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Arbeitsmedizinische Vorsorgemaßnahmen

Arbeitgeber in der Pflicht
Arbeitsmedizinische Vorsorgemaßnahmen

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Wenn die Gefährdungs­beurteilung eines Arbeit­splatzes ergibt, dass eine bes­timmte Tätigkeit die Gesund­heit des zuständi­gen Mitar­beit­ers schädi­gen kön­nte, ist der Arbeit­ge­ber verpflichtet, ihm eine angemessene arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge anzu­bi­eten. Aber welche Vor­sorge­form ist die richtige?

Petra Stemm­ler-Richter

Unter­schieden wer­den drei Vari­anten: Die Pflichtvor­sorge, die Ange­botsvor­sorge und die Wun­schvor­sorge. Auskun­ft darüber, welche Maß­nahme die jew­eils passende ist, gibt die Arbeitsmedi­z­in­verord­nung (ArbMedVV).

Die Pflichtvorsorge

Beschäftigte, die an ihrem Arbeit­splatz mit kreb­ser­re­gen­den oder erbgutverän­dern­den (muta­ge­nen) Stof­fen umge­hen sollen, müssen zuvor an ein­er Pflichtvor­sorge­maß­nahme teil­nehmen. Die Notwendigkeit dafür ergibt sich aus der Gefährdungs­beurteilung (GBU). Um her­auszufind­en, ob und gegebe­nen­falls wie hoch der Arbeit­splatz belastet ist, sollte der Arbeit­ge­ber regelmäßig Mes­sun­gen der gesund­heits­ge­fährden­den Ein­flüsse veranlassen.

Berührung mit Asbest oder Benzol

Beispiele für der­art belas­tende Tätigkeit­en sind Abriss- oder Sanierungsar­beit­en, bei denen der Arbeit­nehmer mit asbesthalti­gen Stof­fen in Berührung kom­men kön­nte, oder Arbeit­en, bei denen er mit ben­zol­halti­gen Arbeitsstof­fen umge­hen muss. Anlässe für eine Pflichtvor­sorge kön­nen aber eben­so durch biol­o­gis­che oder physikalis­che Ein­wirkun­gen gegeben sein.

Die Angebotsvorsorge

Die Ange­botsvor­sorge muss der Arbeit­ge­ber seinem Mitar­beit­er eben­falls vor Auf­nahme der entsprechen­den Tätigkeit anbi­eten. Der Beschäftigte sollte in seinem eige­nen Inter­esse daran teil­nehmen, er muss es aber nicht. Lehnt er ab, bleibt das ohne Kon­se­quen­zen. Dem Beschäftigten dür­fen aus sein­er Entschei­dung keine Nachteile erwach­sen oder Kosten entste­hen. Egal, wie der Mitar­beit­er sich entschei­det – der Arbeit­ge­ber muss ihm auf jeden Fall diese arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge­maß­nahme regelmäßig anbi­eten. Die Arbeitsmedi­zinis­che Regel 2.1 gibt dazu weit­ere Informationen.

Wer hat Anspruch?

Anspruch auf die Ange­botsvor­sorge haben zum Beispiel Arbeit­nehmer, die regelmäßig mehr als zwei Stun­den pro Tag Feuchtar­beit aus­führen. Eben­falls anspruchs­berechtigt sind Beschäftigte, die in sehr staubi­gen Räu­men, etwa in Getrei­de- oder Fut­ter­mit­tel­lagern, tätig sind. Der Gren­zw­ert, ab dem die Vor­sorge­maß­nahme bei diesen Arbeit­en ange­boten wer­den muss, liegt bei einem Mil­ligramm einatem­baren Staub je Kubik­me­ter Atem­luft. Auch hier sor­gen regelmäßige Mes­sun­gen für Klarheit darüber, ob der Gren­zw­ert einge­hal­ten oder über­schrit­ten wird.

Die Wunschvorsorge

Wenn der Arbeit­nehmer ver­mutet, seine Tätigkeit kön­nte sein­er Gesund­heit schaden, muss der Arbeit­ge­ber ihm eine arbeitsmedi­zinis­che Wun­schvor­sorge ermöglichen. Es sei denn, auf­grund der GBU und der getrof­fe­nen Schutz­maß­nah­men ist damit nicht zu rechnen.

Im Rahmen der Arbeitszeit

Grund­sät­zlich gilt: Möchte der Mitar­beit­er eine arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge, die ihm zuste­ht, wahrnehmen, muss der Arbeit­ge­ber ihm die Maß­nahme und die Fahrt dor­thin im Rah­men der Arbeit­szeit ermöglichen. Selb­stver­ständlich ist der Mitar­beit­er in dieser Zeit geset­zlich unfallversichert.

Die Sozialver­sicherung für Land­wirtschaft, Forsten und Garten­bau (SVLFG) rät Unternehmern, alle Vor­sorgebescheini­gun­gen ihrer Beschäftigten in ein­er Vor­sorgekartei zu sam­meln. Hin­weise hierzu find­en sich in der Verord­nung zur arbeitsmedi­zinis­chen Vor­sorge (ArbMedVV) auf der Inter­net­seite www.svlfg.de/gesetze-vorschriften-im-arbeitsschutz. Dort soll­ten sie auch ver­merken, wenn Mitar­beit­er nicht an ein­er Vor­sorge teil­nehmen möcht­en. Die Vor­sorgebescheini­gun­gen enthal­ten keine medi­zinis­chen Befunde, sie doku­men­tieren jedoch Anlässe für Vor­sorge­un­ter­suchun­gen, die Teil­nahme und die näch­sten Termine.

Die Eignungsuntersuchung

Nicht mit ein­er arbeitsmedi­zinis­chen Vor­sorge­maß­nahme zu ver­wech­seln ist die Eig­nung­sun­ter­suchung. Sie informiert Arbeit­ge­ber darüber, ob ein Mitar­beit­er oder Bewer­ber für eine bes­timmte Tätigkeit aus arbeitsmedi­zinis­ch­er Sicht geeignet ist.


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Die neue Ange­botsvor­sorge UV-Schutz gilt für Beschäftigte, die von April bis Sep­tem­ber regelmäßig draußen arbeit­en.
Foto: © 123object_stock — stock.adobe.com

Jetzt neu: Angebotsvorsorge Sonnenschutz

Aktiv gegen Hautkrebs

Arbeit­en Beschäftigte von April bis Sep­tem­ber viel im Freien, sind Arbeit­ge­ber seit diesem Jahr verpflichtet, ihnen eine arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge zum UV-Schutz anzubieten.

Bes­timmte Hautkreb­s­for­men, näm­lich das Plat­tenep­ithelka­rzi­nom und die mul­ti­ple aktinis­che Ker­atose, landläu­fig auch als Weißer Hautkrebs bekan­nt, sind als Beruf­skrankheit­en anerkan­nt. Allein im Jahr 2018 wur­den der Land­wirtschaftlichen Beruf­sgenossen­schaft rund 2.500 Erkrankun­gen gemeldet. Die Ten­denz ist steigend.

Der Geset­zge­ber hat auf diese erschreck­ende Entwick­lung reagiert und die Arbeitsmedi­z­in­verord­nung um eine Ange­botsvor­sorge zum UV-Schutz ergänzt. Sie richtet sich an Arbeit­nehmer, die von Anfang April bis Ende Sep­tem­ber, draußen arbeit­en. Anspruch darauf hat, wer an min­destens 50 Tagen täglich zwis­chen 10 und 15 Uhr min­destens eine Stunde draußen in der Sonne oder zwei Stun­den im Schat­ten tätig ist.

Persönliche Beratung

Die betr­e­f­fend­en Arbeit­nehmer erhal­ten im Rah­men der Vor­sorge eine indi­vidu­elle Beratung, wie sie ihre Haut gemäß ihres Haut­typs und gemäß ihres Arbeit­splatzes vor ein­er zu hohen UV-Belas­tung schützen kön­nen. Falls notwendig, wird der Arbeitsmedi­zin­er die Haut an auf­fäl­li­gen Stellen, die der Sonne bei der Arbeit aus­ge­set­zt sind, unter­suchen. Außer­dem klärt er den Arbeit­nehmer über dessen per­sön­lich­es Hautkreb­srisiko auf. Dazu muss der Arzt wis­sen, in welch­er Branche die Arbeit­nehmer arbeit­en und welche Tätigkeit­en sie ausführen.

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