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Eine x‑beliebige Einlage darf hier nicht rein

Orthopädischer Fußschutz
Eine x‑beliebige Einlage darf hier nicht rein

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Man nehme einen Sicher­heitss­chuh, lege eine orthopädis­che Ein­lage hinein oder bringe eine Sohlen­er­höhung an und fer­tig ist der orthopädis­che Fußschutz: So ein­fach geht es natür­lich nicht. Die Regelun­gen zum Fußschutz schließen aus­drück­lich auch orthopädis­che Anpas­sun­gen mit ein. Frank Diet­rich von der Beruf­sgenossen­schaft Nahrungsmit­tel und Gast­gewerbe (BGN) beant­wortet häu­fig gestellte Fra­gen zum Thema.

Ich brauche orthopädis­che Ein­la­gen in meinen Sicher­heitss­chuhen. Kann ich auch solche wie in meinen pri­vat­en All­t­agss­chuhen nehmen?

Frank Diet­rich: In Sicher­heitss­chuhen sind nur die von den Her­stellern vorge­se­henen Ein­la­gen zuläs­sig. Hin­ter­grund: Sicher­heitss­chuhe müssen bau­mustergeprüft sein. Diese Regelung schließt aus­drück­lich auch alle orthopädis­chen Anpas­sun­gen mit ein: von der Ein­la­gen­ver­sorgung über orthopädis­che Sohlen­zurich­tun­gen bis hin zur Her­stel­lung eines orthopädis­chen Sicherheitsschuhs.
Eine x‑beliebige Ein­lage im Sicher­heitss­chuh zu ver­wen­den würde eine Verän­derung gegenüber dem geprüften Bau-muster bedeuten, wodurch der geprüfte Sta­tus des Sicher­heitss­chuhs erlis­cht. Das gilt auch für Lamm­fell- oder Gel-Ein­la­gen. Bei manchen bau­mustergeprüften Schuh­mod­ellen einiger Her­steller ist es möglich, unter bes­timmten Voraus­set­zun­gen bere­its vorhan­dene orthopädis­che Ein­la­gen zu bekom­men. Hier gibt es dann verbindliche Vor­gaben des Her­stellers, welche Voraus­set­zun­gen die Ein­lage erfüllen und woran sich der Benutzer hal­ten muss.
Und wie komme ich an solche Einlagen?
Frank Diet­rich: Man braucht Sicher­heitss­chuhe, für die es zuge­lassene Ein­la­gen gibt. Ver­schiedene Her­steller von bau­mustergeprüften Sicher­heitss­chuhen haben hierzu passende orthopädis­che Ein­la­gen in die Bau­muster­prü­fung bei ein­er akkred­i­tierten und noti­fizierten Prüf­stelle ein­be­zo­gen. Schuhe und Ein­la­gen sind aus einem geprüften Baukasten.
Die Ein­lage wird vom Fach­mann unter Beach­tung der Her­steller­an­leitung angepasst und in den Schuh eingegeben. Da das Bau­muster bere­its in der Kom­bi­na­tion geprüft ist, kann jet­zt das CE-Zeichen vergeben und der Schuh aus­geliefert werden1.
Die Sohlen­höhen und Zehenkap­pen­größe darf ich bei meinen Sicher­heitss­chuhen dann auch nicht nachträglich verän­dern lassen?
Frank Diet­rich: Genau, auch das ist unzuläs­sig. Auch hier würde damit das geprüfte Bau­muster verän­dert. Aber auch hier bieten einige Her­steller von Sicher­heitss­chuhen für bes­timmte Schuh­mod­elle bau­mustergeprüfte Sohlen­er­hö-hun­gen und Zehenkap­pen­ver­größe-run­gen an.
Und wenn der Träger von orthopädis­chem Fußschutz den­noch eigen-mächtig Verän­derun­gen am Schuh vornimmt?
Frank Diet­rich: Wenn der Mitar­beit­er Sicher­heitss­chuhe vom Unternehmen bekommt, sollte er über die rechtlichen Bes­tim­mungen informiert wer­den: Orthopädis­chen Fußschutz nur bes­tim­mungs­gemäß ver­wen­den und nur bau­mustergeprüfte Erzeug­nisse benutzen. Außer­dem der Hin­weis: Bei eigen-mächti­gen Verän­derun­gen erlis­cht der geprüfte Status.
Warum soll­ten Unternehmer darauf acht­en, dass nur bau­mustergeprüfter orthopädis­ch­er Fußschutz benutzt wird?
Frank Diet­rich: Unternehmen müssen sich­er­stellen, dass die ver­wen­dete per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung den geset­zlichen Bes­tim­mungen entspricht. Also aus Grün­den der Rechtssicherheit.
Übern­immt die Beruf­sgenossen­schaft die Kosten für orthopädis­chen Fußschutz?
Frank Diet­rich: Ja, wenn er in Folge eines Arbeit­sun­falls, Wege­un­falls oder ein­er Beruf­skrankheit gebraucht wird. Die Beruf­sgenossen­schaft übern­immt – wie alle anderen Kos­ten­träger – die Zusatzkosten für orthopädis­chen Fußschutz gegenüber nor­malen Sicher­heitss­chuhen. Der Arbeit­ge­ber trägt den Anteil, den ein Stan­dard-Sicher­heitss­chuh kosten würde.
Wer sind die anderen Kostenträger?
Frank Diet­rich: In 90 Prozent aller Fälle ist die Renten­ver­sicherung Kos­ten­träger. Aber auch die Träger der Krieg­sopfer­ver­sorgung und ‑für­sorge, die Bun­de­sagen­tur für Arbeit sowie Träger der beglei­t­en­den Hil­fe im Arbeit­sleben und Träger der Sozial­hil­fe kön­nen Kos­ten­träger sein.
Gibt es zeitliche Vor­gaben, wann nach der Erst­beschaf­fung erneut die Kosten für orthopädis­che Sicher­heitss­chuhe über­nom­men werden?
Frank Diet­rich: Nein, die Leis­tun­gen wer­den nach Bedarf erbracht. Die Kosten wer­den allerd­ings nicht über­nom­men, wenn die Schuhe bere­its vor der Antrag­stel­lung beschafft wur­den oder wenn die Beschäf­ti­gungs­dauer max­i­mal sechs Monate dauert und nicht ver­längert wird.
Ist ein zweites Paar orthopädis­ch­er Fußschutz sinnvoll?
Frank Diet­rich: Das ist in jedem Fall sin­nvoll und wird von der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung emp­fohlen. Die Schuhe kön­nen dann täglich gewech­selt wer­den. Das ist aus hygien­is­chen Grün­den sin­nvoll. Aber dadurch hal­ten sie auch länger.
Wenn ein Sicher­heitss­chuh infolge von Ver­schleiß oder Beschädi­gung nicht mehr benutzt wer­den kann, ste­ht sofort Ersatz bere­it. Ist kein Ersatz­paar ver­füg­bar, dro­ht ein Beschäf­ti­gungsver­bot. Die Kos­ten­träger ori­en­tieren sich bei entsprechen­den Anträ­gen am dargelegten Bedarf. Wichtig ist, das zweite Paar rechtzeit­ig zu beantra­gen und anfer­ti­gen zu lassen.
1 Bau­mustergeprüfter orthopädis­ch­er Fußschutz hat eine EG-Bau­muster­prüf­bescheini­gung, eine Kon­for­mität­serk­lärung und eine CE-Kennzeichnung.
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