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Innerbetrieblichen Umgang mit Gefahrgut

Grundwissen Gefahrgut für die Praxis
Kleines 1x1 zum innerbetrieblichen Umgang mit Gefahrgut

Welche Verordnung gilt bei Gefahrgut, dies erläutert der Beitrag.
Der Transport von Gefahrgütern ist im Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) gesetzlich geregelt. Foto: © Fotolia/Jamrooferpix
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Gefahrgut, Gefahrstoff, gefährliche Mis­chung? Schon die Begrif­flichkeit­en gehen oft durcheinan­der, wenn es um den inner­be­trieblichen Umgang mit Gefahrgut geht. Auch bei den rechtlichen Grund­la­gen beste­hen häu­fig Unklarheit­en. Dieser Beitrag schildert, was Sicher­heits­beauf­tragte über den sicheren Umgang mit gefährlichen Gütern im Betrieb wis­sen sollten.

Wolf­gang Hüsgen

 
Selb­st das Gesetz ist nicht ein­deutig. Eigentlich gilt das Gefahrgut­be­förderungs­ge­setz (GGBe­fG) auf einem Betrieb­s­gelände nicht, denn in § 1 „Gel­tungs­bere­ich“ heißt es expliz­it: „Dieses Gesetz (…) find­et keine Anwen­dung auf die Beförderung inner­halb eines Betriebes oder mehrerer ver­bun­den­er Betrieb­s­gelände (Indus­trieparks) (…).“ Trotz­dem wird in § 2 GGBe­fG definiert, dass zur Beförderung eben nicht nur der Trans­port, son­dern auch die Über­nahme, die Abliefer­ung sowie das Ver­pack­en, Aus­pack­en, die Be- und Ent­ladung sowie sog­ar die Her­stel­lung von Gefahrgutver­pack­un­gen zählt. Diese Tätigkeit­en wer­den aber ein­deutig auf dem Betrieb­s­gelände durchgeführt.

Gefahrgut: Welche Verordnung gilt?

Im Prinzip unter­liegt der Umgang mit Gefahrgut im Betrieb – von eini­gen Aus­nah­men abge­se­hen – der Gefahrstof­fverord­nung (Gef­Stof­fV) und damit deren Vor­gaben sowie den dazuge­höri­gen Tech­nis­chen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS). Die in § 2 GGBe­fG genan­nten Aus­nah­men ver­suchen, die Schnittstellen beim Trans­port von Gefahrgut im Betrieb zu regeln, da son­st geset­zliche Lück­en – und damit auch Risiken für die Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäftigten – ent­standen wären. Auch das gilt es zu berück­sichti­gen: Bei Ver­stößen im Bere­ich des GGBe­fG fall­en deut­lich höhere Bußen für Ord­nungswidrigkeit­en an!

Ausnahmen bestätigen die Regel

Geset­zliche Grund­lage für den Trans­port von Gefahrgütern ist das Europäis­che Übereinkom­men über die inter­na­tionale Beförderung gefährlich­er Güter auf der Straße (Accord européen relatif au trans­port inter­na­tion­al des marchan­dis­es dan­gereuses par Route), kurz ADR. In den Anla­gen zum ADR wer­den die Aus­nah­men, Erle­ichterun­gen sowie die Vor­gaben zu Ver­pack­ung, Begleit­pa­pieren und Gefahrgutaufk­le­bern (Gefahrgutzettel) verbindlich festgelegt.
 
Für Handw­erk­er, aber auch für Pri­vat­per­so­n­en gibt es viele Aus­nah­men, die als Freis­tel­lun­gen beze­ich­net wer­den. So kön­nen Pri­vat­per­so­n­en beispiel­sweise im Bau­markt gekaufte brennbare Flüs­sigkeit­en trans­portieren, ohne die Gefahrgutvorschriften beacht­en zu müssen. Dies gilt auch für die Gas­flasche im Camp­ing­bus oder Druck­gas­flaschen fürs Tauchen. Die Ladung muss jedoch auf jeden Fall aus­re­ichend beim Trans­port gesichert werden.

Wareneingang: Darauf sollten Sie unbedingt achten!

Angenom­men, ein Betrieb erwartet eine Anliefer­ung von gefährlichen Gütern wie zum Beispiel brennbare Flüs­sigkeit­en und Akkusäure. Die Gefahrgüter sind an den dafür vorge­se­henen Gefahrgutzetteln zu erken­nen. Diese sind an dem Behäl­ter oder der Ver­pack­ung angebracht.
 
Prax­is­tipp: Empfehlenswert ist, ein Foto von der Lade­fläche zu machen. So ist ein Beleg vorhan­den, ob das Gefahrgut auf dem anliefer­n­den Lkw ord­nungs­gemäß gesichert wor­den ist oder nicht. Alle Beschäftigten im Betrieb, die mit dem Warenein­gang und dem angeliefer­ten Gefahrgut zu tun haben, soll­ten sich außer­dem bewusst sein, dass ab diesem Moment Gefahrgutun­fälle auf dem Betrieb­s­gelände möglich sind!

Einlagerung: „Mischen impossible“

Im Regelfall geht es nun darum, den Gefahrstoff bzw. die gefährliche Mis­chung einzu­lagern. Wer­den ver­schiedene Gefahrstoffe im sel­ben Raum oder im sel­ben Palet­ten­re­gal ein­ge­lagert, muss unbe­d­ingt die Verträglichkeit geprüft wer­den. Dafür muss ein Betrieb entsprechende Vor­gaben bere­i­thal­ten. Maßgebend ist die Tech­nis­che Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 510 „Lagern von Gefahrstof­fen in orts­be­weglichen Behäl­tern“. Typ­is­che Unfall­si­t­u­a­tio­nen bei der Ein­lagerung entste­hen zum Beispiel dann, wenn der Behäl­ter von der Gabel eines Sta­plers beschädigt wird und der Gefahrstoff austritt.
 
Prax­is­tipp: Welche Gefahr von ein­ge­lagerten Stof­fen und Mis­chun­gen aus­ge­ht, zeigt entwed­er der Gefahrgutzettel oder die Gefahrstof­fkennze­ich­nung an. Zurzeit sind noch viele Chemikalien im Umlauf, die mit der alten Gefahrstof­fkennze­ich­nung verse­hen sind. Die offizielle Frist zur Ver­wen­dung der alten Gefahrstof­fkennze­ich­nung lief bere­its im Juni 2015 ab, aber für schon im Lager befind­liche Ware darf die alte Kennze­ich­nung noch bis zum Juni 2017 genutzt wer­den. Deswe­gen ist es rat­sam, in allen Unter­weisun­gen auf bei­de Kennze­ich­nungssys­teme hinzuweisen!

Um- und Abfüllen: Lassen Sie dabei Sorgfalt walten!

In der betrieblichen Prax­is müssen Gefahrstoffe auch um- oder abge­füllt wer­den. Das sind typ­is­che Sit­u­a­tio­nen, in denen es kri­tisch wer­den kann: Gefahrstoffe kön­nen aus­laufen, Gase oder Dämpfe aus­treten und – sofern es sich um brennbare Stoffe han­delt – Explo­sion­s­ge­fahren entste­hen. Alle Beschäftigten, die mit dem Gefahrstoff zu tun haben, müssen daher wis­sen, wo sich die Ex-Schutz-Zonen befind­en und welche Maß­nah­men zu ergreifen sind.
 
Prax­is­tipp: Beim Umfüllen ist unbe­d­ingt darauf zu acht­en, dass die entsprechende Kennze­ich­nung auf das neue Gebinde über­nom­men wird. Andern­falls kön­nen Benutzer dieser Chemikalie die Gefährdung nicht erkennen.

Information und Schutz aller betroffenen Beschäftigten

Spätestens jet­zt ist eine gezielte Unter­weisung aller betrof­fe­nen Beschäftigten drin­gend geboten. Die Durch­führung der Unter­weisung ist zu doku­men­tieren. Dabei muss auf Schutz­maß­nah­men und die notwendi­gen per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tun­gen (PSA) ver­wiesen werden.
 
Prax­is­tipp: Bei den Unter­weisun­gen soll­ten auch die entsprechen­den Betrieb­san­weisun­gen und das Chemikalienkataster erk­lärt wer­den. Zu der Unter­weisung gehört außer­dem eine War­nung an die Beschäftigten, vorhan­dene Absaugun­gen oder andere tech­nis­che Maß­nah­men wed­er abzuschal­ten noch zu blockieren.

Verpackung ist Expertensache

Für das Ver­pack­en von Gefahrgut gibt es sehr strenge Vorschriften; dieser Vor­gang ist im Detail reg­uliert. Deswe­gen dür­fen nur aus­ge­bildete, unter­wiesene Beschäftigte das Ver­pack­en vornehmen. Es ist unbe­d­ingt darauf zu acht­en, dass geeignete (geprüfte) Ver­pack­un­gen wie Papp­kar­tons oder entsprechende Innen­ver­pack­un­gen zum Ein­satz kommen.
 
Prax­is­tipp: Es kann sich lohnen, zu prüfen, ob das Gefahrgut in begren­zten Men­gen ver­sandt wer­den kann. In diesem Fall gestal­tet sich der Gefahrgut­trans­port ein­fach­er. Dabei wird ein spezielles Kennze­ichen eingesetzt.

Versenden: Per Flugzeug oder Lkw?

Bei einem Ver­sand mit dem Flugzeug müssen alle beteiligten Per­so­n­en (Ver­pack­er, Doku­menten­her­steller) ein spezielles Train­ing erhal­ten, das alle zwei Jahre wieder­holt wer­den muss und mit einem Abschlusstest endet. Bei einem Ver­sand per Lkw ist zu prüfen, ob dieser vorne und hin­ten mit einem gelb-orangen Schild zu kennze­ich­nen ist. Dies ist abhängig von der Größe des Lkw und der gelade­nen Gefahrgut­menge. Entsprechende Begleit­pa­piere und ein Unfallmerk­blatt müssen mit­ge­führt wer­den, wenn keine Erle­ichterun­gen der ADR-Vorschrift genutzt wer­den kön­nen. Feuer­lösch­er und PSA sind mitzuführen. Der Fahrer benötigt außer­dem einen Gefahrgut­führerschein (ADR-Schu­lungs­bescheini­gung). Gefahrgüter, die bei Freiset­zung gefährlich miteinan­der reagieren kön­nen, dür­fen im Lkw keines­falls nebeneinan­der gelagert werden.
 
Prax­is­tipp: Unbe­d­ingt an die Ladungssicherung denken! Auch wenn es sich bei der Ladungssicherung um eine all­ge­meine Anforderung in der Straßen­verkehrsor­d­nung han­delt, wird diese im Gefahrgutrecht erneut gefordert. Zu Recht: Die Gefahren für Men­sch und Umwelt kön­nen sehr groß sein. Wichtig ist der Ein­satz von Hil­f­s­mit­teln (Antirutschmat­ten, Zur­rgurten, Klemm­balken, Net­ze). Die Ladung muss form­schlüs­sig an den Lkw-Auf­baut­en ver­staut wer­den. Seitliche Lkw-Pla­nen sind keine geeigneten Sicherungsmit­tel! Die Ladung muss gegen Voll­brem­sung und Auswe­ich­manöver aus­re­ichend gesichert sein. Deshalb soll­ten Sicherungs­gurte regelmäßig auf Beschädi­gun­gen über­prüft und gegebe­nen­falls erset­zt werden.
 
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