Für den Wandel in den Betrieben sind die Sibes besonders wichtig. DGUV-Präventionskampagne kommmitmensch -
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DGUV-Präventionskampagne kommmitmensch

Für den Wandel in den Betrie­ben sind die Sibes beson­ders wich­tig

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Reine Lippen­be­kennt­nisse sind nicht genug: Mit ihrer Kampa­gne komm­mit­mensch ermu­ti­gen die Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) und die Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger zum Aufbau einer nach­hal­ti­gen und ganz­heit­li­chen Präven­ti­ons­kul­tur. Dabei sehen sie die Sicher­heits­be­auf­trag­ten als wich­tige Schalt­stel­len zwischen Unter­neh­mens­füh­rung und Mitar­bei­tern. Über die Ziele und Hinter­gründe der Kampa­gne spra­chen wir mit Dr. Walter Eichen­dorf, dem stell­ver­tre­ten­den Haupt­ge­schäfts­füh­rer der DGUV.

Das Inter­view führte Dr. Joerg Hensiek

Herr Dr. Eichen­dorf, vor dem Start der Kampagnen‐Konzeption haben Sie Unter­neh­men und deren Beschäf­tigte sowie Mitar­bei­ter von Bildungs­trä­gern und Studie­rende nach dem Stel­len­wert von Präven­tion in ihren Betrie­ben und Einrich­tun­gen befragt. Was waren die Ergeb­nisse?

Aus den Befra­gun­gen in 2014 und 2017 konn­ten wir zwei ganz zentrale Erkennt­nisse für die Kampa­gne gewin­nen. Erstens: Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit schät­zen sowohl Unter­neh­mens­lei­tun­gen als auch Beschäf­tigte als sehr wich­tig ein. Dennoch gibt es in der Wahr­neh­mung große Unter­schiede. Auf die Frage, wie wich­tig Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit für das Unter­neh­men sind, antwor­te­ten 96 Prozent der Unter­neh­mens­lei­tun­gen mit „sehr wich­tig“ oder „eher wich­tig“. Auch die Beschäf­tig­ten finden das Thema wich­tig. Aber: Sie bewer­ten die Kultur in ihren Betrie­ben wesent­lich kriti­scher und wünschen sich von ihren Vorge­setz­ten mehr Aufmerk­sam­keit für siche­res und gesun­des Arbei­ten – insbe­son­dere was betrieb­li­che Ange­bote und Infor­ma­tio­nen in diesem Bereich betrifft. Wo Beschäf­tigte und Leitung das Niveau der bestehen­den Kultur der Präven­tion so unter­schied­lich beur­tei­len, besteht offen­sicht­lich Hand­lungs­be­darf.

Die zweite wich­tige Erkennt­nis betrifft die klei­ne­ren und mitt­le­ren Unter­neh­men. Sie schnit­ten in puncto inner­be­trieb­li­che Kommu­ni­ka­tion, Betei­li­gung, Betriebs­klima, Fehler­kul­tur, Führung sowie Sicher­heit und Gesund­heit schlech­ter ab als große Unter­neh­men. Dies spie­gelt sich auch in der Unfall­quote wider, die in KMU vergleichs­weise höher ist als in großen Unter­neh­men. Auch hier kann die Kampa­gne unter­stüt­zen.

Was sind für Sie die wich­tigs­ten Elemente und Ziele der allge­mei­nen Dach‐ als auch der Kampa­gnen der einzel­nen Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten?

Die Dach­kam­pa­gne soll zunächst die Aufmerk­sam­keit für das Thema wecken und auf die Träger­kam­pa­gnen der einzel­nen Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten und Unfall­kas­sen vorbe­rei­ten. Sie kommu­ni­ziert die Botschaf­ten der sechs Hand­lungs­fel­der. Mit gemein­sa­men Kommu­ni­ka­ti­ons­maß­nah­men wird für ein media­les Grund­rau­schen gesorgt. Seit März 2018 star­ten dann nach und nach die Träger­kam­pa­gnen der Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten und Unfall­kas­sen. Der Trans­fer der sechs Hand­lungs­fel­der in die Praxis der Betriebe und Einrich­tun­gen wird über deren branchen‐ und ziel­grup­pen­spe­zi­fisch ausge­legte Kampa­gnen statt­fin­den. Sie allein sind in der Lage auf die konkre­ten Gege­ben­hei­ten der bei ihnen versi­cher­ten Unter­neh­men und öffent­li­chen Einrich­tun­gen einzu­ge­hen. Jeder Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger, jede Präven­ti­ons­fach­kraft, alle betrieb­li­chen Akteu­rin­nen und Akteure können dann die unter­schied­li­chen Kommu­ni­ka­ti­ons­an­ge­bote und Werk­zeuge der Dach­kam­pa­gne unver­än­dert aufgrei­fen und einset­zen. Abhän­gig von ihrem indi­vi­du­el­len Bedarf werden die Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger aber auch eigene thema­ti­sche Schwer­punkte setzen.

Die Lauf­zeit der Kampa­gne beträgt rund zehn Jahre. Was sind die Gründe für die lange Lauf­zeit?

Zehn Jahre klingt zunächst nach einer langen Zeit. Und auch für uns ist eine solch groß ange­legte Kampa­gne ein Novum. Aber das, was wir errei­chen wollen – eine Kultur der Präven­tion – braucht einen langen Atem. Die Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten und Unfall­kas­sen haben gemein­sam mit den Unter­neh­men bereits viel erreicht. Die Zahl der tödli­chen Arbeits­un­fälle ist in den vergan­ge­nen Jahr­zehn­ten stark zurück­ge­gan­gen, inzwi­schen auf deut­lich unter 500 im Jahr. Das ist zunächst mal ein Erfolg. Das bedeu­tet aber auch: Jeder Unfall wird immer stär­ker ein isolier­tes Ereig­nis, aus dem wir kaum noch etwas lernen können. Deshalb müssen wir es schaf­fen, dass alle Betriebe, alle Schu­len, alle öffent­li­chen Einrich­tun­gen, alle Menschen die Präven­tion zu ihrem 24/7‐Thema machen, rund um die Uhr zum stän­di­gen Beglei­ter sozu­sa­gen. So ein Werte­wan­del braucht eben Zeit.

Wurden bereits spezi­fi­sche Mate­ria­lien und Maßnah­men für die Unter­neh­men entwi­ckelt?

Bisher stehen eine Reihe von Hand­lungs­hil­fen zur Verfü­gung, mit deren Hilfe die Themen in Betrie­ben und Einrich­tun­gen veror­tet werden können. Die Broschüre „Selbst­ver­ständ­lich sicher und gesund“ rich­tet sich zum Beispiel spezi­ell an Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer sowie Führungs­kräfte. Die Check­lis­ten, Diskus­si­ons­an­re­gun­gen und Arbeits­ma­te­ria­lien sollen sie dazu moti­vie­ren, Schritt für Schritt aktiv zu werden. Ein weite­res wich­ti­ges und sehr gefrag­tes Tool sind unsere kommmitmensch‐Dialoge. Sie helfen Präven­ti­ons­fach­kräf­ten und Betrie­ben dabei, Führungs­kräfte und Beschäf­tigte anzu­lei­ten, ihren Umgang mit Sicher­heit und Gesund­heit – auch in spie­le­ri­scher Weise – zu unter­su­chen und Verän­de­rungs­an­sätze zu erar­bei­ten. Zusätz­lich werden ziel­grup­pen­spe­zi­fi­sche Hand­lungs­hil­fen zu den einzel­nen Hand­lungs­fel­dern entwi­ckelt. Natür­lich wird die Kampa­gne mit ihren Hand­lungs­fel­dern auch Teil der zukünf­ti­gen Quali­fi­ka­tion sein. Unser Insti­tut für Arbeit und Gesund­heit der DGUV in Dres­den hat Semi­nare bereit­ge­stellt, die auf Kultur­the­men zielen. Und es gibt Fort­bil­dun­gen, die spezi­ell für die Kampa­gne schu­len, mit deren Botschaf­ten und Werk­zeu­gen vertraut machen.

Sicher­heits­be­auf­tragte sind Kolle­gin­nen und Kolle­gen direkt „vor Ort“, an der Schnitt­stelle von Orga­ni­sa­tion, Arbeit und Sicherheit/Gesundheit. Daher sind sie insbe­son­dere für die Hand­lungs­fel­der „Fehler­kul­tur“ (aus Fehlern lernen) und „Betei­li­gung aller Mitar­bei­ter“ wich­tig. Wie sehen Sie die Rolle der Sibe in Hinblick auf Ihre Kampa­gnen­ziele?

Sicher­heit und Gesund­heit als grund­le­gen­den Wert allen Handelns zu etablie­ren, kann nur gelin­gen, wenn Mitar­bei­ter und Mitar­bei­te­rin­nen aktiv an diesem Prozess betei­ligt werden. Sicher­heits­be­auf­tragte nehmen da eine ganz wich­tige Funk­tion ein. Als Kolle­gen unter Kolle­gen kennen sie die Arbeits­si­tua­tion vor Ort und können auf Unfall‐ und Gesund­heits­ge­fah­ren hinwei­sen. Sie sind sensi­bel dem Thema Sicher­heit und Gesund­heit zuge­wandt. Somit tragen sie dazu bei, dass Risi­ken für Sicher­heit und Gesund­heit vermie­den werden. Gerade durch Sicher­heits­be­auf­tragte werden Beina­he­un­fälle bekannt. So kann im Rahmen der betrieb­li­chen Präven­tion diesen Gefähr­dun­gen entge­gen­ge­wirkt werden.

Müsste sich die Rolle der Sicher­heits­be­auf­trag­ten im Zuge der Entwick­lung einer Präven­ti­ons­kul­tur noch in irgend­ei­ner Form verän­dern?

Sicher­heits­be­auf­tragte haben eine wich­tige Kommunikations‐ und Mitt­ler­funk­tion. Es wäre durch­aus im Sinne einer Präven­ti­ons­kul­tur, ihre Rolle im Betrieb noch weiter auszu­bauen und Sicher­heits­be­auf­tragte auch zu Ansprech­part­nern in Sachen Gesund­heit am Arbeits­platz zu machen. Denn auch hier können sie auf Neuig­kei­ten und Probleme aufmerk­sam machen. Genau diese klei­nen Schritte sind es nämlich, die dazu beitra­gen, eine Kultur der Präven­tion im Unter­neh­men zu leben.

Wir danken für das Gespräch!


Das, was wir errei­chen wollen, braucht einen langen Atem“


Wir müssen Präven­tion zum 24/7‐Thema

machen“

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