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Kein Abspul-Programm, sondern eine Grundhaltung

Betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung

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Bei Lilly Deutsch­land arbei­ten knapp 1.000 Beschäf­tigte – ein Teil im Außen­dienst, rund 400 am Stand­ort Bad Homburg. Der Pharma‐Hersteller hat sich dem Motto „Vision 2020 – das mensch­lichste und kunden­freund­lichste Phar­ma­un­ter­neh­men“ verschrie­ben und verfolgt dazu seit 2010 ein konse­quen­tes Gesund­heits­för­de­rungs­pro­gramm.

Das betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rungs­pro­gramm (BGF) Lilly Balance wurde vor knapp zwei Jahren durch die Teil­nahme an der Initia­tive Diabetes@Work ergänzt. Beides steht für konse­quen­tes Handeln mit dem Ziel, die Gesund­heit der Mitar­bei­ter nicht einfach nur ein Schlag­wort sein zu lassen, sondern sich von der Führungs­etage an dafür stark zu machen und einzu­set­zen. Martin Klann, HSE Koor­di­na­tor, zieht für die vergan­ge­nen Jahre eine posi­tive Bilanz. „Das Konzept Lilly Balance ist so breit aufge­stellt und hat sich mit seinen drei Säulen so bewährt, dass wir den Erfolg auch messen können“, freut sich der verant­wort­li­che Koor­di­na­tor.

Die drei Säulen des Gesund­heits­för­de­rungs­pro­gramms sind:

1. Gesunde Prozesse

Die erste Säule berück­sich­tigt vor allem die Gestal­tung der Arbeits­pro­zesse: Es gilt, diese gesund­heits­freund­li­cher zu orga­ni­sie­ren, so zum Beispiel durch den Abbau von Büro­kra­tie und die Imple­men­tie­rung einer Stra­te­gie zur Moti­va­ti­ons­stei­ge­rung, bei der die Beschäf­tig­ten auch eine neue Einstel­lung zum Thema Arbeit gewin­nen.

2. Gesunde Führung

Grund­le­gend zum Konzept gehört die zweite Säule: die Führungs­ver­ant­wor­tung. Denn ohne die Betei­li­gung aller, von der Geschäfts­füh­rung über die Abtei­lun­gen hinweg bis zu jedem einzel­nen Außendienst‐Mitarbeiter, wäre das Vorha­ben nicht umzu­set­zen.

3. Gesunde Mitar­bei­ter

Der dritte Bereich rich­tet sich direkt an die Mitar­bei­ter. Dabei geht es haupt­säch­lich darum, dass Mitar­bei­ter ihre eigene Gesund­heit als wich­tig wahr­neh­men. Ziel ist es, die Mitar­bei­ter mit Hilfe von Gesund­heits­maß­nah­men zu stär­ken, ihnen konkrete Gesund­heits­an­ge­bote anzu­bie­ten sowie Eintritts­hür­den bei der Aufnahme von gesun­den Akti­vi­tä­ten zu senken. Dabei macht Lilly den Mitar­bei­tern so manche Ange­bote, die über den übli­chen Rahmen von BGF hinaus­ge­hen und die Bedeu­tung der Stra­te­gie unter­strei­chen.

Teil der Unter­neh­mens­stra­te­gie

Lilly Balance ist kein Programm, das einfach abge­spult wird“, betont Klann, „es ist eine grund­sätz­li­che Haltung, die sich in entspre­chen­den Ange­bo­ten zur Gesund­heits­för­de­rung und -erhal­tung wider­spie­gelt.“ Dabei gab es keinen konkre­ten Auslö­ser dafür, dass sich vor etli­chen Jahren Perso­nal­ab­tei­lung, Kommu­ni­ka­tion, Außen­dienst, Betriebs­rat und die Geschäfts­füh­rung mit dem Gesundheits‐Koordinator zusam­men­setz­ten und Lilly Balance ins Leben riefen. Dennoch ist es sicher­lich den Arbeits­um­stän­den geschul­det, dass sich das Steue­rungs­team Gedan­ken machte, wie man neben den tech­ni­schen Voraus­set­zun­gen und Verbes­se­run­gen aufgrund von Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen die Arbeits­si­tua­tion für alle Mitar­bei­ter verbes­sern könnte. Beim Phar­ma­be­trieb herrscht an vielen Arbeits­plät­zen eine große Belas­tung mit hohen Anfor­de­run­gen an die Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit. Damit es den Ange­stell­ten leich­ter fällt, diesen Ansprü­chen gerecht zu werden, bedarf es eines Ausgleichs ebenso wie einer hohen Moti­va­tion.

Je ange­neh­mer die Arbeits­at­mo­sphäre und je moti­vier­ter die Grund­hal­tung und Einstel­lung zur Arbeit sind, umso gesün­der sind die Mitar­bei­ter. Diese Grund­hal­tung sei enorm wich­tig, erläu­tert Martin Klann. Und er kann dies auch bele­gen. „In den letz­ten vier bis fünf Jahren hat sich der Kran­ken­stand jähr­lich durch­schnitt­lich um ein bis zwei Prozent redu­ziert, das bele­gen unsere Zahlen. Sie spre­chen dafür, dass wir mit Lilly Balance trotz gestie­ge­ner Arbeits­be­las­tun­gen aufgrund immer komple­xer werden­der Aufga­ben den Mitar­bei­tern einen guten Ausgleich schaf­fen.“

Dazu gehö­ren beispiels­weise Räume, in die sich die Mitar­bei­ter zu Ruhe­pau­sen zurück­zie­hen können: Mit Ruhe­bank, freund­li­cher Atmo­sphäre und ohne den Zwang, den Aufent­halt dort erklä­ren zu müssen. Das geht natür­lich nur, wenn eine solide Vertrau­ens­ba­sis da ist und jedem Einzel­nen zuge­traut wird, verant­wor­tungs­voll mit solchen Möglich­kei­ten und Frei­hei­ten umzu­ge­hen.

Stän­dig wech­selnde Ange­bote

Weil sich nicht nur die Mitar­bei­ter verän­dern, sondern auch die Ange­bote, ist das BGF in stän­di­gem Wandel. So gibt es seit eini­ger Zeit jede Woche eine „bewegte Mittags­pause“ zur Entspan­nung. Das Ange­bot wird regel­mä­ßig vari­iert. Mal ist es Yoga, mal sind es Atem­übun­gen – Abwechs­lung muss sein, findet Martin Klann. Auch Firmen­fahr­rä­der stehen zur Verfü­gung, die mitun­ter auch abtei­lungs­weise ausge­lie­hen werden. Für manche Aktio­nen sucht der Koor­di­na­tor inner­halb des Unter­neh­mens Spon­so­ren – denn einen eige­nen Etat gibt es für Lilly Balance nicht. Das begrün­det der Gesund­heits­för­de­rer damit, dass „BGF eben kein Einzel­pro­jekt, sondern in das gesamte Unter­neh­mens­den­ken inte­griert ist“.

So kann es schon einmal vorkom­men, dass im Rahmen einer Außendienstler‐Tagung das angren­zende Fitness­stu­dio kosten­frei von den Mitar­bei­tern genutzt werden kann oder die ganze Truppe eine Wande­rung unter­nimmt, bei der Themen aus dem Arbeits­all­tag bespro­chen werden. Ange­bote sind dabei nicht darauf beschränkt, was sich das Lenkungs­team ausdenkt – Anre­gun­gen kommen auch aus den Reihen der Mitar­bei­ter. Dies ist gene­rell ein wich­ti­ges Anlie­gen, das alle mit dem Gesund­heits­schutz und der Gesund­heits­vor­sorge Betrau­ten eint: die Eigen­in­itia­tive und die Ideen der Mitar­bei­ter aufzu­grei­fen. Unter den Kolle­gen gibt es beispiels­weise einige, die abend­li­che Jogging‐Runden orga­ni­sie­ren oder die sich für die Mittags­pause mit ande­ren zu einem Spazier­gang mit Lunch­pa­ket verab­re­den, statt sich in die Kantine zu setzen.

Unter­stüt­zung für Eigen­in­itia­ti­ven

Diese Akti­vi­tä­ten fördert Lilly dadurch, dass Plakat­aus­hänge an stra­te­gi­schen Punk­ten wie Aufzug oder Kanti­nen plat­ziert werden können oder in den wöchent­li­chen Rund­mails neben ande­ren Infor­ma­tio­nen aus dem Betrieb auf solche Mitarbeiter‐Aktivitäten hinge­wie­sen wird. Über­haupt hat das Thema Kommu­ni­ka­tion ein großes Gewicht, nicht umsonst sitzen Kolle­gen aus der Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­tion und dem Marke­ting mit im Lenkungs­kreis.

Auch Anfor­de­run­gen, die sich aus den Bespre­chun­gen mit den Sicher­heits­be­auf­trag­ten im Arbeits­schutz­aus­schuss erge­ben, versucht Klann bei der Jahres­pla­nung von Lilly Balance zu berück­sich­ti­gen. Wich­tig ist ihm, dass alle Ange­bote von der Geschäfts­lei­tung mitge­tra­gen und am besten von den Mana­gern und Abtei­lungs­lei­tun­gen vorge­lebt werden. Dafür hat er beispiels­weise einen Acht­sam­keits­tag initi­iert, bei dem rund fünf­zig Führungs­kräfte durch einen Trai­ner in Zen‐Techniken einge­führt wurden und spezi­elle Work­shops absol­vier­ten, um das Thema Wert­schät­zung von allen Seiten zu beleuch­ten.

Feed­back will­kom­men

Damit dies nicht ein exklu­si­ves Wissen bleibt, wird der Themen­tag 2018 erneut statt­fin­den – dies­mal offen für alle Mitar­bei­ter. Von solchen Impul­sen und Verän­de­run­gen lebt das Programm und der HSE‐Koordinator ist froh, dass er nicht allein Impuls­ge­ber ist. „Manch­mal ist das schon anstren­gend, aber wenn ich weiß, andere stehen hinter mir und dem Programm, kann man schon viel mehr bewe­gen“, sagt er. Ergänzt werden diese frei­wil­li­gen Ange­bote zur Gesund­heits­för­de­rung durch Maßnah­men der Gesund­heits­vor­sorge. 2018 orga­ni­siert Lilly Deutsch­land einen Medi­cal Check, bei dem alle Mitar­bei­ter die Möglich­keit haben, sich gründ­lich durch­che­cken zu lassen – vom Lungen­funk­ti­ons­test bis zum großen Blut­bild, wieder auf frei­wil­li­ger Basis.

Der Lenkungs­aus­schuss trifft sich unge­fähr alle drei Monate, je nach­dem, was ansteht. Manch­mal kann es sein, dass seine Aufga­ben über die reine Gesund­heits­för­de­rung hinaus­rei­chen, etwa wenn es Umstruk­tu­rie­run­gen zu verkraf­ten gilt. Klann sieht das Team hier ebenso in der Pflicht, die Kolle­gen zu betreuen und sich um diese zu kümmern, wenn es nicht um gesund­heit­li­che Belange geht: Die Psyche und das „Wohl­füh­len im Job“ gehö­ren für ihn genauso dazu wie die körper­li­che Fitness.

Doch genau das ist eben das Beson­dere an Lilly Balance – es umfasst derar­tige Themen ebenso, wie die Zufrie­den­heits­ab­frage unter den Mitar­bei­tern mit ihren Arbeits­be­din­gun­gen. Diese führt Lilly in regel­mä­ßi­gen Abstän­den durch – auch, um das Feed­back für die eigene Stra­te­gie­ge­stal­tung zu nutzen. Gerade die Beschäf­tig­ten im Außen­dienst sind dem Koor­di­na­tor dabei wich­tig: Denn bei diesen handelt es sich oft um Einzel­kämp­fer, die man gar nicht so leicht erreicht oder einbe­zie­hen kann.

Wahr­neh­mung für Ange­bote erhöht

Bei der ersten Umfrage gab es folg­lich auch noch Stim­men von Mitar­bei­tern, die die Aktio­nen von Lilly Balance kaum kann­ten oder gar nichts von dem Gesund­heits­för­de­rungs­pro­gramm mitbe­kom­men hatten. Durch die erneute Abfrage nach zwei Jahren konnte Klann jedoch fest­stel­len, dass sich hier eini­ges getan hat. Die Aktio­nen werden deut­li­cher wahr­ge­nom­men, die Mitar­bei­ter formu­lie­ren auch eigene Wünsche. „Mit diesem Feed­back haben wir auch die Möglich­keit nach­zu­jus­tie­ren. Die Umfra­gen sind für uns ein wich­ti­ges Instru­ment, das Programm konti­nu­ier­lich weiter­zu­ent­wi­ckeln“, sagt Klann. Die grund­le­gende Jahres­pla­nung 2019 steht bereits – mit Anre­gun­gen, die der Lenkungs­aus­schuss aufge­grif­fen hat.

Auf die Frage, wie viel Zeit er für Lilly Balance aufwen­det, hat Klann nur eine vage Antwort: „Das kann bei etwa fünf Prozent liegen – doch ich bin ja nicht allein, andere kommu­ni­zie­ren mit und arbei­ten zu. Das ist auch das Schöne daran: Wir sind alle betei­ligt und ich bin eben kein Einzel­kämp­fer.“


Autorin:
Dipl.-Ing. Susanne C. Stei­ger

Fach­jour­na­lis­tin

Foto: privat

Praxis‐Tipps

  • Grün­den Sie einen Gesund­heits­zir­kel: In diesem kommen Sicher­heits­be­auf­tragte, Arbeits‐ und Gesund­heits­schutz­lei­tung, Perso­na­ler und Geschäfts­lei­tung zusam­men, um Belas­tun­gen der Mitar­bei­ter zu erken­nen und entspre­chende Ange­bote zur Gesund­heits­för­de­rung zu entwi­ckeln.
  • Holen Sie gege­be­nen­falls den Betriebs­arzt oder ärzt­li­chen Dienst mit ins Boot.
  • Infor­mie­ren Sie sich über Ange­bote der loka­len Vereine, Kran­ken­kas­sen und/oder Volks­hoch­schu­len, um Koope­ra­tio­nen entwi­ckeln zu können.
  • Suchen Sie Verbün­dete aus den Reihen der Abteilungs‐ oder Bereichs­lei­ter, die Ihre Initia­ti­ven unter­stüt­zen und für die Finan­zie­rung sorgen.
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