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Datenbrillen für die Kommissionierung

Erfolgreicher Einsatz bei VW
Datenbrillen für die Kommissionierung

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Seit Ende Novem­ber 2015 set­zt das Volk­swa­gen Werk Wolfs­burg nach ein­er erfol­gre­ichen drei­monati­gen Pilot­phase 3D-Daten­brillen in Serie ein. Sie wer­den nun in der Werk­l­o­gis­tik für die Kom­mis­sion­ierung genutzt. Volk­swa­gen ver­spricht sich dadurch eine weit­ere Erhöhung der Prozess­sicher­heit in der Pro­duk­tion. Wir sprachen mit Nima Shafaghat, der die Daten­brille bei Volk­swa­gen ein­führte und zeigen, welche Hand­lungsempfehlun­gen die Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin (BAuA) aus ein­er aktuellen Studie ableitet.

Herr Shafaghat, mit den Daten­brillen soll die Prozess­sicher­heit erhöht wer­den. Kön­nen Sie ein Beispiel und Zahlen nennen?
Shafaghat: Der Ein­satz von Daten­brillen ermöglicht es, Prozesse ein­fach­er, schneller und intu­itiv­er umzuset­zen. Durch die visuelle Darstel­lung von geziel­ten Infor­ma­tio­nen und Bildern wird der Mitar­bei-ter in sein­er täglichen Arbeit unter­stützt. Zusät­zlich kön­nen akustis­che Befehle in ver­schiede­nen Sprachen ver­wen­det wer­den, um mit der Daten­brille zu inter­agieren. Die Kam­era dient als Bar­code-Scan­ner, wodurch sowohl das Teil als auch der Ent­nah­me­platz vali­diert wer­den. Damit kom­biniert die Daten­brille ver­schiedene Tech­nolo­gien in einem Gerät wie Pick by Voice oder Pick by Light.
Und wie sieht es mit der Pro­duk­tiv­ität aus – liegen Ihnen bere­its Dat­en vor?
Shafaghat: Erste Prozessverbesserun­gen kon­nten mit der Daten­brille erzielt wer­den. Der wesentliche Vorteil ist, dass der Mitar­beit­er nicht mehr mit klas­sis­chen Bar­code-Scan­nern arbeit­en muss. Diese wer­den in ein­er Hand gehal­ten, wodurch das Gerät ständig in eine Hal­terung oder Ähn­lich­es zurück­gelegt und wieder ent­nom­men wer­den muss. Bei der Daten­brille trägt der Mitar­beit­er das Gerät bei sich. Die Kam­era kann per Sprache aktiviert wer­den, wodurch der Bar­code deut­lich schneller und ein­fach­er ver­ar-beit­et wird. Alleine bei der Scan­nung von Bar­codes ergeben sich deut­liche Einsparpotenziale.
Derzeit arbeit­en 30 Beschäftigte auf frei­williger Basis mit dem Tool. Wie hoch ist damit die Ver­bre­itung und warum lassen Sie die Beschäftigten selb­st entscheiden?
Shafaghat: Bei der Daten­brille han­delt es sich um eine völ­lig neue Tech­nolo­gie. Anders als bei Smart­phones oder Tablets ken­nen die Mitar­beit­er diese nicht aus dem pri­vat­en Bere­ich. Umso wichtiger ist es, die Kol­legin­nen und Kol­le­gen mitzunehmen. Der Ein­satz auf frei­williger Basis hat dazu geführt, dass Wün­sche und Anmerkun­gen offen­er ange­sprochen wur­den. Dieser Umstand hat sich eben­falls auf die Teil­nahme aus­gewirkt. Wo bei eini­gen Mitar­beit­ern anfangs noch Bedenken und Unsicher­heit­en herrscht­en, führte das The­ma Frei­willigkeit zu ein­er entspan­nten Atmo­sphäre. Das Resul­tat ist beein­druck­end, denn das Feed­back der Mitar­beit­er war auss­chließlich pos­i­tiv. Der Roll­out in weit­ere Bere­iche find­et derzeit statt, so dass sich die Anzahl der Mitar­beit­er jede Woche erhöht. Auch weit­ere Bere­iche außer­halb der Kom­mis­sion­ierung wer­den derzeit erprobt.
Wie schulen Sie die Nutzerin­nen und Nutzer?
Shafaghat: In der Regel starten wir in den Teamge­sprächen mit ein­er kurzen Vorstel­lung, in denen wir die Funk­tion­sweise der Daten­brille aufzeigen. Anschließend weisen wir die Mitar­beit­er an ihrem Arbeit­splatz ein und begleit­en sie während dieser Zeit Schritt-für-Schritt. Der Ein­satz wird hier­bei langsam gesteigert. Je nach Affinität begin­nen wir in der ersten Woche mit ein­er Nutzung von ein bis zwei Stun­den. Diese wird dann wöchentlich um weit­ere zwei Stun­den erhöht. In der Regel arbeit­en die Kol­le­gen nach vier Wochen dann den ganzen Tag mit der neuen Technik.
Was wir eben­falls beobacht­en kon­nten ist, dass sich die Kol­le­gen nach weni­gen Stun­den mit der neuen Tech­nik gut ausken­nen. Die Nutzung ist dabei so intu­itiv und motivierend, dass sich die Kol­le­gen in der Regel nach weni­gen Stun­den und Tagen gegen­seit­ig unter­stützen und aktiv aus­tauschen. Was sich eben­falls bewährt hat, ist der Ein­satz von Key Usern vor Ort. Diese Key User dienen als lokale Ansprech­part­ner und helfen bei Fra­gen zusätzlich.
Welche organ­isatorischen Maß­nah­men wer­den berücksichtig?
Shafaghat: Der Nutzer kann jed­erzeit mit der Ver­wen­dung der Daten­brille aufhören und mit dem klas­sis­chen Scann-Prozess weit­er­ma­chen. Hier­bei nutzen wir sys­tem­seit­ig diesel­ben Dat­en. Der Vorteil ist, dass dadurch kein Zwang entste­ht unbe­d­ingt mit der Daten­brille arbeit­en zu müssen. Zwar kon­nten wir noch keinen solchen Abbruch fest­stellen, aber es erhöht die Akzep­tanz der neuen Tech­nolo­gie. Organ­isatorisch bieten wir über das Gesund­heitswe­sen – eben­falls auf frei­williger Basis – ein „Check-Up“ an. Hier­bei wird der Mitar­beit­er durch Werk­särzte betreut und kann ver­schie-dene Tests absolvieren – etwa einen Seht­est. Dieser Check-Up ist selb­stver­ständlich kosten­los und bleibt anonym. Außer­dem bieten wir in regelmäßi­gen Abstän­den Mitar­beit­er­be­fra­gun­gen an, in denen die Nutzer ver­schiedene Punk­te wie Funk­tion­sweise, Tech­nik und so weit­er auf ein­er Skala von 1 bis 5 bew­erten kön­nen. Diese Befra­gung ist eben­falls anonym und freiwillig.
Wie geht es weit­er? Pla­nen Sie die Tech­nolo­gie auch an anderen Stan­dorten einzusetzen?
Shafaghat: Tech­nol­o­gisch wer­den wir den Ein­satz der Daten­brille gemein­sam mit unseren Kol­le­gen aus der Konz­ern IT und dem Betrieb­srat weit­er vorantreiben. Einige Ideen set­zen wir in den näch­sten Monat­en um, weit­ere Ein­satzszenar­ien kamen bere­its aus anderen Organ­i­sa­tio­nen. Der Roll­out in weit­ere Stan­dorte und Marken wird hier eben­falls neue Ideen gener­ieren. Außer­dem set­zen wir auf weit­ere inno­v­a­tive Tech­nolo­gien, wie den Ein­satz von Smart-Watch­es, RFID-Arm­bän­dern, Tablets und weit­eren Hard- und Soft­waresys­te­men. So bleibt es auch in den kom­menden Monat­en spannend.
Vie­len Dank für das Gespräch.
Das Inter­view führte Andrea Stickel.
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