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Trotz Demenz – die Gefühle bleiben erhalten

Leben mit Demenz
Trotz Demenz – die Gefühle bleiben erhalten

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Bekan­nt ist, dass Demen­zkranke an Gedächt­nisver­lust lei­den. Doch manche Pfle­gende erleben bei ihren erkrank­ten Ange­höri­gen darüber hin­aus auch unerk­lär­liche Wesensverän­derun­gen. Die Kranken wer­den dann als schwierig, mis­strauisch und mitunter als unerträglich erlebt. Warum ist das so und wie kann der Pfle­gende damit umge­hen? Antworten gibt Anna Leib-Ger­st­ner, Lei­t­erin der Fach­ber­atung Pflege/Pflegeservice im Bere­ich Pflege des medi­zinis­chen Dien­stes der Krankenkassen (MDK).

„Um diese Verän­derun­gen zu ver­ste­hen, ist es wichtig, sich die Sit­u­a­tion anzuse­hen, die dem auf­fäl­li­gen Ver­hal­ten voraus gegan­gen ist, und sich zudem die Biografie des zu Pfle­gen­den zu verge­gen­wär­ti­gen. Auf­fäl­liges Ver­hal­ten ist oft nur die natür­liche Reak­tion auf eine für den Betrof­fe­nen nicht nachvol­lziehbare Sit­u­a­tion“, erk­lärt Anna Leib-Ger­st­ner. „Die kranken Men­schen reagieren sehr sen­si­bel, wenn sie sich unsich­er fühlen und All­t­agssi­t­u­a­tio­nen nicht mehr nach ihrem herkömm­lichen Ver­ständ­nis einord­nen können.“

Aus ihrer eige­nen beru­flichen Erfahrung weiß die MDK-Mitar­bei­t­erin, wie wichtig es ist, den hil­fe- und pflegebedürfti­gen Men­schen respek­tvoll und wertschätzend zu begeg­nen. „Die Kranken nehmen ihre Umwelt sehr sen­si­bel über Kör­per­sprache und atmo­sphärische Stim­mungen wahr“, erk­lärt sie.

Körperpflege als Bedrohung

An Demenz erkrank­te Per­so­n­en erfassen ihre Lebenssi­t­u­a­tion nur mehr eingeschränkt mit dem Ver­stand. So kann es dann zu Missver­ständ­nis­sen kommen.

Ein Beispiel: Eine Demen­zkranke wird zum Waschen entk­lei­det. Sie erken­nt die pfle­gende Per­son man­gels Gedächt­nis nicht mehr und kann nicht ver­ste­hen, warum sie aus­ge­zo­gen wird. In dieser Sit­u­a­tion fühlt sich die Kranke völ­lig hil­f­los und aus­geliefert, sie ängstigt sich und set­zt sich fol­gerichtig zur Wehr.

Für die Ange­höri­gen heißt die Pflege eines dementen Men­schen, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute aufs Neue solche Her­aus­forderun­gen zu meis­tern und ständig zwis­chen dem Recht auf Selb­st­bes­tim­mung des Erkrank­ten ein­er­seits, und der Für­sorgepflicht ander­er­seits abzuwä­gen. „Zum Glück wis­sen Ange­hörige in der Regel, welche Maß­nah­men beruhi­gend wirken. Hil­fre­ich sind zum Beispiel ein­fache Sätze zu allen Hand­lun­gen. Sie erk­lären, was ger­ade gemacht wird. Ein­fach­er Satz bedeutet, dass in einem Satz max­i­mal fünf Wörter ver­wen­det wer­den“, so die MDK-Mitarbeiterin.

„Es ist bemerkenswert mit welchem Ein­fall­sre­ich­tum Pfle­gende anspruchsvolle Sit­u­a­tio­nen bravourös lösen. Zum Beispiel wer­den Türen mit Tape­ten verklei­det, damit der Erkrank­te seinen Drang, hin­aus zu laufen, nicht ver­wirk­lichen kann. Oder aber Herd und Wass­er wer­den nachts abgestellt, damit es zu keinen unkalkulier­baren Katas­tro­phen in der Küche kom­men kann“, weiß Anna Leib-Ger­st­ner. „Trotz­dem gibt es aber auch Sit­u­a­tio­nen, die durch noch so gut gemeinte Hand­lungsweisen nicht bee­in­fluss­bar sind und die dann medika­men­tös behan­delt wer­den müssen.“

Auf die eigene Gesundheit achten

Ger­ade für pfle­gende Ange­hörige ist es sehr wichtig, sich selb­st immer wieder eine Auszeit zu gön­nen. Die Beach­tung der Bedürfnisse von pfle­gen­den Ange­höri­gen ist grundle­gend wichtig für die Sta­bil­ität der Pfle­ge­si­t­u­a­tion. „Jed­er Pflegebedürftige und dessen Pflegeper­so­n­en haben einen geset­zlichen Anspruch auf Pflege­ber­atung durch ihre Pflegekasse. Hier wer­den sie einge­hend zu allen Ent­las­tungsmöglichkeit­en informiert“, betont Anna Leib-Gerstner.

Je nach häus­lich­er Sit­u­a­tion kön­nen passende Ent­las­tungsmöglichkeit­en gefun­den wer­den. Das kann zum Beispiel ein ambu­lanter Pflege­di­enst sein, eine Tage­spflege, eine Kurzzeitpflege oder ein Besuchs­di­enst. „Es ist rat­sam, beizeit­en Auszeit­en einzu­pla­nen und in Anspruch zu nehmen und mit den vorhan­de­nen Kräften sorgsam umzuge­hen. Denn dem Pflegebedürfti­gen kann es nur so gut gehen, wie es dem pfle­gen­den Ange­höri­gen selb­st erge­ht“, so die MDK-Mitarbeiterin.

Drei Leitsätze, die helfen

Die Beach­tung von drei Leit­sätzen hil­ft im Umgang mit Men­schen, die an Demenz erkrankt sind:

Die Denkwelt geht ver­loren, aber die Gefüh­le bleiben erhalten.

  • Bei Men­schen mit Demenz lassen ratio­nale Funk­tio­nen nach. Sie kön­nen das gesproch­ene Wort oder All­t­agssi­t­u­a­tio­nen oft nicht mehr verstehen.
  • Dadurch entste­ht Unsicher­heit, Äng­ste kom­men auf und Des­ori­en­tierung wird ver­stärkt. Bewäl­ti­gungsmöglichkeit­en aus gesun­den Tagen ste­hen nicht mehr zur Verfügung.
  • Die Welt der Gefüh­le bleibt erhal­ten, Alt­bekan­ntes (Musik, Bilder, Sprich­wörter, Gedichte) gibt Sicher­heit und Ori­en­tierung. Auf Bewäl­ti­gungsmöglichkeit­en aus dem Bere­ich der Gefüh­le kann zurück­ge­grif­f­en wer­den, wie Weinen, Kla­gen, Weglaufen, Ablehnung.

Die Per­son mit Demenz kann sich nicht ändern, aber das soziale Umfeld kann es.

  • Über län­gere Zeit hin­weg kön­nen ein­fache Sätze ver­standen wer­den. Sie
    erzeu­gen Wohlbefind­en. Das Umfeld kom­mu­niziert entsprechend.
  • Wenn gewohnte Örtlichkeit­en in der Wohnung/im Haus nicht mehr gefun­den wer­den kön­nen, helfen entsprechende Ori­en­tierung­shil­fen. Sie sollen zur Biogra­phie des Betrof­fe­nen passend aus­gewählt wer­den, zum Beispiel ein Herz­mo­tiv für die Toilette.
  • Für den Betrof­fe­nen eher unan­genehme Sit­u­a­tio­nen kön­nen mit per­sön­lichen Din­gen, die der Betrof­fene früher gern mochte, beispiel­sweise Musik, Gedicht­en oder Bildern angenehmer gestal­tet werden.

Jed­er Men­sch soll ein­mal am Tag wichtig sein.

  • Bedürfnisse von Men­schen mit Demenz unter­schei­den sich nicht von
    denen gesun­der Men­schen, sie kön­nen lediglich nicht mehr auf die übliche Art und Weise geäußert werden.
  • Grundbedürfnisse des Men­schen sind neben kör­per­lichen Bedürfnis­sen zum Beispiel der Wun­sch nach Sicher­heit, nach Gebor­gen­heit, nach Liebe und Anerken­nung. Das bedeutet, dass die Ein­beziehung des Kranken in den All­t­ag eine wesentliche Maß­nahme für die Zufrieden­heit des Betrof­fe­nen ist. Zum Beispiel kann nach der Mei­n­ung des Betrof­fe­nen gefragt wer­den, auch wenn keine passende Antwort zu erwarten ist.
Informationen rund um die Pflege

Infor­ma­tio­nen zur Pflege­ber­atung und zum Leis­tung­sum­fang der Pflegev­er­sicherung bietet die Sozialver­sicherung für Land­wirtschaft, Forsten und Garten­bau (SVLFG) auf ihrer Inter­net­seite unter www.svlfg.de Leis­tung Leis­tun­gen der Pflegeversicherung.

Sofern die zu pfle­gende Per­son bei der Land­wirtschaftlichen Krankenkasse (LKK) bzw. Pflegekasse (LPK) ver­sichert ist, sind die dor­ti­gen Pflege­ber­ater die richti­gen Ansprech­part­ner. Die Kon­tak­t­dat­en find­en Betrof­fene online unter www.svlfg.de und Eingabe des Such­be­griffs „Pflege­ber­ater“. Ander­weit­ig Ver­sicherte wen­den sich an ihre eigene Krankenkasse oder an einen Pflegestützpunkt in ihrer Nähe.

Petra Stemm­ler-Richter, Sozialver­sicherung für Landwirtschaft,Forsten und Garten­bau (SVLFG)

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