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Das Projekt MEgA

Arbeit 4.0: Präventiv gestalten, kompetent bewältigen
Das Projekt MEgA

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Digi­ta­li­sie­rung, Indus­trie 4.0 und demo­gra­fi­scher Wandel: Die Arbeits­welt ändert sich rapide – und stellt Unter­neh­men wie Beschäf­tigte vor große Heraus­for­de­run­gen. Im Zuge des demo­gra­fi­schen Wandels sind Unter­neh­men zusätz­lich heraus­ge­for­dert, die Leis­tungs­fä­hig­keit und ‑bereit­schaft ihrer Beschäf­tig­ten zu erhal­ten und zu fördern. Hilfe verspricht das Projekt „Maßnah­men und Empfeh­lun­gen für die gesunde Arbeit von morgen“ (MEgA).

Das Projekt „Maßnah­men und Empfeh­lun­gen für die gesunde Arbeit von morgen“ (MEgA) erar­bei­tet und erprobt ganz­heit­li­che Konzepte und Metho­den für ein moder­nes HR- (Human Ressour­ces) und Gesund­heits­ma­nage­ment in einer digi­ta­li­sier­ten Arbeits­welt. Ende 2015 gestar­tet, ist es bei der Arbeits- und Orga­ni­sa­ti­ons­psy­cho­lo­gie der Univer­si­tät Heidel­berg ange­sie­delt und wird vom Bundes­mi­nis­te­rium für Bildung und Forschung (BMBF) geför­dert. Berück­sich­tigt werden die Auswir­kun­gen psychi­scher Belas­tun­gen ebenso wie eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Frei­zeit oder gesund­heits­för­der­li­che Führung. Ziel ist es, Empfeh­lun­gen und praxis­er­prob­ten HR-Werkzeuge wie Tools, Trai­nings und Leit­fä­den bereit­zu­stel­len, wobei vor allem die Bedürf­nisse klei­ner und mitt­le­rer Unter­neh­men (KMU) berück­sich­tigt werden. Als wissen­schaft­li­ches Begleit­vor­ha­ben des BMBF-Förderschwerpunktes „Präven­tive Maßnah­men für die sichere und gesunde Arbeit von morgen“ koor­di­niert MEgA bundes­weit 30 geför­derte
Verbund­pro­jekte rund um einen präven­ti­ven Arbeits- und Gesund­heits­schutz.

KMU suchen Lösun­gen

Aufgrund mangeln­der finan­zi­el­ler und zeit­li­cher Ressour­cen gibt es in KMU, im Gegen­satz zu Groß­un­ter­neh­men, häufig Verun­si­che­rung, welche Gesundheits- und Förder­maß­nah­men zukünf­tig erfor­der­lich und prak­ti­ka­bel sind. Aber gerade
für diese Gruppe, die den größ­ten
Teil der Wirt­schafts­leis­tung in Deutsch­land reprä­sen­tiert, gilt es ebenso eine intel­li­gente, voraus­schau­ende Perso­nal­po­li­tik zu leis­ten (Lech­lei­ter & Purbs 2017). Welche Viel­zahl an spezi­fi­schen Verbes­se­rungs­be­dar­fen bei KMU besteht, macht eine im Projekt MEgA durch­ge­führte Befra­gung deut­lich.

Mit der quali­ta­ti­ven Inter­view­stu­die wurden in einem ersten Schritt 88 Exper­ten aus KMU, vorran­gig die Vertre­ter der Geschäfts­lei­tung und Perso­nal­ver­ant­wort­li­che, zu den Anfor­de­run­gen und Bedar­fen eines präven­ti­ven HR- und Gesund­heits­ma­nage­ments befragt, die durch die Digi­ta­li­sie­rung und den demo­gra­fi­schen Trend hervor­ge­ru­fen werden. Berück­sich­tigt wurden Unter­neh­men unter­schied­li­cher Bran­chen und Größen. Beson­ders häufig wird der Wunsch nach einer gesund­heits­för­der­li­chen Arbeits­ge­stal­tung und der Syste­ma­ti­sie­rung von HR-Prozessen geäu­ßert. Darüber hinaus weisen viele Unter­neh­men auf mangeln­des Inter­esse sowie fehlende Moti­va­tion der Beleg­schaft hin, sich an Qualifizierungs- und Gesund­heits­maß­nah­men zu betei­li­gen.

Die Digi­ta­li­sie­rung wiederum ruft vor allem den Wunsch nach fundier­ter Quali­fi­zie­rung sowie nach exter­ner Bera­tung zur Imple­men­tie­rung neuer digi­ta­ler Tech­no­lo­gien hervor. Um die erho­be­nen Bedarfe zu veri­fi­zie­ren und mögli­che Trei­ber und Hemm­nisse bei der Umset­zung zu iden­ti­fi­zie­ren, wird das Projekt MEgA in einem zwei­ten Schritt eine stan­dar­di­sierte Befra­gung von 500 Geschäfts­füh­rern und Perso­nal­ver­ant­wort­li­chen durch­füh­ren, um Gestaltungs- und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für gesundheits- und kompe­tenz­för­der­li­che Maßnah­men bedarfs­ge­recht formu­lie­ren zu können.

Psychi­sche Belas­tun­gen in der digi­ta­li­sier­ten Arbeits­welt

Eine präven­tive Arbeits­ge­stal­tung setzt den Einbe­zug arbeits­psy­cho­lo­gi­scher Kennt­nisse voraus. In einer digi­ta­li­sier­ten und dyna­mi­schen Arbeits­welt können Infor­ma­ti­ons­viel­falt und beschleu­nigte Verar­bei­tung, Arbeits­kom­ple­xi­tät oder häufige Unter­bre­chun­gen zuneh­men – Einflüsse, die zu nega­ti­ven Bean­spru­chun­gen wie Stress führen können. Erheb­li­ches Poten­zial, um Belas­tungs­fak­to­ren für Beschäf­tigte zu redu­zie­ren und ihr Wohl­be­fin­den zu fördern, liegt in der gesetz­lich gefor­der­ten (Arbeits­schutz­ge­setz § 5) und durch die Gemein­same Deut­sche Arbeits­schutz­stra­te­gie (GDA) mit norma­ti­ven Empfeh­lun­gen hinter­legte Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung psychi­scher Belas­tun­gen.

Zur Erfas­sung der psychi­schen Belas­tun­gen haben Heidel­ber­ger Arbeits­psy­cho­lo­gen das Verfah­ren „Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung Psychi­sche Belas­tung“ (GPB) entwi­ckelt, das bereits von zahl­rei­chen Groß­un­ter­neh­men einge­setzt wird. Durch geschulte Analy­se­teams, zusam­men­ge­setzt aus zum Beispiel Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit, Betriebs­rä­ten und Arbeits­me­di­zi­nern, werden im Rahmen
von Arbeits­platz­be­ge­hun­gen nicht Einzel­per­so­nen, sondern Tätig­kei­ten auf kriti­sche Belas­tungs­di­men­sio­nen hin über­prüft (Sonn­tag et al. 2016).

Im Projekt MEgA wird das Verfah­ren für die Bedarfe von KMU adap­tiert. Ziel ist es, den Aufwand des Beob­ach­tungs­ver­fah­rens zu redu­zie­ren und den Durch­füh­rungs­pro­zess zu verein­fa­chen.

Selbst­re­gu­la­tion im Umgang mit digi­ta­len Tech­no­lo­gien

Um für eine präven­tive Arbeits­ge­stal­tung zu sorgen, ist auch der Umgang mit digi­ta­len Tech­no­lo­gien zu berück­sich­ti­gen. Wenn Arbeit zeit­lich und örtlich immer flexi­bler wird, entspricht das einer­seits dem Wunsch vieler Beschäf­tig­ten nach mehr Zeit­sou­ve­rä­ni­tät, kann ander­seits aber zu einer Entgren­zung von Berufs- und Privat­le­ben führen. Eine unaus­ge­wo­gene Work-Life-Balance und stän­dige digi­tale Omni­prä­senz können zu nega­ti­ven Bean­spru­chungs­fol­gen bei den Beschäf­tig­ten führen. Spezi­ell Führungs­kräfte haben den Eindruck, für ihren Job zuneh­mend außer­halb der Arbeits­zei­ten verfüg­bar sein zu müssen, wie bereits ein frühe­res Forschungs­pro­jekt der Heidel­ber­ger Arbeits­psy­cho­lo­gen, das in Koope­ra­tion mit Groß­un­ter­neh­men und öffent­li­chen Verwal­tun­gen durch­ge­führt wurde, gezeigt hat (Sonn­tag 2014).

Gelingt es den Unter­neh­men jedoch, den Arbeits­rhyth­mus in der digi­ta­li­sier­ten Arbeits­welt mit den Bedürf­nis­sen ihrer Fach- und Führungs­kräf­ten in Einklang zu brin­gen, können Arbeits­zu­frie­den­heit sowie Zufrie­den­heit mit der Work-Life-Balance gestei­gert werden. Dazu wird im Projekt MEgA ein modu­la­res, webba­sier­tes Trai­ning zur Stei­ge­rung der Work-Life-Balance entwi­ckelt, das Beschäf­tigte darin unter­stützt, ihren Umgang mit digi­ta­len Tech­no­lo­gien wie Smart­pho­nes oder Tablets zu verbes­sern und eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Frei­zeit zu finden.

Akteure des Arbeits- und Gesund­heits­schut­zes vernet­zen

Um den Austausch zwischen Wissen­schaft, Wirt­schaft, dem Arbeits- und Gesund­heits­schutz sowie den Sozi­al­part­nern zu fördern, wurde die inter­ak­tive Platt­form www.gesundearbeit-mega.de ins Leben geru­fen. Außer­dem stehen dort Infor­ma­tio­nen, Good Practice-Beispiele, Veran­stal­tungs­ter­mine und Forschungs­er­geb­nisse aus dem MEgA-Projekt bereit.

Hinzu kommt ein umfas­sen­der Über­blick zu dem vom BMBF initi­ier­ten Förder­schwer­punkt „Präven­tive Maßnah­men für die sichere und gesunde Arbeit von morgen“. Neben den eige­nen Forschungs­bei­trä­gen hat das Projekt MEgA die Aufgabe, die Ergeb­nisse aus den 30 bundes­weit betei­lig­ten Verbund­pro­jek­ten des Förder­schwer­punkts zu bündeln. In den Verbund­pro­jek­ten arbei­ten Präven­ti­ons­al­li­an­zen aus Wissen­schaft, Indus­trie und dem Arbeits- und Gesund­heits­schutz eng zusam­men und entwi­ckeln viel­fäl­tige Präven­ti­ons­stra­te­gien unter ande­rem zur Nutzung von Assis­tenz­sys­te­men, Robo­tern und smar­ten Tech­no­lo­gien oder zur Gesund­heits­prä­ven­tion im Pflege- und Dienst­leis­tungs­sek­tor.

Aufbau­end auf der eige­nen Forschung sowie den Ergeb­nis­sen aus den Verbund­pro­jek­ten wird das Projekt MEgA eine Tool­box mit praxis­er­prob­ten Werk­zeu­gen wie Tools, Leit­fä­den und Arbeits­hil­fen entwi­ckeln, die zukünf­tig die Platt­form bereit stel­len wird. Ange­spro­chen sind vor allem Akteure aus dem Arbeits- und Gesund­heits­schutz, der Wissen­schaft sowie dem HR- und Gesund­heits­ma­nage­ment.

www.gesundearbeit-mega.de

Lite­ra­tur

Sonn­tag Kh, Turgut S & Feld­mann E (2016). Arbeits­be­dingte Belas­tun­gen erken­nen, Stress redu­zie­ren, Wohl­be­fin­den ermög­li­chen: Ressour­cen­ori­en­tierte Gesund­heits­för­de­rung.
In: Sonn­tag Kh (Ed), Perso­nal­ent­wick­lung in Orga­ni­sa­tio­nen. Psycho­lo­gi­sche Grund­la­gen, Metho­den und Stra­te­gien. Göttin­gen: Hogrefe, 411–455 (4. Aufl.).

Sonn­tag Kh (2014). Arbeit und Privat­le­ben
harmo­ni­sie­ren. Life Balance Forschung und Unter­neh­mens­kul­tur: Das WLB-Projekt.
Kröning: Asan­ger.

Lech­lei­ter, P. & Purbs, A. (2017). HR- und Gesund­heits­ma­nage­ment in der Arbeit 4.0. Bedarfe und Umset­zungs­hin­der­nisse in KMU. Verfüg­bar unter http://gesundearbeit-mega.de/sites/gesundearbeit-mega.de/files/ u8/forschungsbericht_mega_kmu-experten interviews_1.pdf [11.10.2013]


Der Projekt­at­las …

… stellt die am BMBF-Förderschwerpunkt „Präven­tive Maßnah­men für
die sichere und gesunde Arbeit von morgen“ betei­lig­ten Projekte anhand fünf Gestal­tungs­fel­der der moder­nen Arbeits­welt vor:

http://gesundearbeit-mega.de/neuigkeiten/projektatlas-arbeit-40-praeventiv-gestalten

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