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Sicherer Umgang mit Gabelstaplern

Eigen­hei­ten“ berück­sich­ti­gen

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Seine Schnel­lig­keit, Wendig­keit und die Möglich­keit, mit ihm Lasten ohne Hilfe Drit­ter aufneh­men zu können, macht den Gabel­stap­ler für viele Abläufe im Betrieb unver­zicht­bar. Die großen Vorzüge beinhal­ten aber auch Gefah­ren für die bedie­nende Person, Kolle­gin­nen und Kolle­gen in der Umge­bung sowie die Ladung oder Lager­ein­rich­tun­gen. Alle Betei­lig­ten müssen ihren Teil dazu beitra­gen, Unfälle mit Gabel­stap­lern zu verhin­dern.

Präven­ti­ons­dienst, Berufs­ge­nos­sen­schaft Holz und Metall (BGHM)

Etwa ein Drit­tel aller Arbeits­un­fälle passie­ren bei Trans­port­tä­tig­kei­ten. An vielen dieser Unfälle sind Gabel­stap­ler betei­ligt. Die Unfall­ur­sa­chen gehen dabei meist auf mensch­li­ches Fehl­ver­hal­ten zurück: Entwe­der durch die bedie­nende Person selbst oder Perso­nen, die sich in der Nähe des Fahr­zeu­ges befin­den. Tech­ni­sche Ursa­chen für Unfälle sind hinge­gen äußerst selten. Daher sind vor allem Sicher­heits­be­auf­tragte gefragt, im Kreis der Kolle­gin­nen und Kolle­gen ein beson­de­res Augen­merk auf den siche­ren Umgang mit Gabel­stap­lern zu legen.
Kriti­sche Situa­tio­nen beim Bedie­nen dieser Trans­port­hil­fen sind vielen bekannt und kommen immer mal wieder im Betriebs­all­tag vor. Glück­li­cher­weise wird bei den über­wie­gen­den Unfäl­len „nur“ Mate­rial beschä­digt. Kommen aller­dings Perso­nen zu Scha­den, ist mit gravieren‐den Verlet­zun­gen zu rech­nen, da Gabel­stap­ler ein enor­mes Gewicht besit­zen und über keine Knautsch­zone verfü­gen.
Typi­sche Unfall­ur­sa­chen sind:
  • Anhe­ben einer Last auf den Gabel­spit­zen statt am Gabel­baum.
  • Zu schnel­les Fahren mit ange­ho­be­ner Last, vor allem in den Kurven.
  • Das Wenden auf schrä­gen Flächen oder das Befah­ren von Rampen mit der Last auf Talseite.
  • Die Mitnahme von Perso­nen auf den Gabel­z­in­ken oder dem Konter­ge­wicht.
  • Eine Benut­zung des Stap­lers durch unge­schul­tes Perso­nal.
  • Den Einsatz des Stap­lers bei Arbei­ten, für die er nicht konstru­iert ist.
  • Beson­dere Fahr­ei­gen­schaf­ten
  • Im Vergleich zu ande­ren Fahr­zeu­gen besitzt ein Gabel­stap­ler beson­dere Fahr­ei­gen­schaf­ten, die von der bedie­nen­den Person unbe­dingt berück­sich­tigt werden müssen. Folgende Eigen­hei­ten sind hier­bei zu nennen:
  • Die Sicht der Fahre­rin oder des Fahrers wird durch den Gabel­baum erheb­lich einge­schränkt. Dazu kommt die Sicht­be­hin­de­rung durch die trans­por­tierte Last.
  • Der Stap­ler ist beson­ders wendig, da er mit der Hinter­achse gelenkt wird. Der Wende­kreis und die Kurven­ra­dien sind sehr klein. Die hier­durch mögli­chen Wende­be­we­gun­gen, beson­ders mit dem Heck, können für Perso­nen im Umkreis des Stap­lers völlig über­ra­schend sein.
  • Der Gesamt­schwer­punkt verän­dert sich beim Anhe­ben der Last. Dadurch entsteht insbe­son­dere in Kurven eine erhöhte Kipp­ge­fahr bei Fahrbewe‐gungen mit ange­ho­be­ner Last.
  • Beim Aufneh­men oder Abset­zen der Last konzen­triert sich der Fahrer zwangs­läu­fig auf den Gabel­be­reich. Hinder­nisse hinter oder neben dem Stap­ler können dabei leicht über­se­hen werden.
  • Beim Trans­port von Lasten, die die Sicht nach vorn versper­ren, muss die Fahre­rin oder der Fahrer rück­wärts­fah­ren. Dazu muss der Kopf nach hinten gedreht werden. Beson­ders auf länge­ren Stre­cken ist das anstren­gend und kann dazu führen, dass nicht der gesamte Bereich über­blickt werden kann.
Aufgrund dieser Beson­der­hei­ten beim Bedie­nen eines Gabel­stap­lers müssen beson­dere Anfor­de­run­gen und Verhal­tens­wei­sen für die bedie­nende Person sowie für alle ande­ren Menschen im Wirk­be­reich des Stap­lers abge­lei­tet werden.
Was die Fahre­rin oder der Fahrer beach­ten müssen
Folgende Grund­vor­aus­set­zun­gen müssen für das Fahren eines Gabel­stap­lers erfüllt sein: Die Fahre­rin oder der Fahrer muss mindes­tens 18 Jahre alt sein und sowohl körper­lich als auch geis­tig dazu in der Lage sein, dieses Gerät zu fahren. Des Weite­ren muss zum Führen eines Gabel­stap­lers eine theo­re­ti­sche und prak­ti­sche Ausbil­dung durch­lau­fen und eine entspre­chende Fahr­prü­fung für den gefah­re­nen Gabel­stap­ler bestan­den werden. Ferner muss die jewei­lige Unter­neh­mens­lei­tung für den jewei­li­gen Bereich ihres Firmen­ge­län­des sowie für jeden Stap­ler eine oder mehrere Person(en) zum Fahren des Stap­lers beauf­tra­gen.
Im Laufe der Fahr­aus­bil­dung erler­nen künf­tige Stap­ler­fah­re­rin­nen und -fahrer die rich­ti­gen Fahr‐ und Verhal­tens­wei­sen, die die Eigen­hei­ten des Stap­lers berück­sich­ti­gen.
Dazu zählt beispiels­weise die korrekte Benut­zung der Rück­hal­te­ein­rich­tun­gen, wie Gurt, Rück­hal­te­bü­gel oder geschlos‐sene Kabi­nen­tür. Auch die rich­tige Ladungs­si­che­rung, um Teile gegen etwai­ges Verrut­schen abzu­si­chern, steht auf dem Lehr­plan. Außer­dem werden die ange‐henden Stap­ler­fah­re­rin­nen und -fahrer dafür sensi­bi­li­siert, die Fahr­bahn und den Fahr­weg stets im Blick zu haben.
Sie erler­nen eben­falls, wie mit einer Last bei abge­senk­ter Gabel zu verfah­ren ist oder das ange­mes­sene Tempo in Kurven oder bei Fahr­ten mit einge­schränk­ter Sicht.
Die Kolle­gen als Sicher­heits­fak­tor
Auch die Beschäf­tig­ten im Betrieb müssen auf die rich­ti­gen Verhal­tens­wei­sen in der Nähe von Gabel­stap­lern aufmerk­sam gemacht werden. Sehr häufig versu­chen Perso­nen noch schnell hinter einem Stap­ler vorbei­zu­ge­hen, der gerade für Be‐ oder Entla­de­ar­bei­ten benutzt wird. Diese Passan­ten können aufgrund uner­war­te­ter Fahr­be­we­gun­gen des Stap­lers verletzt werden. Auch das paral­lele Gehen neben einem fahren­den Stap­ler birgt hohe Risi­ken, da das Heck bei Kurven­fahr­ten ausschwenkt und es zur Kolli­sion kommen kann. Fußgän­ger in der Umge­bung eines Stap­lers soll­ten sich bewusst sein, dass die Fahre­rin oder der Fahrer aufgrund des Gabel­baums oder einer aufge­la­de­nen Last Sicht­ein­schrän­kun­gen hat. Grund­sätz­lich soll­ten Fußgän­ger nie den Fahr­be­reich des Fahr­zeu­ges betre­ten, ohne vorher mit der Fahre­rin oder dem Fahrer Kontakt aufge­nom­men zu haben – zum Beispiel über Blick­kon­takt.
Fahr­feh­ler anspre­chen
Sicher­heits­be­auf­tragte können viel dazu beitra­gen, den Stap­ler­ver­kehr im Betriebs­all­tag siche­rer zu machen. Regel­mä­ßi­gen Unter­wei­sun­gen und Gesprä‐chen mit den entspre­chen­den Beschäf‐tigten kommt dabei eine große Bedeu­tung zu. Soll­ten beispiels­weise Sicherheitsbe‐auftragte eines Unter­neh­mens beobach‐ten, dass eine Stap­ler­fah­re­rin oder ein Stap­ler­fah­rer beim Rangie­ren gegen Gitter­bo­xen, Wände, Regal­stüt­zen oder ähnli­ches stößt, soll­ten sie die Fahre­rin oder den Fahrer auf diese Fahr­feh­ler anspre­chen. Auch vermeint­lich leichte Beschä­di­gun­gen an solchen Einrich­tun­gen können große Schä­den verur­sa­chen. Beispiels­weise sind moderne Regalsys‐teme so konstru­iert, dass nur das unbe­ein­träch­tigte Zusam­men­wir­ken der Einzel­ele­mente (Regal­stüt­zen, Fach­bö­den, Quer­stre­ben) zur vollen Gesamt­be­last­bar­keit führt. Wird eines der Einzel­ele­mente verbo­gen, abge­ris­sen oder ander­wei­tig beschä­digt, kann das gesamte Regal­sys­tem versa­gen und kolla­bie­ren.
Kleine Unauf­merk­sam­kei­ten mit großer Wirkung
Kleine Unauf­merk­sam­kei­ten beim Bedie­nen oder Fahren des Stap­lers können nicht nur dazu führen, dass Firmen­ein­rich­tun­gen beschä­digt, sondern auch Menschen verletzt werden. Neben den Stap­ler­fah­re­rin­nen und -fahrern soll­ten daher auch die Beschäf­tig­ten, die sich in der Nähe von Fahr‐ oder Rangier­be­rei­chen aufhal­ten, auf alle genann­ten Beson­der­hei­ten dieser Fahr­zeuge und die damit verbun­de­nen Gefah­ren regel­mä­ßig hinge­wie­sen werden.
Sicher­heits­be­auf­trage soll­ten daher sofort eingrei­fen, wenn ein Gabel­stap­ler für Arbei­ten verwen­det wird, für die das Gerät nicht geeig­net ist.
Beson­ders gerne werden zum Beispiel Gegen­stände mit den Gabel­z­in­ken verscho­ben. Ein ebenso weit verbrei­te­tes Fehl­ver­hal­ten ist das Anhe­ben einer Person mit dem Stap­ler ohne einen dafür geeig­ne­ten Arbeits­korb. Und selbst wenn ein Arbeits­korb benutzt wird, darf die Stap­ler­fah­re­rin oder der -fahrer den Fahrer­platz nicht verlas­sen, während eine Person ange­ho­ben worden ist. Außer­dem ist es verbo­ten, den Stap­ler mit ange­ho­be­nem Arbeits­korb zu fahren bezie­hungs­weise zu bewe­gen. Und schnell mal eine Kolle­gin oder einen Kolle­gen auf dem Stap­ler mitzu­neh­men, um Zeit zu sparen, ist nur dann zuläs­sig, wenn die Fahrer­ka­bine des Gefährts über einen zwei­ten Sitz verfügt.
Sicher fahren und ankom­men
Gabel­stap­ler sind keine Renn­ma­schi­nen. Außer­dem wird die jewei­lige Trans­port­leis­tung nicht durch die Fahr­ge­schwin­dig­keit während des Trans­ports bestimmt, sondern durch die Zeit beim Aufneh­men und Abset­zen der Last. Sicher­heits­be­auf­tragte soll­ten Stap­ler­fah­re­rin­nen und -fahrer regel­mä­ßig darauf hinwei­sen, an unüber­sicht­li­chen Stel­len oder in Berei­chen mit Fußgän­gern immer ange­mes­sen lang­sam zu fahren. Von Gabel­stap­lern genutzte Verkehrs­wege soll­ten stets frei­ge­räumt und nicht zuge­stellt sein. Kriti­sche Stel­len, die nicht durch einfa­che Maßnah­men siche­rer gemacht werden können, soll­ten vorge­setz­ten Perso­nen gemel­det werden. Dadurch können entspre­chende Gefahr­stel­len entschärft werden, beispiels­weise durch die Instal­la­tion einer besse­ren Beleuch­tung, das Entfer­nen von Sicht­hin­der­nis­sen oder auch durch das Anbrin­gen einer Ampel­an­lage.
Soll­ten Sicher­heits­be­auf­trag­ten Schä­den an Toren, Stüt­zen und ande­ren Einrich­tun­gen auffal­len, soll­ten die Vorge­setz­ten im Unter­neh­men diese Schä­den einge­hend über­prü­fen. Nur so kann eine Beein­träch­ti­gung der Standfestig‐ und Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Gebäu­de­teile, Regal­sys­teme oder ander­wei­ter Firmen­an­la­gen sicher­ge­stellt werden.
Wach­sam und aufmerk­sam sein
Jeder Unfall mit einem Gabel­stap­ler ist ein Unfall zu viel. Jeder kann dazu beitra­gen, Unfälle zu vermei­den – nicht nur im Zusam­men­hang mit Gabel­stap­lern. Dabei ist vor allem Wach­sam­keit und eine hohe Aufmerk­sam­keit gefragt: Ein unab­sicht­li­cher Anstoß oder ein etwas zu rasan­tes Fahren um die Kurve sind keine Kava­liers­de­likte. Sie sind oft die Ursa­che schwe­rer, manch­mal sogar tödli­cher Verlet­zun­gen. Helfen Sie mit, dass Trans­porte mit Gabel­stap­lern auf dafür geeig­ne­ten Wegen und Plät­zen sicher erfol­gen können und bewah­ren Sie stets den notwen­di­gen Respekt vor diesem Arbeits­mit­tel.
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