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Quality Time: Trotz Zeitnot zu mehr „Miteinander“ kommen

Quality Time: Trotz Zeitnot zu mehr „Miteinander“ kommen
Was wirklich wesentlich ist

Zeit zusammen zu verbringen tut gut, es muss gar keine besondere Unternehmung sein. Foto: © Olesia Bilkei - Fotolia.com
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Zeit ist wertvoll, eigentlich sog­ar das Wertvoll­ste, was wir besitzen. So richtig sorgsam gehen wir aber nicht mit ihr um. Wir ver­brin­gen viel Zeit mit Verpflich­tun­gen und notwendi­gen Erledi­gun­gen. Für das Schöne im Leben bleibt da kaum mehr etwas übrig. Für das, was nicht unbe­d­ingt sein muss – aber den­noch sinns­tif­tend ist. Der Begriff Qual­i­ty Time beze­ich­net ein beson­ders wertvolles Zeit­fen­ster.

Brit­ta Surholt

Das Bild von den beruf­stäti­gen Eltern, die nur wenig Zeit für ihre Kinder haben, ist uns allen präsent: Mor­gens geht es hek­tisch Rich­tung Kinder­garten, danach eilen Mama und Papa rasch zur Arbeit. Der Tag, den der Nach­wuchs ohne Eltern ver­bringt, ist lang. Abends gegen 18 Uhr hopp-hopp wieder nach Hause und schle­u­nigst ab ins Bett. Das war´s für die Kita-Kleinen, für Qual­i­ty Time ist bei solch einem aus­ge­füll­ten Tag nun wirk­lich kein Zeit­fen­ster mehr übrig. Alle sind abends müde und geschafft. Nun auch noch inten­sive und wertvolle Zeit miteinan­der zu ver­brin­gen ist doch kaum mehr möglich. Oder vielle­icht doch? Wenn es nach dem Buchau­tor Bernd C. Trüm­per geht, ist da dur­chaus noch Poten­zial. „Denn ger­ade die halbe Stunde Bettgeh-Rit­u­al, die nach einem anstren­gen­den Tag noch möglich ist, kann ganz beson­ders bedeut­sam für alle Beteiligten sein.“ Für die Eltern, weil sie auch selb­st zur Ruhe kom­men, sich von der Arbeit erholen und rasch auf ganz andere Gedanken kom­men kön­nen. Für die Tochter oder den Sohn – weil eine halbe Stunde „Auss­chließlichkeits-Zeit“ vorhan­den ist. Es kann erzählt wer­den, was passiert ist am Tag. Es kann gekuschelt oder auch noch herumgeal­bert und geto­bt wer­den.

Gemeinsamkeit zählt

So läs­sig den Abend ausklin­gen zu lassen, entspan­nt und ohne Druck miteinan­der Zeit zu teilen – das ist wirk­lich wertvolles Tun! „Denn es ist falsch anzunehmen, dass Qual­ität­szeit nur dann stat­tfind­en kann, wenn wir qual­i­ta­tiv Hochw­er­tiges geplant haben.“ So ist es keineswegs: Vielmehr liegt in der gemein­sam ver­bracht­en Zeit die Kraft! Mama oder Papa sind aufmerk­sam gegenüber der Tochter/dem Sohn, leg­en das Handy bei­seite, wid­men sich ganz und gar dem Nach­wuchs und dem gemütlichen Abend-Rit­u­al. Stress lass nach, lautet die Devise für die schö­nen Stun­den zusam­men mit der Fam­i­lie. Het­ze und Ter­min­druck nein Danke. Jet­zt ist Spaß und Zusam­men­sein ange­sagt.
 
„Das Wichtig­ste im Leben ist die Zeit, die man mit Men­schen ver­bringt, die man liebt.“ (Bernd C. Trüm­per)
 
Die (zugegeben­er­maßen) kleinen Zeit­fen­ster im All­t­ag möglichst inten­siv zu nutzen, ist den­noch eine Kun­st. Und mit Sicher­heit kann es nicht unser Ziel sein, jeden Aus­gle­ich kün­ftig mit „Qual­i­ty Time“ zu über­schreiben. Qual­ität statt Quan­tität kann ja gut gemeint sein, aber den Begriff mit Leben zu füllen, ist im All­t­ag dann doch wieder ein ganz anderes Kapi­tel. Das haben wir alle schon selb­st erlebt: Wir meinen es beson­ders gut mit dem Part­ner oder dem Kind und kündi­gen hocher­freut an: Heute Abend habe ich frei für Dich, lass uns schön in die Stadt gehen zum Bum­meln, gemein­sam etwas essen oder ins Kino. Der andere sieht sich aber zum Feier­abend eher auf der Couch und ist daher gar nicht ein­ver­standen mit den Aus­geh­plä­nen. Qual­ität­szeit kann also dur­chaus im Ange­bot sein, aber wenn der ver­meintliche Empfänger den wertvollen Zeitvor­rat nicht annehmen mag, muss man anders zueinan­der kom­men.

Spontan geht auch

Oft sind es die spon­ta­nen, ganz und gar nicht ver­planten Zusam­menkün­fte, die beson­ders schön und unvergesslich sind. „Nicht der Aufwand, der betrieben wird, ste­ht im Vorder­grund, son­dern das Glück, das miteinan­der emp­fun­den wird“, so Trüm­per. So kann das aufwändig vor­bere­it­ete Tre­f­fen für den Bau ein­er Bret­ter­bude nervig und unef­fek­tiv ver­laufen, während der Nach­mit­tag ohne jeden Plan voller Lebens­freude und Fröh­lichkeit steckt. Nicht nur Kinder lieben es, wenn sich plöt­zlich etwas ergibt, wom­it sie nicht gerech­net haben. Auch für jeden Erwach­se­nen ist es toll, sich einzu­lassen auf das kleine Zeit­fen­ster „Glück“. Mal abzuwarten, was daraus wird. Auf sich zukom­men zu lassen, ob gemein­sam etwas ganz Großes aus der gemein­sam ver­bracht­en Zeit wird.
 
Die Spiel­runde „Men­sch ärg­ere Dich nicht“ – lim­i­tiert auf das Zeit­fen­ster 18 bis 18:30 Uhr – kann gelin­gen. Aber wenn es ein wenig läs­siger (wom­öglich auch leichtsin­niger) geplant würde, haben alle Beteiligten noch Luft nach oben. „Mor­gen Abend tre­f­fen wir uns – mal sehen, was wir mit unser­er gemein­samen Zeit anfan­gen“, lässt außer­dem noch viel Platz für Spon­tan­ität. Und die zu erhal­ten, ist ger­ade im unberechen­baren All­t­ag wichtig.
 
Alles peni­bel durchzu­tak­ten, jede zeitliche Lücke mit sin­nvollem Tun zu füllen, kann nicht der Anspruch sein. Dazu Bernd C. Trüm­per: „Aber zu erken­nen, dass ich sehr viel für ein gutes Miteinan­der tun kann, wenn ich nur genug Zeit mit den mir lieb­sten Men­schen ver­bringe, ist schon ein großer Schritt.“ Der Buchau­tor, der vor sein­er the­ol­o­gis­chen Aus­bil­dung als Ver­triebs- und Kom­mu­nika­tion­strain­er arbeit­ete, erlebte in der eige­nen Fam­i­lie, dass sich Zeit nicht aufhal­ten und nicht nach­holen lässt. „Als meine Groß­mut­ter starb und meine Mut­ter erkan­nte ‚Ich wollte noch so viel für sie und vor allem mit ihr tun‘ – hat das für mich den Anstoß gegeben, Qual­itäts-Zeit­en mit bes­timmten Per­so­n­en zu verabre­den.“ Auch der lesenswerte Rat­ge­ber „Qual­i­ty Time“ ist aus diesen Über­legun­gen her­aus ent­standen.
 
Kein­er möchte sich eines Tages vor­w­er­fen müssen, Du hast etwas ver­passt im Zusam­men­leben, bist zu sel­ten da gewe­sen oder hast Dich nicht bemüht. Um dem vorzubeu­gen, plädiert Trüm­per für das bewusste Reservieren von Zeit, in der man sich ganz auf einen Men­schen konzen­tri­ert. Das kann ein Aus­flugs-Woch­enende mit der Mut­ter sein oder ein Abend auf der Pick­nick­decke mit engen Fre­un­den. Selb­st mit den Arbeit­skol­le­gen lassen sich meist unkom­pliziert Qual­itäts-Zeit­en pla­nen und fest in den Tagesablauf mitaufnehmen.
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