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Digitaler Stress: Das sind die Auslöser

Das sind die Auslöser
Digitaler Stress

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Dig­i­taler Stress — viele Beschäftigte fühlen sich durch die Dig­i­tal­isierung der Arbeitswelt gestresst. Dies ergab eine Studie mit über 5000 Teil­nehmern. Was im Einzel­nen als beson­ders belas­tend emp­fun­den wird, erläutert Dr. Michael Drees von der ias AG im Interview.

Das Inter­view führte Ver­e­na Manek.

Herr Dr. Drees, was waren die Gründe dafür, die Studie „Gesund dig­i­tal arbeit­en“ durchzuführen?

Bei der ias woll­ten wir genauer der Frage nachge­hen „Was macht die Dig­i­tal­isierung an den Arbeit­splätzen mit den Men­schen“, ide­al­er­weise zusam­men mit Part­nern aus der Wis­senschaft. Dazu kon­nten wir gemein­sam mit Her­rn Prof. Dr. Hen­ner Gim­pel von der Uni­ver­sität Augs­burg und Her­rn Prof. Dr. Nils Urbach von der Uni­ver­sität Bayreuth eine Pro­jekt-Auss­chrei­bung des Bun­desmin­is­teri­ums für Bil­dung und Forschung gewin­nen. In der ersten Phase des Pro­jek­ts haben wir dann 5005 Arbeit­nehmerin­nen und Arbeitnehmer
in Deutsch­land zum The­ma dig­i­taler Stress befragt. Die Ergeb­nisse wur­den im Som­mer 2019 im Bericht „Gesund dig­i­tal arbeit­en?!“ veröffentlicht.

In welchen Branchen und Berufen arbeit­en die Befragten?

Wis­sensar­beit­er macht­en rund 70 Prozent der Befragten aus, aber wir haben auch das pro­duzierende Gewerbe nicht ganz ver­nach­läs­sigt, eben­so wie Land- und Forstwirtschaft, Han­del, Verkehr, Baugewerbe – ein bunter Quer­schnitt durch die Bevölkerung.

Das Durch­schnittsalter lag bei 43 Jahren, bei ein­er Alterss­panne von 18 bis 67. 54 Prozent der Befragten waren Männer.

Dabei wur­den ganz neue Belas­tungs­fak­toren fest­gestellt. Welche waren das?

Mitar­beit­er haben das Gefühl, dass ihre Vorge­set­zten sie durch Nutzung dig­i­taler Tech­nolo­gien am Arbeit­splatz bess­er überwachen kön­nen, etwa indem sie kon­trol­lieren, wie viele E‑Mails jemand bear­beit­et. Hinzu kommt das Prob­lem, dass dig­i­tale Tech­nolo­gien nicht ver­füg­bar sind, um eine geforderte Auf­gabe gut lösen zu kön­nen. Die dritte ganz neue Erken­nt­nis ist: Dig­i­tal­isierung führt zu einem man­gel­nden Erfol­gser­leb­nis. Die eigene Arbeit­sleis­tung lässt sich schlechter ein­schätzen, vielle­icht gibt es auch weniger Rück­mel­dung durch Kol­le­gen und Vorge­set­zte als früher.

Weit­ere Belas­tungs­fak­toren wur­den in der Lit­er­atur schon disku­tiert, aber in anderem Zusam­men­hang. Kön­nten Sie einige nennen?

Zum einen, dass die Mitar­beit­er sich als gläserne Per­son fühlen, was sie noch stärk­er belastet als die Leis­tungsüberwachung. Her­vorgerufen wird dies durch das Ver­schwim­men der Gren­zen zwis­chen Arbeit und Freizeit. So lässt sich etwa fest­stellen, ob jemand von zuhause aus gear­beit­et hat und eventuell E‑Mails am Woch­enende bear­beit­et, wobei die Überwachung bis in die Pri­vat­sphäre here­in­re­icht. Zweit­er Belas­tungs­fak­tor sind die vie­len Unter­brechun­gen durch E‑Mails, das klin­gel­nde Handy oder die Nachricht in sozialen Net­zw­erken. Eine weit­ere Belas­tung haben wir durch den Begriff „Unklarheit der Rolle“ beschrieben. Das bedeutet, Mitar­beit­er fühlen sich dadurch gestresst, dass sie nicht nur ihre fach­liche Arbeit machen sollen, son­dern gle­ichzeit­ig noch dafür sor­gen sollen, dass die dig­i­tal­en Instru­mente dafür funk­tion­ieren – was sie wahrschein­lich nie gel­ernt haben.

Was hat die Befragten denn am stärk­sten belastet?

Von den 5005 Befragten haben 40 Prozent über eine immer­hin mod­er­ate bis sehr starke Belas­tung durch min­destens einen der abge­fragten Fak­toren berichtet. An ober­ster Stelle ste­ht die emp­fun­dene Leis­tungsüberwachung, gefol­gt von dem Gefühl, eine gläserne Per­son zu sein, gefol­gt von der Unzu­ver­läs­sigkeit der Arbeitsmit­tel, den Unter­brechun­gen und der Über­flu­tung mit Infor­ma­tio­nen sowie der Nicht-Ver­füg­barkeit von benötigten dig­i­tal­en Tools.

Wirkt sich dig­i­taler Stress auch auf die Gesund­heit aus?

Ja, allerd­ings sind dies sub­jek­tive Ein­schätzun­gen. Die Betrof­fe­nen sagen, dass es ver­mehrt zu Muskel-Skelett-Erkrankun­gen kommt, wenn man sich am Arbeit­splatz dig­i­tal belastet und gestresst fühlt, an zweit­er Stelle wur­den psy­chis­che Beein­träch­ti­gun­gen genan­nt und an drit­ter Stelle Herz-Kreis­lauf-Prob­leme. Inter­es­sant ist, dass diese Beschw­er­den auch an ober­ster Stelle der Ursachen für Aus­fall­t­age stehen.

Haben die Stu­di­energeb­nisse Kon­se­quen­zen für die Praxis?

Wir woll­ten nicht Forschung im Elfen­bein­turm betreiben, son­dern es sollen am Ende ganz konkrete neue Ideen, Pro­duk­te, Dien­stleis­tun­gen her­auskom­men. Der zweite Teil des Pro­jek­ts, der im Herb­st 2020 abgeschlossen wird, beschäftigt sich damit, aus diesen Analy­sen konkrete Hil­festel­lun­gen zu erarbeiten.

Wie kön­nten konkrete Lösun­gen aussehen?

Wir haben vor, mit dig­i­tal­en Lösun­gen den dig­i­tal bed­ingten Stress zu bekämpfen. Das klingt ver­rückt, aber wir wer­den tat­säch­lich Soft­ware-Pro­gramme, Apps, Webina­re, Pod­casts, Video­clips usw. erar­beit­en, die dem Mitar­beit­er helfen, mit dig­i­talem Stress umzuge­hen. Mitar­beit­er und vor allem Führungskräfte kön­nen und wollen nicht mehr ganze Tage auswärts in Sem­i­naren ver­brin­gen. Unsere Ange­bote müssen deshalb nieder­schwellig und jed­erzeit ver­füg­bar sein; dig­i­tale Lösun­gen bieten hier den besten Ansatz.

Ist es nicht Sache der Unternehmen, zum Beispiel den Mitar­beit­ern die nötige IT-Tech­nolo­gie bere­itzustellen oder Schu­lun­gen anzubieten?

Wir wer­den natür­lich nicht nur Hil­fe zur Selb­sthil­fe für den einzel­nen Betrof­fe­nen anbi­eten, son­dern Führungskräfte und ganze Unternehmen instru­ieren, wie man mit dem The­ma bess­er umge­ht. Dafür muss es unter Umstän­den auch per­son­elle Verän­derun­gen geben. Zum Beispiel gibt es in den USA in manchen Unternehmen einen Dig­i­tal-Coach. Er hat keine andere Auf­gabe als jeden Tag von Abteilung zu Abteilung zu gehen und die dig­i­tale Strate­gie des Unternehmens und ihre Auswirkun­gen, ihren Mehrw­ert zu erk­lären, aber auch Hil­festel­lung etwa bei der Bedi­enung von Soft­ware zu geben.

Kann auch jed­er Einzelne etwas tun, um dig­i­tal­en Stress zu vermeiden?

Ja. „Dig­i­tal Detox“ wird allerd­ings nicht funk­tion­ieren. Es wird eher darum gehen, bess­er mit den dig­i­tal­en Zugangskanälen umzuge­hen. Acht­samkeit und Resilienz kön­nen helfen, erzielt etwa durch etwas ganz Altherge­bracht­es wie Auto­genes Train­ing, Pro­gres­sive Muskel-Entspan­nung, Sport als Aus­gle­ich usw. Und natür­lich sollte man sich nicht in der Freizeit gle­ich wieder vor den Bild­schirm setzen.


Die ias AG …

… betreut bun­desweit rund 1,5 Mil­lio­nen Arbeit­nehmerin­nen und Arbeit­nehmer in 15.000 Unternehmen, von Kle­in­st­be­trieben bis zum Konz­ern, für die sie die betrieb­särztliche sowie die sicher­heit­stech­nis­che Ver­sorgung ausübt. Zu den rund 1200 Mitar­beit­ern der ias gehören viele Fachkräfte für Arbeitssicher­heit und Sicher­heitsin­ge­nieure, aber auch Arbeit­spsy­cholo­gen, betriebliche Sozial­ber­ater, Ergonomieber­ater und arbeitsmedi­zinis­che Assistenten.


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