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Arbeitsplatz Schwimmbad Teil 3

Mit Chemi­ka­lien sicher umge­hen

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Beschäf­tigte in Bädern tragen eine hohe Verant­wor­tung und sind im Betrieb viel­fäl­ti­gen Gefähr­dun­gen ausge­setzt. Wie Sie vorbeu­gen können, behan­delt ein mehr­tei­li­ger Beitrag zum „Arbeits­platz Schwimm­bad“. Der dritte Teil infor­miert über Schutz­maß­nah­men bei Tätig­kei­ten mit Wasser­auf­be­rei­tungs­che­mi­ka­lien, vor UV-Strahlung und bei Feucht­ar­beit.

Dipl.-Phys. Uli Koch

Schwimm­bä­der besit­zen unter­schied­li­che Verfah­ren zur Wasser­auf­be­rei­tung. Hierzu müssen Chemi­ka­lien einge­setzt werden, die in der Regel Gefahr­stoffe sind. Bei unsach­ge­mä­ßer Verwen­dung von Gefahr­stof­fen kann sowohl die Gesund­heit der Beschäf­tig­ten als auch die Umwelt belas­tet werden.
Die einzu­set­zen­den Chemi­ka­lien können giftig, ätzend, reizend oder entzünd­lich sein. Hier­bei handelt es sich um Chlorungs- und Oxida­ti­ons­mit­tel, Säuren, Laugen, Flockungs­mit­tel und Filtrier­hilfs­stoffe. Eine beson­dere Gefahr besteht in einer Chlor­gas­frei­set­zung durch unkon­trol­lierte chemi­sche Reak­tio­nen beim Verwech­seln von Behält­nis­sen, zum Beispiel, wenn Chlor­bleich­lauge unbe­ab­sich­tigt mit einer Säure gemischt wird. Bei offe­nem Umgang mit festen Chemi­ka­lien können gesund­heits­schäd­li­che Stäube entste­hen. Wich­tig bei Tätig­kei­ten mit Wasser­auf­be­rei­tungs­che­mi­ka­lien ist neben der eindeu­ti­gen Kenn­zeich­nung der Behält­nisse auch deren deut­lich vonein­an­der getrennte Lage­rung. Eine Verwech­se­lungs­ge­fahr ist auszu­schlie­ßen. Lager­räume und Lager­be­rei­che sind eindeu­tig zu kenn­zeich­nen und gegen Zutritt Unbe­fug­ter zu sichern. Eine gute Be- und Entlüf­tung in diesen Räumen ist zu gewähr­leis­ten.
Gefahrstoff-Betriebsanweisung in Arbeits­platz­nähe aushän­gen
Aufgrund des Gefah­ren­po­ten­ti­als der Chemi­ka­lien müssen an Dosier­sta­tio­nen Vorkeh­run­gen gegen unkon­trol­lier­bare Verbrei­tung von Gefahr­stof­fen, beispiels­weise im Fall einer Behäl­ter­un­dich­tig­keit, getrof­fen werden. Die Gefahr­stoff­be­häl­ter müssen während der Entnahme in ausrei­chend groß dimen­sio­nier­ten Wannen stehen, die den Inhalt eines Behäl­ters im vollen Umfang aufneh­men können. Dane­ben sind weitere Lager­hin­weise für den Gefahr­stoff zu beach­ten. Genaue Infor­ma­tio­nen hierzu sind in Betriebs­an­wei­sun­gen zu finden, die gut sicht­bar in Arbeits­platz­nähe ausge­hängt sein sollen. Anhand der Gefahrstoff-Betriebsan-weisungen sind Beschäf­tigte mindes­tens einmal jähr­lich münd­lich, und bei Bedarf auch unter­jäh­rig, zu unter­wei­sen. Die Unter­wei­sun­gen sind zu dokumen-tieren. Beim Umgang mit Gefahr­stof­fen ist auf die Benut­zung adäqua­ter persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung zu achten. Konkrete Hinweise gibt hierzu die DGUV Regel 107–001 (GUV‑R 108) „Betrieb von Bädern“.
Gefahr­stoffe mit geeig­ne­ten tech­ni­schen Hilfs­mit­teln trans­por­tie­ren
Für den Trans­port von Gefahr­stof­fen sind immer geeig­nete tech­ni­sche Hilfs­mit­tel zu verwen­den, wie zum Beispiel Hand- und Hubwa­gen oder Sack­kar­ren für Chemi­ka­li­en­ge­binde, Flaschen­wa­gen für Chlor­gas­fla­schen sowie Aufzüge und Hebe­zeuge zum Trans­fer in Tech­nik­be­rei­che unter Erdglei­che.
Das Auswech­seln von Behäl­tern mit Wasser­auf­be­rei­tungs­che­mi­ka­lien sollte in einer Arbeits­an­wei­sung schrift­lich fest­ge­hal­ten werden. Die Beschäf­tig­ten sind über den Ablauf und die Benut­zung der persön­li­chen Schutz­aus­rüs­tung zu unter­wei­sen.
In Schwimm­bä­dern werden verschie­den­ar­tige Umfüll­vor­rich­tun­gen verwen­det. Es ist darauf zu achten, dass Behäl­ter und Umfüll­vor­rich­tun­gen aus Werk­stof­fen bestehen, die den zu erwar­ten­den Bean­spru­chun­gen stand­hal­ten. Eine eindeu­tige Kenn­zeich­nung ist notwen­dig.
Haut und Augen gegen UV-Strahlung schüt­zen
Die mit der Wasser­auf­sicht und Pflege von Außen­an­la­gen betrau­ten Perso­nen in Frei­bä­dern sind längere Zeit der Sonnen­ein­strah­lung ausge­setzt. Hier­mit sind gesund­heits­ge­fähr­dende Risi­ken verbun­den, denen man präven­tiv begeg­nen muss. Eine erhöhte Expo­si­tion der Haut gegen­über natür­li­cher UV-Strahlung kann zu Haut­krebs und bei den Augen zum Grauen Star führen. Sie ist im Freien in der Regel dann gege­ben, wenn ein UV-Index von 6 erreicht ist. Die Höhe des UV-Index kann der Tages­presse und der Home­page des Bundes­am­tes für Strah­len­schutz (www.bfs.de) entnom­men werden.
Abhän­gig von der Art der auszu­füh­ren­den Arbei­ten sind verschie­dene Schutz­maß­nah­men zu beach­ten, die möglichst mitein­an­der kombi­niert werden soll­ten. Hier gilt das soge­nannte TOP-Prinzip, tech­ni­sche vor orga­ni­sa­to­ri­schen und persön­li­chen Schutz­maß­nah­men.
Möglichst im Schat­ten aufhal­ten
Sonnen­schirme, Sonnen­se­gel oder andere geeig­nete Unter­stell­mög­lich­kei­ten fallen unter die tech­ni­schen Sonnen­schutz­maß­nah­men. Beschat­tun­gen haben gene­rell oberste Prio­ri­tät, da sie den direk­ten Sonnen­kon­takt effek­tiv vermin­dern können. Der Unter­neh­mer sollte das Arbei­ten im Freien so orga­ni­sie­ren, dass die Beschäf­tig­ten möglichst im Schat­ten und außer­halb der Mittags­stun­den ihre Tätig­keit verrich­ten können. Ist dies nicht möglich, sollte die Zeit der direk­ten Sonnen­ein­strah­lung auf ein Mini­mum beschränkt sein.
Auch dem Tragen körper­be­de­cken­der Klei­dung, möglichst mit hohem UV-Schutzfaktor, kommt eine beson­dere Bedeu­tung zu. Hier empfiehlt sich die Verwen­dung einer Kopf­be­de­ckung mit Nacken­schutz, die auch das Gesicht beschat­tet und Klei­dungs­stü­cke, die möglichst viel Haut­flä­che bede­cken. Die dann noch unbe­deck­ten Haut­flä­chen müssen mit einem Sonnen­schutz­mit­tel mit hohem Schutz­fak­tor geschützt werden.
Sonnen­brille mit UV-Filter
Zum Schutz der Augen ist eine Sonnen­brille mit geeig­ne­tem UV-Filter zu benut­zen. Die Notwen­dig­keit eine Sonnen­brille als persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung bereit­zu­stel­len, ergibt sich gege­be­nen­falls aus der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, zum Beispiel bei verstärkt auftre­ten­der Blend­wir­kung durch große reflek­tie­rende Glas- oder Wasser­flä­chen.
Im Rahmen der arbeits­me­di­zi­ni­schen Betreu­ung sollte über die Gefähr­dung der Haut und Augen durch UV-Strahlung aufge­klärt und über notwen­dige Schutz­maß­nah­men bera­ten werden. Die arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsorge dient dazu, berufs­be­dingte Erkran­kun­gen oder Berufs­krank­hei­ten recht­zei­tig zu erken­nen, zu verhin­dern, oder eine Verschlim­me­rung zu verhü­ten.
Haut­schutz bei Feucht­ar­beit
Neben der Sonne kann die Haut auch durch Wasser und stän­dige Feuch­tig­keit geschä­digt werden. Von Feucht­ar­beit spricht man, wenn Beschäf­tigte einen erheb­li­chen Teil ihrer Arbeits­zeit Arbei­ten in feuch­tem Milieu ausfüh­ren oder flüs­sig­keits­dichte Hand­schuhe tragen oder häufig oder inten­siv ihre Hände reini­gen.
Die beste Lösung in diesem Fall ist den Kontakt mit Wasser oder Feuch­tig­keit zu vermei­den. Physio­the­ra­peu­ten zum Beispiel müssen in medi­zi­ni­schen Bädern die Bewe­gun­gen ihrer Pati­en­ten unter Wasser gut verfol­gen können. Ein tiefer liegen­der Becken­um­gang mit Sicht­fens­tern hilft hier einen Aufent­halt im Wasser zu redu­zie­ren.
Doch auch wenn der Feuch­tig­keits­kon­takt nicht zu vermei­den ist, kann die Haut entlas­tet werden. Regel­mä­ßi­ges Eincre­men der Hände und Arme mit spezi­el­len Haut­mit­teln redu­ziert die Gefahr von Haut­schä­di­gun­gen. Die ausge­wähl­ten Hautschutz‑, Hautreinigungs- und Haut­pfle­ge­mit­tel sind in einem Haut­schutz­plan fest­zu­le­gen, und die Verwen­dung ist zu erklä­ren. Dieser Plan sollte zum Beispiel für alle Beschäf­tig­ten an Hand­wasch­plät­zen ausge­hängt werden. Anhand der zu erstel­len­den Betriebs­an­wei­sung sind Beschäf­tigte mindes­tens einmal jähr­lich zum Thema Feucht­ar­beit zu unter­wei­sen. Die Unter­wei­sung ist zu doku­men­tie­ren.
Wer täglich mehrere Stun­den mit den Händen in feuch­tem Milieu arbei­tet, sollte flüs­sig­keits­dichte Schutz­hand­schuhe verwen­den. Aber Achtung! Auch das Tragen dieser Hand­schuhe zählt zur Feucht­ar­beit. In diesem Zusam­men­hang ist der Haut­schutz­plan unbe­dingt zu beach­ten. Die Verwen­dung von Baumwoll-Unterziehhandschuhen unter flüs­sig­keits­dich­ten Hand­schu­hen ist empfeh­lens­wert, da somit das Schwit­zen und Aufquel­len der Haut verrin­gert werden kann.
Orga­ni­sa­to­risch hat der Unter­neh­mer sicher­zu­stel­len, dass Feucht­ar­beit für Beschäf­tigte auf ein Mini­mum begrenzt wird. Wech­selnde Tätig­kei­ten zwischen Feucht- und Trocken­ar­beit sind anzu­stre­ben.
Eine arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsorge ist den Mitar­bei­tern anzu­bie­ten, wenn regel­mä­ßig mehr als zwei Stun­den pro Tag Feucht­ar­beit verrich­tet wird. Bei Feucht­ar­beit ab vier Stun­den pro Tag handelt es sich um eine Pflicht­vor­sorge. Weiter­hin hat der Unter­neh­mer den Beschäf­tig­ten regel­mä­ßig arbeits­me­di­zi­ni­sche Wunsch­vor­sor­gen zu ermög­li­chen, falls mit einem Gesund­heits­scha­den zu rech­nen ist.
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