Startseite » Gesundheit »

Epilepsie am Arbeitsplatz - Kurzschluss im Gehirn

Kurzschluss im Gehirn
Epilepsie am Arbeitsplatz

Anzeige
Etwa vier Mil­lio­nen Bun­des­bürg­er erlei­den sta­tis­tisch gese­hen in ihrem Leben einen ein­ma­li­gen epilep­tis­chen Anfall. Rund 500.000 Men­schen in Deutsch­land sind an Epilep­sie erkrankt. Was bedeutet das im Arbeit­skon­text: Wie gefährlich sind epilep­tis­che Anfälle bei der Arbeit? Führt schon ein ein­ma­liger Anfall zum „Aus“ im Job? Antworten auf diese und weit­ere wichtige Fra­gen gibt der fol­gende Beitrag.

Bei 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung treten wieder­holt epilep­tis­che Anfälle auf, fünf Prozent der Bevölkerung sind ein­mal im Leben davon betrof­fen. Epilep­tis­che Anfälle sind also kein seltenes Phänomen. Doch was genau passiert in diesem Moment? Bei einem epilep­tis­chen Anfall kommt es zu syn­chro­nen elek­trischen Ent­ladun­gen ganz­er Zel­lver­bände im Gehirn, ein „Kurz­schluss im Gehirn“ ist die Folge. Die plöt­zlich auftre­tenden syn­chro­nen Ent­ladun­gen kön­nen eine oder bei­de Gehirn­hälften betr­e­f­fen.

  • Wenn nur eine Gehirn­hälfte beteiligt ist, spricht man von fokalen Anfällen.
  • Sind hinge­gen bei­de Gehirn­hälften betrof­fen, spricht man von gen­er­al­isierten Anfällen.

Ein ein­fach-fokaler Anfall schränkt das Bewusst­sein nicht ein, es kann aber zu Beein­träch­ti­gun­gen der Willkür­mo­torik kom­men. Bei einem kom­plex-fokalen Anfall ist das Bewusst­sein eingeschränkt und es kann zu unangemesse­nen Hand­lun­gen kom­men. Gen­er­al­isierte Anfälle gehen immer mit Bewusst­seinsver­lust ein­her – bei Absen­cen kommt es nicht zum Sturz, beim soge­nan­nten Grand-Mal-Anfall kommt es hinge­gen immer zum Sturz.

Ein Anfall – und dann?

Der Markisen­bauer Herr Fuhrmann erlei­det am Arbeit­splatz erst­mals einen epilep­tis­chen Anfall mit Sturz und Bewusst­seinsver­lust. Der kleine Betrieb fer­tigt und mon­tiert Außen­markisen. Der von der Fir­men­leitung ver­ständigte Notarzt weist Her­rn Fuhrmann sofort in eine Klinik ein. Die behan­del­nde Neu­rolo­gin ver­mutet nach gründlich­er Diag­nos­tik, dass es sich um einen ersten epilep­tis­chen Anfall ohne erkennbaren Aus­lös­er han­delt. Die Ärztin klärt Her­rn Fuhrmann darüber auf, dass erst nach sechs Monat­en Anfalls­frei­heit wieder Fahrtauglichkeit für PKW bis 3,5 Ton­nen beste­ht. Für diese Zeit soll­ten auch gefährdende Tätigkeit­en am Arbeit­splatz gemieden wer­den.

Prob­lema­tisch ist der Ein­satz von handge­führten, ver­let­zungsträchti­gen Maschi­nen. So darf ein Winkelschleifer nicht zum Ein­satz kom­men. Arbeit­en auf Leit­ern mit ein­er Höhe von über einem Meter sind wegen der fehlen­den Absturzsicherung eben­falls nicht statthaft. Die sechsmonatige Wartezeit wird über­brückt, indem die Fir­ma risikoarme Arbeit­en fes­tlegt, vor allem in der Arbeitsvor­bere­itung. Zum Beispiel belädt Herr Fuhrmann für die Kol­le­gen den Trans­porter für die Kun­de­naufträge des näch­sten Tages mit den passenden Mate­ri­alien.

Wie bei Her­rn Fuhrmann dargestellt, reicht es nach einem ersten, ein­ma­li­gen Anfallsereig­nis in der Regel aus, Tätigkeit­en mit erhöht­en, anfalls­be­d­ingten Risiken vorüberge­hend auszuschließen. Ist die vom Neu­rolo­gen emp­foh­lene – hier sechsmonatige – Wartezeit erfüllt und kann damit ein erhöht­es Anfall­srisiko aus­geschlossen wer­den, kön­nen die Ein­schränkun­gen wieder ent­fall­en.

Wartezeit nach einem Anfall

Wie lange eine Tätigkeit im Einzelfall ruhen sollte, hängt von der Anfall­sprog­nose und vom Aus­maß der Gefährdung ab: Tätigkeit­en mit mit­tleren Gefahren­risiken (zum Beispiel Erzieher, Kfz-Mecha­tron­iker) erfordern gerin­gere anfalls­freie Wartezeit­en als Tätigkeit­en mit hohen Risiken (zum Beispiel Lkw-Fahrer, Gerüst­bauer). Über die Wartezeit­en nach erstem Anfall informiert die DGUV-Infor­ma­tion 250–001. Wenn nach erstem Anfall jedoch Hin­weise auf eine begin­nende Epilep­sie vor­liegen, sollte speziell in Berufen mit hohen anfalls­be­d­ingten Gefährdun­gen über einen Wech­sel der Tätigkeit oder über eine Umschu­lung nachgedacht wer­den. Das Aus im Job sollte nach einem ersten epilep­tis­chen Anfall die Aus­nahme bleiben.

Ein echt­es Prob­lem stellt auch die Fahrun­tauglichkeit bei Epilep­sie dar. Für Her­rn Fuhrmann übernehmen die Kol­le­gen für sechs Monate die Fahrtätigkeit­en mit dem Fir­men­fahrzeug und seine Ehe­frau bringt ihn mor­gens in die Fir­ma. Am Abend kann Herr Fuhrmann den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Die Fir­ma und der betrof­fene Mitar­beit­er kon­nten die Zeit der Fahrun­tauglichkeit aus eigen­er Kraft über­brück­en. Mobil­ität­shil­fen bei Epilep­sie kan­nten die Beteiligten nicht.

Mobilitätshilfen bei Epilepsie

All­ge­mein sind Mobil­ität­shil­fen bei Epilep­sie kaum bekan­nt. Lei­der ist auch die Bewil­li­gung­sprax­is der zuständi­gen Leis­tungsträger mitunter zöger­lich. Den­noch sollte man sich bei Bedarf um Unter­stützung bemühen:

  • Arbeitsweg: Wenn der Arbeit­splatz in zumut­bar­er Weise auss­chließlich mit dem Auto erre­ich­bar ist, kön­nen Leis­tun­gen aus der Kraft­fahrzeughil­fe beantragt wer­den. Hier ist die Renten­ver­sicherung oder die Agen­tur für Arbeit zuständig.
  • Dien­st­fahrten: Bei Schwer­be­hin­derung oder Gle­ich­stel­lung kön­nen notwendi­ge Dien­st­fahrten über die Arbeit­sas­sis­tenz bezuschusst wer­den. Hier ist das Inklu­sion­samt / Inte­gra­tionsamt Ansprech­part­ner.

Auch ein erster Anfall kann Mobil­ität­shil­fen recht­fer­ti­gen. Detail­lierte Infor­ma­tio­nen stellt die Stiftung Michael als Down­load unter „Mobil­ität­shil­fen bei Epilep­sie“ zur Ver­fü­gung.

Die inkludierte Gefährdungsbeurteilung

Wann muss eine inkludierte Gefährdungs­beurteilung erstellt wer­den? Für jeden Arbeit­splatz und für jede Tätigkeit im Betrieb wird eine all­ge­meine Gefährdungs­beurteilung ange­fer­tigt. Die all­ge­meine Gefährdungs­beurteilung berück­sichtigt durch­schnit­tliche Per­so­n­en­merk­male und definiert Schutzziele. Eine inkludierte Gefährdungs­beurteilung muss erstellt wer­den, wenn auf­grund ein­er Erkrankung oder Behin­derung beson­dere Anpas­sun­gen am Arbeit­splatz erfol­gen müssen, um die Schutzziele zu erre­ichen.

Da es bei epilep­siekranken Mitar­beit­ern bei Anfällen zur Beein­träch­ti­gung des Bewusst­seins, zum Sturz und zu unangemesse­nen Hand­lun­gen kom­men kann, muss im Rah­men der inkludierten Gefährdungs­beurteilung indi­vidu­ell ermit­telt wer­den, ob die Tätigkeit weit­er­hin möglich ist. Hierzu ermit­telt der Betrieb­sarzt gemein­sam mit dem behan­del­nden Neu­rolo­gen und dem epilep­siekranken Mitar­beit­er die arbeitsmedi­zinis­che Schwere der Epilep­sie.

Bei ein­er Arbeit­splatzbege­hung weist die Fachkraft für Arbeitssicher­heit auf Gefährdun­gen hin und unter­bre­it­et Vorschläge, welche tech­nis­chen oder organ­isatorischen Maß­nah­men zum wirk­samen Schutz des epilep­siekranken Mitar­beit­ers ergrif­f­en wer­den soll­ten.

Medizinische Schwere bestimmen

Wie wird die arbeitsmedi­zinis­che Schwere der Epilep­sie ermit­telt? Für die Beurteilung der arbeitsmedi­zinis­chen Schwere sind die Häu­figkeit und der Ver­lauf der Anfälle von beson­der­er Bedeu­tung. Anfälle mit kurzen Aus­set­zern des Bewusst­seins ohne Sturz (Absen­cen) sind in aller Regel weniger gefährdend als Anfälle mit Bewusst­seinsver­lust und Sturz (Grand-Mal-Anfall). Und Anfälle mit erhal­tenem Bewusst­sein und ohne motorische Beein­träch­ti­gun­gen (ein­fach fokale Anfälle) sind deut­lich weniger gefährlich als solche mit unangemesse­nen Hand­lun­gen (kom­plex-fokale Anfälle). Die DGUV-Infor­ma­tion 250–001 ord­net epilep­tis­che Anfälle fünf unter­schiedlichen Gefährdungskat­e­gorien zu (O, A, B, C, D). Die arbeitsmedi­zinis­che Schwere nimmt dabei von 0 nach D zu.

Die Arbeitsplatzbegehung

Bei der Arbeit­splatzbege­hung wer­den ide­al­er­weise die Sicher­heits­beauf­tragten mit ein­be­zo­gen. Zusam­men mit dem Arbeit­ge­ber, dem Betrieb­sarzt, der Fachkraft für Arbeitssicher­heit und dem Arbeit­nehmer mit Epilep­sie soll­ten sie …

  • prüfen, ob erhöhte Gefährdun­gen am Arbeit­splatz beste­hen. Dies ist dann der Fall, wenn betrieb­s­be­d­ingte Umstände bei einem epilep­tis­chen Anfall zu erhöhter Selb­st- oder Fremdge­fährdung führen.
  • Maß­nah­men ergreifen, um anfalls­be­d­ingte Gefährdun­gen auf ein vertret­bares Maß zu reduzieren. „Vertret­bar“ ist ein Risiko, wenn anfalls­be­d­ingte Unfälle mit irre­versiblen Ver­let­zun­gen oder gar Todes­folge sehr unwahrschein­lich sind.

Der Fachkraft für Arbeitssicher­heit obliegen ganz all­ge­mein fol­gende drei Auf­gaben­bere­iche. Sie …

  • schlägt ergänzende tech­nis­che Maß­nah­men vor, die anfalls­be­d­ingte Risiken min­imieren helfen. Das kön­nen spezielle Absturzsicherun­gen sein, Abdeck­un­gen bei schnell rotieren­den, ver­let­zungsträchti­gen Teilen oder beson­dere Hil­f­s­mit­tel, so zum Beispiel der Ein­satz von Hebekrä­nen in der Pflege.
  • sorgt für die Beschaf­fung und Ein­rich­tung epilep­siespez­i­fis­ch­er Hil­f­s­mit­tel, vor allem Sturzmelder mit Ortungs­funk­tion
  • emp­fiehlt organ­isatorische Maß­nah­men, zum Beispiel den Ein­satz von Per­so­n­en mit Epilep­sie in anderen Arbeits­ge­bi­eten mit risikoar­men Tätigkeit­en

Konkrete Maß­nah­men zur Arbeitssicher­heit bei Epilep­sie zeigt die Tabelle auf Seite 35. Die inkludierte Gefährdungs­beurteilung muss schriftlich erfol­gen. Alle Vorschläge und Maß­nah­men sind eben­falls schriftlich zu doku­men­tieren.

Einschränkungen aufheben

Wann kön­nen epilep­siespez­i­fis­che Ein­schränkun­gen wieder aufge­hoben wer­den? Die DGUV-Infor­ma­tion nimmt bei sta­bil­er Anfalls­frei­heit „grund­sät­zlich keine Bedenken“ mehr an, wenn bei Tätigkeit­en mit mit­tleren Risiken eine ein­jährige Anfalls­frei­heit beste­ht. In beson­deren Fällen wird wegen erhöhter Risiken eine zwei­jährige Anfalls­frei­heit emp­fohlen, zum Beispiel in der OP-Pflege oder in der Betreu­ung von Säuglin­gen und Kleinkindern unter drei Jahren. In Hochrisikobere­ichen wird eine anfalls­freie Wartezeit über fünf Jahre emp­fohlen (hier ohne Medika­tion!). Wenn keine erhöht­en anfalls­be­d­ingten Gefährdun­gen beste­hen, kann die Tätigkeit ohne Ein­schränkun­gen fort­ge­set­zt wer­den, zum Beispiel Büroar­beit­en, leichte Ver­pack­ungstätigkeit­en oder Arbeit­en an gesicherten Maschi­nen.

Ausbildung und Berufswahl

Was ist bei Epilep­sie hin­sichtlich Aus­bil­dung und Umschu­lung zu beacht­en? Mögliche epilep­siebe­d­ingte Gefährdun­gen am Aus­bil­dungsplatz soll­ten schon bei der Beruf­swahl bedacht wer­den. Gefahr­los sind alle Berufe, bei denen das soge­nan­nte „alltägliche Gefahren­risiko“ nicht über­schrit­ten wird, hierzu gehören Bürotätigkeit­en, aber auch Tätigkeit­en mit gerin­gen Ver­let­zungsrisiken, zum Beispiel die Aus­bil­dung zum Zweirad­mechaniker mit Schw­er­punkt Fahrrad. Bei sta­bil­er, mehr als ein Jahr anhal­tender Anfalls­frei­heit kann erwogen wer­den, auch Berufe mit mit­tleren Gefährdun­gen zu ergreifen, zum Beispiel im Bere­ich Mecha­tron­iker oder Altenpflege. Berufe wie Lkw-Fahrer, Tax­i­fahrer oder Gießereimechaniker set­zen eine fün­fjährige Anfalls­frei­heit ohne Medika­mentenein­nahme voraus.

Anspruch auf Berufsbildung

Recht­fer­tigt die Epilep­sieerkrankung eine Aus­bil­dung in einem Berufs­bil­dungswerk (Erstaus­bil­dung) oder Berufs­förderungswerk (Umschu­lung)? Wenn keine Anfalls­frei­heit erre­icht wird, ist es oft schwierig, einen Aus­bil­dungsplatz zu bekom­men. Wenn neben der Epilep­sie weit­ere Erkrankun­gen und Behin­derun­gen beste­hen, ergeben sich zusät­zliche Unter­stützungs- und Förderbe­darfe. Die Stiftung ICP München bildet Men­schen mit infan­til­er Cere­bral­parese (ICP, ehe­mals Spastik) sowie anderen Kör­p­er- und Mehrfach­be­hin­derun­gen aus. Das Berufs­bil­dungswerk der Stiftung erstellt für jeden Auszu­bilden­den mit Epilep­sie eine inkludierte Gefährdungs­beurteilung, um indi­vidu­elle anfalls­be­d­ingte Gefährdun­gen auszuschließen. Beson­ders in den Bere­ichen Hauswirtschaft und Küche, in der Druck­erei und im Met­all­bere­ich kann es zu erhöht­en Gefährdun­gen kom­men.

Alternative Zweitausbildung

Ein Berufs­förderungswerk ist für die Umschu­lung für Men­schen mit beson­deren Unter­stützungs­be­dar­fen konzip­iert. Zum Beispiel kön­nen Erwach­sene eine Zweitaus­bil­dung finanziert bekom­men, wenn sie auf­grund ihrer Epilep­sieerkrankung den anges­tammten Beruf nicht mehr ausüben dür­fen.


Foto: Brodisch

Autor: Peter Brodisch

Leitung Bun­de­spro­jekt
Teil­habe – Epilep­sie – Arbeit (TEA)


Foto: Stiftung ICP München

Fallbeispiel: Arbeiten an der Drehbank

Der Ein­satz an der Drehbank gehört zu den Tätigkeit­en, die in der Gefährdungs­beurteilung in aller Regel berück­sichtigt wer­den müssen. Bei einem Anfallsereig­nis mit plöt­zlichem Sturz und Bewusst­seinsver­lust (Gefährdungskat­e­gorie „C“ laut DGUV-Infor­ma­tion 250–001) muss aus­geschlossen wer­den, dass der Mitar­beit­er mit den schnell rotieren­den und ver­let­zungsträchti­gen Werkzeu­gen in Berührung kommt.

Dies ist bei sachgerechter Nutzung der abge­bilde­ten Mas­chine der Fall: Das rotierende Werkzeug wird durch die Met­all­blende abgedeckt und der Mitar­beit­er würde bei einem Sturz zu Boden mit dem schnell rotieren­den Werkzeug nicht in Kon­takt kom­men. Bei kom­plex-fokalen Anfällen, die mit unangemesse­nen Hand­lun­gen ein­herge­hen (Gefährdungskat­e­gorie „D“ laut DGUV-Infor­ma­tion 250–001), wäre die Tätigkeit auszuschließen, da eine Ver­let­zung wahrschein­lich wäre.

Wichtig: Nach ein­jähriger Anfalls­frei­heit bestün­den für die Nutzung der Drehbank „grund­sät­zlich keine Bedenken“ (Gefährdungskat­e­gorie „O“ laut DGUV-Infor­ma­tion 250–001).


Häufige Fragen und Antworten

Welche Hilfen sind bei einem Anfall richtig?

Den Anfall beobacht­en und die Anfalls­dauer erfassen. Bei einem Sturzan­fall den Kopf schützen und weich lagern. Nach Abklin­gen der Krämpfe die Per­son in die sta­bile Seit­en­lage brin­gen. Bei der Per­son bleiben, bis diese wieder voll ori­en­tiert ist.

Wann sollte ein Notarzt gerufen werden?

Der Notarzt (Tele­fon 112) sollte ver­ständigt wer­den, wenn …

… der Kramp­fan­fall länger als drei Minuten dauert

… der Betrof­fene sich ver­let­zt hat

… es sich um den ersten Anfall han­delt

Müssen Fahr- und Steuertätigkeiten bei Epilepsie eingeschränkt werden?

Die Fahrtauglichkeit bei Epilep­sien regeln in erster Lin­ie die Fahrerlaub­nisverord­nung (FeV). Nach einem Jahr Anfalls­frei­heit unter Medika­tion kön­nen in der Regel Fahrzeuge der Gruppe 1 genutzt wer­den (zum Beispiel PKW). Fahrzeuge der Gruppe 2 (Lkw, Per­so­n­en­be­förderung) erfordern eine fün­fjährige Anfalls­frei­heit ohne Medika­tion. Mit­gänger­flur­förderzeuge dür­fen bei Anfällen der Gefährdungskat­e­gorien 0 (Auren), A (Myok­lonien) und C (Sturzan­fälle) genutzt wer­den, wenn die Arbeit­sumge­bung keine hohen Gefahren birgt.

Wann sind bei Epilepsie Arbeiten mit erhöhter Absturzgefahr erlaubt?

Wenn eine anerkan­nte Absturzsicherung möglich ist, zum Beispiel Gelän­der, Fahrkörbe, Sicher­heits­gurte.

Bei Bedarf ist Alleinar­beit auszuschließen. Nach zwei­jähriger Anfall­frei­heit sind Arbeit­en in Höhen bis drei Metern möglich (Leit­ern).

Bei fün­fjähriger Anfalls­frei­heit ohne Medika­tion wären auch Arbeit­en über fünf Metern zuläs­sig.

Dürfen Epilepsiekranke Nachtschicht machen?

Schlafentzug kann epilep­tis­che Anfälle begün­sti­gen. Ein neu­rol­o­gis­ches Attest sollte darüber informieren, ob Schlafentzug beim betrof­fe­nen Mitar­beit­er ein wahrschein­lich­er Anfall­saus­lös­er ist. Aber: Bei vie­len Epilep­siekranken löst Schlafentzug keine Anfälle aus.

Löst Flackerlicht Anfälle aus?

Nur wenige epilep­siekranke Men­schen sind foto­sen­si­bel. Mod­erne Bild­schir­mar­beit­splätze haben eine hohe Bild­wieder­hol­ungs­fre­quenz und lösen daher keine Anfälle aus.

Ist ein epileptischer Anfall ein Arbeitsunfall?

Ein epilep­tis­ch­er Anfall ist ein Ereig­nis aus inner­er Ursache. Wenn keine betrieb­s­be­d­ingten Umstände wesentlich zu den Unfall­fol­gen beige­tra­gen haben, dann liegt auch kein Arbeit­sun­fall vor. Beispiel: Platzwunde auf­grund eines Sturzan­falls auf den Fuß­bo­den.

Haftet der Arbeitgeber bei anfallsbedingten Verletzungen am Arbeitsplatz?

Der Arbeit­ge­ber haftet nur dann, wenn grobe Fahrläs­sigkeit oder gar Vor­satz zu einem epilep­siebe­d­ingten Unfall an einem Arbeit­splatz mit betrieb­s­be­d­ingt erhöht­en Risiken führen.

Er ist nicht haft­bar zu machen, wenn der Arbeit­ge­ber bei bekan­nter Epilep­sie präven­tiv geeignete Maß­nah­men ergreift, die bei Tätigkeit­en mit erhöht­en Gefährdun­gen den Mitar­bei­t­en­den vor anfalls­be­d­ingten Ver­let­zun­gen schützen. Die inkludierte Gefährdungs­beurteilung stellt genau dies sich­er.


Kostenlose Beratung und Unterstützung

Das Bun­de­spro­jekt zur beru­flichen Teil­habe bei Epilep­sie (TEA) bietet unter der Rufnum­mer 089 540 497 700 eine kosten­freie Beratung. Arbeit­nehmer mit Epilep­sie, deren Arbeit­ge­ber und beteiligte Experten kön­nen TEA bei auftre­tenden Fra­gen kon­sul­tieren.

Das Team von TEA wirkt bei Bedarf auch bei Arbeit­splatzbege­hun­gen mit – und zwar bun­desweit. Die Leis­tun­gen finanzieren das Bun­desmin­is­teri­um für Arbeit und Soziales und die Innere Mis­sion München.

www.epilepsie-arbeit.de

Anzeige
Gewinnspiel

Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abon­nieren

Meistgelesen

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 10
Ausgabe
10.2020
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 10
Ausgabe
10.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de