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Gesundheits-Apps

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Wie wir uns mit Gesundheits-Apps in ganz neue Fitness-Sphären trai­nie­ren können und warum zu viel Vermes­sung auch nicht gut ist.

Britta Surholt

Die Zahl ist unglaub­lich – wer soll da bloß den Über­blick behal­ten? Etwa 100.000 Apps sind derzeit für Smartphone-Nutzer in Deutsch­land verfüg­bar. Ob Puls messen oder Schritte zählen, den Bio-Rhyth-mus über­wa­chen, die Aller­gie unter Kontrolle halten oder die Schnarch­ge­räu­sche mitver­fol­gen – im Land der digi­ta­len Viel­falt ist nahezu alles möglich.
Ihnen ist es eher lästig, wenn Ihr Handy stän­dig Alarm­ge­räu­sche von sich gibt, zu mehr Bewe­gung auffor­dert oder an die Medi­ka­men­ten­ein­nahme erin­nert? Dann gehö­ren Sie wohl zum „non-digitalen“ Drit­tel der Bevöl­ke­rung. Denn laut einer Studie des IT-Verbands Bitkom zeich­net bereits jeder dritte Deut­sche (begeis­tert) Gesund­heits­da­ten auf. Per App, mit dem Fitness-Armband (auch Tracker genannt) oder mit der Compu­ter­uhr.
Aber wie sinn­voll sind all diese Gesund­heits­an­ge­bote eigent­lich? Ist es wirk­lich ein Gewinn, wenn ich mich von meinem Smart­phone zu mehr Bewe­gung animie­ren lasse und anschlie­ßend Puls und andere Daten „auswer­ten“ lasse?
Sport­lich­keit ist Trumpf
Wer sich zu Guns­ten seiner Fitness besser ausrüs­ten möchte, entschei­det sich wahr­schein­lich für einen Activity-Tracker. Diese tech­ni­schen Wunder fürs Hand­ge­lenk werden auch Weara­bles oder Fitness­arm­bän­der genannt. In den USA trägt schon jeder zehnte Sport­ler diese Perso­nal Trai­ner mit Aktivitäts-Tracker. Die Viel­falt der Geräte ist kaum noch über­schau­bar. Höhen- und Puls­mes­sung ist möglich, für Schwim­mer sind abso­lut wasser­dichte Geräte, für Lichtempfind-liche sogar Geräte mit UV-Strahlungsmessung erhält­lich. Sogar die Sauer­stoff­sät­ti­gung und verschie­dene Stoff­wech­sel­pa­ra­me­ter können mit neue­ren Gerä­ten erfasst werden. Aber: So viele Daten erge­ben nur Sinn, wenn man auch Mehr­wert daraus gewin­nen kann!
Um einen sport­li­che­ren Alltag zu errei­chen, sind Daten wie Puls­fre­quenz und zurück­ge­legte Stre­cke meist völlig ausrei­chend. Wer mehr will, sollte darauf achten, dass die Ergeb­nisse aus den Bewe­gungs­mus­tern auch wirk­lich ausge­wer­tet und umge­setzt werden können. Außer­dem wich­tig: Damit der Daten­trans­fer funk-tioniert, müssen Smart­phone und Activity-Tracker mitein­an­der kompa­ti­bel sein. Zwischen 50 und 300 Euro kosten die Weara­bles, über die schließ­lich Daten über­mit­telt werden. Über Blue­tooth funk­tio­niert das. Zusätz­lich zu beach­ten: Neben der Optik, die gefal­len muss, sollte natür­lich auch der Trage­kom­fort stim­men.
Tolle Apps, die Spaß machen
Eine kleine Auswahl an Apps für Sie zu tref­fen, die prima im Alltag nutz­bar sind, hat uns großen Spaß gemacht. Fast alle Apps sind kosten­los – probie­ren Sie doch einfach mal die ein oder andere aus …
Runtastic (kosten­lose App): Sie sind gern laufend unter­wegs – und möch­ten immer genau wissen, wie viele Kilo­me­ter Sie zurück­ge­legt haben? Mit der Läufer-App Runtastic ist das ganz leicht und bedie­ner­freund­lich möglich. Ob Joggen, Walken oder Wandern – per GPS wird die absol­vierte Stre­cke vermes­sen, die aktu­elle Geschwin­dig­keit und auch die Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit errech­net. Sogar die verbrauch­ten Kalo­rien kann man sich aufru­fen. Auch andere Sport­ar­ten wie Mountain-Biken, Reiten oder Skilau­fen können als Trai­nings­ein­heit gewählt werden. Extra: Ein beson­de­res Puls­zo­nen­trai­ning und andere Goodies sind nur über die Bezahl­ver­sion erhält­lich.
TK-Klinikführer (kosten­lose App): Ein gutes Kran­ken­haus zu finden, das genau den Ansprü­chen eines Pati­en­ten genügt, ist nicht so einfach. Für jeden Pati­en­ten (und nicht nur für TK-Versicherte) bietet die Tech­ni­ker Kran­ken­kasse in diesem Bereich sehr nütz­li­che Unter­stüt­zung. Quali­täts­be­richte aus mehr als 2.000 Klini­ken stehen App-Nutzern zur Verfü­gung – und geben Aufschluss darüber, wo eine Klinik mit der meis­ten Erfah­rung bei bestimm­ten Diagno­sen und OP-Verfahren zu finden ist, wo die größte Gesamt­zu­frie­den­heit herrscht und welches Kran­ken­haus in der Nähe eine gute Wahl sein könnte. Toller Service für poten­zi­elle (Krankenhaus)-Kunden, über­sicht­lich und gut aufbe­rei­tet präsen­tiert
7‑Minuten-Workout (kosten­lose App): Wer Stabilisations- oder Kräf­ti­gungs­übun­gen falsch macht, tut sich keinen Gefal­len. Denn womög­lich werden Gelenke fehl­be­las­tet oder der Rücken über Gebühr stra­pa­ziert. Damit Sie Anlei­tun­gen rich­tig „lesen“ können, ist immer auch ein wenig Erfah­rung notwen­dig. Beschäf­ti­gen Sie sich daher ruhig im Vorfeld mit den Übun­gen, lassen Sie Ihr Leis­tungs­ni­veau einschät­zen (z.B. in einem Fitness­stu­dio).
Das 7 Minute Work­out kommt mit guten Anima­tio­nen daher, der echte Trai­ner turnt präzise und nach­voll­zieh­bar vor. Sogar ein Aufwärm­trai­ning wird angebo-ten. Alle Übun­gen sind nach unter­schied­li­chen Leis­tungs­stu­fen aufge­baut, so ist es ganz einfach, sein Trai­ning indi­vi­du­ell zu stei­gern. Mit in der App verfüg­bar: Eine Erfolgs­kon­trolle und Erin­ne­rung ans Trai­ning. Einzi­ger Kritik­punkt: Die App ist nur in engli­scher Spra­che verfüg­bar.
Feel Posi­tive (Kosten: 1,79 Euro): Eine tolle Entspannungs- und Einschlaf­hilfe, die nach dem Hypnose-Prinzip funk­tio­niert. Die ange­nehme (Frauen-) Stimme, die auf Entspan­nung einstimmt, lässt den Zuhö­rer sofort runter­kom­men. Stress fällt ab, die Sinne konzen­trie­ren sich ganz und gar auf Ruhe und Entspan­nung. Auch wenn diese App gern als Einschlaf­hilfe genutzt wird – sie stei­gert zusätz­lich das Selbst­wert­ge­fühl und beför­dert das posi­tive Denken. Toll: In der App können Hinter­grund­mu­sik und Sprech­stimme getrennt vonein­an­der laut und leise gere­gelt werden. Die einfüh­ren­den Worte kann man über­sprin­gen, so dass man nach etwas Übung auch gleich in die halb­stün­dige Hypnose eintau­chen kann. Nicht so gelun­gen: Es wird eine Posi­tion vorge­schrie­ben, in der man die Entspan­nung genie­ßen soll. Dabei sind doch verschie­denste Liege- oder Sitz­po­si­tio­nen möglich.
MyFit­ness­Pal (kosten­lose App): Abneh-men hat immer Saison. Die erfolg­reichste Smartphone-App im Ernäh­rungs­be­reich wird schon von mehr als 80 Millio­nen Menschen welt­weit genutzt. Immer­hin gut fünf Millio­nen Nahrungs­mit­tel sind digi­tal erfasst. So kann per App sehr über­sicht­lich über­prüft werden: „Was habe ich schon alles geges­sen – und wie viele Kalo­rien habe ich zu mir genom­men?“ Sich einzu­fuch­sen in die erste Erfas­sung von Mahl­zei­ten ist zuge­ge­be­ner­ma­ßen nicht ganz leicht. Aber Übung macht den Meis­ter – und Standard-Mahlzeiten wie ein Früh­stück lassen sich kopie­ren. Wer ein Profil bei Face­book hat, kann sich auch mit ande­ren Abnehm­wil­li­gen verbin­den und so auf Zuspruch und Moti­va­tion von ande­rer Seite hoffen.
Eben­falls toll: Fitness­übun­gen, mit deren Hilfe Kalo­rien abtrai­niert werden können. 350 fertige Übun­gen sind verfüg­bar, eigene können erfasst werden. Nervig: In der kosten­lo­sen App-Variante sind stän­dig Werbe­ban­ner zu sehen. Die entfal­len erst, wenn man die Premium-Version gegen Gebühr wählt.
Snore Lab (Kosten: 6,99 Euro): Ihr Partner/Ihre Part­ne­rin beschwert sich stän­dig über Schnarch-Geräusche – und Sie mögen es nicht glau­ben? Mit der App für Schnar­cher ermit­teln Sie selbst, ob Sie ein nächt­li­cher Störer sind. Die App proto­kol­liert Ihren Schlaf (dazu lassen Sie einfach das Handy auf dem Nacht­tisch liegen) und misst vor allem auch die Inten­si­tät des Schnar­chens. Sie erhal­ten eine regel­rechte „Schlaf­sta­tis­tik“. Aus der geht dann auch hervor, ob Sie beispiels­weise gefähr­li­che Atem­aus­set­zer haben oder ob Alko­hol Ihr Schnarch­ver­hal­ten beein­flusst. Sehr prak­tisch: Die Tonauf­nah­men, die auto­ma­tisch erstellt werden, sind gleich für eine ärzt­li­che Abklä­rung nutz­bar. Ein erfah­re­ner Arzt, der Pati­en­ten sonst erst einmal in ein Schlaf­la­bor geschickt hätte, kann die Mitschnitte even­tu­ell für eine raschere Diagnose bezie­hungs­weise Deutung nutzen.
Die ganze Wahr­heit über Apps
Was können Mini-Programme leis­ten, die zum Down­load aufs Handy oder Tablet ange­bo­ten werden?
„Wenn eine App offi­zi­ell im App-Store erfasst ist, muss sie seriös sein.“
Nein! So ist das leider nicht. Medizin-Apps, die der Diagnose, Thera­pie oder Präven­tion von Krank­hei­ten dienen, müssen hier­zu­lande sehr strenge Aufla­gen erfül­len. Aller­dings kann jeder Herstel­ler selbst bestim­men, ob sein Ange­bot nun eher als Medizin- oder doch lieber nur als Gesundheits-App auf den Markt kommen soll. So kann dann auch ohne behörd­li­che Geneh­mi­gung – also quasi unkon­trol­liert – ein Programm im App Store von Apple oder Google hoch­ge­la­den werden. Erst wenn eine App aktiv geschal­tet ist, können die Über­wa­chungs­be­hör­den des jeweils zustän­di­gen Bundes­lands aktiv werden.
„Gesundheits-Apps sind daten­schutz­recht­lich sicher.“
Längst nicht immer ist das der Fall. Denn noch gibt es gar keine Stan­dards, nach denen sich die Anbie­ter verbind-lich rich­ten müss­ten. Im Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­te­rium wird derzeit geplant, den Herstel­lern künf­tig Selbstverpflich-tungen aufzu­er­le­gen, in denen sie sich zu beson­de­ren Qualitäts- und Datenschutz- Bedin­gun­gen bereit erklä­ren.
„Eine gute Gesundheits-App kann ich schnell selbst erken­nen.“
Wenn es doch bloß so einfach wäre … Biswei­len ist es nicht einmal für Ärzte so ohne Weite­res möglich zu bestim­men, ob man es mit einem guten oder schlech­ten digi­ta­len Ange­bot zu tun hat. In einer großen Studie aus diesem Jahr mit dem Titel „Chan­cen und Risi­ken von Gesundheits-Apps“ – geför­dert vom Bundesge-sundheitsministerium – haben Forscher der Medi­zi­ni­schen Hoch­schule Hanno­ver den großen Wild­wuchs am Markt beklagt. Zwar bieten Gesundheits-Apps großes Poten­zial, aber der Nutzen wurde bis zum heuti­gen Tag kaum erforscht.
Dass Apps zur Erken­nung von Haut­krank­hei­ten genutzt werden können, ist bekannt. Aller­dings werden längst nicht alle schwer­wie­gen­den Haut­pro­bleme auch rich­tig gedeu­tet: Drei von vier Apps stuf­ten in mindes­tens 30 Prozent der Fälle bösar­tige Mela­nome als unbe­denk­lich ein. Eine zunächst noch behan­del­bare Krebs­pro­ble­ma­tik könne durch den ausblei­ben­den Arzt­be­such zusätz­lich erschwert werden, warnen die Forscher.
Beson­ders gut einsetz­bar seien Apps etwa in der Versor­gung chro­nisch Kran­ker oder in länd­li­chen Regio­nen. Und: Wenn ältere oder behin­derte Menschen rasch Zugang zu Hilfe oder einer „heils­brin­gen­den“ Antwort benö­ti­gen.
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