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Arbei­ten an Lade­ram­pen und Lade­brü­cken

Hohes Gefahrenpotenzial
Arbei­ten an Lade­ram­pen und Lade­brü­cken

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Jedes Jahr ereig­nen sich schwere Unfälle auf Lade­ram­pen, zum Beispiel wenn Lade­brü­cken oder ‑bleche von der Lkw-Ladefläche wegrut­schen. Eine Reihe von Voraus­set­zun­gen müssen erfüllt sein, damit die Beschäf­tig­ten an der Lade­rampe sicher arbei­ten.

Lade­ram­pen werden in Unter­neh­men als Über­ga­be­stel­len für den Waren­ein­gang und Waren­aus­gang genutzt. Das Be- und Entla­den der Fahr­zeuge erfolgt mit Gabel­stap­lern, Mitgänger-Flurförderzeugen oder sons­ti­gen hand­be­weg­ten Trans­port­mit­teln. Übli­cher­weise sind außen­lie­gende Lade­ram­pen in Beton­bau­weise ausge­führt. Die Fahr­zeuge fahren seit­lich oder rück­wärts an sie heran. Die Rampen­höhe liegt zwischen 1,10 und 1,30 m, dies entspricht in etwa der Höhe einer Lkw-Ladefläche. Um die Lücke zwischen Rampe und Lade­flä­che zu schlie­ßen, kommen an der Rampe schwenk­bar ange­brachte Lade­brü­cken oder händisch ange­legte Lade­ble­che zum Einsatz.
Abstür­zen oder Anfah­ren
Die Mitar­bei­ter auf der Lade­rampe sind auf Grund der begrenz­ten Platz­ver­hält­nisse und der zum Teil unge­si­cher­ten Rampen­kan­ten beson­de­ren Gefah­ren ausge­setzt. Unfälle durch Abstür­zen oder Anfah­ren durch Gabel­stap­ler können die Folge sein. Jedes Jahr ereig­nen sich schwere zum Teil tödli­che Unfälle, wie nach­fol­gen­des Unfall­bei­spiel zeigt:
„Herr Mayer hatte die Aufgabe, einen an der Lade­rampe stehen­den Lkw zu bela­den. Zur Über­brü­ckung legte er ein Lade­blech an. Beim Befah­ren mit einem bela­de­nen Hand­hub­wa­gen rutschte das Lade­blech von der Lkw-Ladefläche ab, worauf Herr Mayer mit dem Hand­hub­wa­gen zwischen Lkw und Lade­rampe stürzte. Herr Mayer erlitt schwere Verlet­zun­gen.“
Das hohe Gefah­ren­po­ten­tial auf Lade­ram­pen hat viel­fäl­tige Ursa­chen:
  • Einengung der Verkehrs­flä­che durch Kontroll- und Umpack­ar­bei­ten oder die Nutzung als Lager­flä­che.
  • Rangier- und Trans­port­vor­gänge unmit­tel­bar an unge­si­cher­ten Rampen­kan­ten.
  • Rutschige Rampen­ober­flä­che durch Witte­rungs­ein­flüsse wie Schnee und Eis.
  • Unge­nü­gende Beleuch­tung der Lade­rampe und deren Abgänge.
  • Nicht­be­nut­zung der Trep­pen­ab­gänge durch die Beschäf­tig­ten.
  • Unge­nü­gende Siche­rung des Lkw gegen Wegrol­len oder vorzei­ti­ges Wegfah­ren von der Lade­rampe.
Anfor­de­run­gen an Lade­ram­pen

Die Tech­ni­sche Regel für Arbeits­stät­ten (ASR) A1.8 enthält folgende Anfor­de­run­gen an Lade­ram­pen:

Rampen­breite
Um die Gefahr von Anfahr- und Abstur­zun­fäl­len zu verrin­gern, ist die Rampen­breite entspre­chend der einge­setz­ten Trans­port­mit­tel und des Lade­gu­tes zu bemes­sen. Je nach Art des Trans­port­mit­tels ist ein Sicher­heits­zu­schlag zu berück­sich­ti­gen.
Beispiel­rech­nung für Gabel­hand­hub­wa­gen mit einer Breite von 0,80 m:
0,80 m + 2 x 0,30 m = 1,40 m
Breite + 2 x Sicher­heits­zu­schlag = Mindest­breite
Beispiel­rech­nung für Gabel­stap­ler mit einer Breite von 1,20 m:
1,20 m + 2 x 0,50 m = 2,20 m
Breite + 2 x Sicher­heits­zu­schlag = Mindest­breite
Ist das Lade­gut brei­ter als das Trans­port­mit­tel, dann ist die Breite des Lade­gu­tes anzu­set­zen, siehe Abbil­dung 2.
Absturz­si­che­run­gen
Lade­ram­pen mit mehr als 1,00 m Höhe sind in den Berei­chen, die keine stän­di­gen Be- und Entla­de­stel­len sind, mit Absturz­si­che­run­gen auszu­rüs­ten. Hier­für eignen sich Gelän­der von mindes­tens 1,00 m Höhe mit Hand­lauf, Knie- und Fußleiste. Ketten oder Seile sind unge­eig­net, da sie den Absturz nicht verhin­dern können. Nur Rampen­be­rei­che zur Be- und Entla­dung dürfen unge­si­chert blei­ben.
Rampen­ab­gänge
Damit die Rampen von der Anlie­fer­flä­che sicher erreicht werden können, sind geeig­nete Trep­pen­auf­gänge in der Nähe der Be- und Entla­de­stel­len vorzu­se­hen. Lade­ram­pen mit einer Länge von mehr als 20 m müssen an jedem Endbe­reich einen Zugang haben. Viele Unfälle ereig­nen sich, wenn Mitar­bei­ter von der Lade­rampe herun­ter­sprin­gen und mit dem Fuß umkni­cken. Trep­pen­ab­gänge müssen den Bestim­mun­gen des Baurechts entspre­chen. Das heißt, sie müssen mit einem Hand­lauf, tritt­si­che­rem Belag und gleich­mä­ßi­gen Stufen­ab­mes­sun­gen ausge­führt sein. Rampen­ab­gänge können auch Stei­glei­tern sein, diese haben bei der Benut­zung jedoch ein höhe­res Gefah­ren­po­ten­tial als Trep­pen­ab­gänge.
Markie­run­gen
Für das Lade­per­so­nal besteht an unge­si­cher­ten Rampen­ab­schnit­ten erhöhte Absturz­ge­fahr. Zur besse­ren Erkenn­bar­keit sind Rampen­kan­ten mit einer gelb-schwarzen Sicher­heits­mar­kie­rung zu kenn­zeich­nen. Werden auf sehr brei­ten Lade­ram­pen Lager­flä­chen einge­rich­tet, so sind diese eben­falls durch­ge­hend farbig zu markie­ren.
Rampen­ober­flä­che
Durch Regen, Schnee und Eis kann die Rampen­ober­flä­che rutschig werden. Eine ausrei­chend groß dimen­sio­nierte Über­da­chung der Lade­rampe schützt den Arbeits­be­reich vor Witte­rungs­ein­flüs­sen. Abfälle, wie Foli­en­reste oder Umrei­fungs­bän­der, stel­len eine Stol­per­ge­fahr dar und sind umge­hend zu besei­ti­gen.
Einsatz von Lade­brü­cken und Lade­ble­chen
Lade­brü­cken und Lade­ble­che über­brü­cken die Abstände zwischen den Lade­ram­pen und den Lade­flä­chen von Fahr­zeu­gen und glei­chen Höhen­un­ter­schiede aus. Orts­feste Lade­brü­cken sind an der Rampe beweg­lich ange­lenkt und können hand­be­tä­tigt oder kraft­be­trie­ben sein. Orts­ver­än­der­li­che Lade­ble­che werden händisch an die Lade­flä­che ange­legt. Anfor­de­run­gen an die Beschaf­fen­heit und den Betrieb von Lade­brü­cken enthält das berufs­ge­nos­sen­schaft­li­che Regel­werk DGUV Regel 108–006 (bisher BGR 233) und DGUV Infor­ma­tion 208–001 (bisher BGI 520).
Mindest­breite von Lade­brü­cken
Um die Absturz­ge­fahr von Lade­brü­cken zu verrin­gern, müssen diese mindes­tens 1,25 m breit sein. Dieses Maß darf nur auf 1,00 m verrin­gert werden, wenn vorhan­dene bauli­che Einrich­tun­gen es erfor­dern. Die Mindest­breite von Lade­brü­cken errech­net sich aus der Breite des Trans­port­mit­tels und folgen­den Sicher­heits­zu­schlä­gen:
  • 2 x 0,25 m bei hand­be­tä­tig­ten Trans­port­mit­teln, wie Hand­hub­wa­gen oder Roll­wa­gen.
  • 2 x 0,35 m bei kraft­be­trie­be­nen Trans­port­mit­teln, wie Gabel­stap­ler oder „Elek­tro­ameise“.
Für Lade­ble­che ist eine Mindest­breite von 0,55 m vorge­schrie­ben.
Mobile Lade­ble­che
Mobile Lade­ble­che werden an die jewei­lige Verla­de­po­si­tion gebracht und dort an die Lade­flä­che ange­legt. Zur besse­ren Hand­ha­bung soll­ten sie über geeig­nete Hand­griffe verfü­gen. Lade­ble­che, die von einer Person beför­dert werden, dürfen ein Gewicht von 25 kg nicht über­schrei­ten. Lade­brü­cken, die von zwei Männern getra­gen werden, dürfen nicht schwe­rer als 50 kg sein, ande­ren­falls sind Trans­port­hil­fen einzu­set­zen.
Hand­be­tä­tigte Lade­brü­cken
Hand­be­tä­tigte Lade­brü­cken werden übli­cher­weise mit einer Bedienstange auf die Lade­flä­che herun­ter­ge­las­sen. Ein Feder­pa­ket sorgt für den Gewichts­aus­gleich und ermög­licht eine Bedie­nung mit gerin­gem Kraft­auf­wand. Durch die Schwimm­stel­lung folgt die Lade­brü­cke während des Lade­vor­gangs jeder Höhen­be­we­gung des zu bela­den­den Fahr­zeu­ges. In Ruhe­stel­lung steht die Lade­brü­cke hoch­kant an der Lade­kante und wird durch eine mecha­ni­sche Sperre sicher arre­tiert (siehe Abb. 3).
Kraft­be­trie­bene Lade­brü­cken
Kraft­be­trie­bene Lade­brü­cken sind einsei­tig an der Rampe gela­gert und werden mecha­nisch oder hydrau­lisch auf die Höhe der Lade­flä­che einge­stellt. Durch den Schwenk­vor­gang entste­hen an den seit­li­chen Kanten der Lade­brü­cken Quetsch- und Scher­stel­len, die durch Abdeck­ble­che gesi­chert werden müssen. Steht die Lade­brü­cke in Verla­de­po­si­tion, können seit­lich Stol­per­stel­len entste­hen, die mit gelb-schwarzen Warn­mar­kie­run­gen zu kenn­zeich­nen sind (siehe Abb. 4).
Nach dem Loslas­sen des Bedien­ele­men­tes müssen Lade­brü­cken zum Still­stand kommen oder mit begrenz­ter Geschwin­dig­keit selbst­tä­tig unter Eigen­ge­wicht absin­ken. Der elek­tri­sche Antrieb muss über einen abschließ­ba­ren Haupt­schal­ter abge­schal­tet werden können. In unmit­tel­ba­rer Nähe der Lade­brü­cke ist eine Betriebs­an­lei­tung anzu­brin­gen, die Bedien­hin­weise und Anga­ben zur Trag­fä­hig­keit enthält.
Neigung und Auflage
Die Neigung der Lade­brü­cke sollte nicht zu steil sein und daher eine Neigung von 1:8, dies entspricht etwa 7°, nicht über­schrei­ten (siehe Abb. 5). Sonst besteht die Gefahr, dass der Benut­zer ausrutscht oder das Trans­port­mit­tel zu schnell herab­fährt. Lade­ble­che dürfen in Ausnah­me­fäl­len eine größere Neigung aufwei­sen, sofern das sichere Bege­hen und Befah­ren gewähr­leis­tet ist. Des Weite­ren ist unbe­dingt darauf zu achten, dass Lade­brü­cken und Lade­ble­che mindes­tens 10 cm auf der Lade­flä­che auflie­gen. Immer wieder ereig­nen sich schwere Unfälle, wenn Lade­brü­cken und Lade­ble­che während des Bela­de­vor­gan­ges von der Lade­flä­che abrut­schen.
Siche­rung gegen Umstür­zen
Durch das Umkip­pen von hoch­kant abge­stell­ten Lade­ble­chen oder das Herab­schla­gen hoch­ge­klapp­ter Lade­brü­cken können Mitar­bei­ter verletzt werden. Lade­ble­che und Lade­brü­cken müssen in Ruhe­stel­lung mit selbst­tä­tig wirken­den Siche­run­gen gesi­chert sein.
Kenn­zeich­nung
Lade­brü­cken sind mit einem Kenn­zeich­nungs­schild zu verse­hen, das die Anga­ben zum Herstel­ler, Baujahr, Typ und zur Trag­fä­hig­keit enthält.
Dipl.-Ing. Dieter Bach­mann
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