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Gemeinsam zu einer Kultur der Prävention

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Gemeinsam zu einer Kultur der Prävention

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kom­m­mit­men­sch – so heißt die neue Präven­tion­skam­pagne von Beruf­sgenossen­schaften, Unfal­lka­ssen und ihrem Spitzen­ver­band DGUV. Sie lädt dazu ein, Präven­tion ganzheitlich zu denken und Schritt für Schritt eine Kul­tur der Präven­tion im Betrieb aufzubauen.

Gre­gor Doep­ke, DGUV — Leit­er Kommunikation

Bei vie­len Unternehmen bedeutet Chef-Sein immer noch: Auf­gaben zuteilen und dann das Ganze hier­ar­chisch überwachen. Mit den Beschäftigten über Prob­leme oder ihren All­t­ag zu reden, ste­ht bei den meis­ten Vorge­set­zten nicht auf der Tage­sor­d­nung. Ganz anders sieht das bei der Rosen­hagen Met­all­bau GmbH aus. „Wir zählen sog­ar darauf, dass sich unsere Beschäftigten beteili­gen“, sagt Bian­ca Rosen­hagen. „Es ist wichtig für uns zu erfahren, wo sie Prob­leme sehen, sodass wir miteinan­der unseren Betrieb verbessern können.“

Das hat nicht immer so gut funk­tion­iert wie heute: Trotz Pin­nwand, Hal­b­jahres­ge­sprächen und Briefkas­ten für anonyme Beschw­er­den beka­men Bian­ca Rosen­hagen und ihr Mann lange kaum Rück­mel­dun­gen. „Die Jungs sind eben nicht Handw­erk­er gewor­den, um Zettel zu schreiben“, meint Rosen­hagen. Deshalb führte das Ehep­aar vor anderthalb Jahren einen Mor­genkreis ein, zu dem alle Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er zusam­menkom­men. „Auch hier hat es ein Dreiviertel­jahr gedauert, bis über­haupt mal jemand etwas gesagt hat“, erzählt die Unternehmerin. „Aber wir sind am Ball geblieben und heute find­et täglich ein span­nen­der Aus­tausch statt.“

Regelmäßiger Austausch

Die Idee für den Mor­genkreis stammt aus ein­er Fort­bil­dung der Beruf­sgenossen­schaft. Noch vor Schicht­be­ginn bericht­en die Beschäftigten, mit wem sie auf Mon­tage fahren, wer noch Muskelkater von gestern hat, und was beim let­zten Ein­satz schiefge­laufen ist. „Es ist nicht schlimm, wenn mal ein falsches Loch gebohrt wird“, sagt Rosen­hagen. „Wir zeigen Fehler, um gemein­sam zu prüfen, was passiert ist und warum.“ Ärg­er kriegt im Mor­genkreis kein­er. Es geht vielmehr um eine gesunde Fehlerkultur.

Die Beteili­gung der Beschäftigten, gesunde Fehlerkul­tur und gesunde Führung, das sind wichtige Bausteine ein­er Kul­tur der Präven­tion. Bian­ca Rosen­hagen zeigt am Beispiel ihres Betriebes, wie sie täglich gelebt wer­den kann – ganz im Sinne der neuen kom­m­mit­men­sch Kam­pagne von Beruf­sgenossen­schaften und Unfallkassen.

Prävention grundsätzlich denken

Warum über­haupt ein so kom­plex­es The­ma wie die Präven­tion­skul­tur? Monothe­ma­tis­che Präven­tion­skam­pag­nen wie zulet­zt „Denk an mich. Dein Rück­en“ haben zwar eine pos­i­tive Wirkung ent­fal­tet. Aber wer sowohl Arbeits- und Wege­un­fälle als auch berufs­be­d­ingte Erkrankun­gen zukün­ftig gemäß der Vision Zero ver­mei­den will, muss Präven­tion noch grund­sät­zlich­er denken. Und ganzheitlich han­deln. Deshalb gibt es die branchenüber­greifende und auf bis zu zehn Jahre aus­gelegte Kam­pagne kommmitmensch.

Auch wenn das Unfall­risiko in den Betrieben und öffentlichen Ein­rich­tun­gen ständig gesunken ist, hat sich dieser Trend in den let­zten Jahren deut­lich abgeschwächt. Ein „Weit­er so“ reicht also nicht mehr aus. Wie die zukün­ftige Arbeitswelt ausse­hen wird, hängt sehr stark davon ab, wie wertvoll unser­er Gesellschaft und jedem einzel­nen Men­schen im Pri­vat- und Arbeit­sleben die Ressourcen Sicher­heit und Gesund­heit sind.

Handlungsfelder entdecken

Um „Kul­tur der Präven­tion“ auf betrieblich­er Ebene erfass­bar zu machen, wurde das The­ma in sechs Hand­lungs­felder gegliedert: Führung, Kom­mu­nika­tion, Beteili­gung, Fehlerkul­tur, Betrieb­skli­ma, Sicher­heit und Gesund­heit. Es gibt sie in allen Betrieben und öffentlichen Ein­rich­tun­gen – egal welch­er Größe oder Branche – und sie prä­gen dort die Kul­tur der Präven­tion. Damit tre­f­fen die Hand­lungs­felder pass­ge­nau auf die betriebliche Realität.

kom­m­mit­men­sch unter­stützt Unternehmen und Beschäftigte dabei, die zen­tralen Hand­lungs­felder in ihrem Betrieb zu ent­deck­en und dort anzuset­zen. Es geht darum, den Wert von Sicher­heit und Gesund­heit im eige­nen Hand­lungsrah­men zu ver­ankern. Diese Idee drückt der Slo­gan aus: kom­m­mit­men­sch – SICHER. GESUND. MITEINANDER. Um dies zu erre­ichen, wer­den Dialo­gele­mente und Hand­lung­shil­fen ange­boten, die All­t­agssi­t­u­a­tio­nen auf­greifen und die Men­schen dort abholen, wo sie konkret mit Sicher­heit und Gesund­heit zu tun haben. kom­m­mit­men­sch erfind­et die Präven­tion nicht neu. Vielmehr geht es darum, die beste­hen­den Ange­bote der Präven­tion an entschei­den­den Stellen zu ergänzen und zu erweit­ern. Der Trans­fer der sechs Hand­lungs­felder in die Prax­is der Betriebe und Ein­rich­tun­gen wird daher über die branchen-und ziel­grup­pen­spez­i­fisch aus­gelegten Kam­pag­nen der einzel­nen Unfal­lver­sicherungsträger stattfinden.

Mehrwert für Unternehmen

Trägt die Kam­pagne Früchte, wer­den die Betriebe und Ein­rich­tun­gen durch gerin­gere Aus­fal­lzeit­en und Unfal­lzahlen sowie den Zugewinn an Qual­ität prof­i­tieren. Auch liegt das Kosten-Nutzen-Ver­hält­nis von Investi­tio­nen in die betriebliche Präven­tion­sar­beit in Deutsch­land nach Forschun­gen der Jus­tus-Liebig-Uni­ver­sität Gießen bei 1,6. Das bedeutet: Für 100 Euro, die ein Unternehmen in Gesund­heit und Sicher­heit investiert, kön­nen langfristig 160 Euro Ertrag ver­bucht wer­den. Angesichts des Fachkräfte­man­gels ist zudem rel­e­vant, dass Unternehmen, die sichere und gesunde Arbeit­splätze bieten, attrak­tiv­er sind als Unternehmen, die dies erkennbar nicht tun. Dieser Aspekt find­et nach den Befra­gun­gen im Vor­feld der Kam­pagne bis­lang zu wenig Beach­tung bei Führungskräften und Unternehmern.

Foto: © DGUV

Die sechs Handlungsfelder der Präventionskultur

Die Arbeit in den sechs Hand­lungs­feldern trägt dazu bei, dass Sicher­heit und Gesund­heit für Führungskräfte und Beschäftigte in Betrieben, öffentlichen Ein­rich­tun­gen und Bil­dung­sein­rich­tun­gen selb­stver­ständlich werden:

  • Führung

Führungskräfte sind Vor­bilder und machen Sicher­heit und Gesund­heit zu zen­tralen The­men im Betrieb.

  • Kom­mu­nika­tion

Reden ist das A und O – damit alle im Unternehmen sich­er und gesund arbeit­en können.

  • Beteili­gung

Wer das Wis­sen aller im Betrieb nutzt, han­delt sicher­er, gesün­der und erfolgreicher.

  • Fehlerkul­tur

Wer Fehler offen anspricht, kann daraus ler­nen und Unfall­risiken vermeiden.

  • Betrieb­skli­ma

Ein gutes Betrieb­skli­ma entste­ht durch gegen­seit­ige Wertschätzung, Respekt und Vertrauen.

  • Sicher­heit und Gesundheit

Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäftigten wer­den bei allen Entschei­dun­gen mitgedacht.

www.kommmitmensch.de; www.facebook.com/UKundBG/; www.instagram.com/ukundbg/

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