max­i­malen Arbeit­splatz-Konzen­tra­tio­nen oder kurz MAK-Werte, die nach wis­senschaftlichem Ken­nt­nis­stand eine Beein­träch­ti­gung der Gesund­heit auss­chließen soll­ten, ihren Namen. Offizieller Grün­dungstag durch den DFG-Sen­at ist der 29. Sep­tem­ber 1955.
Die erste Liste solch­er MAK-Werte erschien im Dezem­ber 1958. Im Laufe der Jahre kamen zu den MAK-Werten Angaben darüber hinzu, ob Arbeitsstoffe Krebs erzeu­gen, Keimzellen oder das wer­dende Kind während der Schwanger­schaft schädi­gen kön­nen, Haut oder Atemwege sen­si­bil­isieren oder in tox­is­chen Men­gen über die Haut aufgenom­men wer­den können.
Die Liste weist seit etlichen Jahren außer­dem die Konzen­tra­tion eines Stoffes im Kör­p­er aus, der ein Men­sch sein Arbeit­sleben lang aus­ge­set­zt sein kann, ohne gesund­heitlichen Schaden zu nehmen (Bio-logis­che Arbeitsstoff-Tol­er­anzw­erte oder kurz BAT-Werte). In den fol­gen­den Jahren kamen
  • Kor­re­la­tio­nen zwis­chen Luftkonzen­tra­tio­nen und Konzen­tra­tio­nen im biol­o­gis­chen Mate­r­i­al für kreb­serzeu­gende Stoffe (Expo­si­tion­säquiv­a­lente für kreb­serzeu­gende Arbeitsstoffe [EKA]),
  • Biol­o­gis­che Leitwerte (BLW) und
  • Biol­o­gis­che Arbeitsstoff-Ref­eren­zw­erte (BAR)
hinzu. Zu allen über­prüften Stof­fen legt die Kom­mis­sion jew­eils aus­führliche wis­senschaftliche Begrün­dun­gen vor, die die Entschei­dung­sprozesse in der Kom­mis­sion trans­par­ent darlegen.
Alljährlich wer­den die neuen Vorschläge für MAK- und BAT-Werte sowie Stoff­be­w­er­tun­gen zum 1. Juli veröf­fentlicht und der Bun­de­sar­beitsmin­is­terin übergeben. Im Anschluss daran über­prüft der Auss­chuss für Gefahrstoffe (AGS) die Vorschläge für neue Arbeit­splatz­gren­zw­erte und emp­fiehlt in der Regel ihre Über­nahme in die Tech­nis­che Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 900.
Der Schw­er­punkt der diesjähri­gen Änderun­gen und Ergänzun­gen liegt bei der Neuauf­nahme und Änderung von MAK-Werten, wodurch auch 2015 die Anzahl der MAK-Werte erneut gewach­sen ist, nach­dem schon in den ver­gan­genen Jahren zahlre­iche neue MAK-Werte in die Liste aufgenom­men wor­den waren.
Neben der Auf­nahme von ins­ge­samt elf neuen Stoff­po­si­tio­nen (neun bei den Luft­gren­zw­erten (MAK-Werte-Liste) und zwei bei den biol­o­gis­chen Werten) enthält die Liste in diesem Jahr 60 geän­derte Ein­träge, 44 Posi­tio­nen bei den MAK-Werten und 16 Posi­tio­nen bei den biol­o­gis­chen Werten.
Neue Luft­gren­zw­erte 2015
Die Liste der MAK-Werte enthält in diesem Jahr neun neue Stof­fein­träge für
  • 3,5‑Di-tert-butyl-4-hydroxyphenylpropionsäureoctadecylester [2082–79–3] (neuer MAK-Wert, Ver­weis auf Abschnitt Xc)
  • Di-n-butylphos­pho­nat [1809–19–4] (nur Ver­weis auf Abschnitt IIb / Xc)
  • 4.4’-Dicyclohexylmethandiisocyanat [5124–30–1] (nur Ver­weis auf Abschnitt IV – Sh)
  • Di-n-octylphos­pho­nat [1809–14–9] (nur Ver­weis auf Abschnitt IIb / Xc)
  • Natri­umtrichlo­rac­etat [650–51–1] (neuer MAK-Wert)
  • 4tert-Octylphe­nol [140–66–9] (neuer MAK-Wert, Ver­weis auf Abschnitt Xc)
  • Triph­enylphos­phat, iso­propy­liert (neuer MAK-Wert, Ver­weis auf Abschnitt Xc)
  • Tris[(2– oder 4-)C9-C10-isoalkylphenyl]phospborthioat [126019–82–7] (nur Ver­weis auf Abschnitt IIb / Xc)
  • Trypsin [9002–07–7] und Chy­motrypsin [9004–07–3] (nur Ver­weis auf Abschnitt IV – Sa).
Für die nach­fol­gend genan­nten sechs Stoffe, die bere­its in der Liste genan­nt wur­den, gibt es erst­mals einen MAK-Wert:
  • tert-Buty­lamin [75–64–9] (bish­er Zuord­nung zu Abschnitt IIb)
  • Chlo­ri­erte Biphenyle: Mono‑, Di‑, Trichlo­ri­erte Biphenyle (die Ein­träge zu „Chlo­ri­erte Biphenyle“ wer­den zu einem Ein­trag zusam­menge­fasst mit den bish­eri­gen Ein­stu­fun­gen und Bew­er-tun­gen der höher­chlo­ri­erten Biphenyle (≥4 Cl); bish­er ohne MAK-Wert)
  • Hexachlor‑1,3‑butadien [87–68–3] (bish­er ohne MAK-Wert)
  • o‑Phenylphenol [90–43–7] (bish­er Zuord­nung zu Abschnitt IIb)
  • o‑Phenylphe­nol-Natri­um [132–27–4] (bish­er Zuord­nung zu Abschnitt IIb)
  • Trichlores­sigsäure [76–03–9] (bish­er Zuord­nung zu Abschnitt IIb)
Ins­ge­samt wur­den so also für ins­ge­samt neun Stoffe bzw. Stof­f­grup­pen erst­mals MAK-Werte fest­gelegt (für vier neue und fünf bere­its vorhan­dene Ein­träge). In diesem Jahr wurde kein beste­hen­der MAK-Wert zurück­ge­zo­gen, sodass die Gesamtzahl der MAK-Werte erneut um neun gestiegen ist (der MAK für Mono‑, Di‑, Trichlo­ri­erte Biphenyle ist ja eigentlich nicht „neu“).
In diesem Jahr wur­den neun MAK-Werte abgesenkt:
  • 2‑Aminoethanol [141–43–5] (Fak­tor 10)
  • Des­til­late (Erdöl), mit Wasser­stoff behan­delte leichte (Aerosol) [64742–47–8] (Fak­tor 28)
  • Diethy­lamin [109–89–7] (Fak­tor 2,5)
  • Eth­yl­acry­lat [140–88–5] (Fak­tor 2,5)
  • 3‑Iod-2-propinyl­butyl­car­ba­mat [55406–53–6] (Fak­tor 2)
  • 4‑Methylpent-3-en-2-on [141–79–7] (Fak­tor 2,5)
  • Phos­pho­r­trichlo­rid [7719–12–2] (Fak­tor 5)
  • Phos­pho­rylchlo­rid [10025–87–3] (Fak­tor 10)
  • Polyvinylchlo­rid [9002–86–2] (Fak­tor 5).
Der neue MAK-Wert für Polyvinylchlo­rid ist mit der Mate­rialdichte zu multipli-zieren.
Bei Diethy­lamin [109–89–7] wurde der in ein­er Fußnote genan­nte bish­erige max­i­male Über­schre­itungs­fak­tor entsprechend der Absenkung des MAK-Wertes eben­falls ver­ringert (hal­biert).
Die MAK-Werte für fünf Stoffe wur­den ange­hoben, weil sich eine höhere Konzen­tra­tion als bish­er angegeben als nicht schädlich her­aus­gestellt hat:
  • Des­til­late (Erdöl), mit Wasser­stoff behan­delte leichte (Dampf) [64742–47–8] (Fak­tor 2,5)
  • N‑Ethyl-2-pyrroli­don [2687–91–4] (Fak­tor 2,5)
  • Glyc­erin [56–81–5] (Fak­tor 4)
  • Methacryl­säure [79–41–4] (Fak­tor 10)
  • 2,3,3.3‑Tetrafluorpropen [754–12–1] (Fak­tor 2).
Die Anhebung des MAK-Wertes für 2,3,3.3‑Tetrafluorpropen erfol­gte im Rah­men der Kom­men­tierungs­frist zu den Änderun­gen der vor­jähri­gen Liste.
Darüber hin­aus wur­den auch wieder vier Stoffe hin­sichtlich ihrer Bew­er­tung über­prüft, ohne dass Änderun­gen erforder­lich wurden:
  • n‑Butylamin [109–73–9]
  • Chlo­ri­erte Biphenyle: höher­chlo­ri­erte (≥4 Cl) Biphenyle
  • Methy­lac­etat [79–20–9]
  • Trimethy­lamin [75–50–3] (Fußnote zu Schwanger­schafts­gruppe C gestrichen)
Drei Neuein­träge – alles Kühlschmier­stof­fkom­po­nen­ten (Hin­weis auf Abschnitt Xc) – kon­nten lediglich dem Abschnitt IIb zuge­ord­net wer­den (siehe oben), in dem Stoffe aufge­führt sind, für die derzeit keine MAK-Werte aufgestellt wer­den können.
Der Stoff Ölsäure [112–80–1] wurde mit dem Ziel der Auf­stel­lung eines MAK-Wertes über­prüft, kon­nte aber nur Abschnitt IIb zuge­ord­net werden.
Sechs Neuein­träge (siehe oben) sowie die beste­hen­den bei­den Einträge
  • o‑Phenylphenol [90–43–7] (bish­er Zuord­nung zu Abschnitt IIb)
  • o‑Phenylphe­nol-Natri­um [132–27–4]
wur­den dem Abschnitt Xc zuge­ord­net, in dem Kühlschmier­stof­fkom­po­nen­ten zusam­mengestellt sind.
Weit­ere Hin­weise – Fußnoten
Drei Stoffe – davon zwei Neuein­träge – erhiel­ten in diesem Jahr eine Fußnote, dass der jew­eilige Stoff gle­ichzeit­ig als Dampf und Aerosol vor­liegen kann:
  • Di-n-butylphos­pho­nat [1809–19–4] (Neuein­trag)
  • 4tert-Octylphe­nol [140–66–9] (Neuein­trag)
  • Trichlores­sigsäure [76–03–9].
Kurzzeitwerte
Es gibt zwei Kat­e­gorien für die zuläs­sige kurzzeit­ige Über­schre­itung von Schichtmittelwerten:
Kat­e­gorie I: Stoffe, bei denen die lokale Reizwirkung gren­zw­ertbes­tim-mend ist oder atemwegssen­si­bil­isie-rende Stoffe
Kat­e­gorie II: resorp­tiv wirk­same Stoffe
Die Zahl in Klam­mern hin­ter der Kat­e­gorie beze­ich­net den zuläs­si­gen Über­schre­itungs­fak­tor; dabei ist eine solche Über­schre­itung höch­stens vier­mal pro Arbeitss­chicht als Mit­tel­w­ert für jew­eils 15 Minuten zuläs­sig. Der zeitliche Abstand der einzel­nen Über­schre­itungspe­ri­o­den soll dabei min­destens eine Stunde betragen.
Bei den neuen MAK hat die Kommission
5 x die Kurzzeitwertkat­e­gorie I(1) für
Natri­umtrichlo­rac­etat [650–51–1] (Neuauf­nahme)
4·tert-Octylphenol [140–66–9] (Neuauf­nahme)
o‑Phenylphenol [90–43–7]
o‑Phenylphe­nol-Natri­um [132–27–4]
Trichlores­sigsäure [76–03–9],
ein­mal die Kurzzeitwertkat­e­gorie I(2) für
tert-Buty­lamin [75–64–9]
3 x die Kurzzeitwertkat­e­gorie II(2) für
3,5‑Di-tert-butyl-4-hydroxyphenylpropionsäureoctadecylester [2082–79–3] (Neuauf­nahme)
Hexachlor‑1,3‑butadien [87–68–3]
Triph­enylphos­phat, iso­propy­liert (Neuauf­nahme) sowie
2 x die Kurzzeitwertkat­e­gorie II(8) für
Chlo­ri­erte Biphenyle: Mono‑, Di‑, Trichlo­ri­erte Biphenyle,
Polyvinylchlo­rid [9002–86–2] (bish­er mit MAK, aber ohne Kurzzeitwertkategorie)
vergeben.
Tert-Buty­lamin [75–64–9] (Über­schrei-tungs­fak­tor 2) erhält einen Hin­weis, dass ein Momen­tan­wert des 2,5‑fachen des MAK-Wertes nicht über­schrit­ten wer­den sollte.
Es ergaben sich drei Änderun­gen für die Kurzzeitwertkat­e­gorien bei beste­hen­den Einträgen:
  • Des­til­late (Erdöl), mit Wasser­stoff behan­delte leichte (Aerosol) [64742–47–8] (von II(2) nach II(4) (im Zusam­men­hang mit der MAK-Absenkung)
  • 2‑Methoxyessigsäure [625–45–6] (von II(8) nach II(2) (ohne Änderung des MAK-Wertes)
  • Pen­tanol (Iso­merengemisch) [30899–19–5] (von I(4) nach I(2) (ohne Änderung des MAK-Wertes)
Sen­si­bil­isierende Stoffe und Auf­nahme durch die Haut
Bei den Neuauf­nah­men wur­den in diesem Jahr zwei Stoffe lediglich mit dem Ver­weis auf Abschnitt IV und der Anmerkung „Sh“ für Sen­si­bil­isierung bei Hautkon­takt bzw. „Sa“ für Sen­si­bil­isierung beim Einat­men versehen:
  • 4,4’-Dicyclohexylmethandiisocyanat [5124–30–1] (Sh; dieser Stoff war im ver­gan­genen Jahr in ein­er Änderungsmit­teilung der DFG-Kom­mis­sion enthal­ten, fehlte damals aber in der Liste),
  • Trypsin [9002–07–7] und Chy­motrypsin [9004–07–3] (Sa).
Bei bese­hen­den Ein­trä­gen gab es keine Änderung hin­sichtlich der sen­si­bil­isieren­den Eigenschaften.
Die Anmerkung „H“ für Gefährdung durch Hautkon­takt wurde in diesem Jahr für die bei­den beste­hen­den Positionen
  • Diethy­lamin [109–89–7] – MAK abgesenkt
  • Eth­yl­acry­lat [140–88–5] – MAK abgesenkt
sowie für die Neuaufnahme
Natri­umtrichlo­rac­etat [650–51–1] und
vergeben; bei diesen Stof­fen trägt die Auf­nahme durch die Haut wesentlich zum tox­is­chen Gefährdungspoten­zial bei.
Die Anmerkung „H“ für Dipropy­leng­lykol [25265–71–8] wurde gestrichen.
Kreb­serzeu­gende Stoffe
Beson­dere Aufmerk­samkeit in der Fachöf­fentlichkeit „genießen“ in jedem Jahr die Neube­w­er­tun­gen und Umstu­fun­gen bei den kreb­serzeu­gen­den Stof­fen und Keimzell­mu­ta­ge­nen. In diesem Jahr wur­den sechs Stoffe hin­sichtlich ihrer kreb­serzeu­gen­den Eigen­schaften erst­mals eingestuft bzw. neu bew­ertet. Dabei wurde nur die Kat­e­gorie 4 vergeben, und zwar für
  • Chlo­ri­erte Biphenyle: Mono‑, Di‑, Trichlo­ri­erte Biphenyle (bish­er Kat­e­gorie 3B)
  • N,N‑Dimethylformamid [68–12–2] (bish­er keine Kat­e­gorie krebserzeugend)
  • Hexachlor‑1,3‑butadien [87–68–3] (bish­er Kat­e­gorie 3B)
  • o‑Phenylphenol [90–43–7] (bish­er keine Kat­e­gorie krebserzeugend)
  • o‑Phenylphe­nol-Natri­um [132–27–4] (bish­er keine Kat­e­gorie krebserzeugend)
  • Polyvinylchlo­rid [9002–86–2] (bish­er keine Kat­e­gorie krebserzeugend).
Der fol­gende Kas­ten zeigt die wesentlichen Def­i­n­i­tio­nen für die bei­den hier maßge­blichen Kategorien:
Kat­e­gorie 4: Stoffe, die bei Tier oder Men­sch Krebs erzeu­gen oder als kreb­serzeu­gend für den Men­schen anzuse­hen sind und für die ein MAK-Wert abgeleit­et wer­den kann. Im Vorder­grund ste­ht ein nicht-geno­tox­is­ch­er Wirkungsmech­a­nis­mus, und geno­tox­is­che Effek­te spie­len bei Ein­hal­tung des MAK- und BAT-Wertes keine oder nur eine unter­ge­ord­nete Rolle.
Kat­e­gorie 3B: Aus In-vit­ro- oder aus Tierver­suchen liegen Anhalt­spunk­te für eine kreb­serzeu­gende Wirkung vor, die jedoch zur Einord­nung in eine andere Kat­e­gorie nicht aus­re­ichen. Zur endgülti­gen Entschei­dung sind weit­ere Unter­suchun­gen erforder­lich. Sofern der Stoff oder seine Metabo­liten keine geno­tox­is­chen Wirkun­gen aufweisen, kann ein MAK- oder BAT-Wert fest­gelegt wer­den (soge­nan­nte „echte“ Verdachtsstoffe“).
Keimzell­mu­ta­gene
Bei den Keimzelle­mu­ta­ge­nen gibt es in diesem Jahr eine Änderung für Chlo­ri­erte Biphenyle: Mono‑, Di‑, Trichlo­ri­erte Biphenyle (Kat­e­gorie 5, bish­er Kat­e­gorie 3A).
Der fol­gende Kas­ten zeigt die wesentlichen Def­i­n­i­tio­nen für die bei­den hier maßge­blichen Kategorien:
Kat­e­gorie 5: Keimzell­mu­ta­gene oder Ver­dachtsstoffe (gemäß der Def­i­n­i­tion in Kat­e­gorien 3A und 3B), deren Wirkungsstärke als so ger­ing erachtet wird, dass unter Ein­hal­tung des MAK- und BAT- Wertes ein sehr geringer Beitrag zum genetis­chen Risiko für den Men­schen zu erwarten ist.
Kat­e­gorie 3A: Stoffe, für die eine Schädi­gung des genetis­chen Mate­ri­als der Keimzellen beim Men­schen oder im Tierver­such nachgewiesen wurde oder für die gezeigt wurde, dass sie muta­gene Effek­te in soma­tis­chen Zellen von Säugetieren in vivo her­vor­rufen und dass sie in aktiv­er Form die Keimzellen erreichen.
Schwanger­schafts­grup­pen
15 Stoffe wur­den in diesem Jahr hin­sichtlich ihrer Zuord­nung zu Schwanger­schafts­grup­pen erst­mals eingestuft (drei Neuauf­nah­men) bzw. neu bewertet.
Dabei wur­den
  • Chlo­ri­erte Biphenyle: Mono‑, Di‑, Trichlo­ri­erte Biphenyle (bish­er ohne Schwanger­schafts­gruppe) und
  • Dimethyl­sul­fox­id [67–68–5] (bish­er Schwanger­schafts­gruppe D)
der Schwanger­schafts­gruppe B (eine fruchtschädi­gende Wirkung ist nach den vor­liegen­den Infor­ma­tio­nen bei Exposi-tion in Höhe des MAK- und BAT-Wertes nicht auszuschließen) zugeordnet.
Die bei­den Neueinträge
  • 3,5‑Di-tert-butyl-4-hydroxyphenylpropionsäureoctadecylester [2082–79–3] und
  • Natri­umtrichlo­rac­etat [650–51–1]
wur­den eben­so der Schwanger­schafts­gruppe C (eine fruchtschädi­gende Wirkung braucht bei Ein­hal­tung des MAK- und BAT-Wertes nicht befürchtet zu wer­den) zuge­ord­net wie die sechs bere­its beste­hen­den Einträge
  • Brom­methan [74–83–9] (bish­er Schwanger­schafts­gruppe D)
  • Di-(2‑ethylhexyl)phthalat (DEHP) [117–81–7] (bish­er ohne Schwangerschaftsgruppe)
  • Hexachlor‑1,3‑butadien [87–68–3] (bish­er ohne Schwangerschaftsgruppe)
  • o‑Phenylphenol [90–43–7] (bish­er ohne Schwangerschaftsgruppe)
  • o‑Phenylphe­nol-Natri­um [132–27–4] (bish­er ohne Schwangerschaftsgruppe)
  • Tri­ethanolamin [102–71–6] (bish­er Schwanger­schafts­gruppe D).
Bei den vier Positionen
  • 2‑Aminoethanol [141–43–5]
  • Glyc­erin [56–81–5]
  • Phos­pho­r­trichlo­rid [7719–12–2]
  • Trimethy­lamin [75–50–3]
ist die bish­erige Fußnote „Schwanger­schafts­gruppe C wurde 2011 über­prüft und bestätigt“ entfallen.
Für die vier Stoffe
  • iso-Buty­lamin [78–81–9] (bish­er Schwanger­schafts­gruppe C)
  • sec-Buty­lamin [13952–84–6] (bish­er Schwanger­schafts­gruppe C)
  • tert-Buty­lamin [75–64–9] (bish­er ohne Schwanger­schafts­gruppe) und
  • Triph­enylphos­phat, iso­propy­liert (Neuauf­nahme)
gab es eine Zuord­nung zur Schwanger­schafts­gruppe D (Stoffe, bei denen die vor­liegen­den Dat­en für eine Ein­stu­fung in eine der Grup­pen A, B oder C nicht ausreichen).
Bei der Umstu­fung oder Neube­w­er­tung von Stof­fen wer­den regelmäßig auch alle anderen Para­me­ter über­prüft, auch wenn sie im Ergeb­nis dann unverän­dert bleiben.
Für alle Änderun­gen in der Liste erar­beit­et die Kom­mis­sion eine aus­führliche wis­senschaftliche Begrün­dung, die einige Monate nach der MAK-Liste in ein­er Ergänzungsliefer­ung zu der Lose­blattsamm­lung „Toxikol­o­gisch-arbeitsmedi­zinis­che Begrün­dun­gen von MAK-Werten und Ein­stu­fun­gen“ [1] veröf­fentlicht wird und die seit Anfang 2012 auch im Inter­net kosten­los zur Ver­fü­gung steht.
Biol­o­gis­che Beurteilungswerte (BW)
Bei den biol­o­gis­chen Werten gibt es in diesem Jahr Ein­träge für ins­ge­samt elf Stoffe oder Stof­f­grup­pen, davon zwei neue Ein­träge für
  • lod [7553–56–2] und anor­gan­is­che Iodide (BAR-Wert (Biol­o­gis­ch­er Arbeitsstoff-Ref­eren­zw­ert) nicht fest­gelegt, ver­gl. Abschn. XV.2) und
  • Naph­thalin [91–20–3] mit einem neuen BAR-Wert von 35 µg/l Urin (Para­me­ter: 1‑Naphthol plus 2‑Naphthol (nach Hydrol­yse), abgeleit­et für Nichtraucher).
BAT-Werte (Biol­o­gis­ch­er Arbeitsstoff-Toleranz-Wert)
Bei den BAT-Werten gab es in diesem Jahr neun Änderungen:
  • Anilin [62–53–3]: BAT um Fak­tor 2 abge­senkt; zusät­zlich­er Probe­nah­mezeit­punkt b (Expo­si­tion­sende bzw. Schich­t­ende); neue Fußnote: „Ablei-tung des BAT-Wertes als Höchst­wert wegen akut tox­is­ch­er Effek­te“; der BAT-Wert für den Para­me­ter „Anilin (aus Hämo­glo­bin-Kon­ju­gat freige­set­zt)“ wurde in einen BLW (Biol­o­gis­ch­er Leitwert) umgewandelt;
  • 1‑Butanol [71–36–3]: der bish­erige Para­me­ter „1‑Butanol (nach Hydrol­yse)“ wurde erset­zt durch „1‑Butanol“;
  • 2‑Butoxyethanol [111–76–2] und 2‑Butoxyethylacetat [112–07–2]: der BAT-Wert 200 mg/l Urin für den Para­me­ter Butoxyessigsäure (nach Hydrol­yse) wurde auf 150 mg/g Krea­tinin geän­dert, der Wert von 100 mg/l Urin für den bish­eri­gen Para­me­ter Butoxyessigsäure wird ausgesetzt;
  • Chlo­ri­erte Biphenyle: für den Para-meter „Summe aus PCB 28, PCB 52, PCB 101, PCB 138, PCB 153 und PCB 180“ wird ein neuer BAT-Wert von 15 µg/l Plas­ma festgelegt;
  • Dichlormethan [75–09–2]: neuer BAT-Wert (500 µg/l Vollblut)
  • Eth­yl­ben­zol [100–41–4]: der bish­erige BAT-Wert von 300 mg/l Urin für den Para­me­ter „Man­del­säure plus Phenyl­gly­oxyl­säure“ wird geän­dert in 250 µg/g Kreatinin;
  • der BAT-Wert für Xylole (alle lsomere) [1330–20–7] entfällt.
EKA (Expo­si­tion­säquiv­a­lente für
kreb­serzeu­gende Arbeitsstoffe)
Bei den EKA-Tabellen gibt es für
  • Arsen [7440–38–2] und anor­gan­is­che Arsen­verbindun­gen (mit Aus­nahme von Arsen­wasser­stoff): neue EKA-Tabelle für den Para­me­ter „Summe aus As3+, As2+, Monomethy­lar­son­säure und Dimethy­larsin­säure“ (bish­er nur für Arsentrioxid);
  • Eth­yl­ben­zol [100–41–4]: die EKA-Tabelle für den Para­me­ter „2– plus 4‑Ethylphenol (nach Hydrol­yse)“ wurde aufgehoben.
Biol­o­gis­che Arbeitsstoff-Ref­eren­zw­erte (BAR)
Fünf Biol­o­gis­che Arbeitsstoff-Ref­eren­zw­erte für Arsen [7440–38–2] und anor­gan­is­che Arsen­verbindun­gen (mit Aus­nahme von Arsen­wasser­stoff) wur­den geändert:
  • für die vier Para­me­ter As3+, As2+, Monomethy­lar­son­säure und Dimethyl-arsin­säure wur­den BAR-Werte in Urin zwis­chen 0,5 (Arsen-Ionen) und 10 µg/l Urin (organ­is­che Arsen­verbindun­gen) festgelegt;
  • der bish­erige BAR für anor­gan­is­ches Arsen und methylierte Metabo­liten (15 µg/l Urin) wird ausgesetzt.
Für Iod und anor­gan­is­che Iodide (BAR-Wert nicht fest­gelegt) sowie für Naph­thalin wer­den Ein­träge für BAR-Werte eingefügt.
Biol­o­gis­che Arbeitsstoff-Ref­eren­zw­erte (BAR) beschreiben die zu einem bes­timmten Zeit­punkt in ein­er Ref­eren­zpop­u­la­tion aus nicht beru­flich gegenüber dem Arbeitsstoff exponierten Per­so­n­en im erwerb­s­fähi­gen Alter beste­hende Hin­ter­grund­be­las­tung mit diesem Arbeitsstoff. Sie ori­en­tieren sich am 95. Perzen­til, ohne auf gesund­heitliche Effek­te Bezug zu nehmen.
Welche Bedeu­tung hat die DFG-Liste?
Die Deutsche Forschungs­ge­mein­schaft übergibt ihre MAK-Werte-Liste alljährlich im Juli dem Bun­desmin­is­teri­um für Arbeit und Soziales (BMAS) als Bestandteil ihrer Politikberatung.
Danach haben alle betrof­fe­nen und inter­essierten Kreise bis zum 1. Feb­ru­ar des fol­gen­den Jahres Gele­gen­heit, zu den Neuerun­gen Stel­lung zu nehmen und Kom­mentare hierzu einzure­ichen. Dabei geht es allerd­ings auss­chließlich um wis­senschaftliche Stel­lung­nah­men. Fra­gen der prak­tis­chen Umset­zung von neuen oder abge­senk­ten Gren­zw­erten oder schär­fer­en Ein­stu­fun­gen wer­den hier­bei nicht berücksichtigt.
Die Kom­mis­sion wird die ein­gere­icht­en Stel­lung­nah­men im darauf­fol­gen­den Jahr disku­tieren und ihre Vorschläge gegebe­nen­falls ändern oder ergänzen, bevor diese endgültig ver­ab­schiedet wer­den, erforder­lichen­falls auch zurückziehen. Dies ist in den zurück­liegen­den Jahren – auch in diesem Jahr – bere­its mehrfach geschehen.
Die Auf­gabe der prak­tis­chen Umset­zung obliegt dem Auss­chuss für Gefahrstoffe (AGS), wenn er im näch­sten Jahr über die Auf­nahme neuer oder geän­dert­er Gren­zw­erte in die TRGS 900 „Luft­gren­zw­erte“ oder geän­dert­er Stoff­be­w­er­tun­gen in die TRGS 905 „Verze­ich­nis kreb­serzeu­gen­der, erbgutverän­dern­der oder fortpflanzungs­ge­fährden­der Stoffe“ beschließt.
Wenn die Über­nahme neuer oder geän­dert­er Gren­zw­erte in die TRGS 900 in der Prax­is Prob­leme bere­it­et, wird der AGS auch hierüber berat­en und gegebe­nen­falls passende Präven­tion­s­maß­nah­men vorschla­gen, erforder­li-chen­falls auch spezielle Präven­tion­spro­gramme auflegen.
Daraus ergibt sich, dass es auch für die betrieblichen Prak­tik­er von Bedeu­tung ist, sich schon beizeit­en mit den neuen Vorschlä­gen der DFG auseinan­der zu set­zen und falls erforder­lich im eige­nen Betrieb zu über­prüfen, ob die neuen Werte einge­hal­ten wer­den kön­nen. Sollte dies offen­sichtlich nicht möglich sein, soll­ten sie frühzeit­ig mit den Tech­nis­chen Auf­sichts­di­en­sten, z.B. der Unfal­lver­sich-erung Kon­takt aufnehmen, um nach geeigneten Lösun­gen zu suchen. Dort wird man erforder­lichen­falls dann auch den AGS einschalten.
„Gelbe Seit­en“ der MAK- und
BAT-Werte-Liste
Auf den „Gel­ben Seit­en“ der MAK- und BAT-Werte-Liste weist die DFG-Kom­mis­sion alljährlich auf geplante Änderun­gen bzw. Ergänzun­gen für die jeweilige(n) Folgemitteilung(en) hin.
Fes­takt
Die Festver­anstal­tung zum 60. „Geburt­stag“ der MAK-Kom­mis­sion find­et im Okto­ber statt.
Weit­ere Informationen
Seit August 2012 stellt die Kom­mis­sion die jew­eils aktuelle Liste als Fak­sim­i­le (pdf-Doku­mente der gesamten Liste und einzel­ner Teile) ins Internet
(http://onlinelibrary.wiley.com/book/10.1002/9783527694983),
die durch­sucht und aus­ge­druckt wer­den kann. Die gedruck­te Fas­sung der Liste (310 Seit­en, Soft­cov­er, ISBN 978–3–527– 33977–8) kann beim Wiley-VCH-Ver­lag – Kun­denser­vice Büch­er –, Post­fach 10 11 61, D‑69451 Wein­heim, Tele­fon 06201/606–0, Fax 06201/606–328, E‑Mail: info@wiley-vch.de oder im Buch­han­del zum Preis von 62,90 Euro käu­flich erwor­ben werden.
productCd-3527336168.html beste­ht auch Zugang zu ein­er englis­chsprachi­gen Ver­sion (let­zte Aus­gabe 2014). Die jew­eils aktuelle Ver­sion erscheint alljährlich im näch­sten Herbst/Winter.
Seit Anfang 2012 kön­nen die (englis­chsprachi­gen) Begrün­dun­gen im Inter­net unter der Adresse http://onlinelibrary. wiley.com/book/10.1002/
3527600418/topics eben­falls kosten­los einge­se­hen werden.
Lit­er­aturhin­weise:
Hartwig, Andrea (Hrsg.): „Gesund­heitss­chädliche Arbeitsstoffe – Toxikol­o­gisch-arbeitsmedi­zinis­che Begrün­dun­gen von MAK-Werten und Ein­stu­fun­gen“, Begrün­dun­gen MAK-Werte (DFG); derzeit let­zte Aktu­al­isierung: 59. Liefer­ung Juni 2015, Handbuch/Nachschlagewerk, 520 Seit­en, ISBN 978–3–527–33975–4; Wiley-VCH, Wein­heim, 212,50 Euro inkl. Mehrw­ert­s­teuer zzgl. Versandkosten
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