Fit für den Job: Erkrankungen vermeiden – Gesundheit fördern. Top-Thema Corporate Health auf der A+A -
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Top-Thema Corporate Health auf der A+A

Fit für den Job: Erkran­kun­gen vermei­den – Gesund­heit fördern

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Mitar­bei­ter, die lange für den Job fit blei­ben und nicht Gefahr laufen, eine Berufs­krank­heit zu entwi­ckeln – das ist das Ziel der Viel­zahl von Präven­ti­ons­an­ge­bo­ten.

Bruno Zwing­mann, Geschäfts­füh­rer der Bundes­ar­beits­ge­mein­schaft für Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit (Basi), sagt: „Der Arbeits­schutz wird vor allem im Zusam­men­hang mit dem neuen Digi­ta­li­sie­rungs­schub disku­tiert.“ Die Basi ist die Veran­stal­te­rin des Kongres­ses auf der A+A. Dort werden die Fehl­tage erkrank­ter oder durch Unfälle beein­träch­tig­ter Arbeit­neh­mer unter wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten betrach­tet. Denn die Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) hat fest­ge­stellt, dass sich aus der durch­schnitt­li­chen Arbeits­un­fä­hig­keit von 15,2 Tagen je Arbeit­neh­me­rin und Arbeit­neh­mer im Jahr 2015 insge­samt 587,4 Millio­nen Arbeits­un­fä­hig­keits­tage erge­ben. So entste­hen laut BAuA Produk­ti­ons­aus­fälle von insge­samt 64 Milli­ar­den Euro bzw. ein Ausfall an Brut­to­wert­schöp­fung von 113 Milli­ar­den Euro. Dage­gen kann eine gesund­heits­för­dernde Unter­neh­mens­kul­tur viel ausrich­ten – das ist die Über­zeu­gung von Profes­sor Bern­hard Zimo­long, Ehren­vor­stand im Fach­ver­band Psycho­lo­gie für Arbeits­si­cher­heit und Gesund­heit (PASiG).

Präven­ti­ons­kul­tur – wenn Führungs­kräfte umden­ken

Eine solche Präven­ti­ons­kul­tur entsteht mit Unter­stüt­zung der Führungs­kräfte in den Köpfen der Mitar­bei­ter. Sie lässt sich in jeder Bran­che unab­hän­gig von der Tech­nik reali­sie­ren“, sagt Profes­sor Zimo­long. Eine gute Stra­te­gie zur Vermei­dung von Unfäl­len, die gemein­sam mit den Führungs­kräf­ten entwi­ckelt werden muss, habe nicht in erster Linie im Blick, wer am Gesche­hen die Schuld trage. „Statt­des­sen geht es darum, welche Lehren sich aus einem Unfall ziehen lassen. Es wird hinter­fragt, wie die Arbeits­ab­läufe ausse­hen, ob sich die Führungs­kräfte genü­gend einge­setzt haben und ob Regeln verletzt wurden. Gemein­sam mit den Mitar­bei­tern über­legt man, wie derar­tige Situa­tio­nen künf­tig ausge­schlos­sen werden können“, erklärt Profes­sor Zimo­long. Dieses Umden­ken in Rich­tung einer posi­ti­ven Fehler­kul­tur ist nach seiner Über­zeu­gung ein entschei­den­der Schritt. „Diese Kultur kann sich jedoch nur entwi­ckeln, wenn das Manage­ment dahin­ter steht.“

Eine verän­derte Einstel­lung gegen­über dem Thema Gesund­heit inner­halb des Betriebs kann dazu beitra­gen, wirk­sam etwas gegen Rücken­schmer­zen oder Stress-Probleme von Mitar­bei­tern zu unter­neh­men: „Auch heute noch wird die Gesund­heit als Privat­sa­che ange­se­hen. Dass aber Rücken­schmer­zen, die ein häufi­ger Grund für Krank­mel­dun­gen sind, durch Verän­de­rung von Arbeits­ab­läu­fen, Führungs- und Gesund­heits­ak­ti­vi­tä­ten der Mitar­bei­ter posi­tiv beein­flusst werden können, ist inzwi­schen durch Unter­su­chun­gen belegt worden.“ Das Ziel, durch Präven­tion von Rücken­schmer­zen weni­ger Krank­mel­dun­gen zu errei­chen, haben die Mitar­bei­ter von neun Finanz­äm­tern inner­halb von zwei Jahren erreicht. Das hat das Verbund­vor­ha­ben „Inte­grierte Netzwerk-, Organisations- und Perso­nal­ent­wick­lung (INOPE)“, das von PASiG beglei­tet wurde, gezeigt. Profes­sor Zimo­long: „Ein Faktor dabei war, dass die Finanz­äm­ter die Arbeit in Zusam­men­ar­beit mit den Mitar­bei­tern anders orga­ni­siert haben.“ Beispiels­weise wurde Rota­ti­ons­ar­bei­ten für beson­ders anstren­gende Bürger­sprech­stun­den einge­führt oder es wurden größere Entschei­dungs­spiel­räume für die routi­ne­mä­ßi­gen Bear­bei­tun­gen gewährt. In jedem Fall sind laut Profes­sor Zimo­long viele der Mitar­bei­ter selbst für ihre Gesund­heit aktiv gewor­den. Für Unter­neh­men und Führungs­kräfte, die ihre Präven­ti­ons­kul­tur festi­gen oder verbes­sern wollen, bietet der Kongress zur dies­jäh­ri­gen A+A Semi­nare rund um Präven­tion 4.0. Unab­hän­gig der Messel­auf­zeit gehö­ren Schu­lun­gen und Bera­tun­gen zum Leis­tungs­port­fo­lio der Mitglie­der von PASiG.

Psycho­so­ma­ti­sche Sprech­stunde – damit Stress nicht krank macht

Lange wurde in der Arbeits­welt die Frage vernach­läs­sigt, wie viele Mitar­bei­ter am Arbeits­platz unter Stress, Ängs­ten, Depres­sio­nen und ande­ren psychi­schen Proble­men leiden. „Man schätzt, dass inner­halb eines Jahres fast jeder dritte Erwach­sene in Deutsch­land unter psychi­schen Proble­men leidet. Diese zeigen sich sehr unter­schied­lich – schließ­lich fühlt sich jeder ab und zu gestresst, nieder­ge­schla­gen oder verun­si­chert. Je früher aber die Warn­si­gnale des Körpers und der Seele wie z.B. Rücken- oder Bauch­schmer­zen, Schlaf­stö­run­gen oder Erschöp­fungs­zu­stände wahr- und ernst­ge­nom­men werden, desto güns­ti­ger sind die Thera­pie­mög­lich­kei­ten und damit die Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit der Mitar­bei­ter und Führungs­kräfte“, sagt Hilde Lindlohr, Arbeits- und Allge­mein­me­di­zi­ne­rin, Betriebs­ärz­tin der Unikli­nik Köln mit Weiter­bil­dun­gen u. a. in Psycho­the­ra­pie und syste­mi­scher Thera­pie und Bera­tung.

Seit fünf Jahren bietet sie im Betriebs­ärzt­li­chen Dienst eine psycho­so­ma­ti­sche Sprech­stunde an und hat gute Erfah­run­gen gemacht: „Dieses nieder­schwel­lige Vor-Ort-Angebot wird gut ange­nom­men. Die Bera­tun­gen sind immer indi­vi­du­ell und lösungs­ori­en­tiert – was bedeu­tet, man muss sich Zeit für den Menschen nehmen und sich auf ihn einstel­len.“ Zuwei­len reichen ein bis zwei Gesprä­che von 50 Minu­ten aus, doch wenn die Proble­ma­tik komplex ist oder eine längere Thera­pie erfor­dert, fungiert Betriebs­ärz­tin Lindlohr als Lotsin und vermit­telt den Ratsu­chen­den Kontakte zu Kolle­gen inner­halb ihres Therapeuten-Netzwerks. „Auch ein zeit­wei­li­ger statio­nä­rer Klinik­auf­ent­halt kann je nach der persön­li­chen Situa­tion hilf­reich sein“, sagt Hilde Lindlohr und fasst zusam­men: „Eine psycho­so­ma­ti­sche Sprech­stunde im Betrieb ist sehr sinn­voll und sollte von möglichst vielen Betriebs­ärz­ten mit entspre­chen­der Weiter­bil­dung ange­bo­ten werden, unter ande­rem da Betriebs­ärzte aufgrund ihrer Arbeits­platz­kennt­nisse sehr ziel­ge­rich­tet bei arbeits­be­zo­ge­nen Proble­men bera­ten können.“

DGUV: Vorsorge hört nach dem Berufs­le­ben nicht auf

Selbst wenn es viele schaf­fen, fit und ohne Beschwer­den an ihrem Arbeits­platz tätig zu sein, heißt dies nicht in jedem Fall, dass man keine Berufs­krank­heit erlei­det. „Arbeits­be­dingte Erkran­kun­gen und Berufs­krank­hei­ten treten manch­mal erst einige Zeit nach Belas­tungs­be­ginn und in eini­gen Fällen lange nach dem Beschäf­ti­gungs­ende auf“, sagt Dr. Matthias Kluckert, Leiter des Kompe­tenz Center Arbeits­me­di­zin von der Berufs­ge­nos­sen­schaft Rohstoffe und chemi­sche Indus­trie sowie Vorsit­zen­der des Ausschus­ses Arbeits­me­di­zin der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (AAMED-GUV). Aus diesem Grund muss nach seinen Worten am Ende bestimm­ter Tätig­kei­ten eine arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsorge im Sinne einer soge­nann­ten „nach­ge­hen­den Vorsorge“ ange­bo­ten werden.

Arbeit­ge­ber über­tra­gen die Verpflich­tung eines solchen Ange­bots seit eini­gen Jahren in der Regel auf die Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger. Diese bieten die nach­ge­hende Vorsorge dann über Dienste an, die diese dann orga­ni­sie­ren. Der Orga­ni­sa­ti­ons­dienst für nach­ge­hende Unter­su­chun­gen (ODIN, odin-info.de) oder der Gesund­heits­vor­sorge (GVS, gvs.bgetem.de) sind die größ­ten und bekann­tes­ten dieser Dienste. Dr. Kluckert: „Bei der nach­ge­hen­den Vorsorge steht nicht mehr die Bera­tung im Vorder­grund wie bei der arbeits­me­di­zi­ni­schen Vorsorge im Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis – zum Beispiel dahin­ge­hend, dass beim Umgang mit Benzol bestimmte Hand­schuhe getra­gen werden müssen. Wir müssen statt­des­sen viel­mehr möglichst früh fest­stel­len, ob sich als Folge des Umgangs mit krebs­er­zeu­gen­den Substan­zen beispiels­weise ein Tumor entwi­ckelt. Wird dieser früh­zei­tig entdeckt, kann er oft besser behan­delt werden.“ Auf der A+A 2017 wird das umfas­sende Ange­bot der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung zur nach­ge­hen­den Vorsorge vorge­stellt und die Entste­hung eines Vorsor­ge­por­tals disku­tiert, das die Infor­ma­tio­nen sowie die Zugänge zu verschie­de­nen Orga­ni­sa­tio­nen und Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten bündeln wird. „Es wird DGUV Vorsorge heißen – ein Portal, das es Arbeit­ge­bern erleich­tert, ihre Verpflich­tung, nach­ge­hende Vorsorge anbie­ten zu müssen, auf die Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger zu über­tra­gen“, erläu­tert Matthias Kluckert.


Nata­scha

Plan­ker­mann, Jour­na­lis­tin und

Auto­rin für Gesundheits-, Bildungs- und Wissen­schafts­the­men, Düssel­dorf

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