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Mobile Stromerzeuger sicher betreiben

Auf Bau- und Montagestellen Teil 2
Mobile Stromerzeuger sicher betreiben

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Falls auf ein­er Baustelle Strom selb­st erzeugt wer­den muss, kom­men dafür mobile Stromerzeuger zum Ein­satz. Ihren sicheren Betrieb und die erforder-lichen Schutz­maß­nah­men erk­lärt die neue DGUV-Infor­ma­tion 203–032 „Auswahl und Betrieb von (mobilen) Stromerzeugern auf Bau- und Mon­tagestellen“. Lesen Sie im zweit­en Teil des Artikels, was beim Anschluss von mehreren Betrieb­smit­teln zu berück­sichti­gen ist.

Sollen mehrere Betrieb­smit­tel gle­ichzeit­ig am Stromerzeuger der Aus­führung A betrieben wer­den, sind zusät­zliche Schutz­maß­nah­men erforder­lich. Während das erste Betrieb­smit­tel nach wie vor direkt angeschlossen wer­den kann, müssen für alle weit­eren Betrieb­smit­tel zusät­zliche Schutz­maß­nah­men aus­gewählt wer­den. Beste­ht eine „erhöhte elek­trische Gefährdung“ beim Arbeit­en in engen, leit­fähi­gen Bere­ichen (z. B. in Leitungs­gräben), dann muss als Schutz­maß­nahme die Anwen­dung zusät­zlich­er Tren­ntrans­for­ma­toren aus­gewählt wer­den. Dabei ist für jedes weit­ere Betrieb­smit­tel ein eigen­er Tren­ntrans­for­ma­tor vorzuse­hen. Es dür­fen keines­falls mehrere Betrieb­smit­tel an einen Tren­ntrans­for­ma­tor angeschlossen werden.
Beste­ht keine „erhöhte elek­trische Gefährdung“, kom­men als Zusatzschutz zum Beispiel ortsverän­der­liche RCDs (Fehler­strom­schutzein­rich­tun­gen) zum Ein­satz. Hier muss allerd­ings beachtet wer­den, dass die in herkömm­lichen sta­tionären Stromver­sorgungsnet­zen gern ver­wen­de­ten PRCD‑S nicht genutzt wer­den kön­nen, da sie bei der Prüfrou­tine zum Ein­schal­ten fest­stellen, dass keine niederohmige Erdungsverbindung vorhan­den ist und sie sich somit nicht ein­schal­ten lassen. Durch die fehlende Verbindung des Stern­punk­tes mit dem Schut­zleit­er im Gen­er­a­tor kann dieser Zus­tand auch nicht mit ein­er Erdung des Stromerzeugers behoben werden.
Während auch bei dieser Betrieb­sart das erste Betrieb­smit­tel direkt angeschlossen wer­den darf, muss für jedes weit­ere angeschlossene Gerät ein ortsverän­der­lich­er RCD, ein PRCD oder ein PRCD‑K zur Anwen­dung kommen.
Der Anschluss mehrerer Betrieb­smit­tel an einen Stromerzeuger der Bauart A kann aber durch die Ver­wen­dung eines speziellen Verteil­ers deut­lich vere­in­facht wer­den. Dieser Verteil­er hat vor jed­er sein­er einge­baut­en Steck­dosen einen vorgeschal­teten RCD, welch­er die Auf­gabe des Zusatzschutzes übern­immt. Es kön­nen an diesen Verteil­er so viele Betrieb­smit­tel angeschlossen wer­den, wie Steck­dosen vorhan­den sind. Eine weit­ere Verteilung durch Kabel­roller oder ähn­liche Geräte ist aber nicht zuläs­sig. Die Abbil­dun­gen 4a – c zeigen drei dieser Schutzverteil­er zum Anschluss an Stromerzeuger nach Bauart A.
Stromerzeuger der Aus­führun­gen „B“ zeich­nen sich dadurch aus, dass sie den Schal­tungsauf­bau der oben erwäh­n­ten Schutzverteilung bere­its bein­hal­ten. Auf dem deutschen Markt waren sie aus Kosten­grün­den bish­er nicht weit ver­bre­it­et, obwohl sie eine sichere und ein­fache Betrieb­salter­na­tive darstellen. Bei diesen Stromerzeugern darf pro Steck­dose ein Betrieb­smit­tel angeschlossen wer­den. Eine Weit­er­verteilung ist nur mit den oben ange­führten Maß­nah­men zulässig.
Iso­la­tion­süberwachung
Alle oben genan­nten Schutz­maß­nah­men sind unab­hängig davon anzuwen­den, ob im Stromerzeuger eine Iso­la­tion­süberwachung­sein­rich­tung einge­baut ist oder nicht. Die Iso­la­tion­süberwachung­sein­rich­tung kann in der Regel die Auf­gaben des Per­so­n­en­schutzes nicht erfüllen, son­dern nur den Geräteschutz sich­er­stellen. Die Iso­la­tion­süberwachung erset­zt somit nicht die oben geforderten zusät­zlichen Schutz­maß­nah­men. Die Iso­la­tion­süberwachung erfol­gt zwis­chen den aktiv­en Leit­ern und dem Schutzpo­ten­tialaus­gle­ich­sleit­er. Alle Kör­p­er von Geräten der Schutzk­lasse I (diese haben einen Schut­zleit­er­an­schluss) müssen in einen Schutzpo­ten­tialaus­gle­ich einge­bun­den sein. Dieser wird durch die Schut­zleit­er in den Anschlus­sleitun­gen der Ver­brauchsmit­tel realisiert.
Als prob­lema­tisch sind die häu­fig an den Stromerzeugern ange­bracht­en Schilder zu betra­cht­en, auf denen zu lesen ist, dass der Stromerzeuger wegen der einge­baut­en Iso­la­tion­süberwachung­sein­rich­tung nicht geerdet wer­den muss. Diese Schilder sind irreführend und sug­gerieren einen vorhan­de­nen Per­so­n­en­schutz, welch­er aber gar nicht existiert.
Durch Unfal­lun­ter­suchun­gen kon­nte ein­deutig nachgewiesen wer­den, dass durch diesen Irrglauben bes­timmte Unfälle sog­ar begün­stigt wur­den. Tritt ein soge­nan­nter erster Fehler gegen Erde auf (z. B. Feuchtigkeit ist in eine Steck­verbindung einge­drun­gen), kann die Iso­la­tion­süberwachung­sein­rich­tung diesen Fehler nicht erken­nen, da die „Erde“ nicht mit dem Poten­tialaus­gle­ich ver­bun­den ist. Tritt ein „zweit­er“ Fehler auf, zum Beispiel wenn ein Arbeit­nehmer eine nasse Hand­mas­chine benutzt, wird die Iso­la­tion­süberwachung­sein­rich­tung eben­falls nicht reagieren, da dieser Fehler genau­so wie der erste nicht erkan­nt wer­den kann. In diesem Fall wird die betr­e­f­fende Per­son einen Strom­schlag von 400 Volt erhalten.
Zusam­men­fassend muss deshalb fest­gestellt wer­den, dass bei Stromerzeugern mit einge­bauter Iso­la­tion­süberwachung, unab­hängig von ihrer Bauart, der Per­so­n­en­schutz nur dann sichergestellt wer­den kann, wenn der Poten­tialaus­gle­ich auf die Erde erweit­ert wird. Auch wenn dieses Vorge­hen nor­ma­tiv nicht geregelt ist, wird nur auf diese Weise ein Fehler gegen Erde erkan­nt und der Iso­la­tion­swächter kann entsprechend reagieren und die Stromver­sorgung unterbrechen.
Stromerzeuger mit Erdungsan­schluss (Aus­führun­gen „C“ und „D“)
Stromerzeuger mit einem „richti­gen“ Erdungsan­schluss wer­den in der Regel als „Net­zer­satzan­la­gen“ aufge­baut, welche ein Strom­netz erzeu­gen, wie es aus der orts­festen Instal­la­tion bekan­nt ist. Da diese Anla­gen auss­chließlich von Elek­tro­fachkräften errichtet wer­den dür­fen, gibt es an dieser Stelle nicht viel zu bericht­en. Diese Stromerzeuger liefern den elek­trischen Strom häu­fig an eine angeschlossene Baus­tromverteilung, wo er auf herkömm­liche Weise genutzt wer­den kann.
Viele dieser Stromerzeuger haben die „Baus­tromverteilung“ bere­its einge­baut, so dass die Steck­dosen des Stromerzeugers direkt genutzt wer­den können.
Diese Stromerzeuger müssen von Elek­tro­fachkräften gewis­senhaft geerdet wer­den. Die Erdung darf während des Betriebes nicht unter­brochen wer­den, da son­st die Ein­rich­tun­gen des Per­so­n­en­schutzes nicht sich­er funk­tion­ieren. Die Erdung sollte regelmäßig, beispiel­sweise bei den Prü­fun­gen der Fehler­schutzein­rich­tun­gen, mit kon­trol­liert werden.
Sicher­er Betrieb
Für den Betrieb der Stromerzeuger und den Anschluss von elek­trischen Betrieb­smit­teln sind weit­er­hin die Bes­tim­mungen der DGUV Infor­ma­tion 203–006 (bish­er BGI 608) „Auswahl und Betrieb elek­trisch­er Anla­gen und Betrieb­smit­tel auf Bau- und Mon­tagestellen“ zu beacht­en. So müssen zum Beispiel angeschlossene elek­trische Leitun­gen dem Typ H07RN‑F oder H07BQ‑F entsprechen. Angeschlossene Betrieb­smit­tel müssen den rauen Beanspruchun­gen auf Baustellen gewach­sen sein.
Vorgeschriebene Prü­fun­gen
Vor jed­er Inbe­trieb­nahme muss am Stromerzeuger eine Sicht­prü­fung auf augen­schein­liche Män­gel und eine Funk­tion­sprü­fung erfol­gen. Weit­er­hin müssen in der Gefährdungs­beurteilung des Unternehmens Prüf­fris­ten für regelmäßige Wider­hol­ung­sprü­fun­gen des Stromerzeugers fest­gelegt werden.
Schutz­maß­nah­men mit RCD in nicht­sta­tionären Anla­gen sind min­destens ein­mal im Monat auf Wirk­samkeit durch eine Elek­tro­fachkraft zu prüfen.
Außer der augen­schein­lichen Sicht­prü­fung müssen die Prü­fun­gen doku­men­tiert wer­den. Beispiel­hafte Prüf­pro­tokolle für mobile Stromerzeuger sind im Anhang 5 der DGUV-Infor­ma­tion 203–032 „Auswahl und Betrieb von Stromerzeugern auf Bau- und Mon­tagestellen“ zu finden.
Dipl.-Ing. Hans-Joachim Kuhnsch
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